In der vorliegenden Arbeit wird genauer auf die beiden Erziehungsformen Philantropismus und Pietismus eingegangen. Anschließend beschäftigen wir uns mit der Frage, was die wesentlichen Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Pietismus und Philanthropismus sind. Worin lagen die Gründe dafür, dass sich aus dem Pietismus der Philanthropismus entwickeln musste? Findet man heute noch Spuren von diesen Erziehungsformen?
In Europa wurden im siebzehnten Jahrhundert mehr als 20 Kriege geführt. Für den deutschen Protestantismus lag der traurige Höhepunkt im Dreißigjährigen Krieg, in dem das Volk vernichtende Niederlagen erleiden musste. Das Grauen der Kriegsverwüstungen zwang viele, aus Elend und Hunger, in eine andere Stadt zu fliehen. In dieser schrecklichen Zeit wuchs der junge Philipp Jakob Spener, der später einer der bekanntesten Vertreter des Pietismus werden sollte, in einer von Flüchtlingen bevölkerten Stadt auf und musste all das Elend als tiefgehende Erfahrung seiner Generation ansehen. Nach diesen Ereignissen entwickelte sich in der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts der Pietismus in Deutschland. Im nahezu parallelen Aufbruch der neuen Frömmigkeitsbewegung in England, den Niederlanden und Deutschland wird erst die Dimension des Phänomens Pietismus sichtbar. In der pädagogischen Geschichte wurde der Pietismus, der religiöse Wurzeln hat, bisher nicht eindeutig eingeordnet. Es ist noch unklar, ob man den Pietismus der Aufklärungsepoche schlicht ein- oder unterordnet. Im Gegensatz dazu lässt sich der Philanthropismus eindeutig der Zeit der Aufklärung zuordnen. Er löste den Pietismus gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts ab und machte sich frei von religiösen Deutungen. Er wird als die Lehre von der Erziehung zur Natürlichkeit und Vernunft bezeichnet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erziehungsformen
2.1 Pietismus
2.2 Philanthropismus
3. Fazit: Vergleich zwischen Pietismus und Philanthropismus
4. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen Erziehungsformen des Pietismus und des Philanthropismus im deutschen Raum, um deren wesentliche Unterschiede, Gemeinsamkeiten sowie die Gründe für den Übergang von der pietistischen zur philanthropischen Pädagogik herauszuarbeiten und Spuren dieser Traditionen in der modernen Erziehung zu identifizieren.
- Historische Einordnung des Pietismus und dessen religiöse Prägung
- Die pädagogischen Ansätze des Philanthropismus im Zeitalter der Aufklärung
- Vergleichende Analyse des Menschenbildes und der Erziehungsziele
- Einfluss des Merkantilismus auf die Ausgestaltung schulischer Bildung
- Fortbestehen historischer Erziehungsmethoden in der heutigen Schulpraxis
Auszug aus dem Buch
2.2 Philanthropismus
Der Philanthropismus kommt vom griechischen philos (Freund) und anthropos (Mensch). Die pädagogische Reformbewegung löste in den späten Jahren des 18. Jahrhunderts den Pietismus ab. Die Bewegung gründete ihre pädagogischen Gedanken auf den Anschauungen J. Rousseaus und hat in der europäischen Geisteswelt außerordentlich gewirkt, am tiefsten aber wohl in Deutschland. Sie förderte vor allem schulreformatorische Bestrebungen der deutschen Aufklärung, die sich um 1770 in dem Kreise der Philanthropen („Menschenfreunde“) verdichteten. Zu ihnen gehörten Personen wie Johann Bernhard Basedow, Christian Gotthilf Salzmann, Joachim Heinrich Campe, Ernst Christian Trapp oder Friedrich Eberhard von Rochow.
Die Pädagogen schlossen ihre Überlegungen und schulreformerischen Experimente vor allem an John Locke und Jean-Jacques Rousseau an. Sie setzten sich für eine Erziehung des Bürgers ein, in der er eine Identität anstrebt und er das Maßstab für den Menschen ist. Dabei werden alle menschlichen Kräfte und Fähigkeiten ausgebildet. „Mit dem Ziel einer Humanisierung des gesamten gesellschaftlichen Lebens trat der Philanthropismus für eine „vernünftig-natürliche“ Erziehung ein, die vom Vertrauen in die menschliche Natur getragen war.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel skizziert den historischen Kontext des Pietismus im 17. Jahrhundert und führt in die Fragestellung zur Entwicklung hin zum Philanthropismus ein.
2. Erziehungsformen: Hier werden die beiden Erziehungskonzepte detailliert vorgestellt, wobei der Pietismus als religiöse Bewegung und der Philanthropismus als aufklärerische Reformbewegung analysiert werden.
3. Fazit: Vergleich zwischen Pietismus und Philanthropismus: Dieses Kapitel synthetisiert die Unterschiede im Menschenbild und den Erziehungszielen und reflektiert die bis heute sichtbaren Einflüsse beider Strömungen.
4. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Literatur.
Schlüsselwörter
Pietismus, Philanthropismus, Erziehung, Pädagogik, Aufklärung, Philipp Jakob Francke, Menschenbild, Gehorsamkeit, Vernunft, Merkantilismus, Schule, Menschenbildung, Bekehrung, Reformpädagogik, Didaktik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem historischen Vergleich zweier einflussreicher deutscher Erziehungsformen, dem Pietismus und dem Philanthropismus, und deren Wandel im Laufe der Geschichte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die religiös motivierte Erziehung des Pietismus, die aufklärerische Pädagogik der Philanthropen sowie die sozioökonomischen Rahmenbedingungen dieser Epochen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den beiden Systemen aufzuzeigen und zu erklären, warum der Philanthropismus den Pietismus als dominierende Erziehungsform ablöste.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, um pädagogische Konzepte anhand von Fachliteratur und historischen Quellen zu vergleichen und einzuordnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die spezifischen Merkmale, Ziele und das Menschenbild des Pietismus (insbesondere nach August Hermann Francke) sowie des Philanthropismus detailliert gegenübergestellt.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Frömmigkeit, Vernunft, Erbsünde, Natürlichkeit, Disziplinierung und die Entwicklung des modernen Schulwesens.
Inwiefern beeinflusste der Merkantilismus die Erziehungsziele?
Der Merkantilismus forderte eine ökonomisch nützliche und arbeitsfähige Bevölkerung, was die Erziehung hin zu Disziplin und beruflicher Verwertbarkeit forcierte.
Welche heutigen Spuren des Pietismus werden genannt?
Der Autor führt das sture Auswendiglernen von Inhalten, wie beispielsweise Vokabeln im Sprachunterricht, als heutige Parallele zum pietistischen Katechismus an.
Wie unterscheidet sich das Menschenbild der beiden Epochen?
Während der Pietismus vom grundsätzlich verdorbenen, sündigen Menschen ausgeht, betrachtet der Philanthropismus das Kind als von Natur aus gut und entwicklungsfähig.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2014, Pietismus und Philanthropismus. Ein Vergleich der Erziehungsformen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350005