Egal ob ein Flughafen gebaut, ein neues EDV-System implementiert oder ein Produkt entwickelt wird: Wirtschaft, Forschung und Politik setzen diese Vorhaben verstärkt in Form von Projekten1 um. Ein Beleg hierfür ist die hohe Anzahl an initiierten Projekten in den Unternehmen. Aus der Projektarbeit ergeben sich zwar Chancen für eine mögliche Kostensenkung oder einer verbesserten Marktpositionierung, aber zwangsläufig auch Risiken. Diese gilt es adäquat zu behandeln, worauf jedoch in der Vergangenheit in den meisten Unternehmen verzichtet wurde. Dementsprechend häufig stellten sich Projektabbrüche oder Termin- bzw. Budgetüberschreitungen andere, professionellere Vorgehensweise bezüglich der Projektrisiken notwendig wurde. Die Lösung kann Projektrisikomanagement sein, da unerwünschte Entwicklungen, die Fehler und Probleme verursachen, frühzeitig identifizier- und steuerbar sind. Das den Projekten zugrundeliegende Risikopotential hat der Gesetzgeber ebenfalls erkannt und am 1. Mai 1998 das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG)2 verabschiedet. Dieses Gesetz verpflichtet die Unternehmen zum sensibilisierten Umgang mit Projektrisiken. Sehr erfolgreich wurden bereits beim Militär und in der Luft- und Raumfahrtstechnik Projektrisiken gemanagt. Andere Branchen adaptieren diese Projektmanagementdisziplin dagegen nur sehr schleppend; lediglich in der Informationstechnologiebranche wird diese Projektmanagementdisziplin in jüngster Vergangenheit verstärkt angewendet. Von einer „passablen Umsetzung und Anwendung sind die meisten Unternehmen allerdings weit entfernt“3. Diese Studienarbeit vermittelt die Notwendigkeit von Projektrisikomanagement, jedoch nicht ohne auch den Aufwand aufzuzeigen. Es wird erläutert, welche Risikokategorien existieren und wie die Projektmanagementdisziplin Risikomanagement als Prozess umgesetzt werden kann. Abschließend wird die Wirtschaftlichkeit von Projektrisikomanagement betrachtet. 1 Siehe Kapitel 2: Notwendige Begrifflichkeiten 2 Siehe S. 7. 3 Siehe Thaller, Georg E.: Drachentöter – Risikomanagement für IT-Projekte, S. 81-82
Inhaltsverzeichnis
1 Hinführung zum Thema
2 Notwendige Begrifflichkeiten
2.1 Projekt
2.2 Risiko
2.3 Risikomanagement
2.4 Projektcontrolling
2.5 Projektrisikomanagement
3 Notwendigkeit eines Projektrisikomanagement
3.1 KonTraG
3.2 Wettbewerbsvorteil durch bewusstes Eingehen von Risiken
4 Risikokategorien
5 Risikomanagementprozess
5.1 Risikoidentifikation
5.1.1 Techniken zur Risikoidentifikation
5.1.1.1 Post’Mortem Analyse
5.1.1.2 Projektumfeldanalyse
5.1.1.3 Risiko-Workshops
5.1.1.4 Interviews
5.1.1.5 Risikofragebogen
5.1.1.6 Einsatz der Techniken
5.2 Risikoanalyse
5.2.1 Risikoliste
5.2.2 ABC-Analyse
5.2.3 Abhängigkeitsmatrix
5.3 Risikobehandlung
5.3.1 Risikovermeidung
5.3.2 Risikoverminderung
5.3.2.1 Risikoverminderung in inkrementellen Schritten
5.3.2.2 Reaktiver und proaktiver Inkrementalismus
5.3.2.3 Inkrementeller Fertigstellungsplan
5.3.3 Risikobegrenzung
5.3.4 Risikoverlagerung
5.3.5 Risikoakzeptanz
5.4 Risikoüberwachung
5.4.1 Risikoportfolio
5.4.2 Meilenstein- und Kostentrendanalyse (MTA und KTA)
5.4.3 Earned Value Analyse (EVA)
5.4.4 Frühwarnsystem
5.5 Risikokommunikation
6 Wirtschaftlichkeit des Projektrisikomanagements
7 Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Studienarbeit untersucht die Notwendigkeit, Methodik und Umsetzung eines professionellen Projektrisikomanagements. Das zentrale Ziel ist es aufzuzeigen, wie Risiken in IT-Projekten durch systematische Prozesse frühzeitig identifiziert, analysiert, bewertet und gesteuert werden können, um den Erfolg komplexer Vorhaben nachhaltig zu sichern.
- Grundlegende Begriffsbestimmungen und Abgrenzungen zu verwandten Disziplinen.
- Rechtliche Anforderungen (KonTraG) und Wettbewerbsvorteile durch bewusstes Risikomanagement.
- Systematik der Risikoidentifikation und -analyse durch verschiedene Techniken.
- Strategien zur Risikobehandlung und kontinuierlichen Risikoüberwachung.
- Wirtschaftlichkeitsbetrachtung von Risikomanagementmaßnahmen in Projekten.
Auszug aus dem Buch
5.1.1.1 Post’Mortem Analyse
Bei der Post’Mortem Analyse werden Dokumente abgeschlossener Projekte auf Probleme untersucht. Meist ergibt schon die „Problemursache ein mögliches Risiko, das in die Risikoliste zukünftiger Projekte Eingang findet“15.
Werden beispielsweise bei einem abgeschlossen Projekt Komplikationen beschrieben, die durch den Abgang eines Schlüsselmitarbeiters entstanden sind, könnte dies automatisch auf die Risikoliste transferiert werden. „Automatisch“ bedeutet, dass das Risiko bei der Entdeckung in die Risikoliste einfließt. Eine effiziente Post’Mortem Analyse künftiger Projekte benötigt eine Dokumentation aller Risiken, die im Verlauf vergangener Projekte eingetreten sind.
„Projektprobleme wiederholen sich in der Regel sehr oft“16, so dass eine brauchbare Datenmenge aus der Post’Mortem Analyse resultiert. Allerdings ist zu beachten, dass lediglich bereits aufgetretene Risiken ermittelbar sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Hinführung zum Thema: Erläutert die wachsende Bedeutung von Projektrisikomanagement aufgrund steigender Projektkomplexität und rechtlicher Rahmenbedingungen wie dem KonTraG.
2 Notwendige Begrifflichkeiten: Definiert zentrale Termini wie Projekt, Risiko und Risikomanagement, um ein einheitliches Verständnis für den weiteren Verlauf der Arbeit zu schaffen.
3 Notwendigkeit eines Projektrisikomanagement: Analysiert, warum eine systematische Risikosteuerung für den Fortbestand und die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen unerlässlich ist.
4 Risikokategorien: Kategorisiert Projektrisiken in sachliche Gruppen wie finanzielle, technische, terminliche und personelle Risiken.
5 Risikomanagementprozess: Beschreibt den zyklischen Ablauf von Risikoidentifikation, -analyse, -behandlung und -überwachung.
6 Wirtschaftlichkeit des Projektrisikomanagements: Beleuchtet die Kosten-Nutzen-Relation und begründet, warum präventives Risikomanagement wirtschaftlich sinnvoll ist.
7 Schlussbetrachtung: Fasst die Ergebnisse zusammen und hebt den wettbewerbsrelevanten Nutzen eines proaktiven Risikomanagements hervor.
Schlüsselwörter
Projektrisikomanagement, Risikoidentifikation, Risikoanalyse, Risikobehandlung, Risikoportfolio, KonTraG, Post'Mortem Analyse, Projektcontrolling, Earned Value Analyse, Risikoverminderung, Risikovermeidung, Risikokommunikation, Wirtschaftlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den systematischen Umgang mit Risiken in Projekten, um Projektabbrüche sowie Kosten- und Zeitüberschreitungen zu minimieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit deckt das gesamte Spektrum ab: von der Identifikation und Analyse über verschiedene Behandlungsmethoden bis hin zur laufenden Überwachung und abschließenden Wirtschaftlichkeitsbewertung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Mehrwert eines installierten Projektrisikomanagements aufzuzeigen und Strategien zu vermitteln, wie Projekte durch den bewussten Umgang mit Risiken erfolgreich gestaltet werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturrecherche, die Anwendung von Klassifizierungsmethoden wie der ABC-Analyse sowie die Darstellung von Analysemodellen wie der Wirkungsmatrix und der Meilensteintrendanalyse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition notwendiger Begriffe, die rechtliche Notwendigkeit, die Kategorisierung von Risiken sowie die detaillierte Darstellung des Risikomanagementprozesses.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere Risikokategorien, Risikoidentifikation, Projektumfeldanalyse, Risikoverminderung sowie Methoden wie die Earned Value Analyse.
Warum ist die Post'Mortem Analyse im Risikomanagement wichtig?
Sie ermöglicht es, aus den Fehlern und Problemen vergangener Projekte zu lernen und diese Erkenntnisse in die Risikoliste zukünftiger Projekte zu überführen.
Welchen Zweck erfüllt die Schadensklassifizierung?
Sie dient dazu, die Schadenshöhe unter terminlichen, kostenmäßigen und qualitativen Aspekten zu aggregieren, um eine Vergleichbarkeit zwischen unterschiedlichen Risiken überhaupt erst zu ermöglichen.
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- Dominik Daum (Author), 2004, Projektrisikomanagement, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34859