Gewalt in der Schule - Ein Überblick zu den Befunden empirischer Untersuchungen


Examensarbeit, 2003

93 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I Gewalt an Schulen – ein (wieder) aktuelles Thema?
1. Die Entwicklung des Forschungsgegenstandes
„Gewalt an Schulen“ seit Beginn der 90er Jahre
2. Inhalte, Methodologie und Methodik der Studien
3. Die bisherigen Forschungsergebnisse zum Thema „Gewalt an Schulen“
4. Wissenschaftsrealität versus Medienrealität

II Darstellung empirischer Studien
1. Schwind, Roitsch, Ahlborn und Gielen (1995)
1.1 Methodische Anlage der Untersuchung
1.2 Zentrale Aussagen
1.2.1 Wahrnehmung der Gewalt aus Sicht des Schulpersonals
1.2.2 Wahrnehmung der Gewalt aus Sicht der Schüler (7.-13. Klasse)
1.2.3 Täterselbstreport der Schüler
1.2.4 Einschätzung der Lehrer zur Gewaltentwicklung
1.3 Zusammenfassung
2. Tillmann, Holler-Nowitzki, Holtappels, Meier
und Popp (1999)
2.1 Methodische Anlage der Untersuchung
2.2 Zentrale Aussagen
2.2.1 Wahrnehmung der Gewalt aus Sicht der Schüler
2.2.2 Täterselbstreport der Schüler
2.2.3 Vergleich der Geschlechter
2.2.4 Vergleich der Altersgruppen
2.2.5 Vergleich der Schulformen
2.2.6 Einfluss der Familie auf schulische Gewalt
2.2.6.1 Familienstruktur
2.2.6.2 Berufstätigkeit des Vaters
2.2.6.3 Gewalterfahrung in der Familie
2.3 Zusammenfassung
3. Forschungsgruppe Schulevaluation (1998)
3.1 Methodische Anlage der Untersuchung
3.2 Zentrale Aussagen
3.2.1 Wahrnehmung der Gewalt aus Sicht der Schüler
3.2.2 Vergleich der Geschlechter
3.2.3 Vergleich der Schulformen
3.2.4 Einfluss der Familie auf schulische Gewalt
3.3 Zusammenfassung
4. Fuchs, Lamnek und Luedtke (2001)
4.1 Methodische Anlage der Untersuchung
4.2 Zentrale Aussagen
4.2.1 Ausmaß und Formen der Gewalt an Schulen
4.2.2 Vergleich der Geschlechter
4.2.3 Vergleich der Altersgruppen
4.2.4 Vergleich der Schulformen
4.2.5 Einfluss der Familie auf schulische Gewalt
4.1 Zusammenfassung
5. Lösel und Bliesener (2003)
5.1 Methodische Anlage der Untersuchung
5.2 Zentrale Aussagen
5.2.1 Ausmaß und Formen von Gewalt an Schulen
5.2.2 Vergleich der Geschlechter
5.2.3 Vergleich der Schulformen
5.2.4 Vergleich der Altersgruppen
5.2.5 Einfluss der Familie auf schulische Gewalt
5.3 Zusammenfassung

III Vergleich der Studien
1. Vergleich des Gewaltausmaßes an den Schulen
2. Vergleich der Geschlechter
3. Vergleich der Altersgruppen
4. Vergleich der Schulformen
5. Vergleich des Einflusses der Familie
auf schulische Gewalt

IV Schlussbetrachtung

V Literaturverzeichnis

VI Tabellenverzeichnis

VII Abbildungsverzeichnis

VIII Anhang

Einleitung

In den letzten Jahren wurde sowohl in der Medienöffentlichkeit als auch in der Wissenschaft vermehrt das Problem der „Gewalt an Schulen“ thematisiert. Ergebnis dieser Bemühungen war eine Masse von seriösen und weniger seriösen Berichten und Studien, die es der Leserschaft schwer machte, sich ein sachlich korrektes Bild über die Situation machen zu können.

Die vorliegende Arbeit soll dem interessierten Leser die Möglichkeit geben, sich einen Überblick über die Resultate der Wissenschaft zu verschaffen, um ihn so zu einem eigenen kritischen Umgang mit diesem Thema zu befähigen.

Einleitend soll in Kapitel 1 die Thematisierung des Forschungsgegenstandes „Gewalt an Schulen“ dargestellt werden. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob schulische Gewalt[1] ein neu entstandenes Problem der heutigen Zeit ist oder lediglich durch Medieninszenierungen erneut in das Blickfeld der Öffentlichkeit geraten ist. Darauf aufbauend werden die Studien der 90er Jahre sowohl mit ihren inhaltlichen als auch methodische Gemeinsamkeiten und Schwierigkeiten präsentiert, deren übergreifende Ergebnisse im weiteren Verlauf des Kapitels zusammengefasst werden. Bevor im 2. Kapitel fünf ausgewählte Forschungsstudien über „Gewalt an Schulen“ vorgestellt werden, wird kritisch hinterfragt, inwieweit die Medien ein realistisches Abbild der Wirklichkeit erzeugen oder sie vielleicht selbst durch zunehmende Skandalisierung und Dramatisierung des Gegenstandes ein Teil des Problems sind.

Nach der Zusammenfassung der Studien im 2. Kapitel folgt in Kapitel 3 ein inhaltlicher Vergleich thematischer Schwerpunkte, wie das Ausmaß der Gewalt an Schulen, die Beziehung zwischen Geschlecht, Alter und Schulform und schulischer Gewalt sowie der unterschiedliche Einfluss familiärer Faktoren auf gewalttätiges Schülerverhalten.[2]

Die Schlussbetrachtung greift erneut die zusammenfassenden Ergebnisse aus Teil I und II auf, deren Gehalt, aufgrund methodischer und inhaltlicher Schwächen der Durchführung der empirischen Untersuchungen, kritisch hinterfragt wird.

Abschließend wird ein Ausblick auf bewährte Präventions- und Interventionsmöglichkeiten gegeben, die der Forderung der Öffentlichkeit nach Eingreifen und Verhindern von Schulgewalt Rechnung tragen sollen.

I Gewalt an Schulen – ein (wieder) aktuelles Thema?

Das Interesse der Medien konzentrierte sich in den letzten zehn Jahren auf ein Thema: Gewalt an Schulen. Die folgenden Schlagzeilen sollen beispielhaft den Umgang der Presse mit diesem Gegenstand beleuchten:

- „Tod in der Schule - Der Amoklauf von Erfurt“ (Der Spiegel 18/2002)
- „Tatort Schule – jeder Fünfte ist bewaffnet“ (Bild am Sonntag 17.10.1993)
- „15-Jähriger tötet Lehrerin vor seinen Mitschülern“ (Die Welt 10.11.1999)
- „Die Gewalt macht Schule. Aufrüstung im Klassenzimmer.“ (Psychologie heute 2/1993)
- „Der Krieg unter den Kindern“ (Der Spiegel 15/1998)
- „Schlachtfeld große Pause“ (Focus 24/1995)
- „Die rasten einfach aus. An deutschen Schulen explodiert die Gewalt“ (Der Spiegel 42/1992)
- „Das hier ist brutaler Krieg“ (Stern 8/1993)
- „Aufrüstung in der Schule: Pistole im Ranzen" (Die Zeit 17.4.1992)
- „Jeder achte Schüler in Bremen ist bewaffnet“ (Die Welt 26.8.2003)

Berichte über spektakuläre Gewalt-Ereignisse, wie sie seit Anfang der 90er-Jahre massenweise vorzufinden sind, vermitteln den Lesern ein Gefühl zwischen Entsetzen, Sensationslust und Hilflosigkeit.

Die gewollte Mischung aus Neugier und Abschreckung wird in zunehmenden Maße durch Titelgeschichten, Fernsehbeiträge und aktuellen Dokumentationen unterstützt, aufbereitet als seriöse Tatsachenberichte gewürzt mit brisanten Zutaten, wie ein Schuss Übertreibung und eine Prise Dramatik.

Zunächst hinterlässt das Medienaufgebot zum Thema „Gewalt an Schulen“ bei vielen Menschen den Eindruck, dass die Gesellschaft mit einem völlig neuen Problem der Jugend konfrontiert ist (Tillmann, 1994). Dieser Anschein täuscht jedoch, da bereits seit Mitte der 60er Jahre die Gewaltforschung in Deutschland betrieben wird (Melzer, 2001). Was sich in der letzten Zeit sicherlich geändert hat und als neu empfunden wird, ist die Thematisierung des Problems und die zunehmende Sensibilisierung für Gewaltvorkommen in der Schule. Vor wenigen Jahren sprachen Forscher und Lehrer wohl auch über aggressive Schüler und benannten Vorfälle als „Disziplinschwierigkeiten“, doch der Begriff „Gewalt“ wurde erst in den neueren Diskussionen eingeführt. „Gewalt ist somit kein völlig neues Thema, sondern zu verschiedenen Zeiten mit unterschiedlicher Intensität und Akzentsetzung diskutiert worden.“ (Meier, 1997, S. 170) Dies beweist auch ein Blick zurück in die frühere Literatur: „Den öffentlichen Kommentaren über Gewalt von Schülern liegen übereinstimmend zwei Annahmen zugrunde: Die Schulen in der Bundesrepublik seien gegenwärtig in einem nie dagewesenen Ausmaß Gewaltakten von Schülern ausgesetzt, und diese Gewalttätigkeiten seien völlig neuartige Phänomene.“ (Grauer & Zinnecker, 1978, S. 341)

Obwohl die Medieninszenierung erschreckende Züge angenommen hat, muss trotz der Kritik vermerkt werden: Die aufwühlenden Berichterstattungen legten den Grundstein für die Weiterentwicklung der Forschung über Gewalt an Schulen (Schubarth, 1999, 2000; Tillmann, 1997; Melzer, 2001; Meier, 1997).

Wie nie zuvor wurde in den letzen Jahren die empirische Gewaltforschung vorangetrieben, mit dem Ziel, den schockierenden und überdramatisierenden Pressemitteilungen aussagekräftige und entschärfende Resultate entgegensetzen zu können.

1. Die Entwicklung des Forschungsgegenstandes „Gewalt an Schulen“ seit Beginn der 90er Jahre

Die hohe „Konjunktur“ (Tillmann, Holler-Nowitzki, Holtappels, Meier & Popp, 1999, S. 5) des Themas „Gewalt an Schulen“ hatte, wie schon erwähnt, durchaus ihre guten Seiten.

Der so erzeugte Druck auf Bildungspolitiker, Schulämter und Schulverwaltungen, sinnvolle Handlungsalternativen und Präventionsmaßnahmen aufzuweisen, initiierte eine Reihe von Schulstudien.

Die Thematisierung des Diskussionsgegenstandes „Schulgewalt“ lässt sich anhand von drei Phasen zurückverfolgen, die in wechselseitiger Beziehung zueinander stehen:

1. Die, durch eine intensive Medienkampagne geförderte, gesellschaftliche Thematisierung seit Beginn der 90er Jahre veranlasste 2. das neu aufkeimende Interesse und die weiterführende Thematisierung von pädagogischen Professoren und Experten, die wiederum 3. die wissenschaftliche Thematisierung im Zuge der Aufbereitung, Entwicklung und Durchführung großer empirischer Studien einleiteten (Tillmann, 1997; Schubarth, 2000).[3]

Die Wechselbeziehung verdeutlicht Schubarth (1997):

Mittlerweile läßt sich feststellen, daß Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeit auf die beiden anderen Diskussionsebenen wieder zurückwirken: Zum einen hat die Presse in letzter Zeit häufiger – z.T. sogar recht ausführlich – über Forschungsergebnisse zum Thema berichtet. Weil keine der Studien das aufgeregte Bild von der überbordenden Gewalt in der Schule bestätigen konnte, haben diese Presseberichte in der Öffentlichkeit eher ent-dramatisierend gewirkt. (S. 39)

2. Inhalte, Methodologie und Methodik der Studien

Obwohl der Forschungsboom der letzten Jahre eine riesige Anzahl von Schulstudien zum Thema Gewalt hervorbrachte (laut Schubarth (2000) lagen bis zum Jahr 2000 bereits über 80 Untersuchungen vor (siehe Tab. 1); die Zahl, der bis zum heutigen Zeitpunkt neu dazugekommenen Studien, ist nicht klar), lassen sich durchaus Gemeinsamkeiten, aber auch Schwierigkeiten, der unzähligen Forschungsberichte aufweisen.

Zunächst konzentrierten sich nahezu alle Studien im wesentlichen auf drei inhaltliche Fragestellungen: Erstens stand das Ausmaß und die Erscheinungsformen von Aggressions- und Gewaltphänomenen im Vordergrund. Zweitens wurde versucht, Ursachen und Bedingungen von Gewalt ausfindig zu machen, was drittens in dem Bemühen resultierte, Präventions- und Interventionsmaßnahmen zu entwickeln.

Neben den inhaltlichen und strukturellen Ähnlichkeiten der Untersuchungen, wurde auch weitestgehend dasselbe Vokabular benutzt (was wesentlich zur Vergleichbarkeit der Studien beiträgt). In der Diskussion um Gewalt in der Schule unterschied man zwischen physischer Gewalt (körperliche Schädigung und Verletzung eines anderen), psychischer Gewalt (emotionale Schädigung und Verletzung eines anderen durch z.B. Ausgrenzen), verbaler Gewalt (emotionale Schädigung und Verletzung eines anderen durch Hänseln, Beschimpfen, Beleidigen usw.) und Vandalismus (Beschädigung und Zerstörung von fremdem Eigentum) (Schubarth, 2000).

Trotz der schlüssigen inhaltlichen Thematisierung zeigten sich vor allem Probleme sowohl bei den methodologischen Ansätzen als auch bei den methodischen Zugängen parallel bei vielen Studien.

Ein Teil der Studien lieferten keine theoretische Basis, an der Fragestellungen und Hypothesen geprüft werden konnten (Schubarth, 2000; Krumm, 1999). „Durch fehlende Begriffsdefinitionen und Operationalisierungen bestand dadurch leicht die Gefahr einer Beliebigkeit von ‚interessanten’ Fragen und die Tendenz zu bloßer Meinungsforschung.“ (Schubarth, 2000, S. 68)

Auch die Vorgehensweise der methodischen Datenerfassung wurde teilweise kritisiert (Krumm, 1999). Die übliche Methode (die eindeutig bei den Studien dominierte) war die standardisierte Befragung, die in erster Linie Wahrnehmungen, Einstellungen, persönliche Angaben usw., meist differenziert nach Geschlecht, Schulform, Alter und/oder Jahrgangsstufe, quantitativ erfassen sollte.

Diese Verfahrensweise brachte sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich. Zum einen lieferte sie viele, schnelle und auch kostengünstige Daten über schulische Gewalt. Zum anderen barg sie aber auch die Risiken der persönlichen Interpretation (z.B. Über- und/oder Untertreibung). Dazu kritisierten Fuchs et al. (2001): „Erhoben wird ja nicht die ‚objektive’ Wirklichkeit, sondern die subjektiven Deutungen der Akteure.“ (S. 30)

Um Verzerrungen der realen Situationsanalyse zu verhindern, erweiterten manche Untersuchungen die Datenerfassung auch auf qualitative Methoden, z.B. Einzelfallstudien, Beobachtungen oder Einzelinterviews. Die Verknüpfung unterschiedlicher methodischer Zugänge bezeichnen Fuchs et al. (2001) als „‚Königsweg’ (ganzheitlicher) empirischer Sozialforschung“ (S. 30) und als „multimethodisches Design (‚Triangulation’), das mehrere Zugänge zum Feld beinhaltet und durch einander ergänzende Methoden dazu beiträgt, Einseitigkeiten in der Erfassung der Wirklichkeit vielleicht nicht ganz auszuschließen, aber doch erheblich zu reduzieren.“ (S.30)

Trotz der aufgeführten Kritikpunkte sollte den Ergebnissen und Folgerungen der bisherigen Studien die Validität nicht vollständig abgesprochen werden. Vielmehr darf ihnen keine allgemeingültige und unanfechtbare Position in der Gewaltforschung eingeräumt werden, da sie lediglich ein kleines Stück Realität wiedergaben und analysieren konnten.

Tab. 1: Übersicht über Schulstudien zum Thema „Gewalt“ (modif. nach Schubarth, 2000; Schütz, Todt & Busch, 2002)[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Die bisherigen Forschungsergebnisse zum Thema „Gewalt an Schule

Im Sinne eines kritischen Umgangs mit empirischen Aussagen ist es dennoch von Interesse, welches Gesamtbild die Untersuchungen von der Situation an deutschen Schulen ergeben.

Ohne die Resultate der nachfolgenden Studien vorwegnehmen zu wollen, erscheint es daher sinnvoll, an dieser Stelle die bisherigen Forschungsergebnisse, die Schwerpunkte des späteren Vergleichs sein sollen, für eine grobe Orientierung einfließen zu lassen.

(1) Die Gewaltbelastung an deutschen Schulen gibt keinen Grund zur Dramatisierung (Schubarth, 1995, 1997, 2000; Melzer, 2000; Melzer & Darge 2000; Fuchs, 2001; Tillmann, 1999). Auch spektakuläre Einzelfälle sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass von einem massiven Anstieg von Gewalttätigkeiten nicht gesprochen werden kann. Trotzdem sollte das Thema ernstgenommen werden, da eine Bagatellisierung bzw. Verharmlosung dem Umstand nicht gerecht würde, der deutlich macht, dass es sehr wohl einen leichten Anstieg schulischer Gewalt in den letzten zehn Jahren gab.
(2) Die Zunahme aggressiven Verhaltens bezieht sich vornehmlich auf psychische bzw. verbale Gewalt. Harte Gewalttaten, wie Körperverletzung, Erpressung, Waffengebrauch usw. traten weitaus weniger in Erscheinung.
(3) Jugendliche männliche Schüler im Alter zwischen 13-15 Jahren konnten als besonders stark gefährdete Tätergruppe eingekreist werden.
(4) Daneben konzentrierte sich das Problem vorrangig auf Schulformen mit niedrigem Bildungsniveau.
(5) Zu den begünstigenden Faktoren der Gewaltbereitschaft zählte unter anderem auch die familiäre Situation. In diesem Zusammenhang sind Aspekte, wie die Familienform, ein restriktiver Erziehungsstil und Gewalterfahrung in der eigenen Familie zu nennen.

Ob und inwieweit die Ergebnisse sich mit den Resultaten der Analysen der nachfolgenden Studien decken oder sie revidiert werden müssen, wird im dritten Teil der vorliegenden Arbeit untersucht.

Zunächst jedoch werden diese Forschungsergebnisse mit dem Medienbild der letzten Jahre verglichen.

4. Wissenschaftsrealität versus Medienrealität

Im Vergleich zwischen den nüchternen und keinesfalls dramatischen Aussagen der wissenschaftlichen Forschung und dem skandalösen Bild, das die Medien von der Situation an deutschen Schulen propagieren, fällt dem Leser eines schnell auf: der gravierende Unterschied in der Darstellung ein und desselben Problems.

Die teils massiven Differenzen in der Wahrnehmung und den Interpretationsmöglichkeiten dieses gesellschaftlichen Themas, bestätigen das Vorherrschen einer großen Diskrepanz zwischen den Ergebnissen der Wissenschaft und dem Scheinbild der Medien.

Dieses Scheinbild der Medien wird genährt von Berichten, die Randale, Vandalismus, Diebstahl, Erpressung und wachsende Brutalität zum Alltag an deutschen Schulen machen, die Begriffe wie Reizgas, Waffen, Messer und Drogen zum Schulinventar deklarieren und die Lehrer und Polizei im Kampf gegen die Gewalt wie Marionetten aussehen lassen, die abwechselnd die Situation fürchten und ignorieren oder als heldenhafte Gegner versuchen, der Gewalt Herr zu werden.

In einem solchen Szenario verkommt das eigentliche Problem meist zur Farce; die Betroffenen, Opfer sowie Täter, sind oft nicht mehr als unfreiwillige, seelenlose Schauspieler, die den Lesern eine „Story“ verkaufen müssen.

Doch warum inszenieren die Medien diese Berichte von der „Gewaltfront“ (Schubarth, 1994, S. 21)? Und wie „vermarkten“ sie dieses zwar ernstzunehmende jedoch keinesfalls bedrohliche Problem?

Schubarth (1993) nennt dazu fünf Tendenzen, die seiner Meinung nach für die Ausschlachtung dieses Medienereignisses verantwortlich sind und folgenschwere Konsequenzen mit sich bringen können:

1. Die Tendenz zu Dramatisierung und Skandalisierung

Durch eine Konzentration auf besondere und spektakuläre Ereignisse kommt es zu einer Verallgemeinerung, die dem Leser ein völlig falsches Bild vermittelt. Zusätzlich werden diese Sensationen durch Details ausgeschmückt, die Emotionen auslösen sollen und somit eine sachliche Auseinandersetzung nahezu unmöglich machen.

2. Gewalt als „Kassenschlager“

Gewalttätiges Verhalten ist eine Ware mit einem hohen Verkaufswert. Den Marktgesetzen der Konkurrenz um Leser bzw. Zuschauer gehorchend, steht dabei meist nicht die differenzierte Auseinandersetzung mit dem thematisierten Problem, sondern dessen reißerische Aufmachung und die Vermarktung einzelner Vorfälle. „Je dramatischer und offener über Gewaltaktionen berichtet wird, desto mehr Aufmerksamkeit und Umsatz wird damit erreicht. Darunter leidet häufig die Ausgewogenheit der Darstellung.“ (Schubarth, 1993, S. 17)

3. Oberflächliche Darstellung statt Ursachenanalyse

In der Berichterstattung interessieren nicht die Ursachen und Beweggründe, warum Menschen gewalttätig werden. Wichtig ist nur eine anschauliche Reportage, die keinen Platz für Fragen lässt.

4. Pauschalisierung statt Differenzierung

Ohne Unterscheidung der einzelnen Vorfälle nach Art, Bedingungen und Ausmaß, kommt es vorschnell zu einer Generalisation. Dadurch werden auch Situationen, die nicht dem Klischee entsprechen, „passend“ gemacht, indem sie z.B. lediglich als trügerische Idylle „entlarvt“ werden.

5. Lähmend oder aufrüttelnd?

Die Wirkung dieser Horrorszenarien sind oft dem widersprechend, was eigentlich von Nöten ist. Anstatt die Leser durch Aufklärung und sachliche Dokumentationen zum Handeln zu motivieren, versetzen sie sie in Angst und Lethargie. Die folgende Resignation macht ein Handeln beinahe unmöglich.

Die Macht der Medien ist enorm. Anstatt Wert auf dramatische, beängstigende und übertreibende Gewaltdarstellungen zu legen, die eine rücksichtslose Ausbeutung des Themas auf Kosten der Schule, der Lehrer und der Schüler mit sich bringen, sollten Journalisten einmal umdenken. Diese Macht kann auch ganz gegenteilig genutzt werden: Sie kann informieren, zum Nachdenken anregen und ermutigen, den Kampf gegen die Gewalt aufzunehmen.

II Darstellung empirische Untersuchungen

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werden fünf Untersuchungen näher vorgestellt. Aus einer Reihe von Schulstudien (vgl. Teil I, Kap. 2) wurden sie sowohl aufgrund ihrer Unterschiedlichkeit in Bezug auf Zeitpunkt und Untersuchungsraum als auch aufgrund der Vergleichbarkeit ihrer Forschungsschwerpunkte ausgewählt.

Zum einen geben die Studien einen recht guten Überblick über die zu untersuchende Zeitspanne von zehn Jahren. So werden Forschungsergebnisse aus den Jahren 1993, 1995, 1999 und 2003 dargestellt, die letztendlich zu einer übergeordneten Prognose der Gewaltentwicklung an den Schulen führen können. Weiterhin wurde darauf geachtet, dass sich die Untersuchungsgebiete über mehrere Bundesländer bzw. Städte erstrecken. Somit konnte durch die Miteinbeziehung der Länder Hessen, Sachsen und Bayern sowie der Städte Nürnberg/Erlangen (Bayern) und Bochum (NRW) ein raumgreifendes Bild der Situation erstellt werden, dass zwar nicht allgemeingültig jedoch exemplarisch für Deutschland zu sehen ist.

Zum anderen gleichen sich die Untersuchungen in ihren Forschungsmethoden und -zielsetzungen. Alle Studien verfolgen den Ansatz, über die quantitative (und teilweise auch über die qualitative) Befragung zu aussagekräftigen Antworten auf die Frage nach dem Ausmaß, den Formen und die Entwicklung von schulischer Gewalt zu gelangen. Neben der reinen Deskription der Gewaltsituation konzentrieren sich die Forschungsgruppen auf die Beschreibung und Analyse möglicher Bedingungskonstellationen, die sowohl innerschulischer (Schulgröße, Klassenklima usw.) als auch außerschulischer Art (Familie, Peer-Group, Medien usw.) sein können. Zum Abschluss der Untersuchung nutzen die Autoren die Forschungsresultate, um Interventions- und Präventionsmöglichkeiten entwickeln und vorstellen zu können.

In Anbetracht des geplanten Vergleichs einzelner Gewaltaspekte waren diese Punkte ausschlaggebend für die Auswahl der Studien, da sie es ermöglichen, ein differenziertes Bild des Problems der Gewalt an Schulen herzustellen.

1. Schwind, Roitsch, Ahlborn und Gielen (1995)

Gegenstand der Untersuchung von Schwind, Roitsch, Ahlborn und Gielen (1995a) ist der quantitative Aspekt von Gewalt an Bochumer Schulen. Dabei konzentrierten sich die Autoren besonders auf die Art und Häufigkeit der Gewaltphänomene und die Wahrnehmung und Folgen erlebter Gewalttätigkeiten (Schwind et al., 1995a).

Neben diesen Kriterien sollte die Untersuchung Informationen erbringen, die die Lagebeurteilung erleichtern und als Basis für Präventionsmaßnahmen genutzt werden können, so Schwind, Roitsch und Gielen (1997) zu den Inhalten der Studie.

1.1 Methodische Anlage der Untersuchung

Die Untersuchung fand vom 25.10.1993 bis 26.11.1993 in der Stadt Bochum (NRW) statt. Das Vorhaben der Studie war eine umfassende Befragung aller Personengruppen, die mittel- und unmittelbar mit der Lebenswelt Schule zu tun haben. Daher entschied man sich für folgende Personenkreise: Schulleiter, Lehrer, Hausmeister, Schulsekretärinnen und natürlich Schüler. Durch das Interesse der Eltern initiiert, wurde im Februar und März 1994 eine gesonderte Befragung dieser Gruppe vorgenommen.

Aufgrund der geringen Anzahl wurden alle Schulleiter der 123 Bochumer Schulen in einer Totalerhebung befragt. Für ein repräsentatives Endergebnis war es jedoch nötig, aus der Grundgesamtheit von 103 Schulen mit insgesamt 38067 Schülern eine Stichprobe von 26 Schulen zu ziehen. Daraus ergab sich letztendlich folgende Zusammenstellung:

- 934 Schüler aus 42 Klassen
- 116 Lehrer (Klassenlehrer der ausgewählten Klassen plus vier/drei weitere Fachlehrer)
- 21 Hausmeister
- 23 Sekretärinnen

Die Befragung erfolgte anonym durch einen Fragebogen mit größtenteils standardisierten Fragen mit zumeist fünf Antwortmöglichkeiten. Lediglich die Schülergruppe Klasse 1-6 und die Sonderschüler bekamen zur Vereinfachung Fragen mit drei Antwortmöglichkeiten.

1.2 Zentrale Aussagen

1.2.1 Wahrnehmung der Gewalt aus Sicht des Schulpersonals

Für eine erste Übersicht zur Gewaltsituation wurden Schulleiter, Lehrer, Hausmeister und Sekretärinnen gebeten, das Gewaltausmaß an ihren Schulen einzuschätzen.[5]

Exemplarisch sind in der folgenden Abbildung die Angaben der Schulleiter aufgeführt, die sich weitestgehend mit den Schätzungen der anderen Befragten deckten.

Abb. 1: Vorkommen einiger ausgewählter Gewaltphänomene im Jahr 1993

(in Prozent) (modif. nach Schwind, Roitsch & Gielen, 1995b, S. 620)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Einschätzungen zeigten, dass die Gewaltsituation an Bochumer Schulen differenziert betrachtet werden muss. Einzelne Phänomene wurden oft, andere wiederum selten beobachtet.

Am häufigsten äußerte sich Schülergewalt in verbalen Aggressionen (Beleidigungen, Provokationen usw.). Fast 83% der Schulleiter beobachteten mindestens einmal pro Woche oder häufiger („oft“) verbale Auseinandersetzungen.

Ebenso berichteten sie von Prügeleien, die von 62,7% der Schulleiter „oft“ beobachtet wurden, und von Vandalismus, der zwar nicht oft, jedoch zumindest regelmäßig beobachtet wurde (57,6%).

Im Gegensatz dazu benannten Schulleiter ernste Schlägereien (die eine ärztliche Behandlung nach sich zogen) als kein allzu großes Problem, gleichwohl immerhin 45% der Schulen „manchmal“ (d.h. einmal im Monat oder ein- bis fünfmal pro Jahr) davon betroffen waren. Raub/Erpressung/Bedrohung und Waffengebrauch bestimmten den Schulalltag noch nicht so massiv, jedoch gab es auch Vorfälle, die diesen Phänomenen zuzuordnen waren.

1.2.2 Wahrnehmung der Gewalt aus Sicht der Schüler (7.-13. Klasse)

Die Gruppe der 12-21-jährigen (Ø 15 Jahre) bestand aus insgesamt 437 Schülern, wovon 197 männlichen und 240 weiblichen Geschlechts waren. Der Ausländeranteil von 39 Schülern wurde weitestgehend nicht berücksichtigt, da diese Gruppe keine Abweichungen von den deutschen Schülern zeigte.[6]

Analog zur Befragung des Schulpersonals sollten Schüler die Gewalt an ihrer Schule einschätzen.

Abb. 2: Vorkommen einiger ausgewählter Gewaltphänomene im Jahr 1993

(in Prozent) (modif. nach Schwind et al., 1995b, S. 621)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die befragten Schüler berichteten über ein etwas höheres Ausmaß an Gewaltphänomenen als das Schulpersonal, was sich durch die direkte und unmittelbare Betroffenheit erklären lässt.

Vergleichbar mit den Angaben der Schulleiter wurden besonders verbale Aggressionen (81,9%), Spaßkloppe/Prügeleien (69,5%) und Vandalismus (33,2%) als fast alltäglich wahrgenommen. Auffallend ist die Einschätzung, dass „vor allem verbale Aggressionen zum (fast) alltäglichen Bild an den Schulen“ (Schwind et al., 1995a, S. 156) gehörten.

Auch zeigten sich Parallelen in der Beurteilung der Gewaltformen wie Raub/Erpressung/Bedrohung, Waffengebrauch und ernste Schlägereien. Diese beherrschten sowohl in den Augen der Schüler als in den Augen der Schulleiter den Schulalltag in keinem beängstigenden Ausmaß.

Eine wichtige Unterscheidung, die jedoch nicht aus der Übersicht hervorgeht, ist die Tatsache, dass Gesamt- und Realschüler die verschiedenen Gewalttätigkeiten insgesamt häufiger beobachteten als Schüler vom Gymnasium. Des weiteren nahmen männliche Schüler, im Gegensatz zu ihren weiblichen Mitschülern, bestimmte Gewaltphänomene öfters wahr, was jedoch eine grundsätzliche Geschlechterdifferenzierung in der Gewaltbeobachtung nicht begründete (Schwind et al., 1995a).

Da der aktuelle Forschungsstand davon ausgeht, dass Jugendliche im Alter zwischen 12-18 Jahren besonderes von schulischer Gewalt betroffen sind, sollen nun weitere Ergebnisse aus dieser Altersgruppe behandelt werden.

1.2.3 Täterselbstreport der Schüler

Nach Einschätzung der beobachteten Gewalttätigkeiten in der Schule wurden die Schüler zu ihrem persönlichen Umgang mit Gewalt befragt. Die darauffolgenden Fragen konzentrierten sich darauf, ob die Schüler die angegebenen aggressiven Verhaltensweisen selbst im Jahr 1993 gezeigt hatten. Dabei wurde nicht nach Häufigkeit der Taten unterschieden, wohl aber nach dem Geschlecht der Täter.

Tabelle 2: Eigenes aggressives Verhalten (von Schülern und Schülerinnen);

„Ja“-Antworten; Angaben in absoluten Zahlen und Prozent

(modif. nach Schwind et al., 1995a, S. 157f)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Ergebnisse dieses Untersuchungsaspekts machen deutlich, dass das beobachtete aggressive Verhalten mit dem eigenen Gewaltverhalten übereinstimmt. Verbale Aggressionen, Spaßkloppe und Vandalismus nahmen die ersten Plätze ein, während Waffengebrauch, sexuelle Belästigung, ernste Schlägereien, tätliche Gewalt gegen Lehrer, Raub/Erpressung/Bedrohung und Nötigung eher weniger angegeben wurden (Schwind et l., 1995a).

Die wichtigste Aussage ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass deutlich mehr männliche Schüler die Bereitschaft zu gewalttätigem Handeln zeigten. Während der Unterschied bei verbalen Aggressionen noch mittelgroß ist (anscheinend wurden „Kämpfe“ der Schülerinnen zumeist wörtlich ausgetragen) scheint die Kluft zwischen Mädchen und Jungen bei stark körperlich ausgeprägten Gewaltphänomen besonders groß zu sein. So bejahten etwa 3x so viele männliche Schüler (68,3%) wie weibliche Schüler (23,3%) ihre Täterschaft bei der Spaßkloppe, sowie sogar 14x so viele Schüler (11,2%) als Schülerinnen (0,8%) bei ernsten Schlägereien (Schwind et al., 1995a).

Die Ergebnisse der Schülerbefragung aus den Klassen 1-6 werden hier nur kurz wiedergegeben:

Ähnlich wie in der Schülergruppe B wurden verbale Aggressionen unter Schülern am häufigsten beobachtet („manchmal“-56,5%, „oft“-25,3%). Auch die „Spaßkloppe“ wurde als häufig vorkommend eingeschätzt mit 24,4%. Die physisch ausgelegten Konflikte zwischen Lehrern und Schülern sowie Waffengebrauch wurden dagegen nur seltenst beobachtet.

Auffallend ist die Tatsache das ernstere Schlägereien von jüngeren Schülern einen höheren Stellenwert einnahmen als bei älteren Schülern, wohingegen Auseinandersetzungen zwischen Lehrern und Schülern lediglich auf den unteren Plätzen aufzufinden waren.

Generell wurden Gewaltaktivitäten von dieser Altersgruppe weniger „oft“ beobachtet als von den älteren Mitschülern, sogar so weit gehend, dass von den 16 Gewaltphänomenen (die oben aufgeführt sind) über die Hälfte der befragten Schüler 12 davon noch nie wahrgenommen hatte (Schwind et al., 1995a).

Entsprechend der erwarteten Ergebnisse nannten jüngere Schüler bei selbstausgeführten Gewalttätigkeiten verbale Aggressionen (41,5%), wie jemanden beschimpfen, beleidigen oder „anmachen“, sowie Spaßkloppe (34,2%) am häufigsten. Auch ist nicht verwunderlich, dass physische Gewalt gegenüber dem Lehrer und Waffengebrauch kaum ausgeübt wurde.

Ein weiterer wichtiger Untersuchungspunkt war die Frage, ob es Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen gibt. Schwind et al. (1995) kam zu folgendem Ergebnis:

Ein Vergleich der Antworten der männlichen und weiblichen Schüler zeigt, daß sich unter den Jungen mehr Täter befinden als unter den Mädchen [Hervorhebung v. Verf.]. So gaben beispielsweise 47,9% der Jungen (114 Personen) aber nur 20,4% der Mädchen (48 Personen) an, schon einmal „Spaßkloppe“ angefangen zu haben. (S. 180)

1.2.4 Einschätzung der Lehrer zur Gewaltentwicklung

Um ein umfassendes Bild der Gewaltentwicklung zu bekommen, wurden auch die Lehrer gebeten, Veränderungen im aggressiven Verhalten in ihrer Schule, differenziert nach dem Geschlecht, einzuschätzen. Dazu wählte man einen Zeitraum von fünf Jahren (1989-1993) aus, den die Lehrer im Bezug auf Wandlungen im Umgang mit Gewalt beurteilen sollten.[7]

Abb. 3: Entwicklung der Aggressionen in den letzten fünf Jahren;

Angaben in Prozent (modif. nach Schwind et al., 1995a, S.124f)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bedeutend scheint in dieser Tabelle vor allen Dingen wieder die Tatsache zu sein, dass in allen Bereichen vor allem die männlichen Schüler sehr viel aggressiver eingeschätzt wurden als die weiblichen Schüler. Gleichzeitig kann man aber auch eine grundsätzliche geschlechterunabhängige Zunahme im Bereich der verbalen Aggressionen erkennen, die die vorhergehenden Täterselbstreporte bestätigen. Des weiteren schienen neben den psychischen Gewalttätigkeiten (Beleidigungen, verbale Aggressionen) besonders die physischen Gewaltphänomene zugenommen zu haben. Die Lehrer bemerkten vorrangig bei Jungen eine deutliche Zunahme von Vandalismus, Prügeleien einhergehend mit einer steigenden Brutalität, die oftmals in Verbindung mit den einzelnen Gewaltakten einhergeht (Schwind et al., 1999).

[...]


[1] Im Laufe dieser Arbeit werden die Begriffe „Gewalt“ und „Aggression“ synonym verwendet.

[2] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf eine geschlechtsspezifische, begriffliche Unterscheidung der Personengruppen verzichtet. So umfasst der Begriff „Schüler“ gleichwohl Schüler wie auch Schülerinnen, der Begriff „Lehrer“ ebenfalls Lehrer und Lehrerinnen und der Begriff „Schulleiter“ sowohl Schulleiter als auch Schulleiterinnen.

[3] Auch Fuchs, Lamnek & Luedtke (2001) benennen unterschiedliche Phasen im Prozess der Thematisierung von Gewalt an Schulen. Sinngemäß unterscheiden sie gleiche Phasen, gliedert sie aber in vier Teilbereiche auf.

[4] Eine umfangreiche Dokumentation der Untersuchungen zum Forschungsschwerpunkt „Gewalt an Schulen“ liefert u.a. das Buch „Jugend und Gewalt: sozialwissenschaftliche Diskussion und Handlungsansätze; eine Dokumentation“ herausgegeben 1995 vom Informationszentrum Sozialwissenschaften, Bonn. Daneben gibt es eine Reihe von Internetseiten, wie http://www.gesis.org/Information/Themen/Fokus/sch_gew/index.htm, die auch die aktuellen Datenbestände aufführen.

[5] Die Aufteilung der Schulleiter auf die Schulformen ist im Anhang aufgeführt.

[6] Eine genaue Verteilung der Schüler bezüglich Jahrgangsstufe und Schulform findet sich im Anhang.

[7] Die Aufteilung der Lehrerstichprobe nach der Schulform befindet sich im Anhang.

Ende der Leseprobe aus 93 Seiten

Details

Titel
Gewalt in der Schule - Ein Überblick zu den Befunden empirischer Untersuchungen
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
93
Katalognummer
V34884
ISBN (eBook)
9783638349727
Dateigröße
777 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gewalt, Schule, Befunden, Untersuchungen
Arbeit zitieren
Ilka Weber (Autor), 2003, Gewalt in der Schule - Ein Überblick zu den Befunden empirischer Untersuchungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34884

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