Ist Bestrafung eine sinnvolle Maßnahme gegen Unterrichtsstörungen?


Hausarbeit, 2016

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorstellung der Auswertungsmethode

3. Interpretation des Untersuchungsgegenstandes
3.1 Sequenzanalyse
3.2 Einbeziehung des Kontextes
3.3 Fallstrukturhypothese

4. Bestrafung – eine sinnvolle Maßnahme gegen Unterrichtsstörungen?
4.1 Kritik an Bestrafungen
4.2 Bedingungen, unter denen Strafen wirkungs- bzw. sinnvoll sind

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit der Frage nach Strafen im Schulunterricht wurde sich bereits vielfältig beschäftigt und dennoch scheint man sich im Allgemeinen noch nicht darüber einig zu sein, ob Bestrafungen als Maßnahme gegen Unterrichtsstörungen sinnvoll sind oder eher eine „nutzlose“ Methode darstellen, die vielleicht in dem Moment, in dem sie zur Anwendung kommt, Wirkung auf die Schülerin oder den Schüler macht, auf Dauer jedoch nichts bezwecken kann. Im dritten Kapitel dieser Ausführungen soll eine mögliche Antwort auf diese Frage mithilfe der Objektiven Hermeneutik genauer in Augenschein genommen werden, nachdem zuvor im zweiten Kapitel diese Auswertungsmethode kurz vorgestellt wurde. In dem nachfolgenden Kapitel soll dann schließlich sowohl auf die Kritik, die die Maßnahme des Bestrafens erfährt, als auch auf die Bedingungen, unter denen sie als sinnvoll betrachtet werden kann, eingegangen werden. Da im Rahmen dieser Hausarbeit nicht jede einzelne Position zu dieser vielerseits diskutierten Frage vorgestellt werden kann, soll anhand dessen ein grober Überblick darüber geschaffen werden, aus welchen Gründen Bestrafungen einerseits keine sinnvolle Maßnahme gegen Unterrichtsstörungen darstellen könnten und andererseits, welche Aspekte gegeben sein müssten, damit sie doch als sinnvoll angesehen werden können.

2. Vorstellung der Auswertungsmethode

In diesem Abschnitt soll die Methode der Objektiven Hermeneutik kurz erläutert werden, von der im Folgenden Gebrauch gemacht wird. Gegenstand der Methode sind Sinneinheiten, beispielsweise Sätze oder noch kürzere Abschnitte, die im Hinblick auf eine vorher festgelegte Fragestellung untersucht werden sollen (vgl. Garz/Raven 2015, S. 143). Dabei wird so vorgegangen, dass Lesarten gebildet werden, die dann bei Hinzunahme weiterer Textstellen oder Wörtern wieder verworfen, verändert oder neu formuliert werden können, da sie mit dem vorliegenden Text nicht mehr vereinbar sind (vgl. Garz/Raven 2015, S.143f.). Auf diese Weise soll sich letztendlich einer objektiven, treffenden Lesart angenähert werden (vgl. Garz/Raven 2015, S. 144), indem sich an fünf entscheidende Prinzipien gehalten wird.

1. Kontextfreiheit

Das Prinzip der kontextfreien Interpretation verfolgt die Absicht, bei der Auswertung des Materials keinerlei Vorwissen miteinzubeziehen und eine objektive Haltung einzunehmen, sodass textkompatible gedankenexperimentelle Kontexte formuliert werden können (vgl. Wernet 2009, S. 23). Da es oft so ist, dass man das auszuwertende Material selbstständig erhoben hat, muss sich hier absichtlich unwissend gestellt werden (vgl. Wernet 2009, S. 23). Die Einbeziehung des Kontextes spielt bei der Interpretation zwar auch eine zentrale, aber dennoch nachgeordnete Rolle (vgl. Wernet 2009, S. 21).

2. Wörtlichkeit

Das Prinzip der Wörtlichkeit beinhaltet, dass die Interpretation sich nur auf das bezieht, was auch protokolliert ist (vgl. Garz/Raven 2015, S. 144f.). Dabei darf weder etwas hinzugefügt noch ausgelassen werden und auch Veränderungen dürfen an dem vorliegenden Text nicht vorgenommen werden (vgl. Wernet 2010, S. 6). Es sollen also nur solche Lesarten gebildet werden, die tatsächlich aus dem Text herausgelesen werden können, und nicht solche, die auf freiem Assoziieren oder bloßem Phantasieren gründen (vgl. Garz/Raven 2015, S. 145). Darüber hinaus ist es hier von Bedeutung, nicht nur den Inhalt der zu betrachtenden Textstelle wiederzugeben, sondern auch eine genaue Explikation der Sinnstruktur der Textstelle in den Blick zu nehmen (vgl. Wernet 2010, S.7).

3. Sequenzialität

Das Prinzip der Sequenzialität nimmt bei der objektiv-hermeneutischen Interpretation eine entscheidende Rolle ein, nicht grundlos wird in diesem Zusammenhang auch von „Sequenzanalyse“ gesprochen (vgl. Wernet 2009, S. 27). Dabei geht es vor allem darum, nicht nur „brauchbare“ Stellen aus dem Text herauszufiltern und diese genauer zu betrachten, sondern sich jede einzelne Stelle Schritt für Schritt vorzunehmen und jeder ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit zu widmen (vgl. Wernet 2009, S. 28). Dafür folgt man dem vorliegenden Ablauf des Protokolls und bezieht sich bei der Interpretation der einzelnen Sequenzen nur auf vorangehende und nicht nachfolgende Sequenzen (vgl. Wernet 2009, S. 27f.). Auch hier muss sich deshalb unter Umständen wieder unwissend gestellt und die Kenntnis über die nachfolgenden Sequenzen ausgeblendet werden (vgl. Wernet 2009, S. 29), um eine nach hinten isolierte Interpretation der gerade vorliegenden Textstelle zu gewährleisten. Dass die gebildeten Lesarten dennoch von dem gegebenen Textwissen beeinflusst sein können, steht außer Frage und wird von den Prinzipien der Kontextfreiheit und der Sequenzialität auch nicht verboten (vgl. Wernet 2009, S. 29). Vielmehr geht es vor allem darum, dass die Lesarten nicht mit dem Text- und Kontextwissen begründet werden (vgl. Wernet 2009, S. 29).

4. Extensivität

Bei der Extensivität haben wir es wieder mit der Forderung zu tun, dass kein Element des Textes ausgelassen werden darf und auf Vollständigkeit beharrt wird (vgl. Wernet 2009, S. 33). Darüber hinaus wird viel Wert darauf gelegt, dass die einzelnen Sequenzen sehr detailliert in Augenschein genommen und alle möglichen Lesarten des Textes berücksichtigt werden, sodass auch hier Vollständigkeit, nämlich die der gedankenexperimentellen Kontexte, vorliegt (vgl. Wernet 2009, S. 33).

5. Sparsamkeit

Das Prinzip der Sparsamkeit betont wieder den Anspruch, dass die gebildeten Lesarten auch aus dem zu interpretierenden Text ersichtlich werden müssen (vgl. Wernet 2009, S. 35). Die Extensivität wird also noch einmal genauer dahingehend definiert, dass es bei ihr nicht darum geht, endlos viele Lesarten an den Text heranzutragen, sondern wirklich nur so viele wie tatsächlich von dem Text „erzwungen“ werden (vgl. Wernet 2009, S. 35). Auf solche Lesarten, die nichts zur Bedeutungsrekonstruktion des Textes beitragen und „weit hergeholt“ sind, wird mit dem Prinzip der Sparsamkeit verzichtet (vgl. Wernet 2009, S. 35).

3. Interpretation des Untersuchungsgegenstandes

Folgendem Satz soll in diesem Kapitel mithilfe der Objektiven Hermeneutik mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden: „»Disziplin« ist nicht eine Frage der »Disziplinierung«, sondern des pädagogischen Geschicks. “ (Nolting 2011, S. 23, Hervorhebungen im Original) Der Kontext dieser von Nolting aufgestellten Behauptung soll aus Gründen der Kontextfreiheit erst im Nachhinein aufgelöst werden.

3.1 Sequenzanalyse

Um den Satz genauer in Augenschein zu nehmen, wird er nachfolgend Wort für Wort betrachtet, sodass verschiedene Lesarten gebildet werden können.

1. Teilsequenz: „»Disziplin«“

Bei dem Wort „Disziplin“ handelt es sich um ein feminines Substantiv, das mehrere Bedeutungen in sich vereint. Zum einen findet man den Begriff im wissenschaftlichen oder sportlichen Bereich, wo er gleichbedeutend mit dem des „Gebietes“ ist. So ist etwa die Pädagogik eine wissenschaftliche und Tennis eine olympische Disziplin. Auf der anderen Seite bezieht sich der Begriff der Disziplin auf ein bestimmtes Verhalten, das vor allem das Befolgen von Regeln und dementsprechend Gehorsam beinhaltet. Diese Bedeutung der „Disziplin“ findet man hauptsächlich in Bereichen wieder, in denen eine gewisse Ordnung herrschen soll, die mithilfe von Disziplin gewährleistet wird, beispielsweise im militärischen Bereich. Dies deckt sich auch damit, dass mit dem Ausdruck ebenfalls gemeint sein kann, sich in die Ordnung einer Gruppe oder einer Gemeinschaft einzufügen (vgl. Duden Online-Wörterbuch). Auch im dritten Reich spielte die Disziplin eine entscheidende und vordergründige Rolle, die in der Hitlerjugend sogar als eines der bedeutenden Erziehungsziele galt. Unter dieser Betrachtung wird eine negative Konnotation des Begriffes hervorgerufen, die von dem Synonym „Kontrolle“ unterstützt wird, das sich zu „Disziplin“ finden lässt (vgl. Duden Online-Wörterbuch). Die anderen Synonyme wie „Ordnung“ und „Beherrschtheit“ beziehungsweise „Beherrschung“ (vgl. ebd.) sind dagegen neutral bis positiv behaftet. In der Tat spricht man zum Beispiel von Selbstdisziplin, wenn man die Kontrolle über das eigene Handeln besitzt, um Ablenkungen zu trotzen und ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Unter dem lateinischen Begriff „disciplina“ wird neben anderen Bedeutungen die schulische Zucht aufgeführt (vgl. Duden Online-Wörterbuch), die den Begriff auch in den Bereich der Schule verlagert. So wird ebenso das lateinische „discipulus“ mit „Lehrling“ oder „Schüler“ übersetzt (vgl. ebd.). Auch von den Schülerinnen und Schülern wird Disziplin erwartet, die sich in bestimmten Verhaltensweisen, wie dem Einhalten der bekannten Verhaltens- und Klassenregeln, äußern soll. In diesem Zusammenhang ist Disziplin demnach ebenso positiv konnotiert, in Anbetracht der Tatsache, dass sie anstrebt, ein geordnetes Miteinander zu schaffen.

Bei dieser ersten Teilsequenz ergibt sich bereits eine Besonderheit, da das Wort „Disziplin“ in der protokollierten Fassung in Anführungszeichen gesetzt ist. Dies kann unterschiedliche Gründe haben. Zum einen besteht die Möglichkeit, dass das Wort an sich betrachtet und eventuell definiert werden soll, sodass im Folgenden eine genauere Beschreibung des Wortes zu erwarten ist. Andererseits könnten die Anführungszeichen auch einer Hervorhebung des Wortes dienen oder der Sprecher zweifelt daran, dass es sich bei dem vorliegenden Fall um tatsächliche Disziplin handelt und deshalb nur in Anführungszeichen davon gesprochen werden kann. Die letzte Möglichkeit ist gleichzeitig die trivialste. Diese besteht darin, dass die schlichte Wiedergabe eines Zitates oder wörtlicher Rede vorliegt, die unter Umständen Antwort auf eine vorher geäußerte Frage gibt. Außer den Optionen, dass es sich bei der vorliegenden Sequenz um eine Definition oder eine Antwort handeln könnte, wäre es möglich, dass eine Behauptung, eine Intonationsfrage oder eine Überschrift vorliegt. Bei den ersten beiden würden, insofern es sich nicht gleichzeitig um eine Antwort handelt, weitere Worte erwartet werden, um einen vollständigen Satz zu bilden, wobei in der Regel das nächste zu erwartende Wort ein Verb darstellen würde. Bei letzterer Option könnte theoretisch bereits das Ende der Sequenz vorliegen.

2. Teilsequenz: „ist“

Als zweites Wort der Sequenz liegt wie erwartet ein Verb vor, wobei „ist“ die dritte Person Singular, Präsens, Indikativ, Aktiv von dem Wort „sein“ ist. Mit dem Verb kann auf der einen Seite ein Zustand oder eine Eigenschaft des vorangehenden Wortes, also von Disziplin, geäußert werden, indem dieses mit einem Adjektiv oder einem anderen Substantiv gleichgesetzt wird. Zudem hat „ist“ die besondere Eigenschaft, eine Tatsache oder etwas Feststehendes auszudrücken, während ein Wunsch oder eine Möglichkeit in Ermangelung eines Wortes, das Unsicherheit des Sprechers ausdrückt, unwahrscheinlich erscheint. So liegt die Vermutung nahe, dass der Sprecher sich seiner Worte sicher ist und keinerlei Zweifel an ihnen hegt. Dementsprechend muss die Mutmaßung, dass es sich um eine Behauptung handelt, nicht verworfen werden. Gleichermaßen sind auch noch die anderen erwähnten Optionen möglich, wovon vor allem die der Definition sehr plausibel erscheint, da im Folgenden eine Gleichsetzung mit einem Adjektiv oder einem anderen Substantiv mit oder ohne seinen Artikel zu erwarten ist, die dem wegen der Anführungszeichen eventuell fraglichen Begriff der „Disziplin“ eine Eigenschaft oder einen Zustand zuspricht. Zudem kommt nun aus selbigen Gründen auch noch die Möglichkeit einer These oder eines Fazits hinzu.

3. Teilsequenz: „nicht“

Bei dem dritten Wort „nicht“ handelt es sich um ein Adverb, das eine Verneinung ausdrückt. Die durch das „ist“ bedingte Äußerung eines Zustandes oder einer Eigenschaft des vorangehenden Wortes wird dementsprechend wieder negiert und die entsprechende Eigenschaft oder der Zustand dem Wort abgesprochen. Ob dem Substantiv „Disziplin“ ein negatives oder positives Merkmal zugeordnet wird, ist davon abhängig, wie das folgende Wort konnotiert ist. Für dieses käme weiterhin ein Adjektiv oder ein Substantiv mit oder ohne Artikel infrage, wobei aber aus Gründen des sprachlichen Ausdrucks ein Adjektiv wahrscheinlicher wäre. Auch mit dieser Teilsequenz kann keine Vermutung vollständig verworfen werden, es ist jedoch unwahrscheinlicher geworden, dass eine Definition vorliegt, da diese in der Regel nicht verneint sind. Andererseits ist es wahrscheinlicher geworden, dass es sich um eine Antwort auf eine vorangehende Frage oder um ein Fazit zu einer vorangehenden Behauptung handelt, der nun widersprochen wird.

4. Teilsequenz: „eine“

Diese Teilsequenz beinhaltet den unbestimmten femininen Artikel „eine“, bei dem es sich aber auch genauso gut um ein Zahlwort handeln kann. So oder so kann im weiteren Verlauf des Satzes ein „sondern“ erwartet werden, mit dem der „Disziplin“ eine gegensätzliche Eigenschaft zu der unmittelbar folgenden zugesprochen oder beispielsweise die Menge des folgenden Substantivs in einer Äußerung wie „nicht eine, sondern mehrere“ erhöht werden könnte. Dies wird von der Tatsache unterstützt, dass die Wörter aus Teilsequenz 3 und 4 nicht zu einem „keine“ zusammengezogen werden, wie es normalerweise der Fall gewesen wäre. Andererseits kann dies aber auch lediglich der Nachdrücklichkeit dienen. An dieser Stelle kann keine der angestellten Vermutungen über die Art des Satzes ausgeschlossen werden, jedoch können die Möglichkeiten des nachfolgenden Wortes auf ein Substantiv begrenzt werden. Ein Adjektiv könnte nur folgen, wenn es sich auf das nachstehende Substantiv bezieht.

5. Teilsequenz: „Frage“

Das Wort „Frage“ ist ein feminines Substantiv, durch das oft ein Problem oder eine zu klärende Angelegenheit ausgedrückt werden soll (vgl. Duden Online-Wörterbuch). Auf der anderen Seite kann mit einer Frage auch eine Erkundigung bei dem Adressaten eingeholt werden. Bezieht man diese Teilsequenz nun auf die vorherigen, wobei die Bereiche, die bei der ersten Teilsequenz angesprochen wurden, immer noch nicht dezimiert werden können, so ergibt sich nun die Interpretation, dass es sich bei „Disziplin“ nicht um ein Problem oder eine zu klärende Angelegenheit handelt, sondern um etwas, was laut des Sprechers bereits geklärt ist. Damit würde an dieser Stelle bereits das Ende der Sequenz vorliegen, sollte diese Behauptung nicht noch näher begründet werden. Eine andere Interpretation wäre es, bezogen auf die vierte Teilsequenz, dass „Disziplin“ nicht nur eine, sondern mehrere Fragen und damit auch mehrere Probleme aufwirft, die es zu klären gilt. Dementsprechend würde der bereits vermutete „sondern“-Nebensatz auf diese Sequenz folgen. Andererseits könnte die „Frage“ mit einem Genitivattribut noch näher bestimmt und damit eventuell auch in einen bestimmten Bereich verlagert werden. Unabhängig von der Interpretation könnte es sich immer noch um eine Behauptung, ein Fazit oder auch um einen Widerspruch auf eine vorangehende Äußerung handeln. Eine Intonationsfrage ist ebenso noch möglich, in der der Sprecher seine eigene Aussage oder die eines anderen anzweifelt, während die Möglichkeit der Definition immer unwahrscheinlicher wird. Zudem muss auch immer mehr von der Bedeutung „Gebiet“ oder „Teilgebiet“ von „Disziplin“ abgerückt werden, da es sehr viel wahrscheinlicher ist, dass die Disziplin als Verhaltensweise oder Charaktereigenschaft mit einer „Frage“ gleichgesetzt wird.

6. Teilsequenz: „der“

Der normalerweise maskuline bestimmte Artikel „der“ steht hier im Genitiv und ist deswegen feminin. Es folgt also ein feminines Genitivattribut, das die „Frage“ näher beschreiben und die Sequenz eventuell in einen bestimmten Bereich einordnen beziehungsweise einen bestimmten Bereich ausschließen wird, in dem „Disziplin“ laut des Sprechers eventuell entgegen der allgemeinen Annahme keine Rolle spielt. Durch diese Teilsequenz kann jedoch weder der Bereich, in dem die Disziplin eine Rolle spielt, noch die Art des Satzes genauer festgelegt werden.

7. Teilsequenz: „»Disziplinierung«,“

Das auf den Artikel folgende Genitivattribut ist das feminine Substantiv „Disziplinierung“, das von dem Verb „disziplinieren“ abgeleitet wurde. Mit Disziplinieren ist so viel wie „zu Disziplin erziehen“ (Göttert 2007, S. 191) und in manchen Fällen auch „maßregeln“ gemeint. Unter „maßregeln“ wird dabei im Allgemeinen verstanden, dass eine Person durch bestimmte Maßnahmen bestraft wird. Dies löst bei dem Hörer zunächst einmal Verwirrung aus, wenn man es in Zusammenhang mit den anderen Sequenzen betrachtet. Der Satz sagt oberflächlich betrachtet aus, dass Disziplin nichts mit Disziplinieren zu tun hat, was in sich ein offensichtlicher Widerspruch ist. Dies legt die Vermutung nahe, dass der Sprecher dabei vor allem die Maßnahmen anzweifelt, mit denen das Disziplinieren vonstattengeht. Diese wären beispielsweise Tadel, Zurechtweisen oder die bereits erwähnten Strafen, zu denen sowohl im militärischen als auch im schulischen Bereich gegriffen wird. Bezieht man das Wort auf sich selbst, kann darunter auch verstanden werden, dass man sich selbst mäßigt oder zügelt. Hier kann nun die Bedeutung „Gebiet“ von „Disziplin“ mit ziemlicher Sicherheit ausgeschlossen werden, da es offensichtlich um das disziplinierte Verhalten von Person geht und darum, wie man dieses erreichen kann. Jedoch wird hier nur erwähnt, wie man es nicht erreichen kann, nämlich nicht durch Maßregelung oder indem dazu erzogen wird, weshalb sich dem Hörer an dieser Stelle auch die Frage stellt, wie man „Disziplin“ stattdessen bewirken kann. Diese Frage könnte in einem „sondern“-Nebensatz, wie er schon in vorherigen Sequenzen vermutet wurde, beantwortet werden. Die Tatsache, dass der Sprecher vermutlich bewusst das Wort „Disziplinierung“ gewählt hat, macht darüber hinaus den Eindruck des Sprechers deutlich, dass die Allgemeinheit offensichtlich ein falsches Wissen darüber besitzt, wie man zu „Disziplin“ gelangt, wenn „Disziplinierung“ so definiert ist, wie es allgemeinhin bekannt ist. Dass also die allgemeine Annahme, zu Disziplin erziehen zu müssen oder diese mit Strafen und Maßregelung zu erreichen, und die auch immer wieder zur Anwendung kommt, laut des Sprechers eigentlich falsch ist. Sollte von dem Sprecher keine Alternative zur Herstellung von Disziplin genannt werden, weil er sich eventuell selbst keiner Alternative bewusst ist, könnte hier bereits das Ende der Sequenz vorliegen. Demnach würde es sich dann um eine Behauptung, eine These, einen Widerspruch zu einer vorher gemachten Äußerung oder eine Intonationsfrage handeln, bei der der Sprecher seine eigene Unsicherheit über diese Aussage zum Ausdruck bringt. Die Möglichkeit der Definition ist von Sequenz zu Sequenz unwahrscheinlicher geworden, da sich immer mehr herauskristallisiert hat, dass es sich um die Wiedergabe einer persönlichen Meinung handelt, sei es nun die des Sprechers oder die einer anderen Person. An dieser Stelle wird sie nun gänzlich ausgeschlossen.

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Ist Bestrafung eine sinnvolle Maßnahme gegen Unterrichtsstörungen?
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V349707
ISBN (eBook)
9783668365766
ISBN (Buch)
9783668365773
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterrichtsstörungen, Strafen, Bestrafung
Arbeit zitieren
Lisa Katnawatos (Autor), 2016, Ist Bestrafung eine sinnvolle Maßnahme gegen Unterrichtsstörungen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/349707

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