Gegenüberstellung der modetheoretischen Werke "Psychologie der Kleidung" von J.C. Flügel und "Die Mode" von Georg Simmel


Hausarbeit, 2016
13 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

J.C. Flügel "Psychologie der Kleidung"

Georg Simmel "Die Mode"

Gegenüberstellung der Werke

Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

In der vorliegenden Arbeit möchte ich die beiden modetheoretischen Werke "Die Psychologie der Bekleidung" von John C. Flügel und "Die Mode" von Georg Simmel vergleichen.

Beide befassen sich mit einem der wichtigsten Konsumgüter der Gesellschaft, sowohl dessen Entstehung, als auch Wandel.

Als erstes gehe ich auf das Werk des britischen Psychoanalytikers Flügel ein, in dem er das Verhältnis der drei Grundfunktionen Schmuck, Scharm und Schutz von Bekleidung thematisiert. Die jeweiligen Funktionen werden vo n einer Reihe weiteren geprägt, die beispielhaft wiederlegt werden.

Anschließend werde ich mich mit den Thesen des Modetheoretiker Georg Simmel auseinandersetzen, der einer der ersten Soziologen und Theoretiker war, der sich mit dem Thema Mode auseinandergesetzt hat. Er hingegen bezieht sich bei diesem Thema auf den Dualismus von Nachahmung und Absonderung in der Gesellschaft. Für Ihn ist das Ganze eine gewisse Klassenmode, bei der die unteren Gesellschaftsebenen, den Oberen nachahmen.

Im letzten Teil meiner Arbeit vergleiche ich die Thesen und die Struktur beider Autoren in Ihren Werken und nehme Bezug zur heutigen Zeit.

J.C. Flügel - Psychologie der Kleidung

In dem Werk "Psychologie der Kleidung" befasst sich J.C. Flügel mit der Existenz der Bekleidung in der Gesellschaft und dessen Wandel. Seiner Meinung nach, wird die Gefühlswelt der Menschen nicht nur d urch Bewegungen beeinflusst, sondern durch die Kleidung, da diese bei einem ersten Kontakt eine viel größere Betrachtungsfläche bietet. Ein nackter Körper hingegen kann dieses Ausmaß an Mitteillungen seinem Gegenüber nicht überbringen, denn die Kleidung eines Menschen verbirgt Informationen beispielsweise über Geschlecht, Nationalität und gesellschaftlichen Status1. Flügel bezeichnet die Kleidung als Teil einer "Maske"2, die eine Person ausmacht und aus verschiedenen Einflüssen besteht, wie zum Beispiel Nachahmung der Eltern, Beziehung, Moral etc.

Seine Theorie, die Verwendung der Kleidung von Menschen, unterteilt er in die Motive des Schmückens, des Schams und des Schutzes, welche jedoch zugleich auch in seiner Argumentation interagieren3.

Die drei Motive beinhalten jedoch eine weitere Unterteilung und verschiedene Einflussfaktoren, die Flügel in seinem Werk erläutert.

Insofern wird das Motiv des Schmückens beispielsweise durch sexuelle Komponenten begründet. Der Mensch kleidet sich, um seine Attraktivität zu steigern und erzeugt durch gewisse Kleidungsstücke, eine starke sexuelle Symbolik. Beispielsweise trugen im Mittelalter die Männer Schnabelschuhe und Krawatten, die das Symbol des Phallus und der sexuellen Erregung wiederspiegeln sollten.4 Des Weiteren ist Flügels Meinung, dass der Fetisch, zu dem Lack, Leder und Schnürungen zugeordnet werden kann, ebenfalls an der sexuellen Komponente haftet.5 Dies unterlag in den letzten Jahren einem Wandel, sodass diese Eigenschaften in die Mode gewandert sind und man diese in aktuellen Designer Kollektionen wiederfindet6.

Weitere Klassifizierungen des Motivs der Schmückung sind die Einschüchterungen, z.B. durch Tragen von Husaren-Uniformen, die Demonstration von Trophäen, die an Tapferkeiten erinnern sollen, Rang-, Berufs-, regionale und nationale Abzeichen und Zurschaustellung von Reichtum7. Das Mitführen wichtiger Gegenstände, wie zum Beispiel Handy oder Tasche, das auch zur Schmückung des Körpers gehört, ist in der heutigen Gesellschaft stets immer noch ein aktuelles Thema, worauf sich die Kleidungsproduzenten einstellen.8 Der letzte Aspekt des Schmückens ist die Erweiterung des Körper- Ichs, damit wird zum Beispiel der Zylinder des Mannes oder die Wirkung von Wind in Filmen mit angesprochen. Flügel nennt das Beispiel einer Tänzerin, bei der der Rock durch Windeffekte weht und aufgrund dessen die Pose dynamischer wirkt. Es wird in diesem Fall mit optischer Täuschung und unnatürlichen Proportionen gespielt.9

Schmuck und Scham haben eine besonders starke Verknüpfung, obwohl sie im direkten Gegensatz zueinander stehen. Das Motiv des Schmückens beinhaltet den Reiz sich zur Schau zu stellen und Aufmerksamkeit zu erlangen, während die Schamsymptome in Bezug zur Kleidung, etwas verbergen möchten und gewisses Unwohlsein erzeugen.10

Die Scham wird, wie das Motiv des Schmückens, ebenfalls in dem vorliegenden Werk in fünf Variationen unterteilt. Eine der Variation entspricht die sexuelle und soziale Scham, wenn ein Individuum unpassende Kleidung in einer Gesellschaft trägt. Des Weiteren gehören zum Motiv des Schams, das Schamgefühl, welches sich auf den Körper bezieht, wozu die Verurteilung spärlicher Kleidung und sexueller Symbole gehört. Weitere Unterteilungen des Schamgefühls, die genannt werden, sind zum Einen, die durch innerer Überzeugung , gegenüber unerwünschten Gefühlen Anderer, über Begierde und Ekel und zum Anderen die Scham, die bezüglich einzelner Körperteile.11

Das dritte Motiv des Menschen für die Verwendung von Kleidung ist laut des Autors, der Schutz des Körpers. Zum Einen wird der Körper vor physischen Gefahren, wie verschiedenen Umwelteinflüssen z.B. Kälte oder Hitze, Tiere und Feinden geschützt. Zum Anderen gibt es die Schutzfunktion vor psychischen Gefahren, beispielsweise die Magie und moralischen Gefahren, die fünf Aspekte ansprechen in Bezug auf Farbe, Reichlichkeit, Stärke, Steifheit und Enge.12 Als Beispiel nennt Flügge die Mönchskutte, die "gegen die Verführung und Versuchung dieser sündhaften Welt"13 schützen soll.

Georg Simmel - Die Mode

Das im Jahre 1905 erschienene Werk "Die Mode", verfasst von Georg Simmel, handelt von dem Dualismus der Bedürfnisse, der Differenzierung und der Nachahmung. Simmels Text wird durch die Lebensphilosophie von Henri Bergson, dass das Leben aus der Einheit entgegen gesetzter Strömungen besteht, geprägt.14 Aufgrund dessen ist die erste These des Textes, dass die Mode auf die Nachahmung & zugleich Absonderung beruht.15 Die Nachahmung ist ein Kind von Gedankenlosigkeit und Sicherheit bei seiner Tätigkeit nicht alleine zu stehen. Sie befreit die Person von der Qual der Handlungskompetenz und macht sie zu einem "Geschöpf der Gruppe, als ein Gefäß sozialer Inhalte."16

Der Gegensatz zu diesem ist die Abgrenzung, die sich mit der individuellen Differenzierung in der Gesellschaft befasst. Beide Tendenzen können bis ins Unendliche vollzogen werden, doch sie begrenzen sich gegenseitig.17 Es sind entgegengesetzte Strömungen, die einander brechen. Mode bedeutet Versklavung und zugleich Freiheit, beispielsweise das Tragen von Anzügen bei Männern. Sie tragen Anzüge aufgrund von traditionellen Bedürfnissen und den Drang der Zugehörigkeit in gesellschaftlichen Ebenen. Gleichzeitig verfügen Sie aber noch über die innere Freiheit.18

[...]


1 FLÜGEL, J. C.: Psychologie der Kleidung. In: Silvia Bovenschen (Hrsg.): Die Listen der Mode. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1986, S. 208-264, hier S.208

2 FLÜGEL:Psychologie der Kleidung. In: Bovenschen (Hrsg.): Die Listen der Mode. S. 208-264, hier S.209

3 Ebd.

4 FLÜGEL:Psychologie der Kleidung. In: Bovenschen (Hrsg.): Die Listen der Mode. S. 208-264, hier S.216-217

5 FLÜGEL:Psychologie der Kleidung. In: Bovenschen (Hrsg.): Die Listen der Mode. S. 208-264, hier S.218-219

6 Quelle aus Vorlesung: aus Unterrichtsmaterialien des Seminars Sommersemester 2016

7 FLÜGEL:Psychologie der Kleidung. In: Bovenschen (Hrsg.): Die Listen der Mode. S. 208-264, hier S.219-224

8 Quelle aus Vorlesung: aus Unterrichtsmaterialien des Seminars Sommersemester 2016

9 FLÜGEL:Psychologie der Kleidung. In: Bovenschen (Hrsg.): Die Listen der Mode. S. 208-264, hier S.224f

10 FLÜGEL:Psychologie der Kleidung. In: Bovenschen (Hrsg.): Die Listen der Mode. S. 208-264, hier S.210

11 FLÜGEL:Psychologie der Kleidung. In: Bovenschen (Hrsg.): Die Listen der Mode. S. 208-264, hier S.232-245

12 FLÜGEL:Psychologie der Kleidung. In: Bovenschen (Hrsg.): Die Listen der Mode. S. 208-264, hier S.245f

13 FLÜGEL:Psychologie der Kleidung. In: Bovenschen (Hrsg.): Die Listen der Mode. S. 208-264, hier S.251

14 Quelle aus Vorlesung: aus Unterrichtsmaterialien des Seminars Sommersemester 2016

15 SIMMEL, GEORG: Die Mode, . In: Silvia Bovenschen (Hrsg.): Die Listen der Mode. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1986, S. 179-207, hier S. 179-181

16 SIMMEL: Die Mode, . In: Bovenschen (Hrsg.): Die Listen der Mode. S. 179-207, hier S. 180

17 SIMMEL: Die Mode, . In: Bovenschen (Hrsg.): Die Listen der Mode. S. 179-207, hier S. 181

18 Quelle aus Vorlesung: aus Unterrichtsmaterialien des Seminars Sommersemester 2016

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Gegenüberstellung der modetheoretischen Werke "Psychologie der Kleidung" von J.C. Flügel und "Die Mode" von Georg Simmel
Hochschule
AMD Akademie Mode & Design GmbH
Note
1,7
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V350424
ISBN (eBook)
9783668370173
ISBN (Buch)
9783668370180
Dateigröße
927 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Simmel, Georg, flügel, modetheorie, gegenüberstellung
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Gegenüberstellung der modetheoretischen Werke "Psychologie der Kleidung" von J.C. Flügel und "Die Mode" von Georg Simmel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350424

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