Die Dragonaden. Welche Auswirkungen hatten Flucht und Verfolgung der Hugenotten auf Frankreich?


Hausarbeit, 2011
14 Seiten, Note: 2,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Dragonaden
2.1 Bedeutung
2.2 Methoden

3 Flucht und Verfolgung
3.1 Flucht/ Verfolgung/Bestrafung
3.2 Beispiel an einer Protestantin Blanche Gamond

4 Die Haltung der Hugenotten in der Heimat

5 Fazit

6 Quellen- und Literaturverzeichnis
Quelle
Literatur

Endnotenverzeichnis

1 Einleitung

In Frankreich lebten eine Minderheit Protestanten im 17./18. Jahrhundert, die als Hugenotten bezeichnet wurden. Durch das Toleranzedikt von Nantes 1598 wurden die Protestanten offiziell akzeptiert. Ludwig XIV. unterzeichnet am 18.Oktober des Jahres 1685 das Edikt von Fontainebleau, das das Edikt von Nantes aufhebt macht.1 Es folgten viele Maßnahmen und Verbote für die Protestanten. Die protestantischen Gotteshäuser sollten zerstört werden, und nur mit einem katholischen Pfarrer konnten Ehen geschlossen werden usw. Am härtesten war jedoch der Auswanderungsverbot für die Hugenotten und Auswanderungspflicht für die Pfarrer.2 Schon vor dem Edikt von Fontainebleau begannen 1679 Berufsverbote für Protestanten. Die Verfolgungen durch Dragonaden, auf die später noch genauer eingegangen wird. Jedoch erst nachdem Ludwig XIV. das Edikt unterschrieben hat, flüchten die Hugenotten massenweise.3 Von diesem Tag an werden die Verfolgung massiver, vor allem die Dragonaden. Dies ist auch das Thema worüber ich berichten werde „Flucht und Verfolgung (Dragonaden)“.

In dieser Arbeit werde ich zuerst mal auf die Dragonaden, anschließend auf die Flucht und die Verfolgung der Hugenotten und die Bestrafung der erwischten Flüchtlinge eingehen. Um es ihnen anschaulich zu machen, zeige ich ihnen am Beispiel einer hugenottischen Frau Blanche Gamond die Schicksale in dieser Zeit. Da es leider nicht jeden gelang zu flüchten, werde ich noch auf die zurückgebliebenen Hugenotten eingehen. Am Schluss beschäftige ich mich mit den folgenden Fragen: Welche Auswirkungen hatten Flucht und Verfolgung der Hugenotten auf Frankreich? Waren alle katholischen Bürger in Frankreich für das Edikt von Fontainebleau und gegen die Hugenotten?

Für diese Arbeit habe ich viel Literatur und eine Quelle ausgewertet, die den Zeitraum von Jahr 1939 bis 2007 decken. Hauptsächlich habe ich mich an dem Buch von Joseph Chambon: „Der französische Protestantismus“ von Jahr 1939 orientiert, da das Thema darin ausführlich beschrieben wird. Als aktuellste Literatur habe ich noch weitere Bücher, zum einen „Die Hugenotten“ von Barbara Dölemeyer (2006) und zum anderen „Die Hugenotten“ von Eberhard Gresch (2005) verwendet. Die beiden Bücher sind sehr gut und vom neusten Forschungsstand der Hugenotten.

2 Dragonaden

2.1 Bedeutung

König Ludwig XIV. beauftragte sein Soldaten die Hugenotten zur Konversion zum katholischen Glauben zu zwingen. Diese Soldaten nannte man Dragoner und die Strafmaßnahmen wurden als Dragonaden bezeichnet. Die Dragoner oder auch „Gestiefelte Missionare“ genannt, wurden in die protestantischen Familien einquartiert, und die Hugenotten musste den Soldaten Unterkunft bieten und ihren Lebensunterhalt sichern. Dieses Vorgehen, das bei den Hugenotten angewandt wurde, wurde davor bei Steuersündern als Maßnahme verwendet. Die Dragoner waren bekannt und gefürchtet durch ihre Radikalismus und Gewalttätigkeit.4 Weder Stand und Rang noch Alter und Geschlecht verschonten sie. Dies bestätigt ein Lied, das die Dragoner im Poitou sangen: „Ein guter Dragoner muß ein Fluch sein, ein guter Dragoner muß ein wahrer Teufel sein, glaubenslos, gesetzlos, furchtlos, ungetauft, ein guter Dragoner muß ein wahrer Teufel sein“5

2.2 Methoden

In Frühjahr 1681 fingen die berüchtigten Dragonaden mit den Zwangsbekehrungen an. Die Hugenotten waren so stark und fest an ihren Glauben geprägt, dass sie sich von niemanden abbringen lassen würden. Deshalb gab es viele Methoden, um die Protestanten zum Konvertieren zu zwingen. Sie waren alle gewalttätig, rücksichtslos und brutal. Eine dieser Methoden ist der sogenannte „ Veilles forcées “. Bei diesem Verfahren wurden die Opfer Tag und Nacht davon abgehalten zu schlafen, um diese in einer Form der Unzurechnungsfähigkeit zu bringen. Dies erreichten sie, indem sie die Hugenotten zwangen hin- und herzulaufen. Sie rüttelten, piksten und schlugen sie mit scharfen Gegenständen. Einigen wurden womöglich zur gleichen Zeit das Essen und Trinken entzogen. Sie kamen zu einem Zustand der Betäubung, indem sie alles unterschrieben oder erklärten, was die Dragoner von ihnen wollten, ohne zu wissen, was sie taten. Erst dann erlaubten sie ihren Opfern das Schlafen, und wenn diese aufwachten, wurde ihnen mit Schrecken bewusst, dass die ihren Glauben treulos geworden waren.6

Die Dragoner quälten nicht nur ihre „Gastgeber“, sondern plünderten sie auch noch gewissenlos aus. Sie ließen sich ernähren, bezahlen, und wenn das Geld mal ausging, wurde das Inventur ausgeräumt und verkauft. Daraufhin wurde anschießend das Haus verwüstet. „Sie warfen alles auf den Boden. Dann brachen und hieben sie mit Hämmern und Äxten alles Holzwerk in Stücke, die Regale, die Fenster und das Getäfer.“7 Falls die Familien sich weiterhin weigerten, schreckten Dragoner nicht vor Kindesmisshandlung zurück. Die Mädchen und Frauen wurden vor den Augen der Familienmitglieder vergewaltigt und missbraucht. Die Hugenotten ließen alles mit sich machen, bis sie letztendlich zum katholischen Glauben übertraten. Erst dann zogen die Soldaten weiter zum Nachbarhaus und von Ort zu Ort.

So bekehrten sie Tag für Tag Protestanten, Familien und Gemeinden in kürzester Zeit. Ein Dragoneroffizier berichtet: “Ich weiß nicht mehr, was ich mit den Truppen machen soll, weil die Ortschaften, in die ich sie schicke, im allgemeinen alle konvertieren, und zwar so schnell, dass alles, was sie machen können, dies ist:

eine Nacht in den Ortschaften schlafen, in die ich sie schicke.“8 Die Dragoner waren sehr erfolgreich. Dies bezeugt auch Bluche, dass „die Dragoner im Juli des Jahres 1685 innerhalb von acht Tagen mehr Protestanten bekehrt hätten als Missionare im Laufe eines ganzen Jahres.“9

Einfache Leute in den Cevennen wehrten sich 1686 gegen die Zwangsbekehrungen. Die Antwort der Dragoner war gnadenlos: Zerstörung, Ausbeutung, Misshandlung und Mord.10 Doch manche Familien hielten stand. Sie widersetzten sich den Zwangsbekehrungen der Dragoner mit Erfolg. In Rouen gab es 45 Hugenottenfamilien, die nicht nachgeben. Sie sahen den Dragonern geduldig zu, wie diese ihre Waren und Güter zerstörten. Ein anderer Kaufmann, der von den Soldaten aufgesucht wurde, ließ nicht mit sich reden. Als man ihn fragte, was er an dem katholischen Glauben zweifle, antwortete er, dass er an allem zweifle. Hingegen zweifle er nicht an seinem Glauben, weil Gott ihm ermögliche. Daraufhin gingen die beiden etwas essen und trinken. Im Gespräch betonte der Kaufmann, dass sein Gewissen Gott und sein Gut und Leben jedoch dem König gehöre. 11

3 Flucht und Verfolgung

3.1 Flucht/ Verfolgung/Bestrafung

Die Zeit der Schikanen und verdeckten Verfolgungen begann schon 1656. Im Laufe der folgende Jahre wurden etwa 200 Vorschriften festgelegt, die die bisherigen Freiräume der Hugenotten beschränkten. Sie enthielten Verbote, Bestrafungen, Befreiungen von Schulden bei Neubekehrer, Aufenthaltsbeschränkungen, Beschränkungen der Personen bei Taufen und Hochzeiten und Berufsverbote für die Hugenotten. Auf der anderen Seite wurden Neubekehrer von ihren Schulden befreit.

Ab dem Jahr 1679 fing die Zeit der offenen Verfolgung und eine Vielzahl der erzwungenen Konvertierern an. Die Protestanten sah man nicht mehr als Gegner, sondern als Feinde der „wahren“ Religion, die außerhalb des Gesetzes stehen. stehen. Schon vor dem Widerrufsedikt wurden einige Gesetze und Verordnungen angeordnet. Nun wurden weitere Berufe wie Buchhändler, Drucker, Rechtsanwälte, Ärzte und Apotheker verboten.12

Zur dieser Zeit gab es nicht nur Gewaltmethoden (z.B Dragonaden) sondern auch friedliche. Ein Sohn einer protestantischen Beamtenfamilie hat das System der Bestechung zu religiösen Zwecken erfunden. Er traf schon bereits 1670 zur katholischen Kirche über und wurde Generaldirektor der königlichen Bekehrungskasse. Er zahlte die Protestanten nach festen Tarifen aus. Angehörige des Bürgerstandes erhalten ihrem Lebensniveau entsprechend Geld. Deswegen gab es ein breites Angebot von nur 6 bis 20.000 Livres. Für die Einzelbekehrung eines Landbewohners bekam man mindestens 6 und allerhöchstens 100 Livres. Nachdem einige dieses Angebot unterschrieben hatten und in ihre Heimat zurück kehrten und weiterhin als Protestant lebten, beschloss man die Auszahlungen abzuschaffen. 13

Man versuchte mit neuen Verfahren stärker die Kinder zu bekehren. Der König gab öffentlich bekannt, dass die Kinder sich schon mit sieben Jahren dem katholischen Glauben zuwenden könnten. Wenn ein Kind überredet werden konnte, wurde es von den Eltern weggenommen. Die Kinder, die Widerstand leisteten, wurden bestraft. Um einem Fall wurde um ein Kind Feuer gezündet, um es zur Konversion zu zwingen.14

Ein anderes kleines Mädchen von sieben Jahren gelangte in Loudun in die Hände von einigen Damen, die das Mädchen drei Tage lang quälten. Als das kleine Mädchen immer noch nicht den katholischen Glauben annehmen wollte, setzte man es auf die Feuerblöcke. Dann drohte man ihr man werde ein Feuer unter ihr anfachen, wenn sie nicht endlich nachgäbe und gehorche.15

Bis etwa 1750 galt das private Gebet als ein Verbrechen und war streng verboten. Im Languedoc wird kurz nach 1685 in der Stadt ein Prediger man Namens Rey hingerichtet. In sein Verhandlungsprotokoll stand, dass Reys einzige Schuld war, zu Gott gebetet zu haben. Nahezu ein halbes Jahrhundert später fand man im letzten großen Hugenottenkerker in Aigues Mortes Akten. In diesen Akten stand als Einlieferungsgrund einer Frau, sie habe in ihrer Kammer zu Gott gebetet.16

[...]


1 vgl. Maletteke, Klaus: Die Hugenotten in Frankreich bis zum Widerruf des Edikts von Nantes. In Wagner, Karl-Hermann (Hg.): 300 Jahre Hugenotten in Hessen. Herkunft und Flucht, Aufnahme und Assimilation, Wirkung und Ausstrahlung, S.17

2 vgl. Mengin, Ernst: das Edikt von Nantes. Das Edikt von Fontainebleau, Flensburg 1963, S.91f.

3 vgl. Gersch, Eberhard: Die Hugenotten, Geschichte, Glaube und Wirkung, Leipzig 22005 [2005], S.51

4 vgl. Gersch, E.: Die Hugenotten, S. 52

5 zitiert nach: Die französische Colonie. Berlin 1980. S.22

6 vgl. Chambon, Joseph: Der französische Protestantismus, München 1983, S.140f und Gersch, E.: Die Hugenotten, S.52

7 vgl. Anneler Hedwig: Blanche Gamond, ein Hugenottenbuch, Zürich 1940, S.36

8 zitiert nach: Bost,C.: Les predicants protestants des Cevennes et duBas-Languedoc, 1684-1700, Paris 1912,Bd.I., S.18

9 zitiert nach: Bluche, F.: Im Schatten des Sonnenkönigs. Alltagslen im Zeitalter Ludwigs XIV. von Frankreich, Freiburg/Würzburg 1986, S.318

10 vgl. Gersch, E.: Die Hugenotten, S.52

11 vgl. Lausberg, Michael: Hugenotten in Deutschland, Die Einwanderung von französischen Glaubensflüchtlinge, Maburg 2007, S.51

12 vgl. Gersch, E.: Die Hugenotten, S.51

13 vgl. Chambon J.: der französische Protestantismus, S.147f

14 vgl. Ebd., S.139

15 vgl. Chambon, J.: der französische Protestantismus, S 139

16 vgl. Ebd., S. 144

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Dragonaden. Welche Auswirkungen hatten Flucht und Verfolgung der Hugenotten auf Frankreich?
Hochschule
Universität Stuttgart
Note
2,7
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V350006
ISBN (eBook)
9783668374508
ISBN (Buch)
9783668374515
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
dragonaden, welche, auswirkungen, flucht, verfolgung, hugenotten auf, frankreich
Arbeit zitieren
Anonym, 2011, Die Dragonaden. Welche Auswirkungen hatten Flucht und Verfolgung der Hugenotten auf Frankreich?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350006

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