Die römische Eroberung und Okkupation Rätiens im 1. Jahrhundert vor und nach Christus


Hausarbeit, 2015
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Eroberung Rätiens
2.1 Geographische Eingrenzung des rätischen Gebietes
2.2 Bevölkerung des rätischen Gebiets vor der römischen Eroberung
2.3 Die strategische Bedeutung Rätiens und die Gründe für die Eroberung
2.4 Vorgeschichte zum Alpenfeldzug von 15 v.Chr.
2.5 Der Alpenfeldzug von 15 v.Chr.
2.5.1 Der Drususfeldzug
2.5.2 Der Tiberusfeldzug
2.5.3 Die Folgen für die einheimische Bevölkerung

3 Die Okkupation des Gebiets Rätien
3.1 Die Rolle Rätiens in den Germanenkriegen
3.2 Ausbau der römischen Herrschaft in Rätien
3.3 Die Errichtung des obergermanisch-rätischen Limes

Zusammenfassung

Bibliographie

1 Einleitung

Unter den zahlreichen Provinzen an der Donau spielte die Provinz Rätien vor allem als Kriegs- und Konfliktschauplatz eine wichtige und zentrale Rolle.

Diese Arbeit soll die Anfänge dieser Provinz beschreiben und darlegen, warum und wie die Römer ihre Herrschaft in Rätien im 1. Jahrhundert v. Chr., respektive n. Chr., auf- und ausbauen konnten. Dabei soll vor allem auch gezeigt werden, welchen strategischen Stellenwert die Provinz einnahm und warum.

Dazu wird im ersten Teil der Arbeit zuerst eine Umschreibung des Gebiets Rätien vorgenommen, um einen geeigneten Überblick zu erhalten. Darauf wird auf die Eroberung eingegangen, insbesondere unter der Berücksichtigung der Folgen für die dort lebende Bevölkerung. Im zweiten Teil der Arbeit soll dann die Okkupation des eroberten Gebietes beschrieben werden. Hierbei werden die Konflikte mit den Germanen und die Errichtung des obergermanisch-rätischen Limes eine zentrale Rolle spielen. Zum Abschluss werden in einem dritten Teil die wichtigsten Erkenntnisse aus dem ersten und zweiten Teil der Arbeit zusammengefasst.

Um eine möglichst historisch detaillierte und korrekte Wiedergabe der Ereignisse erreichen zu können, wird vor allem auf Sekundärliteratur zurückgegriffen, welche in einem grossen Umfang vorhanden ist. Die Quellenlage ist jedoch sehr spärlich, was zeigt, dass das Thema der Provinz Rätien noch nicht vollständig erforscht ist.

2 Die Eroberung Rätiens

2.1 Geographische Eingrenzung des rätischen Gebietes

Auf Grund der unsicheren Quellenlage und der fehlenden Belege lassen sich die Grenzen des rätischen Raumes nur sehr ungenau rekonstruieren. So führte die nördliche Grenze von der Donau aus bis zur Innmündung, im Westen von der Furka zum Zürich- und Walensee und grenzte damit an die 90 v.Chr. gebildete Provinz Obergermanien. Im Osten und Süden folgte die Grenze dem Fluss Inn bis zum Gotthard, Maloja und Furka. Es handelt sich dabei jedoch nur um eine sehr grobe Absteckung des rätischen Herrschaftsgebiets[1], welche sich später jedoch nicht vollständig mit dem Raum der Provinz Rätien deckte .[2]

2.2 Bevölkerung des rätischen Gebiets vor der römischen Eroberung

Nach epigraphischen Quellen gehen aus dem rätischen Gebiet zwei grosse Völkergruppen hervor: die Vindeliker, die vor allem den nördlichen Teil des Gebietes (schwäbisch-bayerische Hochebene und Vorarlberg) besiedelten und die Räter, die sich im südlichen Alpenraum angesiedelt hatten.[3]

Während die Herkunft und Abstammung der Räter bis heute noch als nicht ganz geklärt gilt, liegt der Ursprung der Vindeliker auf den Kelten.[4] Dies belegen die Stammes- und Ortsnamen, welche auf eine gallische Herkunft verweisen. Zusätzlich kennzeichnen typische stadtartige Vorbauten, sogenannte oppida ihre Herkunft. So hatten sich die Kelten seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. bereits im Flachland zwischen Alpen und deutschen Mittelgebirgen angesiedelt und bis ins 1. Jahrhundert eine grosse Ausdehnung ihrer Macht erreicht.[5] Zu dieser Zeit kam es immer wieder zu Konflikten mit germanischen Stämmen.[6] Es ist bis heute jedoch noch nicht vollständig geklärt, ob die Vindeliker ein altes Keltenvolk mit der Hauptstadt Manching oder ein eher junges Volk waren, das sich von den Kelten abgespalten hatte.[7]

2.3 Die strategische Bedeutung Rätiens und die Gründe für die Eroberung

Während der Herrschaft von Augustus war die Idee der Bestimmung Roms, über die ganze Welt zu herrschen neu zum Leben erwacht. Dafür gab es grundsätzlich zwei Gründe. In erster Linie sehnten sich die Bewohner Roms in Folge der wiederkehrenden Bürgerkriege nach einem Erlöser, der sie von ihrem Leiden befreien würde. Augustus nutzte in der Folge diese Sehnsucht als Grund für eine weltweite Expansion des römischen Reiches. Auf der anderen Seite wollte sich Augustus um eine Erneuerung moralischer und religiöser Aspekte bemühen. Grundsätzlich sollte eine Vereinigung der Kräfte das Ziel sein, um gegen die Feinde des römischen Reiches vorgehen zu können.[8]

Andererseits spielte das Ziel, das römische Reich im Norden vor Eindringlingen zu schützen, eine wichtige Rolle. So geht aus Berichten von Cassius Dio hervor, dass infolge von Raubzügen gegen das römische Reich die Unterwerfung des Raumes nördlich der Alpen legitimiert wurde.[9] Dieser Aspekt wird in der heutigen Forschung nicht (mehr) als einzige Begründung für die römische Expansion angesehen. Man spricht sogar davon, dass diese Raubzüge historisch nicht belegt sind und daher als Kriegspropaganda anzusehen sind.[10] Vielmehr war die Schaffung von Nachschubrouten und Sicherung der Pässe[11] zur Beförderung wichtiger Ressourcen sehr wichtig. Im Falle einer Eroberung würde Rom über einen zentralen Dreh- und Angelpunkt in Mitteleuropa verfügen und die Verbindung zwischen der im Westen liegenden Provinz Germanien und der im Osten liegenden Provinz Noricum festigen.[12],[13] Somit erscheint der Aspekt der Verteidigung des Reiches mehr als Vorwand für die Eroberung des nördlichen Alpenraumes, während der wahre Grund in der Festigung der Handelsverbindungen lag.[14] Für den Aspekt der Verbindung der Provinzen spricht zusätzlich, dass Strassen zwischen Gallien und dem Rhein in der Zeit des Alpenfeldzuges gebaut wurden.[15] Es liegt natürlich nahe, anzunehmen, es gäbe beispielsweise ökonomische oder strategische Gründe für die Eroberung. Dem ist jedoch nicht so, denn lokale wirtschaftliche Aspekte spielten beim Feldzug in Rätien kaum eine Rolle. So war es nicht möglich, aus dem landwirtschaftlich kaum nutzbaren Land in Rätien Profit zu schlagen. Zusätzlich erfährt man von Cassius Dio, dass zu dieser Zeit eine Überbevölkerung in Rätien herrschte und was auf eine wirtschaftlich schwierige Lage schliessen lässt.[16] Nur vereinzelt verwendeten die Römer Ressourcen aus dem rätischen Raum, so zum Beispiel Narde oder Lärche, die in der Tischlerei regelmässig zum Einsatz kamen. Auch der rätische Pflug zeichnete sich als eine Bereicherung für die landwirtschaftliche Nutzung aus.[17]

2.4 Vorgeschichte zum Alpenfeldzug von 15 v.Chr.

Der Feldzug 15 v.Chr. gilt als der zentrale militärische Akt bei der Eroberung Rätiens. Man darf jedoch nicht ausser Acht lassen, dass vor diesem Alpenfeldzug bereits verschiedene militärische Aktionen im Alpenraum unternommen worden waren. Diese einzelnen Operationen erstrecken sich von 25 v.Chr. bis zum eigentlichen Alpenfeldzug 15 v.Chr.

Es ist bekannt, dass bereits Caesar im Jahre 58 v.Chr. versucht hatte, sich gegen verschiedene Stämme über die Alpen zu kämpfen.[18] Eine gezielte Unterwerfung der an den Alpen angesiedelten Völker kam aber erst unter Augustus zustande.[19] Das erste Zeugnis für eine militärische Aktivität im Alpenraum stellt der Konflikt gegen die Salasser unter den Feldherren M. Antistius Vetus und M. Messalla Corvinus dar. Die Endgültige Unterwerfung der Salasser erfolgte dann 25 v.Chr. unter A. Terentius Varro Murena. Auf dem eroberten Gebiet am westlichen Alpenbogen wurde darauf aus militärischen und verbindungstechnischen Gründen die Kolonie Augusta Praetoria errichtet. Durch diese Eroberung kontrollierten die Römer von da an die wichtigen Alpenpässe des kleinen und grossen St. Bernhard.[20] Natürlich war für den Plan der Römer - die Verbindung zwischen dem östlichen und westlichen Reich zu sichern - erforderlich, alle Wege durch die Alpen unter ihre Kontrolle zu bringen. So sicherte 16 v.Chr. P. Silius Nerva, der Proconsul von Ilyrien zuerst im Osten die Grenzgebiete gegen Noricum und Pannonien und startete dann einen Feldzug in Richtung Alpen.[21] Von diesem Feldzug ist allerdings nur bekannt, dass Nerva zuerst im Val Camonica die Camuni und dann im Val Trompia die Trumpilini unterwarf.[22] In der Folge wurde es möglich, zwischen Oberitalien und dem Rhein eine Strasse für Truppen aufzubauen. Der Bau dieser Strasse kann damit eindeutig mit dem Feldzug von 15 v. Chr. in Verbindung gebracht werden.[23] Zusätzlich wurde die Strasse durch Wachtürme und Stützpunkte, wie zum Beispiel auf dem Lindenhof in Zürich[24], abgesichert.[25] Ein weiterer Grund für die starke militärische Bewachung war neben der Verbindung zwischen Rhein und Oberitalien wohl die Sicherung der alten Handelsstrasse von Basel über den Bözberg, die bereits 44/43 v.Chr. als wichtige Route galt.[26]

2.5 Der Alpenfeldzug von 15 v.Chr.

Der Alpenfeldzug war grundsätzlich ein grosser Zangenangriff und lässt sich somit in zwei Teilfeldzüge unterteilen.[27] So unterscheidet man zwischen dem Drusus- und dem Tiberiusfeldzug.

2.5.1 Der Drususfeldzug

Die von Drusus (38 v.Chr.-9 v.Chr.) angeführte Heeresmacht besiegte gleich nach ihrem Aufbruch von Oberitalien aus im Frühjahr des Jahres 15 v.Chr. an der Etsch, nördlich von Trient, die feindlichen Stämme der Venostes und Iscari. Drusus wurde darauf sogleich in den Stand eines Praetors erhoben, was aussergewöhnlich war, da er eigentlich noch zu jung war für dieses Amt. Nach diesem Sieg setzte Drusus seinen Feldzug über Brenner oder den Reschenscheideck[28] fort, besiegte im Inntal die Breuni und nördlich davon die Genaunes. Danach mussten sich auf dem Weg nach Norden die Focuntes, die Cosuanetes, die Rucinates, die Licates und die Carenates dem Feldherrn unterwerfen. Nach seinen souveränen Siegen traf Drusus im Voralpenland dann auf seinen Mitstreiter und Bruder Tiberius.[29]

2.5.2 Der Tiberusfeldzug

Tiberius (42 v.Chr.-37 n.Chr.) seinerseits gelang vom Oberrhein zum Bodensee, überquerte dann dort den See und lieferte sich eine Seeschlacht, aus der er als Sieger hervorging.[30] Bei diesem angeblichen Kampf soll es sich aber um nicht mehr als eine Überfahrt mit leichter Behinderung durch feindliche Boote gehandelt haben.[31] Dabei benutzte er eine Insel als Stützpunkt, von welcher jedoch die Rede ist, ist bis heute sehr umstritten. Dabei ist die Insel Lindau immer wieder ein grosses Thema, da sich Tiberius angeblich dort niedergelassen hatte, um Schiffe zu bauen. Andererseits ist immer wieder von der Insel Reichenau die Rede, allerdings gibt es dafür ebenfalls keine klaren Beweise.[32] Klar ist jedoch, dass Tiberius nach seinem Sieg auf dem Bodensee innerhalb von einem Tagesmarsch die Quellen der Donau erreichte und seither als deren Entdecker gilt.[33] Am 1. August 15 v.Chr. endete der Feldzug mit dem römischen Sieg in einer Schlacht, deren Ort und die daran beteiligten Stämme aber unbekannt sind. Somit war die römische Herrschaft über die Alpen bis zur Donau gesichert.[34]

[...]


[1] Vgl. Schön, Franz: Der Beginn der römischen Herrschaft in Rätien, Sigmaringen 1986, S. 9.

[2] Ebd., S. 10.

[3] Ebd., S.10.

[4] Auf die umfangreiche und umstrittene Debatte über die Herkunft der Räter soll hier nicht genauer eingegangen werden, da es das Ziel der Arbeit verfehlen würde.

[5] Vgl. Kellner, Hans-Jörg: Die Römer in Bayern, München 1971, S. 14.

[6] Ebd., S. 15.

[7] Vgl. Schön, Franz: Der Beginn der römischen Herrschaft in Rätien, Sigmaringen 1986, S. 17, vgl. Ludwig Pauli: Zur Verbreitung der Kelten in: Die Kelten in Mitteleuropa, Salzburg 1980, S. 25-36.

[8] Ebd., S. 19-20.

[9] Vgl. Cassius Dio 54,20,2; Löffl, Joseph: Römische Expansion, Berlin 2011, S. 130.

[10] Vgl. Schön, Franz: Der Beginn der römischen Herrschaft in Rätien, Sigmaringen 1986, S. 26.

[11] Ebd., S. 29.

[12] Vgl. Löffl, Joseph: Römische Expansion, Berlin 2011, S. 131.

[13] Vgl. Schön, Franz: Der Beginn der römischen Herrschaft in Rätien, Sigmaringen 1986, S. 29.

[14] Vgl. Löffl, Joseph: Römische Expansion, Berlin 2011, S. 132.

[15] Vgl. Gechter, Michael: Die Militärgeschichte am Niederrhein von Caesar bis Traian, in: Krieg und Frieden. Kelten, Römer, Germanen, Darmstadt 2007, S. 89.

[16] Vgl. Cassius Dio 54,75,1; Schön, Franz: Der Beginn der römischen Herrschaft in Rätien, Sigmaringen 1986, S. 29.

[17] Vgl. Schön, Franz: Der Beginn der römischen Herrschaft in Rätien, Sigmaringen 1986, S. 29.

[18] Ebd., S. 30.

[19] Ebd., S.31.

[20] Vgl. Kellner, Hans-Jörg: Die Römer in Bayern, München 1971, S. 21.

[21] Ebd., S. 22.

[22] Vgl. Schön, Franz: Der Beginn der römischen Herrschaft in Rätien, Sigmaringen 1986, S. 36.

[23] Ebd., S. 41.

[24] Ebd., S. 39.

[25] Vgl. Kellner, Hans-Jörg: Die Römer in Bayern, München 1971, S. 22.

[26] Vgl. Schön, Franz: Der Beginn der römischen Herrschaft in Rätien, Sigmaringen 1986, S. 40.

[27] Vgl. Fischer, Thomas/ Riedmeier-Fischer, Erika: Der römische Limes in Bayern: Geschichte und Schauplätze entlang des UNESCO-Welterbes, Regensburg 2008, S. 20.

[28] Der Weg über den Reschenscheideck kann als mögliche Route für Nebenunternehmungen unter der Leitung eines Legaten betrachtet werden. Dies geht aus Meilensteinen hervor, die in dem Gebiet gefunden wurden. Vgl. Schön, Franz: Der Beginn der römischen Herrschaft in Rätien, Sigmaringen 1986, S. 46, 48.

[29] Vgl. Kellner, Hans-Jörg: Die Römer in Bayern, München 1971, S. 23.

[30] Ebd., S. 23.

[31] Vgl. Heuberger, Richard: Rätien im Altertum und Frühmittelalter, Innsbruck 1971, S. 62.

[32] Vgl. Schön, Franz: Der Beginn der römischen Herrschaft in Rätien, Sigmaringen 1986, S. 54-55.

[33] Vgl. Günther, Rigobert: Die Römer an Rhein und Donau, Berlin 1975, S. 35.

[34] Vgl. Kellner, Hans-Jörg: Die Römer in Bayern, München 1971, S. 23.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die römische Eroberung und Okkupation Rätiens im 1. Jahrhundert vor und nach Christus
Hochschule
Universität Zürich  (Historisches Seminar)
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V350460
ISBN (eBook)
9783668370739
ISBN (Buch)
9783668370746
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eroberung, okkupation, rätiens, jahrhundert, christus
Arbeit zitieren
Oliver Borner (Autor), 2015, Die römische Eroberung und Okkupation Rätiens im 1. Jahrhundert vor und nach Christus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350460

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