Zeigt sich anhand des Profi(t)fußballs dass wir in einer von Geld dominierten Gesellschaft leben?

"Money, money, money"


Hausarbeit, 2016

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Habitus
2.2 Die Kapitalsorten
2.2.1 Transformation von Kapital
2.3 Der soziale Raum
2.4 Feldtheorie
2.5 Anwendung

3. Fazit

1. Einleitung

Themen, die zum Grundbestand des Lebensvollzuges geworden sind: Konsum, Kauf und Verkauf, Erwerb und Besitz, Sparen, Gewinn oder Verlust, Themen die wohl die meisten Menschen auf der Welt kennen. Unser Leben ist geprägt durch bedrucktes Papier, durch Geld. Geld regiert die Welt, so lautet ein deutsches Sprichwort. Gemeint wird in den meisten Kontexten, dass Geld Macht bedeutet. Es ist das Geld das uns antreibt, um leben zu können, es entscheidet in der heutigen Zeit über die Art und Weise, kurz gesagt über die Lebensqualität. Eine Qualität, die durch Quantität in Form der Akkumulation von Geld gewährleistet wird. Geld ist sowohl im sozialen als auch im politischen Bereich allgegenwärtig. Diese Omnipräsenz ist es, welche das Geld so mächtig macht. Alles in allem steht Geld für Erfolg, Sicherheit, Anerkennung, Macht, Lebensqualität und Selbständigkeit. Geld ist somit in der Lage Gefühle wie Stolz oder Neid hervorzurufen und beeinflusst maßgeblich, wie wir andere Menschen bewerten. Von dieser Bewertung ausgehend wird die Gesellschaft segmentiert, doch findet es sich in jedem Segment wieder, vielleicht sogar in jedem Bereich - das Geld.

Gerade im Bereich des Profifußballs spielt Geld eine immer größer werdende Rolle. Verträge mit Spielern, Trainern und Sponsoren abzuschließen gehört zum täglichen Geschäft des Fußballs. Der Fußball, einst als Volkssport bekannt, entwickelt sich heute zu einem kommerziellen Geschäft. Die Transferpreise für Spieler werden immer höher, sodass das Sportliche nunmehr als Nebensache wirkt, doch warum steigen diese Preise und was lässt sich davon für unsere Gesellschaft ableiten?

Mit Hilfe des französischen Soziologen Pierre Bourdieu, der den Kapitalbegriff weiter fast, indem er neben dem Besitz als solchen und dem Besitz von Geld auch die Bildung und die Verfügbarkeit über soziale Kontakte/ Netzwerke einbezieht, soll der Geldaspekt genauer betrachtet werden. Bourdieu zufolge konkretisiert sich die Akkumulation von Arbeit und Sozialstatus über drei verschiedene Ebenen. Ebenen, die sich auch in teilweise abstrahierter Form, in der Welt des Profifußballs wiederfinden.

Die vorliegende Hausarbeit geht der Frage nach, ob sich anhand des Profifußballs zeigt, ob wir in einer auf Basis von Geld und auf Geld ausgerichteten Gesellschaft leben und inwieweit das ökonomische Kapital die anderen Kapitalsorten dominiert.

Für dieses Vorhaben muss im theoretischen Rahmen (Werkzeugkasten)dieser Hausarbeit zunächst die Darstellung von Sozialstruktur nach Bourdieus Verständnis erläutert werden, um anschließend eine Anwendung mit den vorgestellten ,theoretischen Werkzeugen’ durchführen, sowie verstehen zu können. Innerhalb dieses Rahmens werden die von Bourdieu verwendeten Begriffe des Habitus, der Kapitalsorten, des sozialen Raumes und des Feldes erörtert. Zunächst wird auf das Konzept des Habitus eingegangen, da dieser die Alltagspraxis der einzelnen Akteure generiert und so eine Relation zu den anderen Begriffen aufbaut. Im Anschluss daran werden die verschiedenen Kapitalsorten differenziert dargestellt, um daraufhin den sozialen Raum und die soziale Position in diesem Raum explizieren zu können. In diesem Zusammenhang sind die Kapitalsorten von entscheidender Bedeutung, da die soziale Position im Raum von der Form und dem Umfang des Kapitals abhängt.

Als letztes wird innerhalb des theoretischen Rahmens der Feldbegriff erörtert. Dies ist bezüglich der Anwendung von besonderer Bedeutung, da innerhalb der Felder mit bestimmten Kapitalsorten um ein feldspezifisches Kapital „gekämpft“ wird. Nach Klärung des Feldbegriffes wird der gesellschaftliche Teilbereich des Profifußballs durch Anwendung der theoretischen Werkzeuge analysiert. Im Fokus der Anwendung stehen die Voraussetzungen, Strategien und Ziele der Teilnehmer dieses Feldes, sowie der feldspezifische Einsatz von Kapital, mit welchem um den Gewinn des Feldes gekämpft wird. Zum Abschluss der Hausarbeit werden die Herangehensweise und die erarbeiteten Aspekte, wie auch die Eignung der Theorie Bourdieus in Bezug auf das ausgewählte Beispiel dargestellt und in den Kontext gesellschaftlicher Praxis eingeordnet, wie auch kritisch betrachtet.

Anmerkung: Aus Gründen der Leserlichkeit wird in dieser Hausarbeit ausschließlich die männliche Form der Substantive verwendet, ich bin mir dennoch der Genderproblematik bewusst.

2. Hauptteil

2.1 Habitus

Allgemein ist der Habitus die Grundhaltung eines Menschen zur Welt. Der Habitus entwickelt sich durch (Sozialisations-)Erfahrungen und wird durch gesellschaftliche Erfahrungen geprägt (vgl. Gebauer/ Krais (2002): 32). Die Grundhaltung eines Menschen zur Welt ergibt sich aus Denk- und Verhaltensstrukturen, die letztlich die Wahrnehmung bestimmen. Innerhalb dieser Strukturen ergeben sich Grenzen des Denkens und Handelns eines Menschen (vgl. Schwingel (1995): 65). Mit Bourdieus Worten ist „der Habitus ein System von Grenzen.“ (Bourdieu (1992c): 33) Neben diesem „System von Grenzen“ ist das Mischungsverhältnis der Kapitalsorten und die Kapitalausstattung als solche von Bedeutung. Die Verknüpfung von Handeln (Alltagspraxis) und materieller Lebensführung (Kapitalausstattung) stehen in einem Wechselverhältnis zueinander, letztlich ergeben sich über diese Verknüpfung „soziale Unterschiede nämlich, die Zugehörigkeit zu der einen oder zu der anderen [...] Klasse.“ (Gebauer/ Krais (2002): 37)

Damit ist die Rede vom Klassenhabitus1. Demzufolge nehmen Individuen in der Gesellschaft unterschiedliche soziale Positionen zueinander ein. Jede soziale Position entwickelt sich aus den Dispositionen des Habitus, gleichzeitig sind mit der jeweiligen sozialen Position Erwartungen verbunden (vgl. Rehbein (2006): 94).

2.2 Die Kapitalsorten

Bourdieu unterscheidet Kapital in drei Formen: Das ökonomische-, kulturelle- und soziale Kapital. Die jeweilige Form des Kapitals ist vom Anwendungsbereich abhängig (vgl. Bourdieu (1992c): 52). Nach Erläuterungen der einzelnen Kapitalsorten wird die Transformation von Kapital erörtert, da die Kapitaltransformation die Verbesserung der sozialen Position innerhalb des sozialen Raumes erschwert, jedoch ermöglichen kann. Im Anschluss daran wird das Konzept des sozialen Raumes dargelegt.

Kulturelles Kapital

Allgemein kann kulturelles Kapital als Wissen oder Bildung aufgefasst werden.

Das kulturelle Kapital kann in drei Formen untergliedert werden, was sich am Lernprozess in der Schule prägnant verdeutlichen lässt: Ein Schüler besitzt ein Buch (objektiviert), liest dieses und versteht es (inkorporiert), dieses Wissen wird letztlich abgefragt und der Schüler erhält für das Erlernte eine Note (institutionalisiert). Im Zusammenhang mit dem Habitus wirkt inkorporiertes kulturelles Kapital auf längere Sicht gesehen intuitiv als Teil des Habitus. Dieses Wissen und die damit verbundenen Fähigkeiten werden an Gegenständen, wie beispielsweise Maschinen angewendet, die Gegenstände sind das objektivierte Kulturkapital. Inkorporiertes Kulturkapital wird in Form von institutionalisiertem Kulturkapital, z.B. Zeugnisse oder Titel, anerkannt. Demnach gelten Zeugnisse oder Titel als Nachweise von inkorporierten Kulturkapital (Vgl. Bourdieu (1992c): 49-63).

Soziales Kapital

Unter Sozialkapital versteht Bourdieu „die Gesamtheit der aktuellen und potentiellen Ressourcen, die mit [...] Beziehungen gegenseitigen Kennens oder Anerkennens verbunden sind.“ (Bourdieu (1992c): 63) Durch kontinuierliche Institutionalisierungsakte und Institutionalisierungsarbeit werden diese Beziehungen aufrechterhalten. Somit kann das soziale Kapital den Mitgliedern eines sozialen Netzes den Zugang zu Ressourcen wie Hilfeleistung, Wissen, Finden von Arbeitsplätzen, Vorteilen im Allgemeinen ermöglichen (vgl. Bourdieu (1992c): 63ff). Nur auf der Grundlage von materiellen oder symbolischen Tauschbeziehungen können Sozialkapitalbeziehungen existieren. (vgl. ebd.).

Ökonomisches Kapital

Ökonomisches Kapital umfasst bei Bourdieu den materiellen Reichtum und Besitz (vgl. Moebius (2006c): 55), allgemein alles was in Geld konvertierbar ist.

Symbolisches Kapital

Allgemein wird diese Form des Kapitals als ,Prestige’ bezeichnet, das auf Grundlage sozialer Anerkennung aufbaut (vgl. Moebius (2006c): 56). Alle Kapitalien können als Machtmittel eingesetzt werden und bilden in der Summe das symbolische Kapital. In Bezug auf die soziale Anerkennung wird erkennbar, dass das symbolische Kapital die ,wirksame’ Kapitalsorte der (insgesamt) vier Kapitalsorten ist. Erst der Umfang und Besitz von Kapital bringt bei der An- und Verwendung auf den Feldern einen Profit, unter der Voraussetzung, dass dieser Einsatz etwas symbolisiert. Das symbolische Kapital kann jedoch nur dort seine Wirksamkeit entfalten, wo das ökonomische Kapital nicht anerkannt wird (vgl. Bourdieu (1993): 210ff). Dadurch, dass Titel präsentiert werden, muss so anstelle von Geld nur das Gesicht, der Name oder die Ehre kenntlich gemacht werden, wodurch symbolisches Kapital:

„sogar auf dem Markt [wirkt]: genau wie man sich rühmen kann, etwas für einen schwindelerregenden Preis erstanden zu haben, als Ehrensache, um zu zeigen, daß [sic!] >>man sich’s leisten kann<<, kann man damit protzen, ein Geschäft ohne einen Pfennig Bargeld abgeschlossen zu haben, [...] durch Kredit und Vertrauenskapital aus einem Ruf von Ehrbarkeit und Wohlstand.“ (Bourdieu (2003): 218)

2.2.1 Transformation von Kapital

„Die anderen Kapitalarten können mit Hilfe von ökonomischen Kapital erworben werden, aber nur um den Preis eines mehr oder weniger großen Aufwandes an Transformationsarbeit [i.O. kursiv], die notwendig ist, um die in dem jeweiligen Bereich wirksame Form der Macht zu produzieren.“ (Bourdieu (1992c): 70)

Mit Aufwand ist die benötigte und investierte Zeit zur Umwandlung einer Kapitalform in eine andere gemeint (vgl. ebd.). Der Besitz, der in der Verfügbarkeit ökonomischen Kapitals2 gemessen wird ist die Voraussetzung für den Erwerb von Gegenständen kultureller Bedeutung (ein Buch kaufen). Diesbezüglich sagt Bourdieu, „dass das ökonomische Kapital [...] allen anderen Kapitalformen zugrunde liegt [...].“ (ebd.) Man darf Bourdieu zufolge jedoch nicht davon ausgehen, dass alle Kapitalformen ausschließlich auf die Form des ökonomischen Kapitals zu kürzen sind (vgl. Bourdieu (1992c): 71). So ist auch das symbolische Kapital in andere Kapitalformen konvertierbar, beispielsweise kann jemand der ein hohes symbolisches Kapital besitzt dieses „zum Ausbau des ökonomischen Kapitals nutzen [...].“ (Moebius (2006c): 56) Das Sozialkapital ist indirekt vom kulturellen- oder ökonomischen Kapital abhängig, da die Zugehörigkeit zu einer Gruppe voraussetzt, dass alle Beteiligten zumindest objektiv betrachtet eine gewisse Gleichheit aufweisen (vgl. Bourdieu (1992c): 64).

[...]


1 Auf den Klassenhabitus wird im Kontext des sozialen Raumes expliziter eingegangen.

2 Es wird Liquidität des ,Transformationsinteressierten’ vorausgesetzt.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Zeigt sich anhand des Profi(t)fußballs dass wir in einer von Geld dominierten Gesellschaft leben?
Untertitel
"Money, money, money"
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V349696
ISBN (eBook)
9783668365742
ISBN (Buch)
9783668365759
Dateigröße
564 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geld, Fußball, Sozialstruktur, Bourdieu, Kommerzialisierung, Premiere League, Erfolg, Champions League, Kauf
Arbeit zitieren
Darius Lamm (Autor), 2016, Zeigt sich anhand des Profi(t)fußballs dass wir in einer von Geld dominierten Gesellschaft leben?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/349696

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