Ausgewählte Daten zur Fernsehnutzung Jugendlicher


Hausarbeit, 2004

21 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhalt

0 Einleitung

1 Allgemeine Daten über verschiedene Medien-Einrichtungen
1.1 Die Entstehungsgeschichte der Fernsehforschung in Deutschland
1.2 Sozialisation Jugendlicher – ein kurzer Einblick
1.3 Allgemeine Informationen zur Media-Analyse und den „Media Perspektiven“

2 Die Rolle des Fernsehers bei Jugendlichen
2.1 Welche Rolle spielte der Fernseher in den letzten zwei Jahrzehnten
2.1.1 Die Fernseh-Nutzung seit dem Anfang der Achtziger Jahre
2.1.2 Der Besitz von Fernseh-Geräten
2.2 Fernsehnutzungsmotive bei Jugendlichen
2.3 Spezielle Jugendprogramme und ihre Adressaten

3 Beeinflussung der Jugend durch die Medien
3.1 Beeinflussung Jugendlicher durch das Medium Fernsehen
3.1.1 Einfluss auf das Publikum durch gewalthaltige Fernsehprogramme
3.2 Fernsehen ist eine Droge, es macht Jugendliche süchtig

4 Schluss

5 Quellen/Literaturverzeichnis

0 Einleitung

Die jüngere Generation, die sog. Fernsehgeneration, weiß und lernt, versteht und begreift immer weniger. Die menschliche Kapazität ist offensichtlich begrenzt. Wenn auf der einen Seite neues hinzukommt, muss man auf der anderen Seite darauf verzichten. Eben dies tut die Jugend gleichsam selbstverständlich, und das betrachten die Älteren als Verlust. Die Kulturkritiker liefern den Grund für den Abstieg: das Fernsehen.

„Das Fernsehen hat unsere Welt entgrenzt: Beim Abendessen sehen wir verhungernde Kinder, wir erleben Kriege und Katastrophen im Sessel, wir sind dabei, wenn Politiker ihr Image zelebrieren und wenn Minderheiten die Aufmerksamkeit der Kamera erzwingen. Die Kritik am Fernsehen hat sich bisher auf seine gewaltigen und banalen Inhalte konzentriert. Noch nie aber wurde die revolutionärste Veränderung dieses Mediums untersucht: Wir haben unseren Orts-Sinn verloren, wir sind überall und nirgends dabei. Physische Präsenz ist keine Bedingung mehr für Begegnungen und Erfahrungen. Dieses Neu-Arrangement des In-der-Welt-Seins nivelliert aber auch psychische und soziale Unterschiede und demokratisiert unsere Gesellschaft auf ungeahnte Art.“[1]

Das heißt also, dass unsere Gesellschaft Informationen ausgesetzt ist, die sie nicht zu überblicken vermag, geschweige denn zu kontrollieren. Wir konsumieren einen immer höheren Anteil an Informationen durch das Fernsehen und sind so immer weniger in der Lage, eigene Sichtweisen und Einstellungen weiterzugeben, wie dies auch im Alltagsgespräch geschieht. Der Mensch wird vom Fernsehen kultiviert und dadurch auch manipuliert:

„Die Informationsüberflutung könnte eine völlige Desorientierung der Gesellschaft und der einzelnen Menschen zur Folge haben“[2]

Statt aktiv und produktiv zu sein, statt die eigene Phantasie und Kreativität zu nutzen und zu pflegen, statt sich seine eigene Meinung zu bilden durch selbstständiges Denken,verschwenden die meisten Individuen unserer Gesellschaft ihre freie Zeit vor dem Bildschirm und konsumieren fertige Produkte. Sie versinken mehr und mehr in eine passive Haltung und kauen das nach, was man ihnen vorgibt. Eigenständige und aktive Gestaltung existieren nur noch in geringem Maße, der Fernsehkonsum ersetzt das Selbsttun der Rezipienten und damit auch die Selbstverwirklichung.

Das Fernsehen gilt als das wirksamste aller Massenmedien, da es audiovisuell vermittelt und in großem Ausmaß genutzt wird. Und das ist ein Grund zur Besorgnis, denn die Fernsehrealität entspricht nach nicht im geringsten der Wirklichkeit im richtigen Leben.

In der vorliegenden Arbeit möchte ich mich auf den Medienalltag von jungen Menschen im Alter zwischen 12 und 29 Jahren spezialisieren, und dabei besonders auf das Medium Fernsehen eingehen. Die JIM-Studie der ARD „Medienverhalten Jugendlicher in Deutschland“ möchte ich dabei weitgehendst miteinbeziehen.

1 Allgemeine Daten über verschiedene Medien-Einrichtungen

1.1 Die Entstehungsgeschichte der Fernsehforschung in Deutschland

Fernsehforschung im Sinne einer kontinuierlichen quantitativen Zuschauerforschung wird in Deutschland seit dem ersten April 1963 betrieben, dem Tag, als das ZDF erstmals auf Sendung ging.[3]

,,Der unterschiedliche Stellenwert von Forschung im ZDF und in der ARD ist leicht zu erklären: Das ZDF war in einer schier aussichtslosen Position gegenüber dem ,Monopolisten` ARD, der zu diesem Zeitpunkt bereits eine Institution war, vor allem durch die ,Tagesschau`, deren Start um 20.00 Uhr für die große Mehrzahl der Menschen den Beginn des allabendlichen Feierabends markierte das ZDF was demgegenüber ein ,privates` Programm,...".[4]

Die Ermittlung des Zuschauerverhaltens erfolgte schon damals mittels eines Panels repräsentativer ausgewählter Personen, deren Fernsehgerät an ein Messgerät angeschlossen war. Dieses Gerät erfasste jedes Umschalten, Einschalten und Ausschalten, inklusive des genutzten Fernsehkanals sekundengenau. Die Ermittlung der Einschaltquoten erstreckte sich in den ersten Jahren nur auf das Gebiet der Bundesrepublik, seit 1991 gibt es ein gesamtdeutsches Panel.
Durch die gemeinsame Zuschauerforschung von ARD und ZDF sollte die Vergleichbarkeit der Leistungswerte der beiden Sender sichergestellt werden. Zunächst wurde die Nutzung der zwei Programme lediglich auf Haushaltsebene erfasst. Mit Einführung des Knopfdruckverfahrens ab 1975 konnte die Nutzung jedes Haushaltsmitgliedes dokumentiert werden. Die gespeicherten Daten wurden nachts automatisch über das Telefon, das mit dem Messgerät verbunden ist, von dem durchführenden Institut ( seit 1985 ist dies die GFK in Nürnberg) abgerufen und danach für die Auswertung entsprechend aufbereitet. Während die Daten anfänglich hauptsächlich der Programmplanung dienten, wurden sie im Kontext eines zunehmend härter werdenden Wettbewerbs im TV-Werbemarkt zur Unterstützung des Verkaufs von Werbezeiten und als Leistungsnachweis immer interessanter.
Mit Einführung des strikt kommerziell ausgerichteten Kabelfernsehens zu Beginn der achtziger Jahre hat sich die deutsche Fernsehlandschaft grundlegend verändert. Die neuen Sender finanzierten sich ausschließlich über den Verkauf der Werbezeiten. Im Jahre 1988 traten der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) die beiden Privatsender RTL plus und SAT.1 bei. Heute gehören der AGF außerdem noch Pro Sieben, RTL 2 und Kabel 1 an. Kleinere Fernsehsender sind durch den Beirat Lizenzsender (BLS), die Werbewirtschaft durch die Organisation Werbetreibender im Markenverband (OWM) und durch den Gesamtverband Werbeagenturen (GWA) in den Gremien der AGF vertreten und so in ihre Arbeit organisatorische eingebunden.
Alle heute am AGF-System beteiligten Sender vereinigen 95 Prozent des gesamten täglichen Fernsehkonsums in Deutschland auf sich.
Das System der deutschen Fernsehforschung wird von niemandem in Frage gestellt, die Ergebnisse bilden die Basis für weitreichende Entscheidungen nicht nur bei der Verteilung der TV-Werbebudgets, sondern auch für die Programmplanung[5], die ebenso auch Jugendprogramme[6] betrifft.

1.2 Sozialisation Jugendlicher – ein kurzer Einblick

Allgemein gesagt, beinhaltet „Sozialisation den kontrollierten Zugang zur Information einer Gruppe. Je größer die Zahl getrennter sozialer Informationssysteme, desto größer die Möglichkeit, klare Informationsstadien zu etablieren und aufrechtzuerhalten.“[7] Dabei kann man z.B. die Informationsstadien der Printmedien deutlich von denen der Fernsehmedien unterscheiden. Im Allgemeinen sind die Informationsstadien der elektronischen Medien weniger deutlich voneinander getrennt, während die „komplexen“ Printmedien eine lange Lernperiode mit sich bringen. Das Fernsehen präsentiert seine Inhalte so, dass nicht klar unterschieden werden kann zwischen der Information, die für kleine Kinder, Jugendliche, oder auch Erwachsene bestimmt ist, die Unterscheidungen sind ziemlich oberflächlich. Ein großer Prozentsatz an Programmen wird von tatsächlich allen Altersgruppen gesehen. 1980 gehörten solche Sendereihen wie die „Muppets-Show“ und „Dallas“ zu den populärsten Sendungen in jeder amerikanischen Altersgruppe, einschließlich der Kinder von zwei bis elf Jahre. In Deutschland könnte man in der jetzigen Zeit alle möglichen Arten von „Soaps“ als Beispiel für dieses Faktum nennen, auch jegliche Casting-Shows wie z.B. „Popstars“, „Deutschland sucht den Superstar“ und „Fame Academy“ gehören zu diesen Sendereihen dazu. Die Seifenoper ist ein Beispiel für die extreme Magnetwirkung des Fernsehens. Jeden Tag wird der Fernsehkonsument mit den neusten Trends in allen Lebenslagen versorgt ( Musik, Kleidung, Verhalten, Aussehen ), womit jeweils spezifische Zielgruppen angesprochen werden. Während die Printmedien die Kinder und Jugendlichen von Erwachsenen voneinander trennen, unterwirft das Fernsehen alle Zuschauer einem gemeinsamen Informationssystem.[8] Jedoch kann man bei dem Konsumverhalten von Kindern und Jugendlichen nicht auf direkten Einfluss der Medien auf das Kaufinteresse schließen: Weitere Faktoren wie Einfluss der Familie von Freunden sind bei der Steuerung des Verhaltens zu berücksichtigen.[9] Das Alter eines Kindes war früher eine wichtige Bestimmungsgröße dafür, was es wusste. Kinder aus unterschiedlichen Gruppen wurden ähnlicher Information ausgesetzt, weil sie in derselben Altersstufe waren. Jetzt werden Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene sozialen Informationen für alle Altersgruppen ausgesetzt, und zwar durch die zu bearbeitenden elektronischen Medien, insbesondere des Fernsehers. Viel mehr als in einer von Printmedien beherrschten Kultur wird die junge Generation jetzt auf ihre individuelle kognitive und soziale Entwicklung zurückgeworfen als Mittel, ihren sozialen Status zu erlangen. Die je nach Alter passende Rollenzuschreibung ist nicht länger notwendig bzw. scheint es nicht zu sein.[10] Wichtig in der Prägungswelt von Jugendlichen ist das soziale Umfeld, dabei spielen Familie, Schule, Ausbildungsstätte, Gleichaltrigengruppe (peer groups) und Glaubensinstitutionen eine wichtige Rolle.[11]

[...]


[1] Meyrowitz, Joshua: Die Fernsehgesellschaft. Wirklichkeit und Identität im Medienzeitalter, 1987, Buchinnenseite (vorne)

[2] Moser, Bischof: Die Informationsflut überwältigt die Menschen, in: Kulturverfall durch Fernsehen, 1988, S. 48

[3] vgl. Hofsümmer, Karl-Heinz: Fernsehforschung aus der Sicht der ARD-Werbung: Ein universeller Service für die Werbung, in: Klingler, Walter: Fernsehforschung in Deutschland, 1998, S. 893

[4] Frank, Bernward: Die Medienforschung des ZDF, in: Böhme-Dürr, Karin & Graf, Gerhard: Auf der Suche nach dem Publikum, 1995, S. 162

[5] vgl. Hofsümmer, Karl-Heinz: a.a.O.: S. 895

[6] ausführlich in 2.3.

[7] Meyrowitz, Joshua: Die Fernseh-Gesellschaft. Wirklichkeit und Identität im Medienzeitalter, 1987, S. 117

[8] vgl. Meyrowitz, Joshua: a.a.O, S.117

[9] vgl. Bonfadelli, Heinz: Die Sozialisationsperspektive in der Massenkommunikation, 1981, S. 270

[10] vgl. Meyrowitz, Joshua: a.a.O, S.117

[11] vgl. Schäfers, Bernhard: Soziologie des Jugendalters, 1994, S. 129

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Ausgewählte Daten zur Fernsehnutzung Jugendlicher
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (IfKW)
Veranstaltung
Medienkunde
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V35012
ISBN (eBook)
9783638350686
Dateigröße
628 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ausgewählte, Daten, Fernsehnutzung, Jugendlicher, Medienkunde
Arbeit zitieren
Nadja Wagner (Autor:in), 2004, Ausgewählte Daten zur Fernsehnutzung Jugendlicher, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35012

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