Die Rolle der Frau in Arthur Schnitzlers erzählerischem Werk. Judentum und bürgerliche Welt


Magisterarbeit, 2004
119 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Rolle der Frau zur Zeit des Fin de siècle
1.1. Geschlechterrollen im traditionellen Judentum
1.2. Die jüdische Frau im Bürgertum
1.3. Berta Pappenheim und der JFB
1.4. Von Arthur Schopenhauer zu Otto Weininger: Misogynie in der deutschen und österreichischen Gesellschaft
1.5. Die Begriffe der femme fatale, femme fragile und des süßen Mädels in der Literatur
1.6. Historischer Exkurs über die Stellung der bürgerlichen Frau und Arthur Schnitzlers Gesellschaftskritik

2. Motivik in Arthur Schnitzlers erzählerischem Werk
2.1. Das Motiv des Eros
2.2. Das Motiv der Ehe
2.2.1. Die Ehe bei jüdischen Frauen
2.3. Das Motiv von Beruf und Bildung
2.4. Das Motiv der Musik
2.5. Das Motiv des Sterbens und des Todes
2.5.1. Die „Allmacht der Gedanken“

3. Die Rolle der Frau in Schnitzlers erzählerischem Werk
3.1. Frau Berta Garlan: Unterdrückter Eros vs. bürgerliche Doppelmoral
3.1.1. Ehe – Mutterschaft – Witwe. Das Schicksal der Berta Garlan
3.1.2. Berta Garlan und die Musik
3.1.3. Unterdrückter Eros oder Bertas Liebesillusion
3.1.4. Die erlebte Rede als stilistisches Mittel der Erzählung
3.1.5. Schnitzlers Blick hinter die Fassade: Kleinbürgerliche Doppelmoral
3.2. Der Weg ins Freie: Erste Emanzipationsversuche
3.2.1. Anna und Georg oder Eine verhängnisvolle Affäre
3.2.1.1. Georg von Wergenthin: Ein Künstler als der „impressionistische Typus“
3.2.1.2. Anna Rosner: Opfer der Leidenschaft
3.2.2. Therese Golowski und Else Ehrenberg. Jüdische Frauenbiographien?
3.2.2.1. Therese Golowski, die sinnliche Freiheitskämpferin
3.2.2.2. Else Ehrenberg: Kühler Kopf aus gutem Hause
3.2.3. Die alte und die neue Zeit: Der Impressionismus als Werteverfall?
3.2.4. Schnitzlers Emanzipationsbestrebungen. Auf zu neuen Ufern?
3.3. Dr. Gräsler, Badearzt: Frauenfiguren im Spiegel eines impressionistischen Egozentrikers
3.3.1. Dr. Gräsler. Studie eines schwachen Helden
3.3.2. Die Frauenfiguren um Gräsler: Sabine, Katharina und Witwe Sommer
3.3.3. Friederi>
3.3.4. Resümee: Weibliche Typen mit Entwicklungspotential
3.4. Fräulein Else: Die höhere Tochter als Opfer bürgerlichen Rollenzwangs
3.4.1. Die höhere Tochter als „Prostituierte“?
3.4.2. Der Fall Frl. E. – Hysterie als gesellschaftliches Phänomen?
3.4.3. Sehen und Gesehen werden. Das Verlangen von Fräulein Else
3.4.4. Entblößung und Suizid als emanzipatorischer Akt?
3.5. Traumnovelle. Der Sieg der Frau über den Mann?
3.5.1. Albertine, die Überlegene
3.5.2. Marianne, die Verliererin
3.5.3. Mizzi, Pierrette und die maskierte Frau: Opfer bürgerlicher Sexualmoral
3.5.4. Der Duft der Frauen

Resümee

Literaturverzeichnis

Einleitung

Arthur Schnitzler ist einer der maßgeblichsten Autoren der Wiener Moderne und des Fin de siècle. Seine Literatur spiegelt in besonderem Maße die Situation des Bürgertums und den Zerfall der Habsburger Monarchie und des liberalen Bürgertums wider. Hauptsächlich in seiner späteren Prosa legte er sein Hauptaugenmerk auf die Situation der Frauen. Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren seiner Zeit rückte er in einigen seiner Werke die Frau und ihre Rolle im Bürgertum in den Mittelpunkt des Geschehens. Dadurch gelingt es ihm, die Doppelmoral der bürgerlichen Gesellschaft zu beleuchten. Einerseits leben seine weiblichen Protagonistinnen in der aufkeimenden Moderne und wollen an den Errungenschaften einer industrialisierten Gesellschaft partizipieren. Des Weiteren haben sie das Bedürfnis nach einem Bildungsstand, der dem ihrer männlichen Mitbürger gleichkommt. Sie verlangen nach sexueller Selbstbestimmung, dem Recht auf finanzielle Unabhängigkeit durch das Ausüben eines Berufes und wehren sich gegen eine Versklavung durch die Ehe. Dies geschieht allerdings nicht öffentlich, sondern äußert sich im Inneren, in nicht ausgelebten Wünschen und Träumen. Gefangen im Korsett bürgerlicher Konventionen leben sie, trotz der Modernität ihrer Gesellschaft, immer noch so, wie es schon ihre Großmütter taten.

Die Psychoanalyse, durch Sigmund Freud und seine Anhänger durchaus salonfähig im Wien des Fin de siècle, trat gegen Ende des 19. Jahrhunderts ihren Siegeszug an. Schnitzler, der in Sigmund Freud durch die psychologische Intuition in seinem Werk einen großen Anhänger fand, war vielleicht der erste Autor, der versuchte, seinen Lesern einen Blick in das Gefühlsleben seiner Protagonisten und im ganz besonderen Maße seiner Protagonistinnen zu gewähren, indem er ihre Gefühle und innersten Gedanken, ihre Wünsche und Sehnsüchte erkannte und beschrieb. Gerade in seinem späteren Werk im frühen 20. Jahrhundert legte er sein Hauptaugenmerk auf die Rolle der Frau seiner Zeit, die Schwierigkeiten, mit denen sie in der konventionellen und zutiefst bürgerlichen Gesellschaft der kurz vor dem Untergang stehenden Habsburger Monarchie zu kämpfen hatte. Daher möchte ich zunächst einen kurzen Blick auf die politischen und gesellschaftlichen Umstände von Schnitzlers Wien um die Jahrhundertwende werfen.

Bis zu ihrem Untergang 1918 war die Habsburger Monarchie für österreichische Dichter und Intellektuelle ein „goldenes Zeitalter der Sicherheit“[1]. Zu dieser Zeit glaubte man noch an bürgerlichen Anstand und Achtbarkeit in einer Welt voll Langsamkeit und Mittelmäßigkeit.[2] Viele Autoren, unter ihnen auch Arthur Schnitzler, beschworen die Atmosphäre und die Kennzeichen des kulturellen Lebensstils der Donaumonarchie. Auch das spezifische Menschen- bzw. Frauenbild war von diesem Lebensgefühl beeinflusst. Zu Schnitzlers Zeit war die als heil beschriebene Welt allerdings schon längst marode geworden für die Autoren der Wiener Moderne, obwohl sie sich weiterhin in ihren Werken dem Gestern zuwandten, das sie als Ausgangspunkt für ihre menschliche und künstlerische Persönlichkeit empfanden.[3] Man hielt also weiterhin fest an den alten Werten der tausendjährigen Tradition der Habsburger Monarchie, während man, beeinflusst und hingerissen von der Moderne, nicht nur längst um ihren bevorstehenden Untergang wusste, sondern auch von seiner Notwendigkeit überzeugt war. Denn trotz der Sicherheit, die die Republik vermeintlich ausstrahlte, brodelte es unter ihrer Oberfläche.[4] Hier mag auch der Grund dafür liegen, dass Schnitzler, der um die defizitäre Lage der bürgerlichen Frau wusste und sie in seinem erzählerischen Werk auch anprangerte, dennoch keine Lösungsansätze für eine Verbesserung der Situation der Frauen lieferte und sie weiterhin und in alter Tradition an ihrer bürgerlichen Rolle leiden ließ.

Claudio Magris bescheinigt den österreichischen Schriftstellern drei Grundmotive des habsburgischen Mythos, die sie in ihrer Literatur gebrauchten. Neben der Übernationalität und dem Bürokratentum handelt es sich um den sinnlichen und genussfreudigen Hedonismus,[5] den man auch in den Erzählungen Arthur Schnitzlers entdecken kann. Außerdem darf man nicht vergessen, dass gerade in den bewegten Jahren des Verfalls im Bereich der so stark traditions- und vergangenheitsgetränkten habsburgischen Kultur einige der lebendigsten geistigen Errungenschaften der modernen Kultur entstanden, die auch von Intellektuellen wie Schnitzler mitgeprägt wurden bzw. von denen er beeinflusst war, wie z. B. die Psychoanalyse.[6] Das ist auch der Grund dafür, dass sich in Schnitzlers erzählerischem Werk eine stark psychologisierte Handlung entdecken lässt. Er erstellt in seinen Novellen Psychogramme, lässt den Leser tief in die Gefühlswelt seiner Protagonisten blicken und verdeutlicht somit deren Lebenssituation. Dies führt eine Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft seiner Zeit mit sich und verdeutlicht die Tragödie und Leere des gängigen Lebensstils.[7] Schnitzler rückt den Menschen an sich in den Mittelpunkt seiner Werke. Dennoch entgeht seiner Kritik keineswegs die Wiener Gesellschaft in ihrem Ganzen, die er in all ihren Formen abgewandelt und von einem durch kleinbürgerliche wie auch jüdische Komponenten beeinflussten Gesichtswinkel aus betrachtet.[8]

Dennoch war Schnitzlers Ton kein sozialkritischer, vielmehr liegt die Gewichtung des Autors auf den Gefühlen und Leidenschaften seiner Protagonisten. Seine Gestalten sind oftmals die Besiegten, die Erniedrigten und Beleidigten – besonders in ihren Liebesbeziehungen.

Alte Werte zerfallen in Schnitzlers Werk: die Familie, die Gesellschaft des liberalen Bürgertums, die festgesetzten Geschlechterrollen. Er erleidet und reflektiert den Zusammenbruch dieser bürgerlichen Fundamente, was durch sein Judentum besonders stark empfunden wird, da der Untergang des Liberalismus gleichzeitig den Verfall des jüdischen Bürgertums und den Durchbruch des Antisemitismus bedeutete. Das führte dazu, dass die Juden, insbesondere die jüdischen Frauen z. B. durch den Aufbau einer Salonkultur versuchten, sich der österreichischen Gesellschaft zu assimilieren, was allerdings oftmals auf Kosten ihrer Tradition und ihres Selbstbewusstseins geschah.[9] Denn obwohl er das Bürgertum fortwährend kritisierte, darf man nicht Arthur Schnitzlers Herkunft vergessen. Wie viele andere Junge Wiener kam er aus bürgerlichen, jüdischen und finanziell gesicherten Verhältnissen, von denen er selbstverständlich stark geprägt war, was sich in seinen Erzählungen und auch an seinem Frauenbild erkennen lässt. Die finanzielle Unabhängigkeit verschaffte ihm die Möglichkeit, als freier Schriftsteller zu arbeiten, obwohl mit ihr keineswegs innere Harmonie und Sicherheit korrespondierte. Hermann Broch sprach in diesem Zusammenhang von einem „Werte-Vakuum“[10]. Die Jungen Wiener hatten das Gefühl großer Orientierungslosigkeit und wussten um die Nutzlosigkeit ihres Tuns und ihres Daseins. Hierin liegt begründet, dass Schnitzler zwar die schlechte Situation der Frau erkannte, aber nicht in der Lage war, einen Lösungsansatz für sie zu liefern. Wir finden somit immer wieder Helden vor, insbesondere weibliche, denen es nicht gelingt, eine sinnvolle Betätigung in ihrem Leben zu finden. Schnitzlers Protagonisten sind daher oft nur Zuschauer ihres Daseins.[11] Carina Lehnen schreibt dazu: „Da man in der äußeren Welt zu offensichtliche Hemmnisse vorfand, um in ihr heimisch zu werden, verlagerte sich das Interesse auf die Geheimnisse der Seele mit all ihren feinen Regungen und Nuancen, die es zu erkunden galt.“[12] Diese „Geheimnisse der Seele“ offenbaren sich in Schnitzlers Werk besonders stark ausgeprägt in seinen Novellen Fräulein Else und Frau Berta Garlan, in denen er durch den Einsatz von innerem Monolog bzw. erlebter Rede dem Leser einen tiefen Einblick in die Gefühlswelt seiner Heldinnen ermöglicht.

Um die schlechte und ungerechte Situation der Frauen in der Gesellschaft um und nach der Jahrhundertwende wussten alle Männer. Und nicht nur das: viele von ihnen begünstigten sie oder trugen sogar zu ihr bei. Warum ist Arthur Schnitzler dennoch einer der wenigen Autoren, der sich überhaupt mit ihr auseinander setzte? Was machte gerade ihn, der sich in seinem Privatleben oftmals sehr schlecht gegenüber den Frauen verhielt, wie wir seiner Autobiographie Jugend in Wien[13] entnehmen können, zum „Anwalt der Frauen“[14] ? Wie lebte die Frau in Schnitzlers Gesellschaft und wie kam es zu diesen Lebensumständen? Welche Hintergründe begünstigten die Denkweise von Schnitzler und seinen Zeitgenossen? Wie stellte er die Rolle der Frau und seine Kritik am Bürgertum dar? Diese und andere Fragen sollen in der folgenden Arbeit beantwortet werden. Die historische und soziologische Situation Schnitzlers und der Frauen seiner Zeit soll geklärt und auf Grundlage ausgesuchter Erzählungen seines Werkes die Rolle der Frau und seine Gesellschaftskritik aufgezeigt werden.

1. Die Rolle der Frau zur Zeit des Fin de siècle

Die vorliegende Arbeit wird sich mit der Rolle der Frau in Arthur Schnitzlers erzählerischem Werk befassen. Um ein besseres Verständnis für die Thematik zu erzielen, ist es sinnvoll, zunächst die reale Situation der Frau zu Schnitzlers Zeit zu untersuchen, um seine Prägung, bzw. seine Motivation für die Positionierung der Frau und die Erstellung der weiblichen Charaktere zu erkennen. Wie war die Situation der Frau in der bürgerlichen Gesellschaft? Welche Möglichkeiten hatte sie in den Bereichen Bildung und Beruf? Zudem sollen einige Begrifflichkeiten geklärt werden, die in Arthur Schnitzlers Werk von Bedeutung waren. Auch die Grundstimmung seiner Zeit, geprägt z. B. von dem jüdischen Philosophen Otto Weininger und seinem Werk Geschlecht und Charakter, das die Misogynie in der österreichischen Gesellschaft begünstigte, die besondere Situation der jüdischen Frau im Bürgertum oder die Anfänge des Feminismus, mitbegründet von Berta Pappenheim oder Organisationen wie dem jüdischen Frauenbund, sind dafür von Bedeutung.

1.1. Geschlechterrollen im traditionellen Judentum

Da Arthur Schnitzler jüdischen Glaubens war, möchte ich zunächst einen detaillierteren Blick auf die Genderdiskussion im klassischen Judentum werfen und die Frage klären, ob eine eventuelle traditionelle religiöse Prägung für Schnitzlers Leben und sein Werk – insbesondere für das von ihm transportierte Frauenbild – von Bedeutung war.

In seiner Autobiographie Jugend in Wien erfahren wir, dass Schnitzler einer rein jüdischen Familie entstammte. Seine Großeltern väterlicherseits waren ansässig im ungarischen Groß-Kanisza, einem kleinen Städtchen auf dem Lande. Der Großvater war Tischler und in seinem Beruf, obwohl des Lesens und Schreibens nicht mächtig, ein wahrer Künstler. Von seiner Großmutter weiß der Autor nicht viel zu berichten.

Aufschlussreicher für die Klärung seiner religiösen Prägung scheinen die Ausführungen über die Großeltern mütterlicherseits zu sein. Sie entstammten der bürgerlichen und wohlhabenden Familie Markbreiter, die in Wien sesshaft war und daher auch dem Dichter näher stand. Der Großvater war ein begabter und sehr gebildeter Doktor der Medizin und Philosophie, die Großmutter, Amalie Markbreiter, entstammte einer ansehnlichen Familie, die sich bis auf einen Ahnen namens Israel zurückverfolgen ließ. Schnitzler beschreibt die Großmutter folgendermaßen: „Sie war eine durchaus bürgerlich erzogene, einfach kluge und tüchtige Hausfrau, ihrem etwas problematischen Ehegemahl die ergebenste und geduldigste Gattin, ihren zahlreichen Kindern eine liebevolle und geliebte Mutter.“[15] Auf den ersten Blick offenbart sich dem Leser hier eher die traditionelle Rolle der bürgerlichen Frau, die für Schnitzlers Werk essentiell war und auf die ich im Folgenden noch eingehen werde, als die der traditionellen jüdischen Frau. Und richtig, bei näherer Betrachtung erweist sich die Familie Markbreiter bzw. Schnitzler nicht als wirklich religiös. So erzählt der Dichter, dass in der Familie lediglich hohe jüdische Feiertage begangen wurden, wie z. B. der Jom Kippur[16] , bei dem das rituelle Fasten von den meisten seiner Familienmitglieder nicht besonders ernst genommen wurde: „Übrigens glaube ich, dass die Frömmste, ja vielleicht die einzig wirklich Fromme in der Gesellschaft (der Familie), die gute Großmama war ...“[17]

Eine Heiligung des Sabbats fand in Arthur Schnitzlers großelterlichem Hause allerdings nicht statt „... und in den folgenden Generationen trat – bei allem oft trotzigen Betonen der Stammeszugehörigkeit – gegenüber dem Geist jüdischer Religion eher Gleichgültigkeit, ihren äußeren Formen gegenüber Widerstand, wenn nicht gar spöttisches Verhalten zutage.“[18]

Dennoch ist es offensichtlich, dass sich Schnitzler durchaus dem Judentum zugehörig fühlte. Stefan Scherer setzt sich mit der speziellen Bedeutung des Judentums bei Arthur Schnitzler und anderen jüdischen Autoren der Wiener Moderne auseinander.[19] Er richtet seine Aufmerksamkeit auf die „seelischen Konsequenzen des Judenhasses“[20] innerhalb des antisemitischen Klimas der Lueger-Republik. Auch Schnitzer gehörte zu jenen vermeintlich assimilierten Juden, die keinen direkten Bezug mehr zu ihrer religiösen Herkunft hatten, wie man auch oben angegebenen Ausführungen seiner Autobiographie entnehmen kann. Doch, so Scherer, war es oftmals erst der Antisemitismus selbst, der die Juden wieder zum gefühlten Judentum zurückbrachte.

Auch Steven Beller erkennt diese Problematik, denn hätte die Assimilation der Juden in Wien gegriffen, hätte seiner Meinung nach das Bewusstsein der Juden der Wiener Moderne bzw. ihr gelebtes und gefühltes Anders-Sein nicht überlebt. Man darf nicht vergessen, dass Wien eines der großen europäischen Zentren des Antisemitismus vor dem ersten Weltkrieg war, das mit Karl Lueger sogar eine gewählte antisemitische Regierung besaß. „Anders ausgedrückt war es nahezu unmöglich, das jüdische Problem zu ignorieren – Bestätigung und Leugnung waren nur zwei Seiten ein und derselben Medaille“[21]. Der Antisemitismus beeinflusste also das Bewusstsein vieler Juden, unter ihnen auch Arthur Schnitzler, die durch ihre familiäre Prägung an und für sich keine religiösen oder traditionellen Juden waren.

Doch was macht einen traditionellen Juden aus und gibt es überhaupt eine traditionelle Rollenverteilung der Geschlechter im Judentum?

Daniel Boyarin, selbst jüdisch, hat sich ausführlich mit dieser Thematik beschäftigt.[22] Er spricht von sich selbst im Speziellen und von den jüdischen Männern im Allgemeinen als verweichlicht, ja weiblich, was er auf seine jüdische Prägung zurückführt. "I didn't think of myself so much as girlish but rather as jewish."[23] Boyarin will mit seinen Ausführungen die Tradition des "feminized jewish male"[24] des 19. Jahrhunderts beleuchten. Diese Kategorisierung des jüdischen Mannes als verweichlicht und feminin und die Idealisierung desselben geht auf den Babylonischen Talmud zurück. Boyarin fand jedoch dort nicht nur das Bild des feminisierten Mannes, der sein Leben fast ausschließlich dem religiösen Studium widmete, sondern auch viele Aspekte, die sich mit der Unterdrückung der jüdischen Frau auseinander setzen.[25] Betrachtet man jüdische Frauen und ihr Bild in der europäischen bürgerlichen Gesellschaft, so stellt Boyarin heraus, dass ihre maskulinen Verhaltensweisen, die ihnen in der jüdischen Tradition zugesprochen wurden, von ihren christlichen Mitbürgern als monströs empfunden wurden.[26]

Innerhalb dieser Tradition waren die Frauen von einer der wichtigsten Praktiken des Judentums, dem Studium der Thora, ausgeschlossen. Diesen Ausschluss bewertet Boyarin als eine Diskriminierung der Frauen durch die jüdischen Gesetze.[27] Die Unterdrückung der Frau ist also Teil der jüdischen Tradition, obwohl andererseits der Mann eher den weiblichen und die Frau den männlichen Part in Ehe und Gesellschaft übernahm.

Die Juden gaben allerdings diese traditionelle Prägung der Geschlechterrollen vermehrt zugunsten ihrer Assimilationsversuche und den dadurch übernommenen Verhaltensweisen des liberalen Bürgertums auf. Dieses Aufgeben der traditionellen Geschlechtscharakteristika des modernen Juden wertet Boyarin als negativ. Den daraus neu entstandenen jüdischen Mann, der klassische männliche Attribute übernommen hat, sieht er als Gegenpol zur traditionellen (femininen) Höflichkeit und Schüchternheit der jüdischen „sissy“.[28]

Bei der traditionell jüdischen Frau gab es, genau wie bei den Männern, ebenfalls einen signifikanten Unterschied in der Gender-Auffassung. Wie bereits weiter oben aufgeführt, war es im traditionellen Judentum die klassische Beschäftigung des Mannes, zu Hause zu bleiben und die Thora zu studieren. Diese Männer sprachen nur Jiddisch, ihre Frauen hingegen sprachen die jeweilige Landessprache und kümmerten sich um das Familiengeschäft, also um das, was, so Boyarin, für viele in der Gesellschaft als "masculin activities"[29] galt. Waren die Männer also eher verweichlicht, und kümmerten sich, im Gegensatz zum gängigen Procedere im Bürgertum, nicht um die Ernährung ihrer Familie, so wurden die Frauen oft genug als "phallic monsters"[30] bezeichnet. Während der Mann sich in der Lehre und dem Studium der Thora verlor, mussten die Frauen den Alltag bewältigen. Das hört sich zunächst sehr fortschrittlich und emanzipiert an, war es aber nicht. Obwohl die Frauen eine starke Rolle innerhalb der Familie und der Gesellschaft einnahmen, bedeutete ihre Leistung nichts oder viel weniger als die Tätigkeit des Mannes. Seine religiöse Aktivität stellte ihn innerhalb der jüdischen Gesellschaft über die Frau. So hatte das Judentum eine ihm ganz eigene Form der Unterdrückung von Frauen – obwohl diese durch verweichlichte Männer gegenüber auf den ersten Blick sehr starken und selbstständigen Frauen geschah. Da den Frauen z. B. das Studium der Thora versagt blieb, waren sie auch nicht in der Lage, einen Emanzipationsprozess in Gang zu bringen.

In Arthur Schnitzlers Werk spielt das Judentum eine eher soziologische Rolle. Einige Figuren sind sich, so wie der Autor selbst, ihres Judentums zwar bewusst und negieren es teilweise aus oben aufgeführten Gründen, aber religiöse Bräuche oder Traditionen kommen nicht zur Sprache. Die Frage bleibt, ob er unter Umständen von seinen Großeltern väterlicherseits beeinflusst war, die, aus Ungarn kommend, eventuell noch alte Traditionen lebten oder doch stärker von der bourgeoisen Familie seiner Mutter, die, in Wien ansässig, ein vorwiegend bürgerliches Leben führte.

Betrachten wir einige Frauenfiguren Schnitzlers, so fällt auf, dass sie eine starke Position an der Seite des jeweiligen Mannes einnehmen, worauf ich später noch ausführlicher eingehen werde. Ob diese starken Frauenfiguren jedoch auf die traditionelle Rolle der jüdischen Frau zurückzuführen sind, bleibt mehr als fraglich.

1.2. Die jüdische Frau im Bürgertum

Die Frau im Bürgertum, ob jüdisch oder nicht, war zur Zeit Arthur Schnitzlers noch fern von jeglicher Emanzipation. Aufgrund von alten Traditionen und der besonderen Situation, die die Juden generell in der Gesellschaft innehatten, kam auch der jüdischen Frau eine spezielle Stellung zu. Ihre Problematik war einerseits geprägt von der Wechselbeziehung zwischen Deutschen und Juden und andererseits durch die jüdische Gemeindegeschichte, die wiederum unter dem Einfluss der deutschen Umwelt stand.

Jüdische Frauen hatten ihre eigene Geschichte, geprägt sowohl von ihrer besonderen Rolle und den damit verbundenen Ansprüchen und Leistungen, als auch von ihren Beziehungen zur Gemeinde und zur deutschen Nation. Sie besaßen ihr eigenes gesellschaftliches Leben, das zwar von der Männerwelt abhing, aber dennoch von dieser geschieden war. Männliche Normen waren ausschlaggebend für die jüdische Gesellschaft, auch historisch gesehen. Das öffentliche wie das private Leben von Frauen galt als unbedeutend.

Diese Begebenheit kann man auch in Schnitzlers Erzählungen wiederfinden. Oftmals scheinen die Männerfiguren im Brennpunkt des Geschehens zu stehen und die Frauenfiguren dadurch zu leben, dass sie den Mann innerhalb der Handlung unterstützen. Francoise Derré bezeichnet die Personen um den Helden, also auch die Frauen, in seinen Ausführungen über den Weg ins Freie daher als „stichwortbringende Komparsen“[31]:

So oder so ähnlich dürfte auch die Funktion einer Ehefrau und Mutter im realen Leben gewesen sein.

Marion A. Kaplan stellt in ihren Ausführungen über die jüdische Frau die Frage, inwieweit moderne Bedingungen die traditionelle Rolle und den Status der Frau veränderten. Es gab im Laufe der Geschichte einen Wandel, den die Erwartungen und Vorstellungen von Frauen in Bezug auf ihre Rolle in der Gesellschaft und der jüdischen Gemeinde durch machte. Die Frauen waren durch familiäre, ökonomische und politische Bedingungen weit stärker behindert als Männer. Dennoch gab es immer mehr Strömungen hin zum Feminismus, der allerdings in Deutschland und Österreich, im Gegensatz zum englischen und amerikanischen Feminismus, auf die Annahme gewisser natürlicher Unterschiede zwischen den Geschlechtern gegründet war.[32] Gleichheit zwischen den Geschlechtern war hier im Sinne von gleichen Möglichkeiten gemeint, die jedem Geschlecht zur Erfüllung seiner besonderen Leistungsfähigkeit zur Verfügung standen. Obwohl es einen speziellen jüdischen Feminismus gab, herrschte zwischen allen Frauen, die sich emanzipatorisch engagierten, Gemeinsamkeiten der Erfahrungen – ungeachtet der nationalen, ethischen, religiösen und gesellschaftlichen Unterschiede. Die Zeit war reif für die Frauen, sich aus dem Korsett gesellschaftlicher Konventionen zu befreien und auf gleiches Recht in Hinblick auf Bildung, Beruf und auch das Ausleben ihrer Sexualität zu pochen.

Diese Impulse kann man auch bei Arthur Schnitzlers Protagonistinnen erkennen, die allesamt zerrissen sind, da sie einerseits in sich den Wunsch nach Freiheit verspüren, aber dennoch durch die Auflagen der bürgerlichen Gesellschaft, ihrer Eltern oder Ehemänner ihre Wünsche verdrängen und teilweise sogar daran zerbrechen.

1.3. Berta Pappenheim und der JFB

Nicht alle jüdischen Frauen ergaben sich ihrem von der Gesellschaft bestimmten Schicksal. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts engagierten sich immer mehr von ihnen in der Frauenbewegung.

Die vielleicht bekannteste Vertreterin des jüdischen Feminismus war Bertha Pappenheim. Sie machte sich als Gründerin des Jüdischen Frauenbundes, dem JFB, einen Namen und war durch ihre familiären Umstände der Prototyp der jüdischen höheren Tochter, befreite sich aber letztendlich aus dem bürgerlichen Korsett und wurde Feministin.

Die genauere Betrachtung ihres Lebens wirft ein Licht auf die gesellschaftliche Stellung der Frau Ende des 19. Jahrhunderts. Ihr ausgeprägtes Empfinden für das Unrecht, das Frauen ihrer Zeit zugefügt wurde, ließ sie leidenschaftlich für die Gleichstellung der Frau eintreten. Allerdings teilte sie dabei die Ideale der deutsch-bürgerlichen Feministinnen, die das gängige Klischee der pflichtbewussten und aufopferungsvollen Frau und Mutter übernahmen. Das beinhaltete neben Heim und Familie das Betätigungsfeld der sogenannten „sozialen Mutterschaft“[33]. Sie forderte gleiche Ausbildung, gleiche Berufschancen sowie gleiche politische Rechte für Frauen, dies allerdings nicht, damit diese ein selbstbestimmtes und freies Leben führen, sondern damit sie der Gesellschaft besser dienen konnten. Gerade für kinderlose Frauen ohne Ehemänner eröffnete dies die Möglichkeit, ihre „weiblichen Tugenden“[34] zu nutzen, indem sie sich z. B. um Waisen kümmerten, also ihr Leben in den Dienst der jüdischen Gemeinden stellten. Von dem Feminismus, den wir heute kennen, kann bei Berta Pappenheim noch nicht die Rede sein.

Dennoch trat sie ihr ganzes Leben lang für die Befreiung der Frauen ein, vor allem, da sie selbst als junges Mädchen die gesellschaftlichen Fesseln einer bürgerlichen Tochter erleiden musste. Der Leidensweg ihrer Kindheit lässt sich mit dem von Arthur Schnitzlers Frauenfiguren vergleichen. Auf dem Gipfel ihres Leidens erkrankte Bertha Pappenheim an Hysterie. Gründe dafür mögen ihre geistige Unterforderung und die langjährige Krankenpflege ihres Vaters gewesen sein. Nach Überwindung der Krankheit gründet sie 1904 den Jüdischen Frauenbund (JFB), die erste feministische jüdische Frauenorganisation.

Der JFB war nach religiösen Grundsätzen organisiert. Eine der wichtigsten Arbeiten des JFB war Sozialarbeit, übrigens eine der wenigen Aufgaben, die zu dieser Zeit für Frauen als schicklich galt. Emanzipation war das große Ziel aller aktiven Frauen im 19. Jahrhundert, egal ob jüdisch oder nicht. Dennoch kamen die meisten von ihnen weiterhin ihren traditionellen Pflichten als Ehefrau und Mutter nach oder organisierten sich in jüdischen Wohltätigkeitsverbänden.

Progressivere Frauen, die weniger an Wohltätigkeit interessiert waren, schlossen sich 1904 zum Kern des JFB zusammen. Der JFB machte es sich zur Aufgabe, den Status und die Lebensbedingungen der Frauen zu verbessern und die jüdische Gemeinde neu zu beleben. Außerdem hatte der JFB eine ausgesprochen feministische Zielsetzung, die sich um das öffentliche Bild und das Selbstbewusstsein der jüdischen Frau bemühte.[35]

Bertha Pappenheim leitete 20 Jahre lange den JFB. Sie war gewiss militanter als manche ihrer Mitstreiterinnen und musste gerade die auf dem Land lebenden jüdischen Frauen ständig von der Notwendigkeit der Gleichberechtigung überzeugen und Brücken schlagen zwischen jüdischer Tradition und ihren feministischen Forderungen. Dennoch prägte der JFB hauptsächlich einen „sozialen Feminismus“[36], der die bisher geltenden Geschlechterrollen nur indirekt in Frage stellte, da die Frauen lediglich im sozialen und wohltätigen Bereich arbeiteten. Es war in diesem Zusammenhang Pflicht der Frau, soziales Engagement zu zeigen und der Gesellschaft zu dienen[37], ohne sie allerdings von ihrer klassischen Rolle der Ehefrau und Mutter zu entbinden.

1.4. Von Arthur Schopenhauer zu Otto Weininger: Misogynie in der deutschen und österreichischen Gesellschaft

„Schon der Anblick der weiblichen Gestalt lehrt, daß das Weib weder zu großen geistigen, noch körperlichen Arbeiten bestimmt ist. Es trägt die Schuld des Lebens nicht durch Thun, sondern durch Leiden ab, durch die Wehen der Geburt, die Sorgfalt für das Kind, die Unterwürfigkeit unter den Mann, dem es eine geduldige und aufheiternde Gefährtin sein soll. Die heftigsten Leiden, Freuden und Kraftäußerungen sind ihm nicht beschieden; sondern sein Leben soll stiller, unbedeutsamer und gelinder dahinfließen, als das des Mannes, ohne wesentlich glücklicher, oder unglücklicher zu seyn.“[38]

Diesen Paragraph über die Frauen und ihre natürliche Bestimmung veröffentlichte Arthur Schopenhauer erstmalig 1851. Seine antifeministischen Ausführungen waren allerdings nicht außergewöhnlich, sondern entsprachen durchaus der gängigen Misogynie in der Gesellschaft seiner Zeit.

Die Rolle der Frau war von Schopenhauer eindeutig definiert worden: Wenn überhaupt, so taugte sie lediglich als Mutter und als Sklavin für ihren Ehemann. Zu größeren emotionalen oder intellektuellen Herausforderungen war sie nicht in der Lage. Schopenhauer entsprach mit seinem Machwerk über die Bestimmung und die sogenannten natürlichen Eigenschaften der Frau den gängigen Klischees. Im 19. Jahrhundert unterschied die bürgerliche Gesellschaft nicht nur nach Klassen, sondern auch nach den Geschlechtern.[39] Die Stellung, die in diesem Zusammenhang der Frau zugeordnet wurde, war eine dem Mann unterwürfige und wurde gleichgesetzt mit der Stellung eines Kindes oder sogar der eines Tieres.

Schnitzler war sich über diese Unterscheidung der Geschlechter – und der damit verbundenen Unterdrückung der Frau – im Klaren. 1915 schrieb er in Bezug auf eine seiner dramatischen Skizzen, die er 1888 verfasst hatte: „Meine damalige Stellung zu Mann und Frau. Immer war ich auf seiner Seite.“[40] Josef Körner geht sogar davon aus, dass Schnitzler noch im Jahre 1921 seine Frauengestalten immer nur vom Standpunkt des Mannes aus betrachtet und den weiblichen Charakteren die volle Ausführung versagt hatte.[41] Diesen Standpunkt teile ich nicht, gerade wenn man die Erzählungen Frau Berta Garlan oder Fräulein Else betrachtet, in denen sich Schnitzler sehr wohl tief in die Protagonistinnen und ihre Gefühlswelt einzufühlen vermag. Der gleichen Meinung war auch Lou Andreas-Salomé. In einem Brief an den Dichter schrieb sie 1894:

„Auffallend ist es, wie schlecht der Mann überhaupt in Ihren Dichtungen wegkommt, – so schlecht, daß man versucht ist, an ein klein wenig Verläumdung zu glauben. (...) Eine wunderliche Sorte von Selbstverläumdung des Autors liegt in fast jedem Strich, mit dem der Mann den Frauen gegenüber geschildert ist, – wer den Mann so schildert, räumt der Frau damit den Platz.“[42]

Die neuere Forschung vertritt diesbezüglich ebenfalls eher die Meinung von Lou Andreas-Salomé als die Josef Körners und bezeichnet Schnitzler als „Anwalt der Frauen“ oder sogar als „Verfechter der Interessen der Frauenbewegungen“[43]. Gerade in seiner späteren Prosa erkennt man sein sensibles Einfühlungsvermögen in die weibliche Psyche. Außerdem agieren Schnitzlers Heldinnen vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Debatte zur Frauenfrage bzw. zur Psychologie der Weiblichkeit.[44] Dennoch war Schnitzler geprägt von den gängigen Weiblichkeitsimaginationen des 19. Jahrhunderts, die ich im Folgenden näher beleuchten möchte.

Ein halbes Jahrhundert Misogynie liegen zwischen Arthur Schopenhauers Ausführungen Ueber die Weiber von 1851 und Otto Weiningers Geschlecht und Charakter, das erstmalig 1903 erschien. Beide Schriften waren gleichermaßen populär und folgenreich. Schopenhauer begründete beispielsweise die Aufgabenteilung zwischen den Geschlechtern und die daraus resultierende prinzipielle Minderwertigkeit der Frauen, die schon im 18. Jahrhundert von Pädagogen wissenschaftlich betrachtet und ausformuliert wurde:

Die Frau genügte als Gattin und Mutter. Frauen waren nach Schopenhauer „läppisch und kurzsichtig, mit einem Worte, Zeit Lebens große Kinder (sind): eine Art Mittelstufe, zwischen dem Kinde und dem Manne, als welcher der eigentliche Mensch ist.“[45] Er spricht ihnen damit die Menschlichkeit ab und reduziert sie auf ihre Schönheit, mit der sie ausgestattet sind, um einen männlichen Versorger zu finden. Besonderen Argwohn weckt in ihm der Begriff der „Dame“. Diese sei voller Arroganz und blicke auf den eigentlichen höher stehenden Mann herunter. „Die eigentliche Europäische Dame ist ein Wesen, welches gar nicht existiren sollte; sondern Hausfrauen sollte es geben und Mädchen, die es zu werden hoffen und daher nicht zur Arroganz, sondern zur Häuslichkeit und Unterwürfigkeit erzogen werden.“[46] Kein Wunder also, dass bei der Erziehung von Frauen im 19. Jahrhundert kein größerer Wert auf Bildung gelegt wurde, war doch der gängige Konsens der Gesellschaft, dass dies verschwendete Liebesmüh sei.

Wie wir sehen, erreicht bei Arthur Schopenhauer die Infantilisierung des Weiblichen seinen Höhepunkt. Kindlichkeit war eine verbreitete Qualität der Weiblichkeitsimagination des 19. Jahrhunderts.[47] So hat die Femme Fragile der Jahrhundertwende dem konventionellen Verhältnis von Mann und Frau einen Teil ihrer Faszination zu verdanken. Die Entwicklung zum Erwachsenen hat das weibliche Wesen, so Schopenhauer, jedenfalls nicht völlig durchgemacht. Daher steht das Weib auch naturgemäß dem Tier näher und zwar aufgrund seiner knapp bemessenen Geisteskräfte.

Friedrich Nietzsche greift diesen Gedanken Schopenhauers auf, denn für ihn steht ebenfalls fest, dass das Weib „einem zarteren, wunderlich wilden und oft angenehmen Hausthiere“ gleicht.[48] Das animalisch reduzierte Bewusstsein wird nun als gegeben vorausgesetzt, anatomisch-physiologisch untermauert von den wissenschaftlichen Untersuchungen des Paul Julius Möbius, der in seinem Pamphlet 1900 die „Thierähnlichkeit“ der Frau auf ihr unterentwickeltes Gehirn zurückführt.[49]

Interessanter für die Zeitepoche Schnitzlers und sicherlich auch für seine eigene Sozialisation und seinen Blick auf das Weibliche sind die Thesen des Philosophen Otto Weininger, der alle vorangegangenen Ausführungen auf den Punkt brachte. In seiner Dissertation Geschlecht und Charakter äußert er sich nicht nur äußerst verächtlich gegenüber Frauen, sondern, obwohl selbst jüdisch, auch hochgradig antisemitisch.

Mehr noch als Schopenhauer gelingt es Weininger als Zeitgenossen Schnitzlers, ihn selbst und sein Umfeld maßgeblich in der Sicht auf die Frau in der bürgerlichen Gesellschaft zu prägen.

Weininger hält die Frau für minderwertig, allerdings entfällt bei ihm der Vergleich des Weibes mit dem Tier. Die Fauna, so Weininger, kennt keine Amoral, rangiert daher weitaus höher als der weibliche Mensch. Die Frau hatte sich also minderwertig zu fühlen, was man nicht nur den Erzählungen Schnitzlers entnehmen kann, sondern auch einigen seiner Tagebuchaufzeichnungen. Viele Frauen waren davon überzeugt, nichts wert zu sein, da dies, auch durch Otto Weininger beeinflusst, gängiges Credo der Wiener Gesellschaft des Fin de siècle war. Als Beispiel dafür möchte ich eine Tagebuchaufzeichnung Schnitzlers vom 13. Februar 1920 heranziehen. Er beschreibt hier, dass ein „sechszehnjähriges russisch.-poln. Judenmädel“[50] zu ihm zu Besuch kommt, um mit ihm über seinen Roman Der Weg ins Freie zu sprechen. Ihre Situation, besonders die der Frau im Wien seiner Zeit, schildert Schnitzler folgendermaßen: „(...) im Gymnasium fast lauter ostjüd. Flüchtlinge, gescheidt, aber unangenehm, die Buben haben alle Weininger gelesen, sagen zu den Colleginnen: ‚Du bist ja nur ein Mädel‘ (...).“[51] Hier lässt sich erkennen, wie Weiningers Ausführungen über die Frau die Misogynie der Jahrhundertwende gefördert und das Denken der Menschen beeinflusst hat.

Annegret Stopczyk versucht Otto Weiningers großen Erfolg folgendermaßen zu erklären: „In seiner Radikalität formulierte er endlich das, was wohl viele Männer niemals angesprochen hätten, aber was sie doch dachten und wonach sie doch handelten.“[52]

Weininger schreibt zu einer Zeit, als Freud das erste Mal die Hysterie der bürgerlichen Frauen untersuchte und die Psychoanalyse entwickelte, ein komplett entgegengesetztes Buch, das alle Türen, die Freud den Frauen öffnete, sofort wieder zuschlug. Er nahm den Frauen ihr Selbstbewusstsein, bestärkte die Männer in ihrem unterdrückerischen Verhalten und manifestierte mit seinen Thesen die Rolle der Frau, die die bürgerliche Gesellschaft für sie vorgesehen hatte. In seinen Ausführungen über den Eros der Frau deklarierte er sie als rein sexuelles Wesen, worauf ich später noch ausführlicher eingehen werde.

Otto Weiningers Ideen lebten länger als er selbst. Der jüdische Philosoph nahm sich kurz nach Veröffentlichung seines Hauptwerks Geschlecht und Charakter mit nur 23 Jahren das Leben. Obwohl sein Buch in der Wiener Gesellschaft großen Anklang fand, gab es auch Zeitgenossen, die seine Thesen durchaus kritisch betrachteten. So schrieb Sigmund Freud über den Antifeministen und Antisemiten: „Weininger stand als Neurotiker völlig unter der Herrschaft infantiler Komplexe; (...).“[53] Paul-Laurent Assoun führt diesen Gedanken weiter und bezeichnet das Werk Weiningers als „phobisches System“[54]. Dieses System mag sich aus einer pathologischen Angst vor Frauen, bzw. einem Konflikt zwischen moralischem Gewissen und starken Sexualtrieben und dem sogenannten „jüdischen Selbsthass“[55] entwickelt haben, eine durch den Antisemitismus entstandene und von vielen Juden geteilte Auffassung, die in der Negierung ihrer religiösen Wurzeln gipfelte. Doch natürlich beruhen Weiningers Thesen nicht ausschließlich auf seiner persönlichen Krise. Vielmehr spiegeln sie die moralische Krise einer ganzen Generation wider.[56]

1.5. Die Begriffe der femme fatale, femme fragile und des süßen Mädels in der Literatur

Das Fin de siècle war gekennzeichnet durch den Rückzug der Intellektuellen aus der Wirklichkeit in eine Ersatzwelt, die aus Kunst, Introversion und Psychoanalyse bestand. Viele Dichter, unter ihnen auch Arthur Schnitzler, betrieben diese Wende nach Innen. Einige Titel seiner Werke wie Traumnovelle oder Der Weg ins Freie zeigen diese Flucht nach Innen.

Allerdings gab es bei Literaten oftmals eine Kluft zwischen äußerer Wirklichkeit und seelischer Innenwelt, die sich auch bald in ihren literarischen Werken niederschlug.

Diese Realitätsebene betraf auch die Gestaltung der weiblichen Figur in der Literatur. Sie war vor allem Verkörperung der männlichen Wunsch- und Schreckvorstellungen und somit eine Projektionsfigur.[57] Trotz vieler Nuancen gab es zwei Hauptkategorien: die femme fatale und die femme fragile, erstere der männermordende Vamp, zweite die unschuldige Kindfrau. Beide Typen sind zwar höchst unterschiedlich, entspringen jedoch der gleichen Quelle. Sie sind pervertierte Wunsch- und Angstvorstellungen des Mannes von der Frau und deren Bewältigung durch die Kunst.[58]

Als Fantasiegebilde stellen sie das Spiegelbild der Störung des Mannes dar. Diese Störung ergab sich durch die Diskrepanz zwischen der offiziellen Moral, die eine Frau ohne Erotik forderte, und dem Verlangen nach einer entfesselten Partnerin. Auch Schnitzlers Frauen stehen in diesem Konflikt zwischen ihren eigenen sexuellen Wünschen und den Moralvorstellungen der Gesellschaft. Unterdrücktes sexuelles Verlangen ist oftmals der Grund für den Konflikt und den tragischen Verlauf der Erzählung.

Die Frau in der Literatur ist immer eine Projektion ihres Autors. Sie ist das Produkt aus Entfremdung, Anziehung und Abneigung.[59] Die Kehrseite der femme fragile ist die femme fatale. Beide entstehen aufgrund sexueller Verdrängung ihres Dichters, sind also Symptome derselben Problematik. Bei der femme fatale versucht der Schöpfer aus der Moral auszubrechen, die femme fragile ist ein Zeichen für die Unterdrückung einer sexuellen Entwicklung. Beide sind Produkte sexueller Verkrampfung, die in der Literatur Befreiung sucht.

Die femme fragile erscheint sehr häufig in der Kunst und Literatur der Jahrhundertwende. Anmutig, weiß gekleidet, müde, blass und kindlich und vor allem sexuell ungefährlich findet sie sich in vielen literarischen Schöpfungen wieder.[60] Ariane Thomalla sieht in der kränklich-zarten, dahinsiechenden oder religiös erhöhten femme fragile auch einen soziologischen Aspekt: das schwindende Machtgefühl des Mannes durch Industrialisierung und den Beginn des Feminismus. Die Frau zu ästhetisieren war ihrer Meinung nach die sicherste Methode, sie für den Mann unschädlich zu machen.[61] Auch bei Arthur Schnitzler sind die Frauengestalten noch als femme fatale und femme fragile erkennbar, allerdings psychologisch mehr durchinstrumentiert und seelisch verfeinert. Darüber hinaus lebt er in den Charakteren seiner Heldinnen keine pubertären Männerfantasien aus, sondern liefert vielmehr Fallstudien seiner psychologischen Erkenntnisse.[62]

So ist die femme fatale beispielsweise nicht mehr im Kostüm der lustmordenden Vampirin oder die femme fragile weiß gekleidet und blumengeschmückt zu finden, sondern eher in eleganter Aufmachung einer Dame aus gehobener Gesellschaftsschicht.

Die Kluft zwischen Fantasiewelt und Realität, die sich bei der literarischen Darstellung von femme fatale und femme fragile aufgetan hat, schließt sich teilweise mit der Figur des „süßen Mädels“, einer vor allem in Schnitzlers dramatischem, aber teilweise auch erzählerischem Werk beliebten Frauenfigur.

Dieses „süße Mädel“ bildet den Gegenpol zu den beiden vorherrschenden Frauentypen des jungen Wiens. Im Gegensatz zur femme fatale haftet am „süßen Mädel“ nichts Dämonisches. Ihre Verführungskunst liegt eher in ihrer heiteren Natürlichkeit und im Gegensatz zur femme fragile ist sie vital und lebensbejahend. Sie ist freigebige Geliebte entweder von jungen Männern aus gehobener Schicht, die ihre Liebe genießen, bevor sie in eine standesgemäße Beziehung eintreten oder die eines älteren Mannes, der sich bei ihr von der Ehe erholt.[63] Wir finden sie hauptsächlich in Schnitzlers Dramen Reigen,Liebelei oder im Anatol wieder, aber, wie gesagt, auch in seiner Prosa. Trotz aller Idyllisierung bleibt die Darstellung des „süßen Mädels“ bei Schnitzler jedoch nicht ohne Kritik. Er stellt sie als Gefangene ihres Milieus dar und als Spielzeug der Männer, die sie, wenn es ernst wird, sofort wieder abstoßen.

Insgesamt kann man die Jahrhundertwende als Epoche voller Widersprüche betrachten, die sich fruchtbar auf Kunst und Literatur auswirkte und ständig neue Impulse lieferte. Einerseits war es eine Zeit der extrem engen Sexualmoral, die das Fantasieleben zum Wuchern brachte, andererseits stellte sie den Beginn der Emanzipationsbewegung der Frau dar. Selbstverständlich brachte die Frauenbewegung in der Bourgeoisie Antifeminismus hervor, der sich auch in der Literatur niederschlug. Denken wir nur an Otto Weininger, der in Geschlecht und Charakter die Quintessenz der dekadenten Jugendstil-Misogynie extrahierte.[64]

Die bürgerliche Schicht verlangte, dass der Mann der Eroberer war, so dass es nicht verwunderlich ist, dass sich die Ästhetisierung der Frau in der Literatur so problemlos gestaltete.[65] So war sich die bürgerliche Frau auch oftmals keiner eigenen Identität bewusst und verstand sich somit selbst von der Verbildlichung der Kunst und Literatur her. Eine weitere Schwierigkeit der Frau resultierte eben aus diesem Umstand, denn sie sollte anhand der Darstellung sexuell sein, durfte es aber ob der Moralvorstellungen der Gesellschaft in der Realität nicht sein, denn diese ästhetisch beschworene Erotik der Frau galt in der Wirklichkeit als anstößig. Dieser Widerspruch aus Imagination und Wirklichkeit ist es, der letzten Endes die dämonisierte femme fatale und ihre Verkindlichung und Liebesunfähigkeit in der femme fragile hervorrief.

1.6. Historischer Exkurs über die Stellung der bürgerlichen Frau und Arthur Schnitzlers Gesellschaftskritik

Nach der französischen Revolution 1789, zu einer Zeit, als man die Menschrechte laut von den Dächern gepredigt hatte, vergaß man trotz aller Reformen die Rolle und die Rechte der Frau.[66] Zu dieser Zeit machten die Frauen keine eigentliche Person in der Gesellschaft aus. Ihr exklusiver Wirkungsbereich war das Haus und die Familie. Nur hier hatte die Frau ein „Selbst, ein widerstandsfähiges Ich“[67]. Dieses allerdings nur sehr begrenzt und auf den Mann bezogen. Im Haushalt kamen der Frau lediglich organisatorische Tätigkeiten zu, da sie in bürgerlichen Kreisen zunehmend von Dienstboten unterstützt wurde. Während der Mann den Lebensunterhalt verdiente, sollte ihn innerhalb der Familie unter Anleitung seiner Gattin zuhause ein Paradies erwarten. Die „Innenarchitektur dieses Binnenraums“ bedurfte der Frau als Einrichtungsgegenstand.[68] Ihre natürliche Bestimmung war die der Gattin, Hausfrau und Mutter, was als weiblicher Geschlechtscharakter bezeichnet wurde.

Im Gegensatz zu den traditionellen Aufgaben einer Frau in einer gemeinsamen Hauswirtschaft, in der die Frau Arbeiten übernahm, die auch dem Lebensunterhalt der Familie zugute kamen, hatte sich die Lage der bürgerlichen Frau Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts verschlechtert. Für die Anerkennung ihrer Arbeit war die bürgerliche Hausfrau auf ihren Mann angewiesen. Die Frau war die „schöne Seele“, die nichts für sich selbst, aber alles für andere und dadurch wiederum für sich selbst war.[69] Die einzige Bestimmung der Frau war es, für den Mann und ihre Kinder zu sorgen – ihre eigenen Belange und Wünsche waren sekundär bzw. nicht existent. Ihr Glück und ihre Bestimmung waren es, ihren Mann glücklich zu machen und den Kindern, vornehmlich den Söhnen, eine gute Erziehung angedeihen zu lassen. Daher spielte sich das Leben der Frau ausschließlich im Haus ab. Sie sollte sich allerdings nicht nur als Hausfrau verdingen, sondern sich des Weiteren Allgemeinbildung aneignen, die sich aus Grundkenntnissen in Geschichte, Sprachen, Literatur und Naturkunde zusammensetzte, jedoch nicht für sich selbst, sondern, um eine verständnisvollere Ehefrau und ihren Kindern eine kluge Mutter zu sein.[70] Ein als Selbstzweck begründeter Bildungsanspruch galt als verwerflich. Rousseau proklamierte in seinem 1762 erschienenen Roman Emile[71], dass gelehrte Mädchen alte Jungfern blieben. Diese Geschlechterdefinition und die Rollenverteilung innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft zog sich bis in die Zeit des Biedermeiers hinein.

Erst nach der Märzrevolution 1848 entstand eine erste, in lokalen Vereinen organisierte und durch ein überregionales Publikationsorgan verbundene Frauenbewegung, in der sich die unterdrückten Frauen erstmals zu Wort meldeten und auf die Missverhältnisse zwischen den Geschlechtern aufmerksam machten. Sie forderten bessere Bildung und eine „Teilnahme der Frauen am Staatsleben“[72]. Dies geschah allerdings mit mäßigem Erfolg innerhalb der breiten Bevölkerung. Die althergebrachte Verwurzelung der Geschlechtertrennung blieb von Dauer. Wichtig bleibt allerdings zu erwähnen, dass selbst die Frauen der 1848er Revolution weit davon entfernt waren, sich wirklich zu emanzipieren – die Freiheit endete bei den Regeln der allgemeinen Moral und der weiblichen Sittlichkeit. Die Familie hatte als Wirkungsbereich für die Frau weiterhin erste Priorität. Eine höhere Schulbildung für Mädchen stand zwar an der Spitze der Forderungen, allerdings in erster Linie, damit die Frauen ihren Kindern mehr mitgeben konnten.[73]

Erst im letzen Drittel des 19. Jahrhunderts gab es für Frauen Arbeitsplätze in Büros und Geschäften und private Handelsschulen für Mädchen. Der Lehrberuf galt für höhere Töchter als standesgemäß, da man in ihm die Möglichkeit für eine Fortführung ihrer erzieherischen Gaben sah, die sie sich in der Familie angeeignet hatten. Die Expansion der Mädchenbildung erhöhte die Chancen auf eine eigenständige berufliche Existenz, dennoch blieb es in diesem Zusammenhang bei Handelsschulen oder dem Lehrberuf, weil der Eintritt in die Universität den jungen Frauen weiterhin verwehrt blieb.

Der Beruf war keine Lösung für alle Frauen. Er galt Ende des 19. Jahrhunderts den lediglich unverheirateten Frauen als Ersatz für Ehe und Mutterschaft vorbehalten. Die Ehe nahm für die Frau des Bürgertums eine zentrale Rolle in ihrem Leben und ihrer Bestimmung ein. Sie war im 19. Jahrhundert, im Zuge des immer wohlhabender werdenden Bürgertums, eher Geschäfts- als Herzensangelegenheit.[74] Man heiratete demzufolge im gleichen Stand – heiratsfähige Töchter wurden als Investitionsfonds angesehen. Innerhalb der Ehe kümmerten sich die Frauen um standesgemäße Repräsentation wie Damentees, Herrendinners, Bälle oder Salons. Ute Frevert drückt die Rolle der bürgerlichen Frau im späten 19. Jahrhundert folgendermaßen aus:

„Ihr demonstrativer Müßiggang, ihre Ausstattung mit ständig neuer modischer Garderobe und kostbarem Schmuck, ihre interessiert-dilettierende Teilnahme am öffentlichen Kulturleben galten als Maßstab bürgerlichen Wohlstands. Die aristokratischen Neigungen großer Teile des vermögenden Bürgertums schufen sich in Gestalt der Ehefrauen eine lebendige Projektion: fernab von Arbeit und Gewinnzwang sollte sie gehobenen Konsum und verfeinerte Umgangsformen einüben, sich zweckfrei den schönen Künsten widmen und eine gepflegte, oberflächlich gebildete Gastlichkeit kultivieren.“[75]

In dieser Beschreibung erkennt man eine Vielzahl von Arthur Schnitzlers Frauenfiguren wieder, der in seinen Erzählungen die Situation der bürgerlichen Frau spiegelte: Gefangen in ihrer gesellschaftlichen Rolle blieb den Frauen das Recht auf Unabhängigkeit und Selbstbestimmung verwehrt – in beruflicher wie auch sexueller Hinsicht. Sie waren den patriarchalischen Moralvorstellungen und dem entsprechenden Rollenverständnis unterworfen und nur als in einer dem Manne dienenden Funktion von Wichtigkeit innerhalb der Gesellschaft. Ein autonomes Ich war dabei für sie nicht vorgesehen.

2. Motivik in Arthur Schnitzlers erzählerischem Werk.

Im Werk Arthur Schnitzlers liegt es nahe, sich mit den immer wiederkehrenden Motiven auseinander zu setzen. Die Motive, die ich im Folgenden behandeln werde, sind bezogen auf die Wirklichkeit der Frau und ihre Rolle in der bürgerlichen Gesellschaft des Fin de siècle von großer Wichtigkeit. Die zunächst mehr historische Einordnung der Motive soll im dritten Kapitel dazu beitragen, die Frauenfiguren Schnitzlers besser in ihren intertextuellen und soziologischen Kontext einzuordnen und eine bessere Gesamtinterpretation zu gewährleisten. Wichtig ist, dass einerseits zwar alle Motive für sich selbst stehen können und daher auch erläutert werden sollen, andererseits allerdings miteinander verknüpft sind. Das gilt insbesondere für das Motiv des Eros, mit dem ich beginnen möchte.

2.1. Das Motiv des Eros

Der Eros als Motiv in der Gesellschaft der Wiener Moderne ist eng verknüpft mit der Existenz von gesellschaftlichen Rollenbildern. Die Voraussetzung für die Existenz von diesen Rollen ist die prinzipielle Unsicherheit, die zu dieser Zeit gerade unter den Intellektuellen und Künstlern herrschte, bedingt durch die Moderne und die damit verbundenen Umbrüche und Neuerungen. Rollenbilder waren Projektionen, und zwar einerseits auf der Metaebene eines generell zeitgenössischen Diskurses und andererseits auf der Ebene ihrer literarischen Darstellung.[76] Dies galt auch oder vielleicht gerade hinsichtlich der Geschlechterrolle. Die Diskussion über die Zuordnung der Geschlechterrollen gehörte zum allgemeinen Diskurs um die Jahrhundertwende in Wien, vor allem gekennzeichnet durch die obsessive Verwendung der Begrifflichkeiten „männlich“ und „weiblich“, die zum Signum einer „dualistischen Realitätswahrnehmung“[77] wurden – z. B. bei Otto Weininger oder Karl Kraus.

„Mann“ und „Weib“ erschienen als Chiffren einer zeitgenössischen Sexualisierung in der Kunst, der Literatur sowie der Psychoanalyse. Diese Sexualisierung findet allerdings in einer Gesellschaft statt, die sich gleichzeitig durch übersteigerte Prüderie und gelebte Doppelmoral auszeichnete. Mit großer erotischer Bedeutsamkeit aufgeladen war dabei vor allem das „Weib“. Die Frau als Typus erschien als klischierte Verkörperung des Naturhaften, Triebhaften und Erotischen schlechthin.[78]

Otto Weininger sieht durch das „Weib“ und die Juden, die er auch als prinzipiell weiblich ansah, die Welt gefährdet. Seine Charakterologie beschäftigt sich in erster Linie mit der Frau als sexuellem Wesen und deklariert zwei Begriffe, Mann und Weib, wobei er den idealen Mann mit M und das ideale Weib mit W bezeichnet und sie somit als sexuelle Typen klassifiziert.[79] Zunächst betrachtet er die männliche und die weibliche Sexualität, wobei er davon ausgeht, dass, entgegengesetzt der landläufigen Meinung, W sexuell erregbarer sei als M und dieser Zustand sexueller Erregung von W, also der Frau, ständig intensiv ersehnt werde.

„Der Zustand sexueller Erregtheit bedeutet für die Frau nur die höchste Steigerung ihres Gesamtdaseins. Dieses ist immer und durchaus sexuell. W geht im Geschlechtsleben, in der Sphäre der Begattung und Fortpflanzung, d.i. im Verhältnisse zum Manne und zum Kinde vollständig auf, sie wird von diesem Dinge in ihrer Existenz vollständig ausgefüllt, während M nicht nur sexuell ist.“[80]

Dies klingt lächerlich, betrachtet man die tatsächliche Situation der bürgerlichen Frau zu Weiningers Zeit. Von sexueller Befreiung der Frau oder auch nur annähernder Möglichkeit zum Ausleben der sexuellen Bedürfnisse und Wünsche konnte keine Rede sein, wie sich auch in Schnitzlers Erzählungen erkennen lässt. So ist ihr auch die Funktion der Frau als Mutter und Ehefrau, auf die Weininger hier anspielt und die er als Grundfunktion ihres Daseins ansieht, eher von der Gesellschaft auferlegt worden.

Der Puritanismus von Geschlecht und Charakter bekämpft den Zerfall der Sitten seiner Gesellschaft, der literarisch mit Schriftstellern wie Oscar Wilde, Baudelaire oder natürlich auch Arthur Schnitzler verbunden wurde, dessen Reigen 1900 als Pornographie bezeichnet wurde. Weininger beschreibt die „dämonische Macht der Sexualität“[81], mit der sich der Mann einen verzweifelten Kampf lieferte. Des Weiteren spricht er von der „diabolischen Macht der Frau als Versucherin“ und steht somit in der Tradition des „erotischen Satanismus“ seiner Generation.[82] Wie schon weiter oben ausgeführt, stellte die Kunst des Fin des siècle die Frau gern als femme fatale oder femme fragile dar. Durch diese Präsenz des Weiblichen, sei sie nun erschreckend und zerstörerisch oder feenhaft und dekorativ, werden die männlichen Rollen in den Hintergrund gedrängt, egal, ob sie Opfer oder stiller Bewunderer waren. Es schien, als sei eine Form von neuem Matriarchat entstanden. Eine Idee, der Otto Weininger mit Schrecken entgegensah, da sie für ihn den Verfall jeder echten Kultur bedeutete. Somit versuchte er mit seinem Machwerk gegen die Herrschaft des Weiblichen zu kämpfen.

In Karl Kraus fand Weininger einen prominenten Unterstützer seiner Schriften. Er führte sie in der Avantgarde innerhalb der Wiener Moderne ein.

Kraus empfindet in Weininger einen „Verbündeten in dem Kampf, den er in ‚Sittlichkeit und Kriminalität‘ gegen die Heuchelei und Verlogenheit der Sitten unternommen hat“[83]. Er bezeichnet es als Weiningers Verdienst, dass er das Bedürfnis nach Sexualität in höherem Maße der Frau als dem Mann zuschreibt. Obwohl er nicht in allen Ausführungen mit Weininger konform geht, treffen sich der Frauenverächter und der Frauenverehrer in einem grundlegenden Dogma, nämlich der Polarität der Geschlechter.[84] Kraus fordert allerdings im Gegensatz zu Weininger die erotische Befreiung des Weibes, gemäß seiner vermeintlichen Bestimmung als ausschließliches Triebwesen und stellt sich damit eindeutig gegen die moralische Sittenstrenge der bürgerlichen philiströsen schweigenden Mehrheit. Er spricht vom Nachdenken über die Probleme des erotischen Lebens und entspricht damit der sexuellen Frage, die im Wien des Fin de siècle umherschwirrte und sich mit der Forderung der Frauen nach Gleichberechtigung in Liebe, Ehe, Beruf und Gesellschaft beschäftigte. Im Gegensatz zu der ihm so verhassten Wiener Caféhauskultur[85] hielt er sich allerdings nicht mit einer Stilisierung der Erotik und der Liebe in Kunst und Literatur auf, sondern setzte sich progressiv mit dem Eros auseinander, wobei er das Thema Sexualität eindeutig von der romantisierten Liebe gesondert sah. Hierbei orientierte er sich am Liebesbegriffs Frankreichs des 18. Jahrhunderts – auch hier wurde die Sexualität als Sonderbereich der Liebe gesehen und führte zum Entstehen von erotischer Literatur und Kunst.[86] Mit seiner Einstellung schwamm er gegen den Strom der Moderne, ohne allerdings gleichzeitig an ihr zu partizipieren und sie mitzuprägen.

Das „Weib“ wurde schon früh zum Sinnbild der Moderne, was von ihren Gegnern, wie Kraus und Weininger, polemisch umgewertet wurde. Sie sahen die Jungen Wiener als verweiblicht, und somit auch als verweichlicht an.[87] Karl Kraus betrachtet dies als größte Gefahr der Moderne.

Bei den Künstlern der Wiener Moderne kommt es zu einer überwältigenden Produktion von Weiblichkeitsbildern. Dennoch versucht man auf der Ebene gesellschaftlich akzeptierter Moralvorstellungen und mit dem Argument ihrer vermeintlichen biologischen und intellektuellen Minderwertigkeit, die Frau aus der Öffentlichkeit auszuschließen. Des Weiteren soll sie in das Korsett bürgerlicher Rollenbilder eingeschnürt werden: „Ehefrau – Mutter – Hure – Jungfrau“.[88] Dennoch gab es Anzeichen, tradierte Geschlechterrollen in Frage zu stellen, in etwa durch den Beginn der Frauenbewegung, die erstmals auch die stark definierte Rolle des Mannes in Frage stellte.

Die in Literatur und Kunst des Jungen Wiens anzutreffenden Weiblichkeitsbilder wirkten wiederum auf das gesellschaftliche Milieu. Schauspielerinnen, ihre Sexualität frei auslebende Künstlermusen oder Tänzerinnen waren innerhalb der Kaffeehauswelt Vorbilder für das „Weib“ schlechthin, das von vielen Literaten geschaffen wurde, bzw. sie ahmten nach, was die Dichter in ihren Werken erschufen. Diese Wechselwirkung bestärkte wiederum die landläufige Meinung über Frauen als sexualisierte Wesen, und aus oben beschriebenem Wechselspiel entstanden dann Frauentypen wie die femme fatale und die femme fragile.

Wichtig ist, darauf hinzuweisen, dass man sich auf diese Typenbilder nicht beschränkte, sondern sie vielfach abänderte.[89] So wird beispielsweise bei Schnitzler die femme fatale schon einmal zu einer mondänen Frau, die als Schauspielerin oder Geliebte eines gutsituierten Mannes durch ihren Status erotische Freizügigkeit leben kann, wie sie der anständigen Ehefrau verwehrt bleibt. Generell entwirft Schnitzler die vollständige Bandbreite von Frauentypen, wie sich im nächsten Kapitel noch herausstellen wird. Ob Dirne oder Mutter, Witwe, süßes Mädel oder höhere Tochter: emanzipatorische Ausbruchsversuche, gerade im Bereich des Eros, enden bei Schnitzler meist im Fiasko.

2.2. Das Motiv der Ehe

Wie schon weiter oben angesprochen, war zur Zeit der Wiener Moderne die Ehe für eine höhere Tochter fester Bestandteil ihrer Biographie. Ihre Bildung wurde gerade so angelegt, dass sie eine gute Ehefrau und ihrem Mann eine charmante Unterhalterin war. Sie verbrachte nach dem Abschluss der Schule ihre Zeit zuhause mit Stickereien, bis sich ein adäquater Ehemann für sie fand. Die Auswahl des Ehemanns hatte nicht viel mit Liebe zu tun, sondern wurde oftmals von den Eltern arrangiert. Zweck der Ehe war in erster Linie, die Tochter standesgemäß versorgt zu wissen.

Otto Weininger schreibt in diesem Zusammenhang, die Ehe sei für die Frau „Vollendung ihres Daseins. (...) indes die kleinsten Mädchen bereits auf die Liebe und die Heirat überhaupt wie auf die Vollendung ihres Daseins erpicht zu sein scheinen.“[90]

[...]


[1] Magris, Claudio: Der habsburgische Mythos in der österreichischen Literatur. Salzburg 1966. S. 7

[2] Ebd. S. 8

[3] Magris, Claudio: a.a.O., S. 8

[4] Lehnen, Carina: Das Lob des Verführers. Über die Mythisierung der Casanova-Figur in der deutschsprachigen Literatur zwischen 1899 und 1933. Aachen 1994. S. 62

[5] Magris, Claudio: a.a.O., S. 18

[6] Ebd., S. 20

[7] Magris, Claudio: a.a.O., S. 203

[8] Ebd., S. 206

[9] Lehnen, Carina: a.a.O., . S. 62

[10] Ebd. S. 76

[11] Ebd. S. 79

[12] Ebd., S. 82

[13] Schnitzler, Arthur: Jugend in Wien. Eine Autobiographie. Herausgegeben von Therese Nickl und Heinrich Schnitzler, Frankfurt am Main 2003

[14] Fliedl, Konstanze: Arthur Schnitzler. Poetik der Erinnerung. Wien, Köln, Weimar 1997, S. 138

[15] Schnitzler, Arthur: a.a.O., S. 17 f.

[16] Die neun Tage zwischen Rosch Haschana und Jom Kippur, dem „Großen Versöhnungstag“, sind eine Zeit der Besinnung und Prüfung. Die Menschen jüdischen Glaubens bitten Gott um Vergebung für ihre Sünden und versuchen sich auch mit ihren Bekannten und Nachbarn zu versöhnen. Jom Kippur ist eines der höchsten Feste im jüdischen Festkalender.

[17] Schnitzler, Arthur: a.a.O.,, S. 18

[18] Ebd., S. 18 f.

[19] Scherer, Stefan: „Judentum, Ästhetizismus und literarische Moderne. Zu einem Zusammenhang beim frühen Richard Beer-Hoffmann“. In: Richard Beer-Hoffmann: Zwischen Ästhetizismus und Judentum, Hrsg. Dieter Borschmeyer, Paderborn 1996

[20] Ebd., S: 10

[21] Beller, Steven: Wien und die Juden. 1867 - 1938. Aus dem Englischen übersetzt von Marie Therese Pittner, Wien, Köln, Weimar 1993, S. 88

[22] Boyarin, Daniel: Unheroic Conduct. The Rise of Heterosexuality and the Invention of the Jewish Man. London 1997

[23] Ebd., Prologue, S. Xlll

[24] Ebd., Prologue, S. XlV

[25] Ebd., Prologue, S. XVll

[26] Ebd.

[27] Ebd., Prologue S. XVlll

[28].Ebd., Prologue, S. Xl

[29] Boyarin, Daniel: a.a.O., Prologue S. XXll

[30] Ebd.

[31] Derré, Francoise: „‚Der Weg ins Freie‘, eine wienerische Schule des Gefühls?“ In: Modern Austrian Literature 10, Numbers 3/4 (1977), S. 224

[32] Kaplan, Marion A.: a.a.O., S. 18

[33] „Soziale Mutterschaft“ meint die Übertragung mütterlicher Tugenden auf die gesamte Gesellschaft. Zitiert nach: Kaplan, Marion: a.a.O., S. 77

[34] Kaplan, Marion A.: a.a.O., S. 77

[35] Kaplan, Marion A.: a.a.O., S. 23

[36] Ebd., S. 26

[37] Ebd., S. 27

[38] Schopenhauer, Arthur: „Parerga und Paraliomena“. In: Sämtliche Werke Band 2, Wiesbaden 1972, S. 650 f.

[39] Frevert, Ute: Mann und Weib, und Weib und Mann. Geschlechter-Differenzen in der Moderne. München 1995, S. 136

[40] Zitiert aus: Fliedl, Konstanze: Arthur Schnitzler. Poetik der Erinnerung. Wien, Köln, Weimar 1997, S. 138

[41] Körner, Josef: Arthur Schnitzlers Gestalten und Probleme. Zürich 1921, S. 34

[42] Zitiert aus: Fliedl, Konstanze: a.a.O., S. 138

[43] Ebd.

[44] Fliedl, Konstanze: a.a.O., S. 139

[45] Schopenhauer, Arthur: „Parerga und Paraliomena“. In: Sämtliche Werke Band 2, Wiesbaden 1972, S. 651

[46] Ebd., S. 658

[47] Fliedl, Konstanze: a.a.O., S. 143

[48] Ebd., S. 144

[49] Möbius, Paul Julius: Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes. Halle, 1922

[50] Schnitzler, Arthur: Tagebuch 1920 – 1922. Wien 1993, S. 21

[51] Ebd.

[52] Stopczyk, Annegret: „o.T.“. In: Weininger, Otto: Geschlecht und Charakter. München 1980, S. 654

[53] Zitiert nach: Le Rider, Jacques: Der Fall Otto Weininger. Wurzeln des Antifeminismus und Antisemitismus. Wien, München 1985, S. 11

[54] Le Rider, Jacques: a.a.O., S. 12

[55] Vgl. dazu Lessing, Theodor: Der jüdische Selbsthass. Berlin 1930

[56] Le Rider, Jacques: a.a.O., S. 14

[57] Brokoph-Mauch, Gudrun: a.a.O., S. 242

[58] Brokoph-Mauch, Gudrun: a.a.O., S. 242

[59] Ebd.

[60] Ebd., S. 243

[61] Thomalla, Ariane: Die ‚femme fragile‘, Bonn 1971, S. 71

[62] Brokoph-Mauch, Gudrun: a.a.O., S. 244

[63] Brokoph-Mauch, Gudrun: a.a.O., S. 250

[64] Ebd., S. 252

[65] Ebd.

[66] Frevert, Ute: Frauen-Geschichte. Zwischen Bürgerlicher Verbesserung und Neuer Weiblichkeit. Frankfurt am Main 1989, S. 16

[67] Duden, Barbara: „Das schöne Eigentum. Zur Herausbildung des bürgerlichen Frauenbildes an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert“. In: Kursbuch 47 (1977), S. 130

[68] Ebd., S. 133

[69] Ebd., S. 137

[70] Frevert, Ute: a.a.O., S. 21

[71] Rousseau, Jean-Jacques: Emile oder Über die Erziehung. Paderborn 1978

[72] Frevert, Ute: a.a.O., S. 73

[73] Ebd., S. 75

[74] Ebd., S. 106

[75] Frevert, Ute: a.a.O., S. 106

[76] Lorenz, Dagmar: Wiener Moderne. Stuttgart, Weimar 1995, S. 145

[77] Ebd.

[78] Ebd., S. 146

[79] Weininger, Otto: Geschlecht und Charakter. München 1980, S. 9

[80] Ebd., S. 112

[81] Le Rider, Jacques: Der Fall Otto Weininger. Wurzeln des Antifeminismus und Antisemitismus. Wien, München 1985, S. 147

[82] Ebd.

[83] Le Rider, Jacques: a.a.O., S. 148

[84] Ebd., S. 149

[85] Wagner, Nike: Geist und Geschlecht. Karl Kraus und die Erotik der Wiener Moderne. Frankfurt am Main 1982, S. 40

[86] Ebd., S. 12

[87] Lorenz, Dagmar: a.a.O., S. 146

[88] Lorenz, Dagmar: a.a.O., S. 147

[89] Ebd., S. 148

[90] Weininger, Otto: Geschlecht und Charakter. München 1980, S. 114

Ende der Leseprobe aus 119 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der Frau in Arthur Schnitzlers erzählerischem Werk. Judentum und bürgerliche Welt
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Institut für neuere Philologie)
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
119
Katalognummer
V35024
ISBN (eBook)
9783638350761
Dateigröße
958 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In der Arbeit geht es um die Rolle der Frau in Schnitzlers Werk sowie in der bürgerlichen Gesellschaft seiner Zeit. Außerdem geht es um Genderdiskussion im traditionellen Judentum. Innerhalb der Arbeit habe ich folgende Erzählungen Schnitzlers diskutiert: "Fräulein Else", "Traumnovelle", "Doktor Gräsler, Badearzt", "Der Weg ins Freie" und "Frau Berta Garlan".
Schlagworte
Rolle, Frau, Arthur, Schnitzlers, Werk, Judentum, Welt, Thema Traumnovelle
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Katja Vaders (Autor), 2004, Die Rolle der Frau in Arthur Schnitzlers erzählerischem Werk. Judentum und bürgerliche Welt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35024

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