Berufsbildung in Deutschland und England. Ein Vergleich

Entwicklung und Europäisierung der Berufsbildungssysteme


Hausarbeit, 2016

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung ... 3

2 Historische Entwicklung der Berufsbildung ... 5

2.1 Deutschland ... 5

2.2 England ... 8

3 Europäisierung der Berufsbildung ... 12

3.1 Die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit ... 12

3.2 Vergleichbarkeit der nationalen Qualifikationen ... 15

3.3 Herausforderung durch die alternde Bevölkerung ... 16

4 Schlussbetrachtung ... 19

II Literaturverzeichnis ... I

1 Einleitung

Bildungspolitik ist Ländersache. Dieses Prinzip gilt nicht nur in Deutschland, sondern auch, laut den Artikeln 126 und 127 des in Maastricht geschlossenen Vertrages über die Europäische Union in der EU. Jedes EU-Mitgliedsland ist dementsprechend selbst für die Bildungsinhalte und für die Gestaltung des Bildungssystems zuständig.1

Durch die Eigenverantwortlichkeit der EU-Mitgliedstaaten ist jedes Bildungssystem unterschiedlich. Diese Unterschiede zwischen den Ländern resultieren unter anderem aus der länderspezifischen Geschichte der Bildungssysteme sowie aus den wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten. Es ist jedoch von zunehmender Relevanz eine gewisse Vergleichbarkeit und Vereinbarkeit zwischen den Ländern zu ermöglichen. Dies wird besonders am Beispiel der steigenden Mobilität von EU-Bürgern deutlich. Um eine berufliche Ausbildung oder den Eintritt in die unterschiedlichen nationalen Arbeitsmärkte zu gewährleisten, müssen die schulischen und beruflichen Abschlüsse anerkannt werden. Aufgrund dieser Ziele wurde die EU ein wichtiger Akteur in der Berufsbildungspolitik. Es bildete sich eine neue Form der Bildungszusammenarbeit zwischen den EU-Mitgliedsstaaten, die sogenannte offene Koordinierungsmethode. Der Kern dieser Methode ist die Festlegung von gemeinsamer und von allen akzeptierten Ziele sowie die gegenseitige Überprüfung hinsichtlich ihrer Erreichung.2 Die nationalen Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung sollten so durch ergänzende Maßnahmen sowie durch Förderung der Europäischen Union und gegenseitiges Lernen verbessert werden.

Das Ziel dieser Arbeit soll sein, herauszufinden, wie die Europäische Union die Entwicklung der nationalen Bildungssysteme beeinflusst hat. Die Untersuchung erfolgt anhand eines Vergleichs zwischen Deutschland und England.

Die Bildungspolitik lässt sich in drei große Bereiche unterteilen: Schulbildung, Berufsbildung und Hochschulbildung. Die vorliegende Arbeit befasst sich ausschließlich mit den Berufsbildungssystemen von Deutschland und England. Die Wahl der Länder ist in ihrer Andersartigkeit begründet. Das deutsche Berufsbildungssystem ist eher traditionell, wohingegen das Englische ein neu entwickeltes, modulares System darstellt (siehe Abschnitt 3.1 und 3.2). Da das System der beruflichen Bildung in Großbritannien (England, Wales, Schottland, Nordirland) unterschiedlich geregelt ist, bezieht sich die Arbeit ausschließlich auf England.

Wie bereits erwähnt, lassen sich die Unterschiede in der Geschichte und der wirtschaftlichen sowie politischen Struktur und Situation begründen. Daher, und um einen Überblick über die Berufsbildung zu erhalten, wird im ersten Teil auf die Entwicklung der beiden Berufsbildungssysteme eingegangen.

Der zweite Teil der Arbeit beinhaltet die Umsetzung von europäischen Zielen in Deutschland und England innerhalb der Berufsbildung. Dabei wird zum einen auf zwei Programme eingegangen, die in Reaktion auf aktuelle Problemstellungen innerhalb der EU entwickelt wurden. Und zum anderen auf ein Programm, das zur Vergleichbarkeit der Bildungsabschlüsse beiträgt.

In der Schlussbetrachtung werden die wichtigsten Punkte noch einmal hervorgehoben und anschließend ein Ausblick gegeben.

2 Historische Entwicklung der Berufsbildung

Durch die historische Betrachtung sollen Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Berufsbildungssysteme hervorgehoben werden. Dabei werden nicht nur die Veränderungen im Wandel der Zeit aufgezeigt, sondern auch die entsprechenden Gründe. Zudem wird ein Überblick über die entscheidenden Akteure gegeben. Dieser Abschnitt soll zum besseren Verständnis dienen, warum die Einflussnahme der EU auf die Gestaltung der Berufsbildungssysteme als erfolgreich bzw. weniger erfolgreich in England und Deutschland zu beurteilen ist. Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass im Rahmen dieser Arbeit nur skizzenartig auf die wichtigsten Entwicklungsstufen eingegangen werden kann.

2.1 Deutschland

Die Idee der beruflichen Ausbildung, wie wir sie heute kennen, findet ihren Ursprung im Handwerksbereich. Schon im Mittelalter mussten die späteren Gesellen und Meister als Lehrlinge eine Handwerksausbildung durchlaufen.3 Doch erst das Handwerksgesetz von 1897 wird als historisch-fundamentaler Baustein des dualen Systems gesehen.4 Durch das Handwerksgesetz wurde die Ausbildung nicht nur neu geregelt5, sondern legitimierte die Errichtung der Handwerkskammern als Zusammenschluss der Handwerksbetriebe und als Körperschaft des öffentlichen Rechts.6 Die Handwerkskammern sind - bis heute - ein wichtiger Akteur in der beruflichen Ausbildung, da sie das Recht besitzen, die betriebliche Ausbildung zu regeln, zu kontrollieren und zu verwalten.7 Zudem waren die Handwerkskammern ein politisches Werkzeug, um die Kontrolle der Gewerkschaften zu unterbinden und um den Einfluss des preußischen Staates über das Handwerk weiter zu festigen.8

In der Weimarer Republik wurde das preußische System vollständig übernommen. Des Weiteren entwickelte sich in der beruflichen Bildung eine Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und dessen Verbänden auf freiwilliger Basis. Darüber hinaus wurden die Auswirkungen der industriellen Revolution auf die berufliche Bildung deutlich spürbar. Die erlernten Kompetenzen der Fachkräfte in der Handwerksausbildung entsprachen immer weniger den Ansprüchen der Industrieunternehmen. So fand eine Anpassung des Systems der beruflichen Ausbildung an den industriellen Sektor statt.9

Das Modell der Vorkriegszeit galt auch als Orientierung bei der Gestaltung der beruflichen Bildung nach dem Zweiten Weltkrieg. Obwohl ein regelrechter Reformkampf zwischen der US-Besetzungsmacht und den deutschen Sozialdemokraten und Gewerkschaften sowie einer konservativen Koalition bestehend aus Christdemokraten und Vertretern der Kirchen stattfand, wurden in der beruflichen Bildung der Bundesrepublik die alten Systeme und Strukturen weitergeführt.10 Demnach unterlag die Steuerung der betrieblichen Ausbildung weiterhin hauptsächlich der Wirtschaft.11 Die Handwerkskammer sowie die Industrie- und Handelskammer, die im Zuge der Ausweitung der beruflichen Ausbildung auf den industriellen Sektor entstand, führten nun die Abschlussprüfungen in den unterschiedlichen Berufen durch, überwachten die Qualität und steuerten die berufliche Bildung.12

Die Rolle der Kammern im Berufsbildungssystem wurde durch die Handwerksordnung im Jahre 1953 gefestigt.13 Aufgrund dessen äußerten die Gewerkschaften, die keinen Einfluss innerhalb der Kammern hatten, zunehmend stärkere Missbilligung und forderten Mitspracherechte. Um Druck auf den Staat auszuüben, setzten sie 1959 ein Gesetzesentwurf auf. Ziel war es, ein Mitgestaltungsrecht in der Berufsbildung zu erhalten sowie mehr Verantwortung vom Staat einzufordern, statt diese nur durch die Unternehmensverbände und Kammern steuern zu lassen.14

Jedoch war erst in den 60er Jahren eine zunehmende Dynamik in der Bildungspolitik zu beobachten. Im Zuge der Grundgesetzänderung im Jahr 1969 wurde das Berufsbildungsgesetze (BBiG) im gleichen Jahr durch die Regierung verabschiedet.15 Dieses beinhaltete die erstmalige Regelung der betrieblichen Ausbildung durch den Staat und gab den Gewerkschaften das geforderte Mitspracherecht in den Berufsbildungsausschüssen der Kammern. Trotz der umfangreichen Reformen durch das BBiG wurde die Kritik nicht geringer. Die Hauptprobleme seitens der Kritiker lagen einerseits in der alleinigen Entscheidungsmacht der Arbeitgeber in Bezug auf die Einstellung von Auszubildenden, aber anderseits ließ das BBiG den Handwerksbereich und den Bereich der vollzeitschulischen Ausbildung unangetastet. So wurde in den 70er Jahren die Berufsbildungsreform erneut Thema der Bundesregierung.16

Hauptinhaltspunkte waren die Erweiterung der Kompetenzen des Staates in der betrieblichen Ausbildung und die Verbesserung der Qualität der beruflichen Bildung, indem die theoretische Bildung ausgebaut werden sollte. Zusätzlich wurde das Thema einer Ausbildungsumlage aufgeworfen. Diese sollte eine Abgabe der nicht ausbildenden Unternehmen beinhalten, um die Ausbildung in den anderen Unternehmen zu unterstützen und die Ausbildungsbeteiligung zu erhöhen. Der Protest aus Sicht der Arbeitgeberverbände war enorm und drohte mit einem Streik zu enden. Er richtete sich hauptsächlich gegen die Erweiterung der Verfügungsmacht des Staates und die Ausbildungsumlage. Im Jahr 1976 wurde dann von der neu gewählten Regierung das Ausbildungsplatzförderungsgesetz (APIFG) verabschiedet, welches eine abgeschwächte Form der Bildungsreform darstellte und eine Bildungsumlage beinhaltete, die aber nie eingefordert wurde. Da das APIFG 1980 als verfassungswidrig erklärt wurde, konnten die Reformansprüche im Bereich der beruflichen Bildung nicht durchgesetzt werden.17

Durch die Wiedervereinigung Deutschlands bestand die Hauptaufgabe der Bildungspolitik, in den 90er Jahren darin, die unterschiedlichen Bildungssysteme von Ost- und Westdeutschland zu vereinen.18 Diese Zusammenführung gestaltete sich in diesem Bereich der Berufsbildung jedoch als schwierig. Das westliche Ausbildungssystem zeichnete sich durch ein umfangreiches Konstrukt aus Arbeitgebern, Verbänden, Institutionen und Kammern aus, welches über viele Jahre entstanden und damit sehr gefestigt war. Die Ausbildung in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) fand überwiegend in Großbetrieben statt, von denen die Mehrheit nach der Wiedervereinigung insolvent ging. Hinzu kam, dass in der DDR die Handwerksausbildung, welche in der Bundesrepublik ein wichtiger Bestandteil war und die Jugendarbeitslosigkeit oft aufgefangen hatte, kaum entwickelt war. So wurde ein hoher Anstieg der Judenarbeitslosigkeit verzeichnet, auf die mit Sofortprogrammen reagiert wurde. Heute sind diese Programme feste Bestandteile im Berufsbildungssystem um als Brücke auf dem Weg von der allgemeinbildenden Schule bis zum Eintritt in eine Berufsausbildung zu dienen. 19

In den 2000er Jahren erfolgten Veränderungen durch den Einfluss der europäischen Gemeinschaft, worauf im Abschnitt 3 anhand ausgewählter Bereiche der Berufsbildung genauer eingegangen wird.

[...]


[1] Vgl. Becktchieva, Janka: Die europäische Bildungspolitik nach Maastricht. Münster 2004, S.27.

[2] Vgl. Busemeyer, Marius R.: Bildungspolitik im internationalen Vergleich. Konstanz und München 2015, S. 132.

[3] Vgl. Greinert, Wolfgang-Dietrich: Geschichte der Berufsausbildung in Deutschland. In: Arnold, Rolf/Lipsmeier, Antonius (Hrsg.): Handbuch der Berufsbildung. Wiesbaden 2006. S. 500.

[4] Vgl. Busemeyer (2015), S. 59.

[5] Vgl. Greinert (2005), S.500.

[6] Vgl. Ebd., S. 500.

[7] Vgl. Busemeyer (2015), S. 59.

[8] Vgl. Ebd., S. 59.

[9] Vgl. Ebd., S. 59.

[10] Vgl. Ebd. S. 60f.

[11] Vgl. Herkner, Volkmar: Grundzüge der Genese und Entwicklung einer korporatistischen Ordnung von Ausbildungsberufen, in: Zeitschrift des Bundesinstituts für Berufsbildung. Geschichte der Berufsbildung. 42.Jahrgang. 03/2013. S.16-19. S. 18.

[12] Vgl. Busemeyer (2015). S 61.

[13] Vgl. Ebd., S. 61.

[14] Vgl. Ebd., S. 62.

[15] Vgl. Ebd., S. 60.

[16] Vgl. Ebd., S. 63f.

[17] Vgl. Busemeyer (2015), S. 64.

[18] Vgl. Anweiler, Oskar et al.: Bildungssysteme in Europa. 4. Auflage. Weinheim und Basel 1996, S. 33f.

[19] Vgl. Anweiler et. al. (1996), S. 31ff. und Busemeyer (2015), S. 66.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Berufsbildung in Deutschland und England. Ein Vergleich
Untertitel
Entwicklung und Europäisierung der Berufsbildungssysteme
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
22
Katalognummer
V350030
ISBN (eBook)
9783668370319
ISBN (Buch)
9783668370326
Dateigröße
835 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildungsysteme, England, Deutschland, Berufsbildung
Arbeit zitieren
Stefanie Pentz (Autor), 2016, Berufsbildung in Deutschland und England. Ein Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350030

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