Einleitung
Der seit den achtziger Jahren sich vollziehende Strukturwechsel im internationalen Bankgeschäft hat deutliche Auswirkungen auf den Bankensektor. Nie zuvor waren die Kreditinstitute so sehr gezwungen, sich an den Bedürfnissen ihrer Kapitalgeber und Kunden auszurichten wie heute. War es früher noch üblich, die Geschäftsausweitung als primäres Ziel einer Bank anzusehen, wird heute zunehmend die Ertragsorientierung, unter besonderer Berücksichtigung des Risikos, in den Vordergrund gestellt. Der sich verstärkende Wettbewerb, sowohl auf der Kapital- als auch auf der Kundenseite, ist deutlich sichtbar und auf eine Vielzahl von Gründen zurückzuführen. Die Wichtigsten sind dabei die Globalisierung und die Deregulierung der Finanzmärkte in den letzten Jahren. Die immer noch zunehmende Verbindung der nationalen Märkte zu einem weltumspannenden Verbund von Handelsplätzen wurde vor allem durch die fortgeschrittene Technologie der jüngsten Zeit möglich. Der Abbau behördlicher Beschränkungen führte ebenfalls zu einem wahren ,,Kampf" um das Kapital. Dies aber nicht nur unter den inländischen Instituten, sondern auch mit den nun zunehmend in den Markt drängenden ausländischen Banken, sowie neuartigen Finanzintermediären, wie z. B. Direktbanken, oder Onlinebrokern. Nicht zuletzt hat auch im Sparkassen- und Genossenschaftssektor, durch die in den letzten Jahren beobachtbaren Fusionswellen eine Sensibilisierung für den Instititutswert stattgefunden. Die in der Vergangenheit meist unzufriedenstellende Rentabilität der Banken mit gleichzeitig zunehmendem Wettbewerb um das Kapital führt dazu, dass sich die Kreditinstitute mit den Forderungen, die durch ihre Anteilseigener gestellt werden, auseinandersetzen müssen.1
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1 Vgl. Behm (1994), S. 1 f.; Hömann (1998), S. 1 f.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Shareholder Value in Banken
2.1 Besondere Bedeutung des Eigenkapitals
2.2 Bankeigenkapitalbegriffe
2.4 Besondere Rolle der Eigenkapitalkosten
3 Kapitalmarkttheoretische Modelle zur Eigenkapitalkostenermittlung
3.1 Modellauswahl
3.2.1 Modellvorstellung
3.2.2 CAPM bei nicht-börsenotierten Banken
3.2.3 Kritik
3.3 Optionspreismodell
3.3.1 Modellvorstellung
3.3.2 Kritik
3.4 Marktzinsmethode
3.4.1 Grundmodell
3.4.1.1 Modellvorstellung
3.4.1.2 Kritik
3.4.2 Erweitertes Modell
3.4.2.1 Modellvorstellung
3.4.2.2 Kritik
4 Vergleich der vorgestellten Modelle
4.1 Zielsetzungen der Modelle
4.2 Vergleich der getroffenen Annahmen
4.3 Praxistauglichkeit
4.4 Kosten/Nutzen-Vergleich
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Eigenkapitalkosten von Banken – welche eine wesentliche Rolle bei der Bestimmung des Unternehmenswertes spielen – unter kapitalmarkttheoretischen Überlegungen zu untersuchen, verschiedene Ermittlungsverfahren zu vergleichen und deren Praxistauglichkeit kritisch zu bewerten.
- Bedeutung des Shareholder Value Ansatzes im Bankensektor
- Kapitalmarkttheoretische Verfahren zur Eigenkapitalkostenermittlung (CAPM, OPM, Marktzinsmethode)
- Vergleich der Zielsetzungen und Annahmen der gewählten Modelle
- Bewertung der Praxistauglichkeit für unterschiedliche Bankengrößen
- Kosten-Nutzen-Analyse der Modellimplementierung in Kreditinstituten
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Modellvorstellung
Für die Bestimmung der Eigenkapitalkosten spielt eventuell auch das Bankrottrisiko eine Rolle. Dieses wird mit Hilfe des Optionspreismodells erfasst. Hat die zu bewertende Bank einen zu hohen Verschuldungsgrad, ist die Gefahr eines Bankrotts gegeben. Kommt es zu einem Krisenfall, d.h. dass im Fälligkeitszeitpunkt des Fremdkapitals der Institutswert unter den Wert des Fremdkapitals sinkt, dann tritt der Bankrott ein. Im anderen Fall verbleibt der übersteigende Wert bei den Eigentümern der Bank.
Die Forderungen der Eigenkapitalgeber sind dabei nachrangig und der Wert der Differenz ist im Verfallszeitpunkt von Gesamtkapitalwert der Bank abhängig. Er kann somit als Kaufoption der Eigenkapitalgeber mit einem Ausübungspreis in Höhe des Fremdkapitalwertes auf die Bank angesehen werden. Abb. 2 veranschaulicht den Optionswert in Abhängigkeit von Gesamtunternehmenswert. Das Optionspreismodell ist ein dynamisches Modell, welches versucht, ,,ein dynamisches Gleichgewicht im Zeitablauf abzuleiten." Es hat mit dem CAPM übereinstimmende Prämissen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt den Strukturwandel im Bankensektor, die zunehmende Bedeutung des Shareholder Value und die Notwendigkeit einer präzisen Ermittlung von Eigenkapitalkosten.
2 Shareholder Value in Banken: Erläutert die Grundlagen des Shareholder Value Ansatzes, die spezifische Bedeutung des Eigenkapitals für Banken sowie diverse Eigenkapitalbegriffe und deren Rolle.
3 Kapitalmarkttheoretische Modelle zur Eigenkapitalkostenermittlung: Analysiert detailliert die Modellauswahl, das CAPM, das Optionspreismodell sowie die Marktzinsmethode inklusive ihrer jeweiligen Modellvorstellungen und Kritikpunkte.
4 Vergleich der vorgestellten Modelle: Stellt die unterschiedlichen Zielsetzungen, Annahmen, die Praxistauglichkeit und eine Kosten-Nutzen-Betrachtung der zuvor analysierten Verfahren gegenüber.
5 Zusammenfassung: Reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und zieht das Fazit, dass die Modelle für große Banken geeignet sind, bei kleinen Instituten die Anwendung jedoch aufgrund von Marktunvollkommenheiten und Kosten-Nutzen-Relationen schwierig bleibt.
Schlüsselwörter
Eigenkapitalkosten, Shareholder Value, Kapitalmarkttheorie, Capital Asset Pricing Modell, Optionspreismodell, Marktzinsmethode, Bankmanagement, Unternehmensbewertung, Bankrottrisiko, Finanzmärkte, Bankenstruktur, Eigenkapital, Kosten-Nutzen-Vergleich, Gesamtkapital, Risikobewertung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der kritischen Analyse und dem Vergleich verschiedener kapitalmarkttheoretischer Verfahren zur Ermittlung der Eigenkapitalkosten in Banken vor dem Hintergrund des Shareholder-Value-Ansatzes.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den zentralen Themen gehören die Bedeutung des Eigenkapitals für Kreditinstitute, die Vorstellung gängiger Bewertungsmodelle (CAPM, OPM, Marktzinsmethode) sowie deren Eignung und Anwendbarkeit in der bankbetrieblichen Praxis.
Was ist das Hauptziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die verschiedenen Verfahren zur Bestimmung der Eigenkapitalkosten aufzuzeigen, diese kritisch zu vergleichen und insbesondere deren Praxistauglichkeit für unterschiedliche Institutsgruppen zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse, die auf einer fundierten Literaturrecherche und der kritischen Auseinandersetzung mit theoretischen Modellen im Kontext der Bankbetriebslehre basiert.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung der Bankenproblematik, eine detaillierte Erläuterung des CAPM, des Optionspreismodells sowie der Marktzinsmethode, gefolgt von einem Vergleich der Zielsetzungen, Annahmen und Kosten-Nutzen-Aspekte dieser Modelle.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten beschreiben?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Eigenkapitalkosten, Shareholder Value, Bankmanagement, Kapitalmarkttheorie, CAPM, Marktzinsmethode und Unternehmensbewertung charakterisiert.
Warum ist die Bestimmung von Eigenkapitalkosten für Banken so schwierig?
Die Schwierigkeit liegt in der hohen Spezifik des Bankgeschäfts, dem regulatorischen Umfeld, der geringen Eigenkapitalquote und der Tatsache, dass viele Banken nicht börsennotiert sind, was die direkte Anwendung marktbasierter Modelle wie des CAPM erschwert.
Was ist das zentrale Ergebnis bezüglich der Marktzinsmethode?
Die Marktzinsmethode liefert als Grenznutzenkalkulation für einzelne Kundengeschäfte gute Ansätze, ist jedoch in der praktischen Anwendung, insbesondere bei kleineren Banken, mit hohem Aufwand verbunden und erfordert ein detailliertes Verständnis der Fristigkeiten und Engpasswirkungen.
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- Jürgen Hummel (Author), 2000, Marktorientierte Konzepte zur Kalkulation von Eigenkapitalkosten in Banken - Eine vergleichende Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3486