Die Sprache der Fußballberichterstattung im Fernsehen


Hausarbeit, 2002

44 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Sportsprache
2.1 Die Fachsprache
2.2 Der Jargon
2.3 Der Fachjargon

3. Berichterstattung und Kommentator
3.1 Das Verhältnis von Bild und Ton
3.2 Bedingungen und Anforderungen
3.3 Live-Berichterstattung
3.4 Zeitversetzte Berichterstattung

4. Unterhaltung, Emotionalität und Spannung durch den Kommentator

5. Besonderheiten der Sprache
5.1 Hyperbolik und Superlativ
5.2 (Kriegs-)Metaphorik
5.3 Hintergrundinformationen
5.4 Regelerläuterungen
5.5 Bewertungen
5.6 Bezeichnung der Akteure und direkte Ansprache

6. Fazit

Glossar

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Noch eine gute knappe Minute zu spielen.“ Der Satz eines Fußballkommentators, seinen Namen habe ich vergessen[1], die Mannschaften und das Ergebnis auch. Nur der eine Satz ist im Gedächtnis geblieben. Er ist sicherlich nicht der einzige Grund, warum ich mich mit der Sprache der Fußballberichterstattung beschäftigen möchte, aber es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, wie der erster Satz der Arbeit lauten wird.

Wenn ich schon über Sport schreibe, dann sollte das Thema zumindest eine Nähe zum Fußball aufweisen, soviel stand für mich als Fan fest. Der Fußball schien nicht nur wegen der „guten knappen Minuten“ für eine Arbeit über seine spezifische Sprache geeignet, sondern aus mehreren Gründen. Fußball ist unbestritten die beliebteste Sportart in Deutschland, weshalb die Fußballsprache am ausgeprägtesten und verbreitetsten ist, was sich auf deren Darstellung in der Literatur auswirkt. Trotzdem gestaltete sich die Literatursuche nicht ganz problemlos. Viele Untersuchungen zur Fußballsprache sind älter als 15 Jahre und beschäftigen sich vorrangig mit den Printmedien, was mich dazu bewogen hat, Literatur erst ab 1970 zu berücksichtigen bzw. in wenigen Fällen auch die zur Presse[2]. Ich habe mich unterdessen für das Medium Fernsehen entschieden, weil die Betrachtung der drei Medienbereiche mit Sicherheit den Umfang der Arbeit gesprengt hätte und ich selbst Fußball hauptsächlich über das Fernsehen rezipiere. Ich gehe davon aus, in dieser Hinsicht kein Einzelfall zu sein.

Das erste im Fernsehen übertragene Fußballspiel fand 1936 zwischen Deutschland und Italien statt. Bis in die 50er Jahre wurde der Fußball im Fernsehen von Hörfunkreportern kommentiert, die ihre Gewohnheit, im Radio pausenlos zu reden und zu schildern, auf das neue Medium übertrugen. Heute ist die Diskussion so weit gediehen, dass die Notwendigkeit des Kommentars ganz infrage gestellt wird. „Rein faktisch gesehen wäre der Kommentar nicht unbedingt erforderlich. Der Zuschauer könnte anhand der Fernsehbilder das Geschehen durchaus sinnerfassend verfolgen.“[3] Vielleicht kann meine Arbeit auch zu dieser Diskussion einen Beitrag leisten.

Aus diesem Grund ist nach einer allgemeinen Klassifizierung der Sportsprache ein gesamtes Kapitel der Charakteristik der Fußballberichterstattung im Fernsehen gewidmet, denn „je nach Art des Vermittlungsmediums entstehen unterschiedliche Erfordernisse für die sprachliche Realisierung.“[4] Zur Beurteilung der Sprache halte ich es für unverzichtbar, auch die technischen Produktionsbedingungen sowie die besondere Kommunikationssituation zu betrachten. Erst danach wird auf verschiedene Merkmale der Fußballsprache eingegangen. Dabei ist es nicht meine Absicht, den Kommentar sprachwissenschaftlich zu zerlegen, sondern zu erarbeiten, welche Funktionen die Merkmale erfüllen und mit welcher Absicht sie vom Kommentator eingesetzt werden.

Ich betrachte ausschließlich den Kommentar während der Spielzeit; Vor-, Nach- und Halbzeitanalysen bleiben unberücksichtigt, ebenso der Einsatz eines Co-Kommentators.

2. Die Sportsprache

„Voraussetzung von Kommunikation ist ein für Kommunikator und Rezipient verständliches Zeichensystem.“[5] Hier ist es die Sportsprache, welche auf die Entstehung des Sportjournalismus folgte und damals die Funktionen übernahm, Sport zu rechtfertigen und Wettkämpfe nachzuerzählen. Die Sportsprache zählt zu den Sondersprachen[6], das heißt, sie verfügt über einen speziellen Wortschatz und Dankert bezeichnet sie als die wichtigste und einflussreichste unter ihnen[7], da die Teilnehmer der Sportsprache Sportler, Fans und eine große Menge von Laien sind. Darin liegt der Grund für die besondere Stellung der Sportsprache, sie ist nicht gleichzeitig Standessprache[8] und nicht einem Kreis von Fachleuten vorbehalten oder an gesellschaftliche Voraussetzungen geknüpft. Verstanden wird die Sportsprache von allen Sportinteressierten, weshalb soziale, berufliche, finanzielle u.ä. Unterschiede bei der gemeinsamen Kommunikation über Sport in den Hintergrund treten (können).

Ein Merkmal der Sprache ist, dass sie sich am Wettkampf- bzw. Spielverlauf, der Technik und dem taktischen System orientiert, weshalb sich die Sportsprache durch Konstanz und Präzision auszeichnet. Denn Begriffe und Formulierungen sind eng an konkrete Vorgänge im Spiel gebunden, die kaum Veränderungen unterliegen. Die allgemeine Bedeutung von Begriffen ist auf diese feste Aussage verkürzt und muss so nicht mehr variiert oder umschrieben werden[9], das heißt, „je weiter sich die Sportsprache entwickelt, desto weniger beliebig kann das Vokabular, das zur näheren Beschreibung einer Spielszene benötigt wird, eingesetzt werden.“[10] Folglich bilden sich fast formelhafte Wendungen und Redensarten. Erstaunlicherweise stellt Braun fest, dass es trotz der genauen Bestimmung von Spielhandlungen „für die Tätigkeit des Fußballspielens und sogar für dessen Zielsetzung, Tore zu schießen, keine einfachen Verben gibt. Es gibt kein ‚toren’ oder ‚treffern’; im Deutschen“[11]. Die Möglichkeit, dass solche Wörter Eingang in die Sportsprache finden, besteht jedoch, da sie nicht völlig festgelegt oder begrenzt ist.

Erweitert wird die Sprache vor allem durch die öffentliche Kommunikation - die Massenmedien -, welche neue sprachliche Wendungen anbieten, die entweder von Fans und Spielern übernommen werden oder in Vergessenheit geraten und aus der Kommunikation ausscheiden. Die Sportsprache entwickelt sich nur in Korrespondenz von öffentlicher und privater Kommunikation[12], aber „es lässt sich kaum nachprüfen, welcher Partner den anderen nachahmt.“[13], so dass sich „die sprachliche Neuorientierung ... bisweilen langsamer als die Änderung des Spielsystems...“[14] vollzieht.

Anzumerken ist, dass Sportsprache und die spezifische Sprache des Fußballs nicht identisch sind, vielmehr besitzt jede sportliche Disziplin einen eigenen Wortschatz, speziell von Fachbegriffen, innerhalb der Sportsprache. Das Vokabular der einzelnen Sportarten existiert aber nicht strikt nebeneinander, Wörter treten in mehreren (‚Schiedsrichter’) oder auch allen Sportarten auf (‚Trainer’, ‚Titelverteidiger’), teilweise mit unterschiedlichen Bedeutungen (‚Runde’). Zudem findet ein Austausch unter den Disziplinen statt, so stammen die beim Fußball verwendeten Begriffe ‚Parade’, ‚kontern’ oder ‚Derby’ vom Fechten, Boxen und Reitsport. Dennoch ist die Sprache des Fußballs wohl die herausragende, mit der Begründung, dass Fußball in Deutschland die beliebteste Sportart ist und die Massenmedien ihr den größten Raum in der Sportberichterstattung geben.

Die Sportsprache lässt sich für den Fußball unterteilen in Fachsprache, Jargon und Besonderheiten bei der Verwendung in der Berichterstattung. Dankert führt außerdem noch den Fachjargon an[15], unter diesem Punkt möchte ich zugleich eine Art Zusammenfassung geben.

2.1. Die Fachsprache

„Die Sportfachsprache beinhaltet den Fachwortschatz der Regeln der einzelnen Sportarten, den Wortschatz der Organisation des Sportbetriebes und die sportartspezifischen Termini.“[16] Nach der Definition von Brandt erscheint ebenfalls die ähnlich gebrauchte Bezeichnung ‚Regelsprache’[17] sinnvoll, da die Fachsprache jene Begriffe umfasst, welche die Regeln, Gegenstände und Funktionen des Fußballspiels bezeichnen und den Ablauf festlegen, z. B. ‚Elfmeter’ und ‚Halbzeit’.

Die Fachsprache hat die Tendenz, „komplizierte und komplexe Vorgänge aus kommunikationsökonomischen Gründen sprachlich zu raffen und in einem Lexem zu komprimieren“[18], die bereits erwähnte Verkürzung eines Begriffs auf eine bestimmte Aussage trifft demnach häufig zu. Es sind meist Substantive, die eine Situation oder Tätigkeit beschreiben und so komplette Sätze ersetzen, so dass die Fachsprache einer hohen Starrheit unterliegt. Diese ist nötig, damit die Grundbegriffe für alle Teilnehmer am Sport und der Berichterstattung verbindlich sind. Denn die eher trocken-sachliche Fachsprache ist Voraussetzung für die Sport- oder Fußballsprache. Sie stellt die Grundsubstanz für die Kommunikation über Fußball dar, denn „Spielregeln und Fachsprache existieren, gleichsam als Fußballkompetenz, in den Köpfen aller Teilnehmer“[19]. Im Vergleich zu anderen Sportarten „kommt der Fußball mit einer mäßig dosierten Fachsprache aus“[20]. Trotzdem sind die Fachbegriffe nur „für einen, der die Regel kennt, ... präzis. Ein Laie kann sich trotz ihrer Anschaulichkeit höchstens ein nur ungefähres Bild machen.“[21]

Die Entwicklung der Fachsprache und ihrer Grundbegriffe hat in mehreren Phasen[22] stattgefunden, mit dem Aufkommen des Fußballs in Deutschland wurden gleichzeitig die englischen Fachwörter übernommen. Darauf folgte die Auseinandersetzung mit dem fremdsprachigen Vokabular, indem man die Begriffe übersetzte in Form von Lehnübersetzungen (corner – Ecke), Lehnübertragungen (goalkeeper – Torwart) und Lehnschöpfungen (centre forward – Mittelstürmer)[23]. Andererseits wurden englische Fachwörter trotz Übersetzungen beibehalten oder fehlen diese teilweise, „entweder lassen sich für sie keine gleichwertigen deutsche Ausdrücke finden, die Übersetzung ist also zu umständlich, zu konstruiert oder zu lächerlich, oder diese Wörter sind ... bereits in die deutsche Sportsprache ... voll integriert“[24], womit die Übersetzung zu Verständniszwecken entfällt (‚fair’, ‚Foul’). Nur bei Dankert findet sich die Phase, während der die deutschen Grundbegriffe vom Kommentator variiert und modifiziert wurden, um auch bis dahin noch nicht fixierte Vorgänge im Spiel bezeichnen zu können und zu einer fachgerechten Ausdrucksweise zu gelangen[25]. Darauf folgte die Kennzeichnung von bestimmten Spieltaktiken und damit verbundenen Funktionen. Heute findet die internationale Phase statt, bei der fremdsprachige Begriffe wieder häufiger vom Kommentator verwendet werden, was wohl allgemein an der Internationalisierung der Sportberichterstattung im Fernsehen und der ausgetragenen Wettbewerbe liegt. Weitere Gründe sind nach meiner Vermutung, dass englische Begriffe moderner, dynamischer und lockerer wirken. Der Entwicklungsprozess der Fußball-Fachsprache ist jedoch nicht abgeschlossen, schon aufgrund von Regeländerungen[26] und wechselnden Spielsystemen, so sind Wörter wie ‚Stopper’, ‚Linksinnen’, ‚5er-Reihe’ verschwunden und beispielsweise der ‚Libero’ und ‚Mittelfeldspieler’ hinzugekommen.

„Der Fachterminologie ... bedient sich der Sportjournalist mit dem Wissen, dass er sie zur Beibehaltung einer allgemeinen Verständlichkeit kaum zu umgehen vermag.“[27] Allerdings bezieht sich die Fachsprache nur auf die technischen Sachverhalte[28], „will der Reporter einen Eindruck von einem Fußballspiel bzw. von einzelnen Spielaktionen vermitteln, kann er sich nicht allein auf die Regelsprache beschränken“[29], denn die starren Grundbegriffe taugen erst in Verbindung mit Ergänzungen und Nuancierungen zu einer exakten Vermittlung von Fußballspielen.

2.2. Der Jargon

Die Ergänzungen und das differenzierte Vokabular zur Beschreibung von Einzelsituationen bietet der Sportjargon. Er zeichnet sich durch eher saloppe Wendungen aus, ist mit unterschiedlichen Emotionen aufgeladen und drastischer als die Fachsprache, von deren neutralen Grundbegriffen sich der Jargon distanziert, „es handelt sich um bildliche Umschreibungen bereits vorhandener Begriffe.“[30] Die Funktion des Jargon „liegt in der Präzisierung und Emotionalisierung des Grundvokabulars“[31], um sich auf verbaler Stufe abzureagieren. „Der sachliche Informationswert solcher Formulierungen ist äußerst gering. Demgegenüber ist ihre Suggestivkraft umso stärker“[32], durch den Jargon werden also beim Zuschauer Emotionen geweckt und die Sprache wird „zum Ersatz eigener Handlungen, zum Ventil für Aggressionen oder zum Mittel der Selbstbestätigung.“[33]

Für die Vermittlung des Spielverlaufs hat der Jargon so eine große Bedeutung, durch ihn kann der Kommentator Stimmungen erzeugen und Akzente setzen oder mitschwingen lassen, die in der Fachsprache nicht enthalten sind. Er schafft durch die Verwendung von Jargonwörtern Emotionalität, zugleich ist ein mundgerechtes, unverbindliches Sprechen möglich, ist der Jargon doch „die bevorzugte Kommunikationsform mündlicher Gespräche der Zuschauer, der Fans, der Stammtischdiskutanten, z.T. auch der Sportler.“[34] Der Jargon „verbindet die Sprecher untereinander und grenzt sie damit mehr oder weniger stark von anderen Gruppen ab“[35] und das bedeutet, „mit der Kenntnis von Jargonwendungen kann man noch nachdrücklicher als mit der Beherrschung des Fachvokabulars beweisen, dass man ... mit den Besonderheiten des Fußballspiels vertraut ist.“[36] Siefer schreibt dem Jargon damit nicht zu Unrecht Imponiergehabe als eine Redeabsicht zu[37].

Dabei besteht der Jargon nur zum Teil aus Neubildungen, viel öfter sind die Wendungen aus der Alltagssprache übernommen, wenn sie auf eine in der Fußballsprache sinnvolle Bedeutung reduziert werden können oder einen Vorgang präzisieren. „Andere Formulierungen stammen ursprünglich aus dem Jargon bestimmter Berufsgruppen“[38], die dann entweder direkt oder über den Umweg der Alltagssprache in den Sportjargon gelangten, z.B. ‚klasse’ (in der Kaufmannssprache: ‚erste Klasse’, im Sportjargon: ‚das ist hervorragend’) und ‚aussteigen lassen’ (in der Verbrechersprache: ‚aus dem fahrenden Fahrzeug werfen’, im Sportjargon: ‚den Gegner ausschalten’). Erweiterungen stammen ebenso aus der Hochsprache wie Mundart, das heißt, „der sportspezifische Jargon wird der Sportberichterstattung von außen zugewiesen.“[39] Sprachlich-stilistische Formen, durch die der Jargon geprägt wird, die ein Wir-Bewusstsein ausdrücken, sind Bildhaftigkeit, die metaphorische Verwendung von Begriffen aus anderen Fachsprachen[40] sowie ein superlativischer Sprachstil[41].

„Der ständige Gebrauch in den Massenmedien, aber auch in der Alltagssprache hat zur Folge, dass zahlreiche Jargonismen nicht mehr als solche empfunden werden“[42], wobei der Jargon auch schon von Anfang an in der Sportberichterstattung berücksichtigt wird. Er ist keinen schnellen modischen Wechseln unterlegen, hat aber die Eigenschaft einer gewissen Unschärfe verloren. „In der Fußballberichterstattung dient der Jargon nicht nur einer spontanen, vom Emotionalen getragenen und vielfältig schimmernden Kommentierung, sondern wird in eine fest umrissene Aussage eingearbeitet. Mit einer derartigen Fixierung kann auch eine Abschwächung und Versachlichung der Metaphorik verbunden sein.“[43] Der Sportjargon wird immer mehr auf bestimmte Nuancen festgelegt, so dass die möglichen Bedeutungen abnehmen.

2.3. Der Fachjargon

Nicht immer lässt sich zwischen Fachsprache und Jargon unterscheiden oder eine Wendung eindeutig zuordnen, so „dass es zwischen diesen Bereichen eine recht breite Übergangszone gibt, die mit dem Terminus Fachjargon zu kennzeichnen versucht wurde. Diese Mittelstellung ist häufig für solche Begriffe charakteristisch, die eine bereits fixierte Bestimmung durch einen noch präziseren Begriff zu ersetzen vermögen.“[44] In diesen Fällen stehen sich Fachsprache und Jargon nicht gegenüber, sondern es wird dazwischen vermittelt, weil der Fachjargon zwar metaphorisch geprägt, aber dennoch präzise ist. „Von der Stilebene her liegt er zwischen der trockenen, emotionsfreien Terminologie und Ausdrucksweise der Fachsprache und dem slanghaften Jargon.“[45] Anders als der reine Jargon kann und soll der Fachjargon auch von Laien verstanden werden. „Innerhalb der Sportsprache ist der Fachjargon die Standardsprache des Sports“[46], so dass er vor allem von den Sportjournalisten benutzt wird, unter anderem, weil das in mündlicher wie schriftlicher Kommunikation möglich ist.

Fachsprache und Jargon unterscheiden sich in Funktion und Sprachmaterial, ergänzen sich dadurch aber. Die Fachsprache bildet mit den verbindlichen Grundbegriffen die Voraussetzung zur Kommunikation über ein Fußballspiel, während der Jargon Ergänzungen und Nuancierungen zur Emotionalisierung bietet. Die Fachsprache entwickelt sich durch spielimmanente Veränderungen weiter, wie Taktik und Spielsystem. Dagegen stammen die Einflüsse des Sportjargons eher von außen, so dass die Grenze zwischen Sportjargon und allgemein gebräuchlichem Jargon nicht immer klar zu erkennen ist, denn die hier vorgenommenen Einteilungen sind nur konstruiert. Auf jeden Fall wird eine fachgerechte Ausdrucksweise vom Kommentator erwartet, der entsprechend der Situation Fachsprache, Jargon oder die Standardsprache verwendet und auch mischt. Durch seine Aufgabe das Fußballspiel zu kommentieren „ist er maßgeblich an der Modifizierung und Weiterentwicklung der Fußballsprache beteiligt.“[47] Andererseits kann es sich der Kommentator nicht leisten, den Kontakt mit den Sportinteressierten zu verlieren, und muss daher deren Wortschatz mit berücksichtigen.

3. Berichterstattung und Kommentator

Um die Sprache der Fußballberichterstattung beurteilen zu können, dürfen die Voraussetzungen und Bedingungen nicht außer Acht gelassen werden, unter denen ein Kommentar entsteht. Besonders wichtig erscheint mir das für das Medium Fernsehen, da es über Bild und Ton verfügt. Zusätzlich ist zwischen Live- und zeitversetzter Berichterstattung zu unterscheiden. Aus diesen Punkten ergeben sich die Bedingungen, denen der Kommentator ausgesetzt ist und auch Anforderungen, die er zu erfüllen hat.

3.1. Das Verhältnis von Bild und Ton

Das Fernsehen verfügt, im Gegensatz zum Hörfunk oder den Printmedien, gleichzeitig über einen Bild- und Tonkanal. Der Ton wiederum setzt sich zusammen aus einer akustischen Kulisse (Geräusche, Musik) und Sprache, die klar den höchsten Stellenwert einnimmt.

Trotzdem ist das Bild im Fernsehen die vorrangige Informationsquelle, es dominiert, „weil es, unabhängig von Ton, allein die Aussage über das Ereignis macht, machen kann. Ton ist immer komplementär, von untergeordneter Bedeutung, auch für das Verstehen der Rezipienten.“[48] Der Zuschauer kann anhand des Bildes den Spielverlauf verfolgen, welches auch „die quantitativ umfassendere Informationsfunktion“[49] hat, während Hattig den Fernseh-Ton als „unterentwickelt“ und von „untergeordneter Bedeutung“ einstuft[50].

Das Bild bildet demzufolge die Grundlage einer Fußballübertragung im Fernsehen, was einerseits bedeutet, dass der Kommentator die Wirklichkeit des Spiels nicht erst zu schaffen braucht[51], andererseits muss er sich der „unschlagbaren Autorität des Bildes“[52] unterwerfen. Der Kommentator hat es mit einer Bildvorlage zu tun, auf die er seinen Kommentator abstimmen muss, da „die verbale Verdopplung des ohnehin Sichtbaren beim Fernsehkommentar ebenso überflüssig ist“[53], sich eine Schere zwischen Text und Bild aber ebenfalls negativ auf die Informationsvermittlung auswirkt. „Der Kommentator bleibt ... nachgeordnet. Er ist eben nur ein ‚verbaler Verstärker’ des Bilds“[54], während Hattig noch weiter geht mit seiner Feststellung, dass der Zuschauer die vorgegebenen Bilder „genau genommen auch selbst und für sich selbst verbal begleiten, kommentieren kann.“[55]

[...]


[1] so dass der Zitatgeber nicht in einer Fußnote berücksichtigt werden kann

[2] dazu gehören: Monika Fingerhut, Udo Ludwig

[3] Auffenberg, Tanja: Sprachliche Formen der Sportberichterstattung. Dortmund 1999

[4] Neugebauer, Eva: Mitspielen beim Zuschauen. Analyse zeitgleicher Sportberichterstattung des Fernsehens. Frankfurt am Main. 1986, S. 24

[5] Weischenberg, Siegfried: Die Außenseiter der Redaktion. Bochum 1976, S. 197

[6] siehe Glossar

[7] Dankert, Harald: Sportsprache und Kommunikation. Untersuchungen zur Struktur der Fußballsprache und zum Stil der Sportberichterstattung. Tübingen 1969, S. 1

[8] siehe Glossar

[9] Das Gegenteil kann der Fall sein, wenn Verben austauschbar oder ähnlich sind, was aber zulasten der Präzision geht.

[10] Dankert, a.a.O., S.17

[11] Braun, Peter: Annäherungen an die Fußballsprache. In: Muttersprache 2/1998, S.134-145, hier: S. 135

[12] Dankert, a.a.O., S.19

[13] Gerneth, Georg Stefan/Schäfer, Dieter/Wolf, Jörg: Zur Fußballsprache. In: Linguistik und Didaktik 7/1971, S. 200-218, hier: S.217

[14] Dankert, a.a.O., S.42

[15] ebd.

[16] Brandt, Wolfgang: Zur Sprache der Sportberichterstattung in den Massenmedien. In: Muttersprache 3-4/1979, S. 160-178, hier: 172

[17] siehe: Monika Fingerhut, Eva Neugebauer

[18] Brandt, a.a.O., S.177

[19] Braun, a.a.O., S.134

[20] ebd., S.134

[21] Gerneth/Schäfer/Wolf, a.a.O., S.215

[22] siehe: Harald Dankert, Wolfgang Brandt

[23] Braun, a.a.O., S.140

[24] Brandt, a.a.O., S.174

[25] Dankert, a.a.O.

[26] ein Beispiel ist die Rückgabe zum Torhüter, die erst seit 1992 zum Regelwerk gehört

[27] Ludwig, Udo: Kabale und Liebe. Sportjournalisten an Tageszeitungen und Profi-Fußballvereine. Münster 1987, S.150

[28] Siefer, Claus: Der Jargon der Sportreportage. In: Der Deutschunterricht 1/1970, S. 104-116, hier: S.115

[29] Brandt, a.a.O., S.176

[30] Fingerhut, Monika: Fußballberichterstattung in Ost und West. Eine diachronische Sprachanalyse. Frankfurt am Main 1991, S.58

[31] ebd., S.108

[32] Siefer, a.a.O., S.108

[33] Gerenth/Schäfer/Wolf, a.a.O., S.218

[34] Brandt, a.a.O., S.172

[35] Siefer, a.a.O., S.107

[36] Dankert, a.a.O., S.21

[37] Siefer, a.a.O., S.114

[38] ebd., S.106

[39] Ludwig, a.a.O., S.150

[40] siehe Kapitel 5.2.

[41] siehe Kapitel 5.1.

[42] Fingerhut, a.a.O., S.109

[43] Dankert, a.a.O., S. 56

[44] ebd., S.42

[45] Brandt, a.a.O., S.173

[46] ebd., S.173

[47] Dankert, a.a.O., S.20

[48] Hattig, Fritz: Fernseh-Sport. Im Spannungsfeld von Information und Unterhaltung. Butzbach-Griedel 1994, S.216

[49] Quentin, Regina: Sprache im Bild. Fußballreportagen in Sportsendungen des deutschen Fernsehens. Marburg 1989, S.73

[50] Hattig, a.a.O., S.147 und 216

[51] Dankeet,a.a.O., S.103

[52] ebd., S.104

[53] Schaffrath, Michael: Experten im Einsatz. In: Der Journalist 9/1998, S.56-60, hier: S.58

[54] Horst Seifart: Vom Rekord zum technischen Ritual. Wie kann Sport gezeigt werden? Neue Verfahren der Bildgestaltung. In: Allmer, H. / Muckenhaupt, M. (Hrsg): Sportberichterstattung: Die neue Qualität des Mediensports. Sankt Augustin 1990, S.77

[55] Hattig, a.a.O., S.250

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Die Sprache der Fußballberichterstattung im Fernsehen
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
2,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
44
Katalognummer
V35011
ISBN (eBook)
9783638350679
Dateigröße
616 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprache, Fußballberichterstattung, Fernsehen
Arbeit zitieren
Christina Quast (Autor), 2002, Die Sprache der Fußballberichterstattung im Fernsehen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35011

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