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Visionen und Ekstasen bei Teresa von Ávila

«Es schadete mir sehr, dass ich nicht wusste, dass man auch ohne die Augen des Leibes etwas sehen kann…»

Title: Visionen und Ekstasen bei Teresa von Ávila

Seminar Paper , 2012 , 26 Pages , Grade: 1.0 (ausgezeichnet)

Autor:in: Peter Hofmann (Author)

Theology - Historic Theology, Ecclesiastical History
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Diese Schrift analysiert ein klassisches Beispiel der christlichen mystischen Literatur unter Berücksichtigung spiritualitätsgeschichtlicher Traditionslinien.

Eine bedeutende religiöse Vision von Teresa von Ávila, welche dieser in den Jahren zwischen 1557 bis 1562 mehrmals zuteil wurde, wird hier nicht materialistisch als real-leibliches Geschehen gedeutet, sondern als innere Erfahrung.

Die Kenntnis einschlägiger Stellen von Literaturerzeugnissen wie Teresa von Ávilas «Das Buch meines Lebens» ist nicht nur für spirituell Suchende ein Gewinn an Orientierung. Sie kann auch für eine Psychiatrie hilfreich sein, die Menschen mit Psychosen eine adäquate Begleitung bieten möchte, sich dies aber wegen des nicht selten religiösen Inhaltes kaum zu thematisieren traut.

Das interdisziplinäre Interesse des Autors geht auf eine Äusserung des amerikanischen Psychologen Abraham Maslow zurück. Gemäss Maslow (1908-1970) besteht der Unterschied zwischen einem Psychotiker und einem Mystiker lediglich darin: Ein Psychotiker gehe im Unbewussten unter. Der Mystiker dagegen könne schwimmen. Demnach war Teresa eine sehr gute Schwimmerin.

Diese Seminararbeit ist im Rahmen des MAS-Studiengangs "Christliche Spiritualität" entstanden, der von der Universität Fribourg (Schweiz) in Kooperation mit dem Lassalle-Haus Bad Schönbrunn (Menzingen, Zug) angeboten wird. In Form dieses Büchleins ist sie einer anderen ausgezeichneten Schwimmerin im maslowschen Sinn gewidmet: Der Pionierin der Bewegung Psychiatrie-Erfahrener, Dorothea Buck (geb. 1917), im Nachgang zu ihrem 99. Geburtstag.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Visionen in der Tradition

2. Teresas Lebenslauf und Werk

3. Teresas innerer Prozess

4. Die Herzensverwundung (Gracia del Dardo)

5. Versuch einer Aktualisierung: Dorothea Buck (* 1917)

6. Abgrenzung einer echten von einer eingebildeten Vision

7. Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Visionen und Ekstasen bei der Mystikerin Teresa von Ávila, um aufzuzeigen, wie sie diese Erfahrungen in ihren Lebensweg integrierte und wie sie diese theologisch sowie spirituell einordnete, ohne dabei in eine rein pathologische Deutung zu verfallen.

  • Wissenschaftliche Einordnung christlicher Mystik und Visionserfahrungen.
  • Biografische Analyse des inneren Wandlungsprozesses von Teresa von Ávila.
  • Untersuchung der "Herzensverwundung" (Gracia del Dardo) als spirituelles Schlüsselereignis.
  • Kritische Aktualisierung durch den Vergleich mit modernen psychologischen Selbstzeugnissen (Dorothea Buck).
  • Kriterien für die Unterscheidung zwischen echter mystischer Erfahrung und psychischer Täuschung.

Auszug aus dem Buch

4. Die Herzensverwundung (Gracia del Dardo)

Es gefiel dem Herrn, daß ich dabei einige Male folgende Vision sah: Ich sah einen Engel neben mir, an meiner linken Seite, und zwar in leiblicher Gestalt, was ich sonst kaum einmal sehe. Auch wenn Engel mir öfter dargestellt werden, geschieht das doch, ohne daß ich sie sehe, sondern wie bei der vorigen Vision, von der ich zuerst gesprochen habe. In dieser Vision nun wollte der Herr, daß ich ihn wie folgt sah: Er war nicht groß, eher klein, sehr schön, mit einem so leuchtenden Antlitz, daß er allem Anschein nach zu den ganz erhabenen Engeln gehörte, die so aussehen, als stünden sie ganz in Flammen. Es müssen wohl die sein, die man Cherubim nennt; ihre Namen sagen sie mir nämlich nicht; ich sehe aber sehr wohl, daß es im Himmel zwischen den einen und den anderen Engeln, und diesen und wieder anderen einen so großen Unterschied gibt, daß ich es nicht sagen könnte. Ich sah in seinen Händen einen langen goldenen Pfeil, und an der Spitze dieses Eisens schien ein wenig Feuer zu züngeln. Mir war, als stieße er es mir einige Male ins Herz, und als würde es mir bis in die Eingeweide vordringen. Als er es herauszog, war mir, als würde er sie mit herausreißen und mich ganz und gar brennend vor starker Gottesliebe zurücklassen. Der Schmerz war so stark, daß er mich diese Klagen ausstoßen ließ, aber zugleich ist die Zärtlichkeit, die dieser ungemein große Schmerz bei mir auslöst, so überwältigend, daß noch nicht einmal der Wunsch hochkommt, er möge vergehen, noch daß sich die Seele mit weniger als Gott begnügt. Es ist dies kein leiblicher, sondern ein geistiger Schmerz, auch wenn der Leib durchaus Anteil daran hat, und sogar ziemlich viel. Es ist eine so zärtliche Liebkosung, die sich hier zwischen der Seele und Gott ereignet, daß ich ihn in seiner Güte bitte, es den verkosten zu lassen, der denkt, ich würde lügen. (Vida 29,13)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Visionen in der Tradition: Das Kapitel verortet das Phänomen der Schau Gottes in der geistesgeschichtlichen Tradition und differenziert zwischen leiblichen, imaginativen und intellektuellen Visionen.

2. Teresas Lebenslauf und Werk: Hier wird der äußere Lebensweg Teresas von ihrer Herkunft über den Klostereintritt bis hin zur intensiven mystischen Phase und den Ordensreformen nachgezeichnet.

3. Teresas innerer Prozess: Dieser Abschnitt beschreibt Teresas Ringen um eine spirituelle Heimat und ihre Suche nach einer adäquaten Begleitung bei der Einordnung ihrer oft als verwirrend empfundenen Erfahrungen.

4. Die Herzensverwundung (Gracia del Dardo): Das Kapitel widmet sich der detaillierten Analyse der berühmten Vision des Engels mit dem goldenen Pfeil und deutet diese als zentrales mystisches Ereignis.

5. Versuch einer Aktualisierung: Dorothea Buck (* 1917): Anhand der Biografie von Dorothea Buck wird die heutige Relevanz und die Problematik von Transzendenzerfahrungen im Kontext der Psychiatrie diskutiert.

6. Abgrenzung einer echten von einer eingebildeten Vision: Dieses Kapitel erarbeitet Kriterien, anhand derer Teresa echte Gnadenerfahrungen von bloßer Phantasie, Autosuggestion oder dämonischen Täuschungen unterscheidet.

7. Ausblick: Der Autor resümiert Teresas Bedeutung als Zeugin für den Mut zur Beschreibung innerer Vorgänge und zieht Lehren für den Umgang mit mystischen Phänomenen heute.

Schlüsselwörter

Teresa von Ávila, Mystik, Vision, Ekstase, Herzensverwundung, Transverberation, Kontemplation, Geistliche Begleitung, Gottesliebe, Psychose, Dorothea Buck, Unterscheidung der Geister, Inneres Gebet, christliche Mystik, Religiosität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung mystischer Visionen und Ekstasen bei der Ordenserneuerin Teresa von Ávila und deren Bedeutung für das spirituelle Wachstum.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten zählen die theoretische Einordnung mystischer Schau, die biografische Entwicklung Teresas, die Analyse spezieller visionärer Ereignisse sowie die Abgrenzung zu psychischen Störungen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, Teresas Umgang mit ihren außergewönlichen Erfahrungen als Vorbild für eine ehrliche und reflektierte Auseinandersetzung mit dem eigenen inneren Erleben zu verstehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt primär textanalytische Methoden, kombiniert diese mit historisch-theologischen Kontextualisierungen und zieht moderne psychiatrische Perspektiven als Vergleichsfolie heran.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Tradition mystischer Erfahrung, die Lebensgeschichte der Autorin, die Analyse der Herzensverwundung sowie die notwendige Unterscheidung zwischen echter Gnade und psychischer Einbildung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Mystik, Teresas Visionen, Transverberation, christliche Spiritualität und die Differenzierung zwischen Religiosität und psychischer Verfasstheit.

Wie unterscheidet Teresa eine echte Vision von einer Einbildung?

Teresa betont, dass die Frucht der Vision im Alltag entscheidend ist. Echte Erfahrungen führen zu Demut und Veränderung zum Guten, während reine Phantasiegebilde kalt lassen oder nur die eigene Eitelkeit stärken.

Welche Rolle spielt Dorothea Buck in dieser Untersuchung?

Dorothea Buck dient als modernes Beispiel einer psychotischen Krise, die auch transzendente Erlebnisse beinhaltete, um aufzuzeigen, wie schwierig die gesellschaftliche und psychiatrische Einordnung solch außergewöhnlicher Erfahrungen heute noch ist.

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Details

Title
Visionen und Ekstasen bei Teresa von Ávila
Subtitle
«Es schadete mir sehr, dass ich nicht wusste, dass man auch ohne die Augen des Leibes etwas sehen kann…»
College
University of Fribourg  (Theologische Fakultät, Departement für Patristik und Kirchengeschichte)
Course
Christliche Spiritualität, MAS-Studiengang 2011-13
Grade
1.0 (ausgezeichnet)
Author
Peter Hofmann (Author)
Publication Year
2012
Pages
26
Catalog Number
V349836
ISBN (eBook)
9783668371071
ISBN (Book)
9783668371088
Language
German
Tags
Spiritualität Psychiatrie Heilige unio mystica Psychose Dorothea Buck Theresa von Avila Mystiker Mystik Mystikerin christlich Visionen Ekstasen Christliche Spiritualität
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Peter Hofmann (Author), 2012, Visionen und Ekstasen bei Teresa von Ávila, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/349836
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