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Mythos Sport in Elfriede Jelineks 'Ein Sportstück'

Titel: Mythos Sport in Elfriede Jelineks 'Ein Sportstück'

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2002 , 32 Seiten , Note: 1,5

Autor:in: Guido Scholl (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Elfriede jelinek und der Sport – das ist eine ganz besondere Beziehung. Innig und voller Ablehnung. Und geprägt von einer distanzierten Faszination. Denn was Jelinek am Massenphänomen Sport kritisiert, das schreibt sie der Gesellschaft ins Buch. Ausgewählt hat Jelinek ein Motiv aus dem Sport, bei dem Masse das Grundprinzip ist. Der österreichische Bodybuilder Andreas Münzer starb Mitte der 90er Jahre an seinem Streben nach Muskelmasse. Von dieser individuellen Masse reflektiert Jelinek auf Zuschauermassen, dargestellt als Chöre. Damit vollzieht die Nobelpreisträgerin den Rückschluss auf den Ursprung des Sports – die Antike. Ist moderner Sport lediglich die per Chemie und Technologie pervertierte Zuspitzung des Grundgedankens von Wettkampf/Gewalt?

In dieser Arbeit wird nachgezeichnet, wie Jelinek das Thema Sport in der Moderne Stück für Stück seziert. Wortgewaltig und bildgewaltig. Bezüge auf Roland Barthes und Marieluise Fleißer zeigen unter anderem, dass Jelineks Kritik zwar nicht völlig neu, sehr wohl aber völlig neuartig formuliert ist.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mythendestruktion: Jelinek und Barthes

2.1. Mythos Sport und Barthes’ Verhältnis zur Tour de France

2.2. „Ein Sportstück“ und der Mythos Sport

3. „Ein Sportstück“ im kulturellen und literarischen Kontext

3.1. „Ein Sportstück“ und das Thema Religion

3.1.1. Sport als Religionsersatz

3.1.2. „Info ohne Empfänger“

3.2. Verfall und Nabelschau: Jelinek, Kirchhoff, von Dueffel

3.3. Der Chemiebaukasten

3.3.1. Eine Geschichte des Dopings: „War Achill gedopt?“

3.3.2. Doping als Mythendestruktion

4. Männlichkeit vs. Weiblichkeit?

5. Schluß

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Elfriede Jelineks Theaterstück „Ein Sportstück“ im Kontext der Mythendestruktion, wobei insbesondere die kritische Auseinandersetzung mit dem modernen Sport als medial inszeniertem Phänomen im Zentrum steht.

  • Analyse der Übertragung von Roland Barthes' Mythostheorie auf Jelineks literarisches Verfahren.
  • Untersuchung von Sport als Religionsersatz und dessen Verknüpfung mit gesellschaftlichen Klischees.
  • Kritische Betrachtung des Zusammenhangs von Leistungssport, Doping und körperlichem Verfall.
  • Dekonstruktion des Geschlechtermythos innerhalb der Sportwelt und der Medien.

Auszug aus dem Buch

3.1.1. Sport als Religionsersatz

Der Hauptaspekt des Themas Religion in „Ein Sportstück“ liegt also nicht in der Frage, was Sport und Religion gemeinsam haben, sondern darin, wie der Sport durch die Öffentlichkeit zu einer Quasireligion manipuliert wird. Dies verschiebt die Bedeutung der religiösen Assoziationen von einem rein metaphorischen Aspekt hin zu einer tatsächlichen Studie des Gesellschaftsbewußtseins. Der Sport ist nicht nur wie eine Religion strukturiert, er fungiert wie ein Religionsersatz.

Der Text gibt besonders der Figur des Bodybuilders Andi eine Hauptrolle in der Frage nach dem Religionsersatz. Es gibt in diesem Gebiet einige interessante Parallelen zu Marieluise Fleißers Roman „Eine Zierde für den Verein“, in dem die Beziehung des Gustl Gillich zu dessen Geliebten Frieda und seinem Sport(verein) beschrieben wird. Die beiden männlichen Protagonisten Andi und Gustl verkörpern in beiden Werken eine Messias-Figur, die im jeweiligen Kontext zum Popanz degeneriert. In beiden Texten erfüllt der Sport deshalb die Funktion eines Religionsersatzes.

Zunächst fällt eine formale Parallelen der beiden Sportler auf, die sie als eine Art Christusfigur erscheinen lassen. Beide werden als einzige Söhne beschrieben. Gustl hat keine Geschwister und hat als Hauptbezugsperson die Mutter, was schon im ersten Kapitel deutlich wird, als aus den „Eltern“ ( Eine Zierde für den Verein: Seite 9) die „Mutter“ (Eine Zierde für den Verein: Seite 11) wird, die ihm Vorhaltungen macht. Fortan wird nur noch von der Mutter als elterlicher Instanz gesprochen. Deren Einfluß ist so groß, daß sogar die sinnliche Liebesbeziehung zu Frieda ihm nicht standhält. Das erinnert an die Rolle, die die Jungfrau Maria im Christentum spielt. Sie ist wesentlich bedeutender als der irdische Vater (Erzeuger) Joseph.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Thema Sport als massiv durch Medien und Wirtschaft geprägtes gesellschaftliches Phänomen und führt den Ansatz der Mythendestruktion nach Roland Barthes als zentralen Analysefaden ein.

2. Mythendestruktion: Jelinek und Barthes: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Mythenanalyse und untersucht die Parallelen zwischen Barthes' Sicht auf den Sport und Jelineks kritischer literarischer Verarbeitung.

3. „Ein Sportstück“ im kulturellen und literarischen Kontext: Hier wird das Werk in einen weiteren kulturellen Rahmen gestellt, wobei Religion, Verfall und Doping als zentrale Mechanismen der Mythenbildung und -zerstörung identifiziert werden.

4. Männlichkeit vs. Weiblichkeit?: Dieses Kapitel analysiert, wie Jelinek die Konstruktion männlicher Identität im Sport entlarvt und die problematische Beziehung zwischen den Geschlechtern sowie den Mythos Männlichkeit dekonstruiert.

5. Schluß: Das Fazit fasst zusammen, wie Jelinek Klischees der Gesellschaft enttarnt und betont, dass ihr kritischer Blick auf die Sportwelt auch über das behandelte Werk hinaus Bestand hat.

Schlüsselwörter

Elfriede Jelinek, Ein Sportstück, Mythos, Mythendestruktion, Sport, Roland Barthes, Religionsersatz, Doping, Männlichkeit, Körperverfall, Medienkritik, Gesellschaftskritik, Identität, Bodybuilding, Moderne.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das Theaterstück „Ein Sportstück“ von Elfriede Jelinek unter dem Aspekt der Mythendestruktion und analysiert die kritische Auseinandersetzung mit dem modernen Sport.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?

Die zentralen Themen sind Sport als Religionsersatz, die Auswirkung von Leistungsdruck und Doping auf den Körper sowie die kritische Dekonstruktion von Geschlechterrollen und Männlichkeitsmythen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Jelinek den Sport als durch Medien und Wirtschaft überfrachteten Mythos entlarvt und welche Mechanismen sie nutzt, um diese gesellschaftliche Verzerrung zu dekonstruieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?

Die Arbeit nutzt als theoretische Basis die Mythenanalyse nach Roland Barthes, um die Sprache und die Symbolik in Jelineks Theaterstück kritisch zu hinterfragen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil wird die Mythendestruktion im Kontext von Religion, der Identitätssuche von Athleten wie Andi, dem Vergleich mit anderen literarischen Werken sowie der Dopingproblematik detailliert untersucht.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?

Die wichtigsten Schlüsselbegriffe sind die Mythendestruktion, der „Chemiebaukasten“ als Doping-Metapher, der Sport als „Quasireligion“ und die kritische Sicht auf gesellschaftliche Klischees.

Wie wird der Tod der Figur „Andi“ in der Arbeit gedeutet?

Die Arbeit deutet den Tod von Andi als sinnloses Opfer im Rahmen einer maschinellen Sportwelt, in der die Figur durch Doping und den Druck zur Selbstinszenierung ihre Identität verliert.

Welche Rolle spielt der Vergleich mit anderen Autoren wie Kirchhoff oder Fleißer?

Die Vergleiche verdeutlichen, dass das Thema Identitätsverlust im (Leistungs-)Sport kein Einzelphänomen ist, sondern ein systemisches Problem der modernen Entertainment-Gesellschaft.

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Mythos Sport in Elfriede Jelineks 'Ein Sportstück'
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Seminar für Deutsche Literatur und Sprache)
Note
1,5
Autor
Guido Scholl (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2002
Seiten
32
Katalognummer
V34934
ISBN (eBook)
9783638350082
ISBN (Buch)
9783638637183
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mythos Sport Elfriede Jelineks Sportstück
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Guido Scholl (Autor:in), 2002, Mythos Sport in Elfriede Jelineks 'Ein Sportstück', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34934
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  32  Seiten
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