Banking ohne Bank. Die Digitalisierung der Finanzbranche


Hausarbeit, 2014
13 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Das Internet als Bedrohung für Kreditinstitute

2. Finanzintermediationstheorie

3. Anknüpfpunkte für digitale Finanzdienstleister

4. Geschäftsmodelle neuer Finanzdienstleister
4.1 Zahlungsverkehr
4.2 Kreditgeschäft
4.3 Venture Capital
4.4 Vermittlung und Beratung

5. Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung: Das Internet als Bedrohung für Kreditinstitute

Viele Unternehmen wickeln ihre Geschäftsprozesse über das Internet ab, um ihre Effektivität und Produktivität zu steigern. Das komplette Geschäftskonzept mancher Unternehmen basiert auf dem weltweiten Datennetz. Für private Nutzer ist das Internet Kontakt- und Informationsplattform sowie Kaufhaus zugleich. 55,59 Millionen Nutzer in Deutschland waren in den letzten drei Monaten laut einer Studie des AGOF e.V. online (Stand Juli 2014)1, hauptsächlich zur Informationsbeschaffung über verschiedene Produkte. Auch Finanzangelegenheiten werden immer öfter online gelöst. Bankkunden sind durch das Internet meist sehr gut informiert und bereit, Produkte und Dienst- leistungen von verschiedenen Banken parallel zu nutzen. Gefördert wird diese Bereit- schaft durch die Vergleichbarkeit von Dienstleistungen in Internetblogs, Foren oder sozialen Netzwerken.

Das Internet ersetzt inzwischen immer mehr den Weg zur Bank: Die Zahl der Filialen ist in Deutschland seit 1995 um 47 Prozent gesunken. Die Deutsche Bank erreichte Ende 2012 rund 24 Millionen Privatkunden mit Einlagen von 433 Milliarden Euro über etwa 2.800 inländische Filialen. Die ING Diba hingegen hat inzwischen rund 8 Millionen Privatkunden mit Einlagen von mehr als 100 Milliarden Euro - ohne Filialen2. Die Digitalisierung der Finanzbranche erlaubt neuen, branchenfremden Anbietern den Marktzutritt. Aber welche Möglichkeiten haben traditionelle Kreditinstitute, um ihre Geschäftsmodelle zu Niedrigzinszeiten und gestiegenen Belastungen aus verschärften Regulierungen anzupassen?

2. Finanzintermediationstheorie

Die Finanzintermediation umfasst alle Prozesse, die das Ziel haben, Kapitalangebot und -nachfrage zusammenzuführen und aufeinander abzustimmen. So fungieren Banken als Mittler zwischen Wirtschaftssubjekten, die Bedarf zur Kapitalaufnahme haben, und anderen Wirtschaftssubjekten, die finanzielle Überschüsse bilden und Kapital anlegen möchten. Sie sind definiert als „Distributionsunternehmen, die zum Zweck des Aus- gleichs von Friktionen im Geldstrom ein zusammengehöriges Bündel von Tätgkeiten übernehmen, dessen wesentliche Elemente der Umtausch, die Deponierung, der Transport und die Zurverfügungstellung von liquiden Mitteln für die Öffentlichkeit dar-stellen“3. Es besteht allerdings auch die Möglichkeit, dass der Austausch zwischen Kapitalangebot und Kapitalnachfrage ohne eine Bank erfolgt, worauf im weiteren Verlauf dieser Arbeit näher eingegangen wird.

3. Anknüpfpunkte für digitale Finanzdienstleister

Die Dienstleistungen klassischer Banken durchliefen mit der Zeit keine wesentlichen Veränderungsprozesse. Im Kontrast dazu stehen die Veränderungen der letzten Jahre in den gesamtwirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Diese beeinflussen die Banken nachhaltig und bieten neuen Wettbewerbern Zutritt zum Markt. Gerade die Technologieverfügbarkeit wirkt sich auf die Geschäftstätigkeit der Finanzinstitute aus, die wiederum Innovationen nur partiell umsetzen. Die Online- Kontoführung ist zwar inzwischen ein Branchenstandard und auch das Marketing nutzt den Vertriebskanal des World Wide Web, jedoch sucht man tiefergehende Innovationen in einem Umfeld, in dem 82% der deutschen Haushalte einen schnellen Breitband- Anschluss für den Zugang zum Internet nutzen und 55%4 der über 14-jährigen ein Smartphone besitzen, nur vergeblich5. Laut einer Studie der Accenture GmbH ist in-zwischen jeder dritte Bankkunde bereit, für innovative, technologiebasierte Bank- dienstleistungen die Bank zu wechseln. 67% der befragten Kunden ziehen es vor, über mehrere Kanäle mit ihrer Bank zu interagieren und rund ein Drittel (34%) erachtet das Angebot von Finanzprodukten über das Internet und mobile Endgeräte als wichtig6. Diese Entwicklung wird getrieben durch den Kundenwunsch nach einem unkomplizier- ten Zugang zu höhere Transparenz und Kontroll-möglichkeiten. Banken werden durch die Regulierungsintensität in ihrer Innovationsfähigkeit eingeschränkt, die durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise hervorgerufen wurde. So verschärft Basel III die Anforderungen an die Ausstattung von Eigenkapital und die Aufsichtskompetenzen wurden zur EZB verlegt. Neue Anbieter von Finanzdienstleistungen können hingegen Nischen belegen, in denen sie ohne Banklizenz agiler arbeiten und über einen ausländischen Unternehmenssitz Anforderungen ausweichen können. Die Banken haben außerdem mit ihrem Reputationsverlust zu kämpfen. Im Global Trust Survey 2013 der GfK Gesellschaft für Konsumforschung liegen Banken und Versicherungen inzwischen auf dem letzten Platz7.

4. Geschäftsmodelle neuer Finanzdienstleister

Eine einheitliche Definition eines Geschäftsmodells gibt es nicht, aber Teece fasst den Grundgedanken folgendermaßen zusammen: „The essence of a business model is in defining the manner of by which the enterprise delivers value to customers, entices customers to pay for value, and converts those payments to profit. It thus reflects management’s hypothesis about what customers want, how they want it, and how the enterprise can organize to best meet those needs, get paid for doing so, and make profit.“8 Von Anfang an wird ein Fokus gesetzt, der für künftige Entscheidungen heran- gezogen werden kann: Wie passen zum Beispiel die Dienstleistungen,Vertriebswege oder Kampagnen zum Selbstverständnis der Bank? Ein wichtiger Einflussfaktor auf das Geschäftsmodell einer Bank sind außerdem die Rahmenbedingungen, denen sie ausge- setzt sind. Laut Porters Market-based View können dazu gesamtwirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen, Branchentrends oder Regulierungen gehören. Gelingt es der Bank ihre Ressourcen erfolgreich zusammenzustellen, ist sie der Konkurrenz um Wissensvorsprünge, die innovative Handlungsmöglichkeiten erlauben, überlegen. Aus den Rahmenbedingungen, dem Selbstverständnis und den Ressourcen ergibt sich die Wertschöpfungsidee.

4.1 Zahlungsverkehr

Der Zahlungsverkehr ist die Kernfunktion klassischer Banken. Hier entstehen leicht Möglichkeiten für digitale Anbieter, den Zahlungsverkehr effizienter abzuwickeln oder neu zu gestalten. Nach Paul und Stein9 bieten sich zwei Kategorien an:

1) Online Payments sind jene Zahlungen über das Internet. Über welches Endgerät die Transaktion angestoßen wird, ist unerheblich. Der Vorteil für den Kunden ist hier vor allem die Schnelligkeit der Zahlungsabwicklung. Meistens profitieren die Nutzer auch von günstigeren Konditionen.
2) Proximity Based Mobile Payments sind solche Zahlungen, bei denen ein mobiles Endgerät genutzt wird, entweder durch den Käufer, den Händler oder beide Parteien. Die Beteiligten führen die Transaktion am Point of Sale aus, zum Beispiel durch Syste- me, die diese lokalen Zahlungsvorgänge über das Smartphone anstoßen. Durch NFC- Technologie erfolgt bei Trevica, einer Kooperation von MasterCard, Telekom, Vodafone und O2, eine sichere Legitimation. Starbucks bietet beispielsweise seinen Kunden in den USA an, über den Dienst „Square“ mithilfe eines QR-Code-Scans per Handy-kamera zu bezahlen.

Als erfolgreichstes Geschäftsmodell im Zahlungsverkehr ist PayPal zu nennen, welches im Jahr 2013 für sein Mutterunternehmen eBay 6,6 Milliarden US-Dollar und damit 41,25% vom Gesamtumsatz erwirtschaftete10. PayPal bietet dem Kunden den Mehrwert der sofortigen Zahlungen. Klassische Banken benötigen zur Ausführung mindestens einen Werktag. Außerdem entfällt die Herausgabe von Kontodaten, die potenziell Miss- brauch ermöglichen. Aus Kundensicht erfolgt die Zahlung über PayPal wie folgt: Der Kunde wählt im Zuge der Kaufabwicklung in einem Onlineshop die Zahlungsmethode und wird anschließend zur Webseite von PayPal weitergeleitet. Hier entscheidet der Kunde, ob die Zahlung über eine Kreditkarte, per Lastschrift zu Lasten des laufenden Kontos oder aus vorhandenem Guthaben abgerechnet wird. Ist der Bezahlvorgang abgeschlossen, erhält der Kunde eine Bestätigung und wird zurück auf die Seite des Händlers geleitet. Für das Geschäft in Europa besitzt PayPal eine Banklizenz in Luxemburg. PayPal nimmt auf seiner Homepage Stellung: „Unser Service stellt ins- besondere keine Einlagen- oder Anlagendienstleistung im Sinne des oben genannten Kreditwesengesetzes dar. Ein Guthaben auf Ihrem PayPal-Konto ist daher nicht durch das Luxemburger Einlagensicherungssystem (...) geschützt.“11 Da die Entwicklung eines PayPal-Kontos zum vollwertigen Kontokorrentkonto regulatorische Schwierig- keiten mit sich bringt, ist das Unternehmen in seinen Perspektiven begrenzt. Eine Erweiterung der Dienstleistungen wird durch die rechtlichen Rahmenbedingungen eingegrenzt. PayPal genießt seinen Ruf als etablierter Marktführer und seine Finanzkraft zusammen mit seinem Mutterunternehmen.

4.2 KreditgeschÄft

Das Geschäftsmodell von Peer-to-Peer-Lending-Plattformen ermöglicht seinen Nutzern den schnelleren Zugang zu Krediten als über klassische Banken; auf der anderen Seite bietet es Anlegern attraktive Renditechancen. Dabei stellen sich die Kreditsuchenden über ein Online-Profil vor und geben Informationen über ihren Kapitalbedarf und Be- sicherungen. Anleger können sich mit einem Betrag in beliebiger Höhe an der Kapital- vergabe beteiligen12. Der deutsche Marktführer auf dem Online-Kreditmarktplatz für Peer-to-Peer-Kredite ist das Unternehmen Auxmoney, welches Ende des letzten Jahres ein eigenes Scoring-Verfahren entwickelt hat, in dem über 300 Merkmale zur Erfassung der Bonität berücksichtigt werden. Je besser die Scoringklasse des Kreditnehmers aus- fällt (Klasse AAA bis X), desto günstiger ist der festgelegte Zins. Auxmoney profitiert von der immer größer werdenden Bereitschaft der Internetnutzer, persönliche Daten preiszugeben und der restriktiveren Kreditvergabepolitik traditioneller Banken durch die Finanzkrise. Das Unternehmen wirbt auf seiner Internetseite auxmoney-presse.de13 „Durch das Ausschalten der Banken als Mittelsmann profitieren sowohl Kreditnehmer als auch Anleger von besseren Konditionen“, jedoch könnte Auxmoney ihr Geschäft ohne ihre Partnerbank, der SWK Bank, rein rechtlich in Deutschland gar nicht betreiben. Das Unternehmen befindet sich in der Wachstumsphase, von der Gewinnzone ist man allerdings noch entfernt. Nach Unternehmensangaben wurden 90 Millionen Euro (Stand März 2014)14 in Kreditprojekte finanziert. „Die schwarze Null ist für Dezember 2015 geplant“, sagte der Pressesprecher des Unternehmens15. Erlöse gene- riert das Unternehmen durch die Pro-vision von 2,95% des Kreditbetrages bei erfolgrei- cher Vermittlung.

[...]


1 Vgl. http.//www.agof.de/aktuelle-studie-internet

2 Vgl. Knop, C. (2014)

3 Süchting, J. (1992), S. 7

4 Vgl. http://www.bitkom.org/de/markt_statistik/64046_79598.aspx

5 Vgl. http://www.bitkom.org/de/markt_statistik/64042_38548.aspx

6 Vgl. Voutsas, K. (2011), S. 7

7 Vgl. Lades, S., Frank, R. (2013), S. 3

8 Teece, D. J. (2010), zitiert nach Paul, S., Stein, S. (2014), S. 20

9 Vgl. Paul, S., Stein, S. (2014), S. 23

10 Vgl. http://presse.ebay.de/pressrelease/4439

11 https://www.paypal.com/at/cgi-bin/marketingweb?cmd=p/gen/about-outside

12 Bachmann et al. (2011), S. 3

13 http://auxmoney-presse.de/ueber-auxmoney

14, 15 http://derstandard.at/1392688178228/Crowdlending---Ein-Kredit-von-mir-zu-dir

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Details

Titel
Banking ohne Bank. Die Digitalisierung der Finanzbranche
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,3
Jahr
2014
Seiten
13
Katalognummer
V349767
ISBN (eBook)
9783668369863
ISBN (Buch)
9783668369870
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
banking, bank, digitalisierung, finanzbranche
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Banking ohne Bank. Die Digitalisierung der Finanzbranche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/349767

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