Personalbeschaffungsmethoden in Unternehmen aus soziologischer Sicht. Der demographische Wandel und die Herausforderungen für KMU


Bachelorarbeit, 2016

50 Seiten, Note: 2.0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einführung in die Arbeit
1.1 Ziel der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Demographischer Wandel und seine Auswirkungen auf die Unternehmen
2.1 Begriffliche Grundlagen
2.2 Bestimmungsfaktoren des demographischen Wandels
2.2.1 Fertilität
2.2.2 Mortalität
2.2.3 Migration
2.3 Auswirkungen des demographischen Wandels
2.3.1 Deutschland schrumpft und altert
2.3.1 Bedeutung des demographischen Wandels aus betrieblicher Sicht
2.3.1.1 Veränderungen der Erwerbsstruktur der Bevölkerung
2.3.1.2 Auswirkungen auf die Unternehmen

4 Personalbeschaffungsmaßnahmen
4.1 Begriffliche Definition und Aufgaben der Personalbeschaffung
4.2 Instrumente der Personalbeschaffung
4.2.1 Externe Personalbeschaffung
4.2.1.1 Klassische Stellenanzeigen in Printmedien
4.2.1.2 Online Jobbörsen
4.2.1.3 Eigene Homepage
4.2.1.4 Personalberater
4.2.1.5 Hochschulmarketing
4.2.1.6 Kritische Betrachtung externer Personalbeschaffungsmethoden
4.2.2 Interne Personalbeschaffung
4.2.2.1 Innerbetriebliche Stellenausschreibung
4.2.2.2 Personalentwicklung
4.2.2.3 Kritische Betrachtung interner Personalbeschaffungsmethoden
4.3 Bedeutung und Herausforderung der KMU
4.3.1 Volkswirtschaftliche Bedeutung von KMU
4.3.2 Herausforderungen der KMU bei der Personalbeschaffung

5 Maßnahmen der KMU gegen Fachkräftemangel
5.1 Personalgewinnung und - bindung durch Arbeitgeberattraktivität
5.1.1 Familienförderung
5.1.2 Work - Life Balance
5.2 Neues Erwerbspotential
5.2.1 Migranten
5.2.2 Ältere Belegschaft
5.2.3 Frauen

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Bevölkerungszahl von 1950 bis 2060

Abbildung 2: Natürliche Bevölkerungsbewegung und Wanderungssaldo

Abbildung 3: Bevölkerung nach Altersgruppen in %

Abbildung 4: Bevölkerung im Erwerbsalter von 20 bis unter 65 Jahren nach Altersgruppen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung in die Arbeit

Deutschland. Heimat von 80 Millionen Menschen. Menschen mit unterschiedlichen Meinungen, Einstellungen und Lebensentwürfen. Gemeinsam Leben wir in einer Welt, die sich immer schneller zu drehen und zu verändern scheint. Deutschland verändert sich. Eine Gesellschaft ist im Wandel. Der demographische Wandel. Der demographis- che Wandel ist eines der wichtigsten gesellschaftspolitischen Themen der Gegenwart. Die Problematik des demographischen Wandels erfährt schon seit längerer Zeit eine zunehmende Aufmerksamkeit und Präsenz in der Thematik der öffentlichen Berichter- stattungen und Diskussionen im Bereich der Politik sowie der Wirtschaft. Fest steht, dass die Bevölkerung im Wandel ist. Was bedeutet das für jeden Einzelnen, für die Gesellschaft. Die Gesellschaft altert und die Gesellschaft schrumpft. Der demographis- cher Wandel beeinflusst auch die Ebene der Wirtschaft insbesondere die der Un- ternehmen. Die Veränderung der Bevölkerungsstruktur wirkt sich folglich auch auf die Erwerbsstruktur auf dem Arbeitsmarkt aus. Um auf dem Wirtschaftsmarkt wettbewerbs- fähig zu bleiben, streben die Unternehmen die Rekrutierung von qualifizierten Mitar- beitern für ihr Unternehmen an. Die Personalbeschaffung ist daher ein wesentlicher Be- standteil jedes Unternehmens und steht aufgrund der demographischen Entwicklung vor bestimmten Herausforderungen.

1.1 Ziel der Arbeit

Ziel dieser vorliegenden Arbeit zum Thema „Unterschiedliche Personalbeschaf- fungsmethoden aus soziologischer Sicht- Demographischer Wandel und die Heraus- forderungen für die Personalbeschaffung in KMU“ ist es, die Entwicklung des de- mographischen Wandels aufzuzeigen, sowie dessen Folgen auf die Bevölkerungsstruk- tur der Gesellschaft. Auch werden die Herausforderungen von Unternehmen, insbeson- dere die KMU, bei der Personalbeschaffung dargestellt sowie relevante Lösungsansätze vorgestellt.

1.2 Aufbau der Arbeit

Zu Beginn der Arbeit wird der demographischer Wandel mit seinen Bestimmungsfaktoren näher dargestellt. Mit Hilfe von Vorausberechnungen wird die zu erwartende Bevölkerungsstruktur im Jahr 2060 aufgezeigt sowie die Auswirkungen des Wandels auf die Bevölkerungsstruktur und die Herausforderungen, die sich für die unternehmerische Ebene ergeben.

Dann folgt die begriffliche Definition der KMU durch die Europäische Kommission sowie ihre wirtschaftliche Bedeutung, um zu zeigen, dass KMU einen wichtigen Bestandteil in der Wirtschaft haben.

Im nächsten Schritt werden die Personalbeschaffungsmaßnahmen näher aufgezeigt. Es findet eine Untergliederung in externe und interne Methoden der Personalbeschaffung statt sowie anschließend eine Betrachtung dieser Methoden. Auch werden die Heraus- forderungen, die sich für die KMU bei der Personalbeschaffung ergeben dargestellt. Im vorletzten Teil der Arbeit werden Maßnahmen erläutert, die sich für KMU als mögliche Handlungsmöglichkeiten gegen den bevorstehenden Fachkräftemangel ergeben.

Das letzte Kapitel schließt die Arbeit mit einer kurzen Zusammenfassung ab.

2 Demographischer Wandel und seine Auswirkungen auf die Unternehmen

Wir werden weniger, älter und bunter. Aufgrund einer sinkenden Geburtenrate stehen weniger Kinder, mehr älteren Menschen gegenüber. Hinzu kommen noch die zugewan- derten Mitmenschen, die hier mit ihren Kindern dauerhaft leben wollen. Diese Konstel- lation bestimmt zu jetzigem Zeitpunkt das Bild der Bevölkerung in Deutschland und daran wird sich auch in absehbarer Zeit nichts verändern. In diesem Kapitel der Arbeit sollen die elementaren Grundlagen des demographischen Wandels definiert und näher beschrieben werden, die zum Verständnis der nachfolgenden Kapitel notwendig sind. Auf Basis von Ergebnissen aktueller Studien und Forschungen wird die Bedeutsamkeit der demographischen Entwicklung für die Unternehmen bezüglich der Personalbeschaf- fungsmaßnahmen manifestiert sowie die Herausforderungen, die sich aufgrund dessen für die KMU ergeben, hergeleitet.

2.1 Begriffliche Grundlagen

Der Begriff „Demographie“ leitet sich von den griechischen Wörtern „demos" (das Volk) und „graphien“ (schreiben) ab. Die Demographie ist die Bevölkerungswis- senschaft (vgl. Prezewowsky 2007: 17). Sie beschreibt und analysiert die Bevölkerung in Bezug auf ihre Größe und Struktur. Zu den Strukturen der Bevölkerung gehören zum Beispiel das Geschlecht, das Alter und die Nationalität. Wichtige Bestimmungsdetermi- nanten der Demographie sind die Fertilität, Mortalität und die Wanderungen (vgl. Hayn 2007: 1). Mit dem Begriff Demographischer Wandel soll zunächst zum Ausdruck ge- bracht werden, dass sich die Bevölkerungsstruktur eines Landes in einem Änderung- sprozess befindet. Dabei werden Vorausberechnungen über die zukünftige Entwicklung der Bevölkerung bestimmt (vgl. Buchgraber; Schöffler 2013: 7). Jedoch sollten de- mographische Prognosen unter Vorbehalt betrachtet werden. Denn diese Vorausberech- nungen sind Prognosen und entstehen auf Basis der Daten aus der Vergangenheit. Diese Daten beschreiben etwas, wie es war, das in der Zukunft jedoch anders sein kann. In der Vergangenheit konnten Ereignisse wie Kriege oder die Einführung der Anti-Baby-Pille nicht vorhergesehen werden. Deshalb müssen solche Berechnungen unter Vorbehalt benutzt werden, da immer eine Unberechenbarkeit vorhanden ist, die die Entwicklung der Bevölkerungsstruktur verändern könnte. Somit sind Vorausberechnungen bezüglich der Bevölkerungsentwicklung keine Vorhersagen oder Weissagungen, vielmehr liefern sie Orientierungspunkte zur künftigen Bevölkerungsentwicklung anhand statistischen Grundlagen. Die Bevölkerungsentwicklung besitzt ihre Gültigkeit unter den jeweils gesetzten Annahmen und den heutigen Erkenntnissen. Deshalb ist zu beachten, je kürz- er die Vorausrechnungen sind, desto höher die Treffsicherheit der Vorausberechnungen ist (vgl. Walla; Eggen; Lipinski 2006: 11f.). Da die Bevölkerungsvorausberechnungen auf Annahmen über die Entwicklung der Fertilität, Mortalität und Wanderungen beruhen, werden diese drei Bestimmungsfaktoren in den folgenden Kapiteln genauer dargestellt.

2.2 Bestimmungsfaktoren des demographischen Wandels

2.2.1 Fertilität

Einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Bevölkerungsstruktur besitzt die „Fertil- ität“. Der Begriff Fertilität leitet sich von dem lateinischen Wort „fertilis" ab und be- deutet fruchtbar und ergiebig (vgl. Deutsche Enzyklopädie). Bevor mit dem Begriff der Fertilität gearbeitet wird benötigt es zuvor eine begriffliche Differenzierung zwischen der Fertilität im biologischen und demographischen Sinne. Aus dem Blickwinkel der Demographie betrachtet die Fertilität die Zahl der lebend geborenen Kinder je Frau, d.h. die tatsächlich statt gefundenen Geburten, die Geburtenhäufigkeit. In der Biologie wird jedoch unter dem Aspekt der Fertilität die potenzielle Fähigkeit sich fortzupflanzen ver- standen (vgl. Hoßmann; Lettow; Münz 2009: 14). Im Folgenden wird die Fertilität im demographischen Sinne benutzt und die Begriffe Fruchtbarkeit und Fertilität werden synchron verwendet.

Die „Rohe Geburtenrate“, auch „Crude Birth Rate“ genannt, ist die Anzahl der gebore- nen Kinder je 1000 Einwohner der Bevölkerung in einem Kalenderjahr. Die Ergebnisse dieser allgemeinen Berechnungsform hinsichtlich der Fertilität besitzen jedoch keine zuverlässige Aussagekraft, da sich die Geburten auf die gesamte Bevölkerung beziehen und dabei die Struktur der Bevölkerung vernachlässigt wird. Deshalb können keine zu- verlässigen Aussagen über die Fertilität in Bevölkerungen mit einem hohen Anteil an Männern und einem geringen Anteil an Frauen im gebärfähigen Alter mit der rohen Geburtenrate erfolgen. Deshalb kann diese Messgröße zu Fehlinterpretationen führen. Um die Ergebnisse bezüglich der Fertilität von altersstrukturellen Effekten zu bereini- gen wird der Teil der Bevölkerung von den Berechnungen ausgeschlossen, die bei der Entwicklung der Geburten keine Rolle spielen. Deshalb wird die Fruchtbarkeit durch die Häufigkeit der Geburten und durch die Frauenanzahl im gebärfähigen Alter bes- timmt (vgl. Schimany 2006: 21f.). Dabei bedient man sich der „Total Fertility Rate“. Diese gibt an wie viele Kinder je Frau geboren werden würden, wenn für ihr ganzes Leben die alterspezifischen Geburtenziffern des jeweils betrachteten Jahres gelten wür- den und es keine Sterblichkeit gebe .Bei dieser Fruchtbarkeitsberechnung werden die Geburten von Frauen im gebärfähigen Alter zwischen 15 und 49 Jahren mit je 1000 Frauen berücksichtigt. Die Berechnungen erfolgen für jedes einzelne Altersjahr von 15 bis 49, so dass am Ende 35 altersspezifische Geburtenziffern vorhanden sind (Bun- desinstitut für Bevölkerungsforschung 2004: 89). Die Summe dieser einzelnen Geburtenziffern bilden die TFR, welche die hypothetische Anzahl der Kinder angibt, die eine Frau während ihres Lebens auf die Welt bringen könnte. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass ihr Geburtenverhalten so bleibt, wie die das aller Frauen im Alter von 15 bis 49 im jeweils zuvor beobachtetem Jahr (vgl. Schimany 2006: 22).

Insgesamt ist in Deutschland ein langfristiger Rückgang der Geburten zu verzeichnen. Im Jahr 1991 wurden 830.000 Kinder geboren. Im Vergleich dazu betrug im Jahr 2008 die Zahl der Neugeborenen 683.000. Somit konnte eine Senkung der Geburten um 18% beobachten werden. Verantwortlich dafür ist die geringe Geburtenrate Deutschlands. Im Moment beträgt sie 1,3 Kindern pro Frau. Somit liegt die jetzige Geburtenrate unter dem Niveau der für die Bestandserhaltung der Bevölkerung unabhängig von Zuwan- derungen notwendig ist. Um die Bevölkerungszahl konstant zu halten ist eine durch- schnittliche Geburtenrate von knapp 2,1 Kindern pro Frau notwenig. Da die Voraus- berechnungen für die zukünftige Bevölkerungsentwicklung in Deutschland von einem konstanten Geburtenniveau ausgehen, wird die Geburtenzahl bis 2030 um weitere 15% auf 580.000 abnehmen (vgl. Statistisches Bundesamt 2009: 10f.).

Der Geburtenrückgang ist ein umumkehrbarer Prozess. Die Ursachen für den Geburten- rückgang sind von unterschiedlicher sozialer und ökonomischer Vielfalt geprägt. Deshalb werden hier nur die grundlegendsten Gründe für diese angeführt. Eine wichtige Rolle spielt der Wertewandel der Eltern gegenüber Kindern. In der Vergangenheit dien- ten Kinder zum Teil als soziale Absicherung im Alter für die Eltern. Heutzutage gehört die soziale Absicherung zu den Aufgaben des Staates und nimmt den Kindern somit die Aufgabe der ökonomischen Verantwortung gegenüber den Eltern. Ein weiterer wichtiger Grund ist Problematik der Vereinbarkeit der Familie mit dem Beruf. Vor allem Frauen sind von der doppelten Belastung betroffen. Einerseits üben sie eine Berufstätigkeit aus und andererseits haben sie Verpflichtungen gegenüber ihrer Familie bzw. Kindern. Beispielsweise gaben schon einmal 62,1 % aller befragten Frauen an, dass sie wegen der Problematik der Vereinbarkeit von Familie und Beruf bzw. aufgrund Ihrer Verpflichtungen gegenüber der Familie mindestens einmal auf ihre Karrierewün- sche verzichteten (vgl. Fischer 1993: 103). Auch werden Kinder als eine Art Belastung für die eigene Lebensform betrachtet, wodurch die Bewegungsfreiheit der Eltern deut- lich eingeschränkt werden. Zusätzlich spielen auch ökonomische Punkte eine wichtige Rolle, weshalb Familien auf Kinder verzichten. Denn Kinder werden nicht nur als ein- schränkend betrachtet, sondern stellen auch einen erheblichen langfristigen Koste- naufwand für die Eltern dar (vgl. Geißler; Meyer 2014: 36).

2.2.2 Mortalität

Die „Mortalität“ ist neben der Fertilität einer der Bestimmungsfaktoren des de- mographischen Wandels, denn auch diese beeinflusst die Entwicklung der Bevölkerung. Der Begriff Mortalität leitet sich von dem lateinischen Wort „mortalitas" ab und beutetet der Tod. Als Synonyme für die Mortalität werden die Begriffe Sterblichkeit sowie Sterblichkeitsrate verwendet (vgl.Deutsche Enzyklopädie). Sterblichkeit wird als die Anzahl der registrierten Sterbefälle innerhalb eines Zeitintervalls bezogen auf die Bevölkerung verstanden.

Die „rohe Sterberate“ , auch als „Crude Death Rate“ bezeichnet, umfasst die Zahl der Sterbefälle pro 1.000 Einwohner in einem Kalenderjahr. Jedoch ist auch sie von al- tersstrukturellen Einflüssen geprägt, da sie stark vom Anteil der älteren Bevölkerung beeinflusst wird und keine Aussagekraft über den Gesundheitszustand und die Sterblichkeit in einem Land besitzt. Deshalb werden altersspezifische Sterbeziffern verwendet, die unabhängig vom Altersaufbau einer Bevölkerung sind. Die Sterbeziffern erhält man, wenn man die beobachteten altersspezifischen Mortalitätsraten auf die Al- tersstruktur der Bevölkerung bezieht.

Eng verbunden mit dem Begriff der Mortalität ist die „Lebenserwartung“. Unter der Lebenserwartung „wird die durchschnittliche Zahl von weiteren Jahren verstanden, die ein Mensch in einem bestimmten Alter nach den zum aktuellen Zeitpunkt geltenden Sterblichkeitsverhältnissen voraussichtlich noch leben wird“ (Schimany 2006: 20f.) verstanden. Diese wird anhand von Sterbetafeln bestimmt. Dabei wird die Sterbetafel nach Geschlecht getrennt und zeigt an, wie viele Menschen eines Ausgangszustandes infolge von Sterbewahrscheinlichkeiten in den einzelnen Altersjahren sterben wird.

Insgesamt geht die Sterblichkeit der Bevölkerung in Deutschland zurück, wodurch ihre Lebenserwartung steigt. Zu einem Anstieg der Lebenserwartung sind vor allem die pos- itiven Entwicklungen in der medizinischen Versorgung, der Hygiene und die bessere Möglichkeit der Versorgung mit Nahrung verantwortlich. Die Infektionskrankheiten, die zum Anfang des 20.Jahrhunderts einer der häufigsten Gründe für den Tod war, sind heute leicht heilbar und haben an Bedeutung verloren. Zu den häufigsten Todesursachen zählen mittlerweile Krebserkrankungen und Krankheiten des Kreislaufsystems. Die in Gegensatz zu früher optimierten Arbeitsumstände und vor allem die bessere Wohnsitua- tion haben einen Einfluss auf die niedrigere Sterblichkeit bzw. höhere Lebenserwartung der Bevölkerung. Auch ist seit Ende des 19.Jahrhunderts die Sterblichkeit vor allem bei Säuglingen und Kindern stark zurückgegangen. In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts war auch eine niedrigere Sterblichkeit bei älteren Menschen zu verzeich- nen.

Im deutschen Reich betrug 1781 die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt für Männer 35,6 Jahre und für Frauen 38,4 Jahre. Die Ergebnisse der Sterbetafel 2010 besagen, dass die Männer mittlerweile eine Lebenserwartung von 77,7 Jahren haben und Frauen von 82,8 Jahren. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sich somit die Lebenserwartung bei der Geburt bei beiden Geschlechtern sich mehr als verdoppelt.

Für 2060 wird die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt für Männer auf 84,8 Jahren und für Frauen auf 88,8 Jahren geschätzt. Diese Annahme basiert auf dem kontinuierlichen Anstieg der Lebenserwartung, wobei in der Zukunft der Anstieg der Lebenserwartung verstärkt von den höheren Altersstufen beeinflusst wird. In den niedrigen Altersstufen liegt schon das Sterberisiko auf einem sehr niedrigem Niveau und eine Verbesserung der Verhältnisse würde sich nur noch leicht auf die Entwicklung der Gesamtlebenserwartung auswirken (vgl. Statistisches Bundesamt 2015: 33ff.).

2.2.3 Migration

Neben der Anzahl der Geburten und der Sterbefälle bestimmt auch die Migration die Bevölkerungsstruktur der Gesellschaft. Der Begriff Migration leitet sich aus dem lateinischen Wort „migrare" ab und beutetet „wandern“ (vgl. Deutsche Enzyklopädie). Die Begriffe Wanderung und Migration werden als Synonyme verwendet. Bei der Wan- derung spielt der Wanderungssaldo, die Differenz zwischen Zu- und Fortzügen, eine bedeutsame Rolle für die Bevölkerungsentwicklung eines Landes. Der Wanderungssal- do wird auf der einen Seite von politischen, wirtschaftlichen, demographischen und ökonomische Entwicklungen in den Herkunftsländern beeinflusst und auf der anderen Seite von der Migrationspolitik in Deutschland. Auch besitzt die wirtschaftliche und soziale Attraktivität Deutschlands als Wanderungsland eine einflussreiche Bedeutung bei der Migration.

Die Bundesrepublik Deutschland gilt seit ihrem Bestehen zu den wichtigsten Zuwan- derungsländern der Welt. In den Jahren 1950 und 1960 war die Wanderungswelle durch die Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte sowie der starken Zuwanderung aufgrund der Familienzuführung in den 1980er Jahren. Auch die 1990er Jahre war von starker Zuwanderung seitens Osteuropa geprägt, den Nachfolgestaaten der Sowjetunion sowie Jugoslawien. Ein negativer Wanderungssaldo war Mitte der 1970er sowie 1980er Jahre zu verzeichnen. Ein schrumpfender Wanderungssaldo mit 110.000 Personen konnte in den Jahren 2004 bis 2009 festgehalten werden. Aktuell ist jedoch wieder ein positiver Trend der Zuwanderung in Deutschland zu beobachten. Die Nettozuwanderung von 279.000 Personen im Jahr 2011 stieg im Jahr 2013 auf 429.000. Grund dafür ist die Ar- beitnehmerfreizügigkeit innerhalb der EU-Beitrittsstaaten sowie die Zuwanderung aus Südeuropa aufgrund arbeitsmarktorientierter Interessen. Vor allem aber trägt der Zus- trom an Asylsuchenden aus den Kriegs- und Krisengebieten Asiens und Afrikas zu einem positiven Wanderungssaldo bei (vgl. Statistisches Bundesamt 2015: 37f.).

Die weitere Entwicklung der Bevölkerungsstruktur infolge der Veränderungen der Fertilität, Mortalität sowie Migration werde ich im Folgenden Kapitel auswerten.

2.3 Auswirkungen des demographischen Wandels

Der demographischer Wandel bringt fatale Auswirkungen mit sich mit. Welche Auswirkungen sich für die Bevölkerungsstruktur Deutschlands bzw. auf die Arbeitslandschaft ergeben werden, wird im Folgenden dargestellt.

2.3.1 Deutschland schrumpft und altert

Wie im Kapitel 2.2 erwähnt, werden die Menschen in Deutschland immer älter. Forsch- ern zufolge wird die Lebenserwartung auch stetig weiter steigen, währenddessen die Geburtenzahlen sich auf einem niedrigen Wert bewegen. Es sterben im Jahr mehr Men- schen als geboren werden und aus anderen Ländern immigrieren. Die Folgen des de- mographischen Wandels auf die Bevölkerungsstruktur ist spürbar. Im Durchschnitt werden wir älter, aber auch weniger. Die folgenden statistischen Ausführungen haben ihren Basis auf der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bun- desamtes.

Wie in Abbildung 1 dargestellt, wird sich die Bevölkerungszahl in Deutschland langfristig verkleinern. Die aktuelle Bevölkerungszahl von ca. 82 Mio. wird je nach Ausmaß der Nettozuwanderung voraussichtlich noch drei bis fünf Jahre steigen und danach sinken. Bei einer kontinuierlichen Entwicklung bei schwächerer Zuwanderung wird die Einwohnerzahl bis 2060 auf 67,6 Mio. Menschen abnehmen und bei einer kon- tinuierlichen Entwicklung bei stärkerer Zuwanderung auf 73,1 Mio. (vgl. Statistisches Bundesamt 2015: 15).

Abbildung 1: Bevölkerungszahl von 1950 bis 2060

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt 2015: 15

Insgesamt kann hier von einem Rückgang der Bevölkerung auch unabhängig der Zuwanderung gesprochen werden, denn die Nettozuwanderung kann die entstehende Lücke nicht langfristig füllen. Verantwortlich ist hierfür, dass die Zahl der Neugebore- nen sich deutlich unter dem der Gestorbenen befindet. Die Geburtendifferenz, die dadurch entsteht, bewegt sich seit den 1970er Jahren im negativen Bereich. Bis Anfang 2050 wird die Geburtendifferenz kontinuierlich auf über 500.000 ansteigen. Dadurch, dass danach die schwächer besetzten Jahrgänge der 1970er Jahre ins hohe Lebensalter kommen wird folglich die Zahl der Sterbefälle zurückgehen und die Geburtendifferenz sich leicht verkleinern. Dennoch wird im Jahr 2060 die Zahl der Geborenen um 358.000 Menschen unter die der Gestorbenen liegen (vgl. Abbildung 2).

Abbildung 2: Natürliche Bevölkerungsbewegung und Wanderungssaldo

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt 2015: 16

Die natürlichen Bestimmungsfaktoren des demographischen Wandels führen zu starken Veränderungen in der Altersstruktur der Bevölkerung. Die klassische Struktur der Bevölkerung bei der die Jahrgänge der Kinder die stärksten sind und die Zahl der Äl- teren sich aufgrund der natürlichen Sterblichkeit verringert hat sich schon längst verän- dert. Wie auch aus Abbildung 4 ersichtlich wird, bestand die Bevölkerung Deutschlands im Jahr 2013 zu 18 % aus jungen Menschen unter 20 Jahren, zu 61% aus 20- bis unter 65-jährigen und zu 20 % aus 65-jährigen und Älteren. Doch schon im Jahr 2060 wird sich der Anteil der unter 20-Jährigen auf 16 % und der Anteil der Menschen zwischen 20 und 64 Jahren auf 51 % reduzieren. Das durchschnittliche Alter der Bevölkerung wird dadurch bis zum Jahr 2060 je nach Stärke der Zuwanderung auf 50 bzw. 51 Jahre steigen. Im Jahr 2013 betrug es noch 45 Jahre (vgl. Statistisches Bundesamt 2015: 19).

[...]

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
Personalbeschaffungsmethoden in Unternehmen aus soziologischer Sicht. Der demographische Wandel und die Herausforderungen für KMU
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
2.0
Jahr
2016
Seiten
50
Katalognummer
V349912
ISBN (eBook)
9783668371637
ISBN (Buch)
9783668371644
Dateigröße
780 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
personalbeschaffungsmethoden, unternehmen, sicht, wandel, herausforderungen
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Personalbeschaffungsmethoden in Unternehmen aus soziologischer Sicht. Der demographische Wandel und die Herausforderungen für KMU, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/349912

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