,,Die Deutsche Frage bleibt bestehen!" war oftmals die Schlagzeile nach Kongressen der Vertriebenenverbände. Seit der Deutschen Einheit 1990 klingen die Forderungen und Slogans zwar etwas milder, der Grundtenor aber bleibt.
,,Die Deutsche Frage ist beantwortet!" war am 3. Oktober 1990 der Ausruf derer, die im Nachkriegsdeutschland geboren sind, keinen Bezug zu Schlesien oder Ostpreußen haben und somit die Deutsche Frage immer nur auf die Einheit von Bundesrepublik und DDR bezogen hatten.
Im Zuge der Wiedervereinigung kamen Tausende ehemaliger Westbürger nach Brandenburg und Sachsen, nach Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen, nach Sachsen-Anhalt und in den ehemaligen Ostteil Berlins und forderten Grundbesitz und Immobilien zurück, die ihnen oder ihren Vorfahren im Zuge der Verstaatlichung allen Besitzes in der DDR enteignet worden waren - der Einigungsvertrag sah es so vor. Dass viele von ihnen die SBZ bzw. die DDR aus mehr oder weniger freien Stücken verlassen hatten und jetzt trotzdem Rückforderungen stellten, säte mancherorts böses Blut.
Deutsche, die 1945 vor der Roten Armee flüchteten, oder während der Umsiedelung vertrieben wurden, können auch heute noch nicht ihre gezwungenermaßen aufgegebenen Häuser und Höfe, die jetzt in Polen oder Russland liegen, zurück fordern oder dafür Entschädigung verlangen. Auch das sieht der dem Einigungsvertrag zu Grunde liegende 2+4-Vertrag so vor. Und auch das sät bei vielen Vertriebenen natürlich böses Blut.
Wie kam es überhaupt dazu, unter Wiedervereinigung lediglich die Einigung von Bundesrepublik (alt) und DDR ohne ehemalige Ostgebiete zu verstehen? War dies nicht doch nur eine Teileinigung - vom Staat durch Verzichtserklärungen erkauft? Oder sollte jeder einzelne heute im Zeitalter von EU- und NATO-Öffnung nach Osten und im Bewusstsein, dass unter deutscher Herrschaft gerade Osteuropa brutal gelitten hat, für sich den status quo im Interesse des Friedens endlich anerkennen - auch wenn die Eltern aus Königsberg stammen?
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Die Deutsche Frage im Lauf der Geschichte
2.1 Der Wandel der deutschen Außengrenzen
2.2 1918: Gebietsverluste mit Folgen
2.3 Erste Pläne für ein Nachkriegsdeutschland und Besatzung
2.4 Der administrative Neubeginn
2.5 Zwei deutsche Staaten aber nicht das gesamte Territorium
3. Die Deutsche Frage im Nachkriegsdeutschland
3.1 Staatsziel Nummer eins: die staatliche Einheit
3.2 Das Scheitern verschiedener Vorschläge
3.3 Normalisierung und Anerkennung des status quo
3.4 Die friedliche Revolution wird zur Wiedervereinigung
4. Die Wiedervereinigung - eine Teilvereinigung?
4.1 Das Bewusstsein für ,,Deutschland als Ganzes"
4.2 Bedenken und Vorbehalte im Ausland
4.3 Der Verzicht auf Gebiets- und Besitzansprüche
5. Was ist Deutschland heute?
5.1 ,,...in den Grenzen von 1937"
5.2 Von der Flexibilität eines Staates
5.3 Generationenkonflikt
6. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die deutsche Situation und die Problematik der Ostgrenzen aus historischer und politischer Perspektive. Das zentrale Ziel ist es zu untersuchen, inwiefern die Wiedervereinigung von 1990 als endgültige Beantwortung der sogenannten "Deutschen Frage" betrachtet werden kann, insbesondere im Hinblick auf den Verzicht auf ehemalige Ostgebiete.
- Historische Entwicklung der deutschen Außengrenzen und Gebietsverluste.
- Politische und völkerrechtliche Einordnung der deutschen Teilung und Wiedervereinigung.
- Umgang mit den ehemaligen Ostgebieten im Einigungsprozess und in der deutschen Verfassung.
- Wandel des Deutschlandbildes im Bewusstsein der Bevölkerung und bei internationalen Nachbarn.
- Perspektiven für Deutschland im geeinten Europa und der Abbau von Konfliktpotential.
Auszug aus dem Buch
1. Einführung
,,Die Deutsche Frage bleibt bestehen!" war oftmals die Schlagzeile nach Kongressen der Vertriebenenverbände. Seit der Deutschen Einheit 1990 klingen die Forderungen und Slogans zwar etwas milder, der Grundtenor aber bleibt.
,,Die Deutsche Frage ist beantwortet!" war am 3. Oktober 1990 der Ausruf derer, die im Nachkriegsdeutschland geboren sind, keinen Bezug zu Schlesien oder Ostpreußen haben und somit die Deutsche Frage immer nur auf die Einheit von Bundesrepublik und DDR bezogen hatten.
Im Zuge der Wiedervereinigung kamen Tausende ehemaliger Westbürger nach Brandenburg und Sachsen, nach Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen, nach Sachsen-Anhalt und in den ehemaligen Ostteil Berlins und forderten Grundbesitz und Immobilien zurück, die ihnen oder ihren Vorfahren im Zuge der Verstaatlichung allen Besitzes in der DDR enteignet worden waren - der Einigungsvertrag sah es so vor. Dass viele von ihnen die SBZ bzw. die DDR aus mehr oder weniger freien Stücken verlassen hatten und jetzt trotzdem Rückforderungen stellten, säte mancherorts böses Blut.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung thematisiert die Fortdauer der "Deutschen Frage" nach 1990 und die durch die Wiedervereinigung ausgelösten Konflikte, insbesondere bezüglich enteigneten Besitzes und territorialer Ansprüche.
2. Die Deutsche Frage im Lauf der Geschichte: Dieses Kapitel behandelt die wechselhafte Grenzgeschichte Deutschlands, die Gebietsverluste nach 1918 sowie die alliierte Besatzungspolitik und die administrative Teilung nach 1945.
3. Die Deutsche Frage im Nachkriegsdeutschland: Der Fokus liegt hier auf dem Streben nach staatlicher Einheit, dem Scheitern diverser Einigungsversuche sowie der Bedeutung der Ostpolitik und der friedlichen Revolution.
4. Die Wiedervereinigung - eine Teilvereinigung?: Hier wird untersucht, ob die Einheit nur eine Teilvereinigung darstellte, unter Berücksichtigung des Bewusstseins für "Deutschland als Ganzes", ausländischer Vorbehalte und des expliziten Verzichts auf Gebietsansprüche.
5. Was ist Deutschland heute?: Das Kapitel diskutiert die völkerrechtliche Bedeutung der "Grenzen von 1937", die politische Flexibilität des Staates und den Einfluss des Generationenwechsels auf die Wahrnehmung der deutschen Vergangenheit.
6. Ausblick: Der Ausblick resümiert, dass die Deutsche Frage mit den Nachbarschaftsverträgen beantwortet wurde und die Zukunft Deutschlands in einem geeinten, friedlichen Europa liegt.
Schlüsselwörter
Deutsche Frage, Wiedervereinigung, Ostgrenzen, Einigungsvertrag, Deutschland als Ganzes, Gebietsverluste, völkerrechtliche Anerkennung, 2+4-Vertrag, Deutschlandpolitik, europäische Integration, nationale Identität, Vertriebene, SBZ, DDR, Bundesrepublik Deutschland.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die deutsche Situation und die Thematik der Ostgrenzen nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Wiedervereinigung und darüber hinaus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen gehören die historische Entwicklung der Grenzen, die völkerrechtlichen Rahmenbedingungen, die Haltung der Alliierten und Nachbarstaaten sowie die Identitätsfindung im geeinten Deutschland.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob die Wiedervereinigung die sogenannte "Deutsche Frage" endgültig gelöst hat und wie Deutschland seinen Platz in Europa heute definiert.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor führt eine historische und politikwissenschaftliche Analyse auf Basis von Verträgen, Verfassungsdokumenten und zeitgenössischen politischen Diskursen durch.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entwicklung der "Deutschen Frage" von der Nachkriegszeit über die Ostpolitik bis hin zur Wiedervereinigung und der rechtlichen sowie gesellschaftlichen Anerkennung der heutigen Staatsgrenzen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Wiedervereinigung, Ostgrenzen, Souveränität, völkerrechtliche Kontinuität und europäische Einbindung charakterisiert.
Inwiefern hat der "2+4-Vertrag" die heutige territoriale Situation geprägt?
Der 2+4-Vertrag war die völkerrechtliche Basis für die staatliche Einheit, in der sich das vereinte Deutschland explizit zum Verzicht auf Gebietsansprüche verpflichtete und damit die Ostgrenzen anerkannte.
Welche Rolle spielt der Generationenwechsel für die Wahrnehmung der "Deutschen Frage"?
Der Autor argumentiert, dass mit dem Schwinden der Generation, die Deutschland noch in anderen als den heutigen Grenzen erlebt hat, das emotionale Konfliktpotential abnimmt und eine Versachlichung stattfindet.
- Quote paper
- Sebastian Kölsch (Author), 2000, Ist die Deutsche Frage endgültig beantwortet? Deutschlands Situation und Ost-Grenzen aus unterschiedlichen Blickwinkeln, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3484