Entstehung von medizintechnischen Innovationen


Hausarbeit, 2016

38 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.EINLEITUNG

2.TECHNISCHE INNOVATIONEN
2.1 Innovationstypen
2.2 Medizintechnische Innovationen

3.LITERATURÜBERBLICK
3.1 Maßzahlen der Innovativität
3.1.1 Maßzahlen bezüglich der Generierung von Innovationen
3.1.2 Maßzahlen bezüglich der Adoption von Innovationen
3.2. Erfolgsfaktoren und Barrieren der Innovativität
3.2.1 Erfolgsfaktoren und Barrieren der Generierung von Innovationen
3.2.2 Erfolgsfaktoren und Barrieren der Adoption von Innovationen
3.3 Die Rolle der Krankenhäuser
3.3.1 Krankenhäuser als Adoptoren
3.3.2 Entstehung von medizintechnischen Innovationen

4.EMPIRISCHER TEIL

5. DISKUSSION

6. ANHANG

7. LITERATURVERZEICHNIS

Abstract

Dieses Paper beschäftigt sich mit der Entstehung von medizintechnischen Innovationen und GHUHQ 5ROOH LP Ä0HGLFDO $UPV 5DFH³ ,Q HLQHP /LWHUDWXU EHUEOLFN wird der derzeitige wissen-schaftliche Stand in Bezug auf Maßzahlen, Erfolgsfaktoren und Barrieren der Innovativität wiedergegeben. Im Hinblick auf die Entstehung von medizintechnischen Innovationen wird die Rolle der Krankenhäuser als Adoptoren beleuchtet. Des Weiteren wird auf ihre zur Verfü-gung stehenden Kanäle und Innovationsquellen Bezug genommen, von denen Kooperationen mit Universitäten die wichtigsten darstellen. Abschließend stellen wir mit Hilfe einer Pa-tentanalyse fest, dass die Patentierungsaktivitäten der Krankenhäuser vor allem im asiatischen Raum im Zeitverlauf zugenommen haben und identifizieren viele der größten Akteure unter ihnen als Äaffiliated hospitals", also den Universitäten angeschlossene Krankenhäuser

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Adoptionsmodell von Everett Rogers

Abbildung 2: Erfolgsfaktoren und Barrieren neuer Produkte oder Dienstleistungen

Abbildung 3: Erfolgsfaktoren und Barrieren der Adoption von Innovationen

Abbildung 4: Entwicklung aller Patente (absolut)

Abbildung 5: Entwicklung medizinischer Patente (absolut)

Abbildung 6: Entwicklung medizintechnischer Patente (absolut)

Abbildung 7: Entwicklung der Patentanmeldungen durch Krankenhäuser (absolut)

Abbildung 8: Vergleich der Entwicklungen (Index: Jan 05=100)

Abbildung 9: Große Akteure unter den Krankenhäusern

1. Einleitung

Ziel der vorliegenden Hausarbeit soll es sein, dem Leser die Entstehung von medizintechni-sehen Innovationen und deren Rolle im „Medical Arms Race" näherzubringen.

Eine wesentliche Grundlage für unsere Untersuchungen liefert das „Medical Arms Race" (Robinson und Luft, 1985). Es beschreibt, wie Krankenhäuser, getrieben durch Anreize zur Steigerung der Behandlungsintensität und durch einen Anstieg des Wettbewerbs um Patienten (Herwartz und Strumann, 2012), ihre Attraktivität durch beispielsweise teure medizintechnische Geräte steigern und es in der Folge zu einer Erhöhung von Gesundheitsausgaben und Krankenhauskosten kommt.

Zum näheren Verständnis wollen wir zunächst den Begriff der technischen Innovationen er-klären und in Innovationstypen (Freeman und Perez, 1988) aufteilen. Danach erfolgt die Überleitung zu medizintechnischen Innovationen. Um die Rolle der Innovationen besser ver-stehen zu können und darüber hinaus messbar zu machen, werden im Weiteren die, in der Literatur genannten, Maßzahlen der Innovativität (Damapour et al., 1998) vorgestellt. An-schließend werden notwendigerweise Erfolgsfaktoren und Barrieren bezüglich der Generie-rung und der Adoption von Innovationen aufgegriffen (Van der Panne et al., 2003). Um die Rolle der Krankenhäuser als Adoptoren verständlich zu machen, wird der Grundbegriff der Adoption anhand von Everett Rogers Model (1962, 1983) erläutert und um die organisationa-le, auf das Krankenhaus bezogene, Komponente erweitert (Van den Ven, 1991). Darauf folgt die Erläuterung, wie Innovationen im Krankenhausumfeld entstehen (Dias und Escovial, 2012). In einer empirischen Patentanalyse wird im Schlussabschnitt untersucht, ob die Paten-tierungsaktivitäten von Krankenhäusern im Laufe der Zeit zugenommen haben und welche die großen Akteure unter ihnen darstellen.

2. Technische Innovationen

Untersuchungsgegenstand dieser Seminararbeit sind, wie schon erwähnt, die medizinischtechnischen Innovationen und ihre Entstehung. Um einen grundlegenden Einblick in das Thema zu gewinnen, ist es vorerst nötig die Grundbegrifflichkeiten zu erklären. Dem Leser stellen sich also zunächst folgende Fragen:

- Was ist eine technische Innovation überhaupt?
- Was für Arten von technischen Innovationen gibt es?

Die erste Frage lässt sich nicht so leicht beantworten, wie es vielleicht erscheinen mag. Der Begriff „Innovation" leitet sich von dem Lateinischen „innovatio- Erneuerung, Veränderung" oder auch „innovare - erneuern, verändern" ab. Damit lässt sich aber längst nicht mehr die Tragweite dieses Begriffes erklären. Baregheh, Rowley und Sambrook (2009) haben in ihrem Versuch eine multidisziplinäre Definition für den Begriff der Innovation zu erarbeiten, alleine 60 Definitionen aus verschiedenen Fachbereichen miteinbezogen. Es folgt ein Versuch, dem Leser trotzdem einen kleinen Überblick zu verschaffen.

Der österreichisch-amerikanische Ökonom Joseph Schumpeter definiert Innovationen als die „Durchsetzung neuer Kombinationen von Produktionsmitteln" (Schumpeter 1964 [1934]: 100).

Er bezeichnet diesen Prozess als „schöpferischen Zerstörung" (Schumpeter 1993 [1950]: 137 f.).Innovationen werden von den Unternehmern mit dem Ziel vorangetrieben sich auf dem Markt durchzusetzen. Kline und Rosenberg (1986) stellen in ihrem Artikel „An Overview of Innovation" fest, dass Innovationen schwer zu fassen sind, wenn man nicht über adäquates technisches Wissen und ein exzellentes Urteilsvermögen, was den Markt betrifft, verfügt. Sie sehen den Prozess der Innovation als eine Serie von Veränderungen in einem System aus Hardware, Marktumgebungen, Produktionsfaktoren, Wissen und dem sozialen Kontext der Innovationsorganisation. Das Hauptaugenmerk ihrer Argumentation ist die Tatsache, dass sowohl technische als auch ökonomische Erfordernisse in Betracht gezogen werden müssen um vielversprechende Innovationen am Markt etablieren zu können (Hahn, 2013).

2.1 Innovationstypen

Um technische Innovationen noch etwas näher zu beleuchten, betrachten wir uns nun die in der Literatur genannten, verschiedene Typen von Innovationen. Diese Unterscheidung ist auch notwendig, um das Verhalten von Krankenhäusern als Adoptoren medizintechnischer Innovationen sowie die Erfolgsfaktoren und Barrieren der Innovativität zu verstehen, worauf wir im späteren Verlauf dieser Arbeit noch eingehen werden. Von den zahlreichen, in der relevanten Literatur beachteten Typen von Innovationen, haben drei die meiste Aufmerksam-keit erfahren. Jede von ihnen beruht auf einer Paarung von zwei Innovationstypen. Die Rede ist von administrativen und technischen, produkt- und prozess- und zuletzt von radikalen und inkrementellen Innovationen (Damanpour, 1991). Freeman und Perez (1988) unterscheiden vier Typen von Innovationen, von denen die folgenden das für uns relevante erste Paar bilden.

Inkrementelle Innovationen bilden eine Serie von relativ kontinuierlichen Verbesserungen an bereits bestehenden Produkten oder Produktlinien, um die Wettbewerbsposition zu verbessern oder wenigstens zu halten. Radikale Innovationen sind diskontinuierliche Ereignisse, die un- gleich über Sektoren und Zeit verteilt sind. Wenn sie entstehen, können mit ihnen neue Märk-te entstehen. Sie vereinen oft Produkt-, Prozess- und organisatorische Innovationen (Geels, 2006).

In ihrem Paper „Architectural Innovation: The Reconfiguration of Existing Product Technologies an the Failure of Established Firms" kommen Henderson und Clark zu dem Ergebnis, dass die traditionelle Kategorisierung von Innovationen als entweder inkrementell oder radikal nicht komplett ist und vor allem zu wenig Wert auf unbedeutend oder marginal erscheinende Veränderungen beziehungsweise Verbesserungen von Produkten legt, die jedoch gewaltigen Einfluss auf die Industrie haben könnten (Henderson und Clark, 1990). Sie führen daher ein selber entwickeltes Konzept, mit den sogenannten „architektonischen Innovationenein. Bei dieser erweiterten Auffassung von Innovationen geht es um die Anordnung der Komponenten eines technologischen Produktes, also der Architektur und des Designs des selbigen. Radikale und inkrementelle Innovationen stehen am jeweiligen Ende ihrer Dimensionen. Bei ihnen wird entweder das Kernkonzept verstärkt und die Verbindungen zwischen Kernkonzept und Komponenten bleiben unverändert (inkrementell). Oder das Kernkonzept wird komplett überwunden und auch die Verbindungen verändert (radikal). Architektonische Innovationen bilden dabei die Innovationen ab, die das technische Kernkonzept verstärken und dabei die Verbindungen zwischen Konzept und Komponenten verändern. Als Beispiel führen Henderson und Clark einen Tischventilator auf. Das Kernkonzept der Rotorblätter, die an einem Motor befestigt sind, bleibt gleich. Es wird lediglich die Form, Farbe oder Größe des Ventilators verändert.

Die Unterscheidung zwischen administrativen und technischen Innovationen lässt sich auf eine generelle Unterscheidung zwischen sozialer Struktur und Technologie zurückführen (Evans, 1966). Administrative und technische Innovationen setzen häufig einen potentiell unterschiedlichen Entscheidungsprozess voraus (Daft, 1978). Zusammengenommen stehen sie für eine große Bandbreite von sich verändernden Aktivitäten in einer Unternehmung oder Organisation. Technische Innovationen beziehen sich dabei hauptsächlich auf Produkte, Dienstleistungen und innovative Produktionsprozesstechnologien, die in der allgemeinen Ar-beitspraxis Anwendung finden (Damanpour und Evan, 1984). Administrative Innovationen hingegen enthalten Organisationstrukturen und administrative Prozesse und beziehen sich dabei eher auf die Arbeitsgrundlage von Organisationen und ihrem jeweiligen Management Damanpour und Evan, 1984).

Das letzte Paar von relevanten Innovationen, bilden Prozess- und Produktinnovationen. Produktinnovationen sind neue Produkte oder Dienstleistungen, die einen Nutzen für einen externen Benutzer erfüllen, beziehungsweise einen Bedarf auf einem Markt befriedigen sollen. Prozessinnovationen sind hingegen neue Methoden, die in eine Produktion oder den Ablauf einer Dienstleistung einfließen (Knight, 1967).

2.2 Medizintechnische Innovationen

Medizintechnische Innovationen decken ein breitgefächertes Forschungsspektrum in verschiedenen Teilen der Wissenschaft ab. Dazu gehören Bioinstrumentation, künstliche Organe und Bioprocessing auf zellularer Ebene, welche zu Anstrengungen in der Entwicklung von medizintechnischen Geräten, die zum Beispiel zur Implantation gedacht sind, führen können. Medizintechnische Innovationen werden häufiger durch kleinere, inkrementelle Schritte vorangetrieben. Ob diese Schritte in einem Innovationsprozess auftreten können, hängt von den Kräften ab, welche diesen beeinflussen. Zu diesen Kräften gehören generelle Trends, die Reaktionen von Nutzern und Regulatoren und die Verfügbarkeit von Geldmitteln um die Forschung zu finanzieren (Littell, 1994). Die Treiber des Innovationsprozesses finden sich einerseits im öffentlichen Sektor in Form von staatlichen Universitäten und öffentlichen medizinischen Einrichtungen, andererseits im privatwirtschaftlichen Sektor in Form von großen und kleinen Unternehmen, die sich auf Medizintechnik spezialisiert haben. Die großen Unternehmen konzentrieren sich hierbei häufig auf kleine, inkrementelle Verbesserungen, während der Wachstums- oder Reifephase einer Innovation. Die kleineren Unternehmen, denen meistens die Ressourcen für eine langwierige Forschungsarbeit fehlen, sind hauptsächlich in den Anfangsstadien einer Innovation vertreten. Littell (1994) schätzt die Wichtigkeit von Patenten beziehungsweise deren Schutz bei medizintechnischen Innovationen als weniger wichtig ein als bei pharmazeutischen oder biotechnologischen Innovationen. Dies liegt an der relativ kurzen Zeitspanne, in der eine technologische Innovation wieder beinahe obsolet sein kann. Lit-tell stellt fest, dass es zu einem potentiellen Konflikt kommen könnte. Auf der einen Seite steht die Reduzierung der Gesundheitsausgaben und auf der anderen Seite die Ausgaben für medizintechnische Technologien und neue Innovationen. Sie nennt fünf Möglichkeiten auf diesen Konflikt zu reagieren und ihm entgegenzuwirken. Zunächst wäre da das „Aufmerksame Warten", bei dem vorsichtig Veränderungen im Gesundheitsmarkt und der Entwicklung von pharmazeutischen, biotechnologischen und medizintechnischen Geräten beobachtet werden. An zweiter Stelle steht das Verdichten der Grenzen zwischen bereits bestehender und neuer Technologien. Hierbei soll erst geklärt werden, wie effektiv neue Produkte oder Prozeduren sind und ob sie einen Mehrwert gegenüber bestehenden Verfahren besitzen. Dieser Punkt ist für jedes Gesundheitssystem unerlässlich. Als nächstes folgt die Eindämmung des Angebots von medizintechnischen Technologien. Das könnte dazu führen, dass sich Krankenhäuser ihre Kernkompetenzen aufteilen müssten und somit nicht mehr in unmittelbarer Konkurrenz stünden. Ein weiterer Punkt wäre die Reduzierung von Investitionen in die Erforschung neuer Technologien und somit die Verlangsamung des Prozesses, in dem Innovationen entstehen. Als letztes nennt Littell die Stärkung der analytischen Unternehmung. Diese sollte zu mehr Nachforschungen in diesem Bereich führen, um so die Vereinbarung von Kosten und Innovation zu beschleunigen.

Technische Innovationen im Allgemeinen und medizintechnische Innovationen im Speziellen können in allen genannten Formen auftreten. Sie können unbedeutend erscheinen und den-noch einen bleibenden Eindruck auf die gesamte Gesundheitsbranche und das Krankenhaus-wesen haben.

3. Literaturüberblick

Da nun die notwendigen Begrifflichkeiten erklärt wurden, stellen wir in dem folgenden Lite-raturüberblick die Maßzahlen der Innovativität, die Erfolgsfaktoren und Barrieren der Innova-tivität sowie der Rolle der Krankenhäuser, die häufig als Adoptoren besagter Innovationen fungieren, dar. Wir haben die relevante Fachliteratur gesichtet und werden diese im Folgen-den rekonstruieren, vergleichen sowie den wissenschaftlichen Stand wiedergeben.

3.1 Maßzahlen der Innovativität

Um die Rolle der medizinisch-technischen Innovationen im "Medical Arms Race" zu verste-hen und darüber hinaus messbar zu machen, stellt sich zwangsläufig die Frage nach den Maß-zahlen der Innovativität. Die Bewertung der Innovationskompetenzen sowie technologischer Veränderung in Unternehmen und Organisationen stellt eine wichtige Aufgabe dar, die jedoch auch äußerst komplex ist (Frenkel et al., 2000). In der Literatur werden verschiedene Ansätze zur Messung der Innovativität vorgestellt, welche teilweise verwirrend oder auch wider-sprüchlich sind (Adams et al., 2006). Damanpour und Gopalakrishnan (1998) unterscheiden zwischen zwei Arten der organisationalen Innovativität. Unternehmen und Organisationen adoptieren entweder bestehende Innovationen oder aber sie generieren diese selber. Die Gene-rierung der Innovation stellt dabei ein Prozess dar, welcher in einem Ergebnis resultiert. Dabei kann es sich um ein neues Produkt, eine neue Dienstleistung, ein neues Programm oder eine neue Technologie handeln. Wird dieses Ergebnis dann durch eine zweite Organisation erwor en, so durchläuft diese ebenfalls einen Prozess, nämlich den Prozess der Adoption. Man kann also im Wesentlichen von organisationaler Innovativität sprechen, wenn 1.) ein Unter-nehmen viele neue Innovationen generiert oder 2.) ein Unternehmen im Besitz vieler neuer Innovationen ist. Nach der ersten Sichtweise sind Organisationen und Unternehmen als inno-vativ anzusehen, wenn sie erfolgreich neue innovative Produkte auf den Markt bringen. Nach der zweiten Sichtweise sind Adoptoren von Innovationen innovative Organisationen und Nicht-Adoptoren weniger innovative Organisationen (Subramanian und Nilakanta, 1996). In dieser Hausarbeit werden wir sowohl auf die Generierung als auch auf die Adoption von In-novationen als Indikator der organisationalen Innovativität eingehen. Wir beziehen uns dabei lediglich auf die organisationale Innovativität. Dies ist begründet mit der Tatsache, dass die Innovativität aus der Quelle der Individuen letztendlich auch auf die organisationale Innovati-vität beeinflusst (Damanpour, 1991) .

3.1.1 Maßzahlen bezüglich der Generierung von Innovationen

Nach diesem Ansatz gilt eine Organisation als innovativ, wenn sie erfolgreich neue Innovati-onen generiert und diese entweder selber nutzt oder verkauft. Ausschlaggebend für den Grad der organisationalen Innovativität ist die Innovationsintensität, welche auf verschiedene Arten gemessen werden kann. Mairesse und Mohnen (2002) charakterisierten die Innovationsinten-sität durch den Anteil des gesamten Umsatzes einer Unternehmung, welcher auf neue Produk-tinnovationen entfällt. Es können jedoch auch andere (Output-) Maße verwendet werden, wie beispielsweise die Erfolgs/Misserfolgsrate gemäß einer ex post Expertenbefragung (Link, 1987, Zirger, 1997). Der Innovations-Output kann auch angesehen werden als Ergebnis von Innovations-Inputs wie beispielsweise der Höhe der Aufwendungen in Forschung und Ent-wicklung (F&E) (Mairesse und Mohnen, 2002). Parthasarathy und Hammond (2002) untersu-chen Innovations-Inputs und -Outputs sowie die Rolle des Innovationsprozesses als Modera-tor dieser Beziehung. Sie stellen den Grad der Innovativität dar, als das Verhältnis von Auf-wendungen in Forschung und Entwicklung (F&E) zu einer Form des Outputs. Dabei wird der Output in ihrer Studie gemessen anhand der Anzahl neue entwickelter Produkte. Die Korrela-tion zwischen dem Grad der Innovativität bzw. dem Erfolg neuer Produktentwicklungen und den F&E-Aufwendungen wurde in dieser Studie belegt. Außerdem halten sie fest, dass die Innovationsprozesse von Unternehmen und Organisationen moderierenden Einfluss auf die Beziehung von F&E-Aufwendungen und Innovationserfolg haben. Stock et al. (2001) unter-suchte die Beziehung von absorptiver Kapazität ("absorptive capacity") in Form von F&E-Aufwendungen und dem Erfolg neuer Produktentwicklungen. Er fand heraus, dass die soeben beschriebene Korrelation einer invertierten U-förmigen Beziehung folgt. Neben den F&E Aufwendungen als Input-maß eignen sich auch F&E verwandte Maße, welche wieder ins Verhältnis zum Output gesetzt werden. Kivimäki et al. (2000) misst den F&E-Innovations-Input beispielsweise anhand der Innovationsintensität definiert als Verhältnis von F&E-Personal zur gesamten Mitarbeiterzahl der Unternehmen. Die ausschließliche Verwendung von F&E-Aufwendungen oder unmittelbar verwandten Proxi-Attributen als Maßzahl für die Innovativität hat den Vorteil der guten Verfügbarkeit, ist jedoch nicht frei von Kritik.

Bougrain und Haudeville (2002) fanden heraus, dass es sich dabei um ein unvollständiges Maß handelt und dass die Zukunftschancen einer Innovation darüber hinaus von vielen weite-ren Faktoren beeinflusst werden. Die F&E-Ausgaben stellen lediglich einen von vielen Inputs im Innovationsprozess dar. Ein weiterer Kritikpunkt dieses Ansatzes kommt von Kleinknecht (1987), welcher festhält, dass dieser Ansatz insbesondere für kleine und mittelgroße Unter-nehmen problematisch sein kann, da diese oftmals keine oder weniger offizielle F&E-Aktivitäten aufweisen bzw. diese nicht erfassen. Griliches (1990) ergänzt diesen Kritikpunkt und sagt, dass kleinere Unternehmen bei gleichem formellen F&E-Aufwand in der Regel in-novativer zu sein scheinen. Dieser Trugschluss beruht jedoch auf der Tatsache, dass insbe-sondere bei kleinen Unternehmen nicht alle F&E-Aktivitäten gemeldet werden. Auch ist die Vergleichbarkeit der Innovativität von Organisationen unterschiedlicher Branchen nicht ge-geben, da diese unterschiedliche F&E-Intensitäten aufweisen, wie beispielsweise die Service-Industrie mit tendenziell geringen Aufwendungen (Adams et al., 2006). Um beispielsweise Krankenhäuser, welche der Service-Industrie zuzuordnen sind, mit anderen Organisationen in Hinblick auf ihre Innovativität zu vergleichen ist dieses Maß deshalb weniger geeignet. Hier eignet sich eher ein anderer, in der Literatur ebenfalls stark diskutierter Ansatz der Messung von Innovativität, auf welchen im folgenden Abschnitt Bezug genommen wird.

Neben der F&E-Intensivität als Maßzahl wird der Grad der Innovativität von Unternehmen und Organisationen typischerweise gemessen durch die Anzahl oder den Wert angemeldeter Patente (Adams et al., 2006). Dieser zweite Ansatz weißt jedoch ebenfalls Kritikpunkte auf. Der Nutzen von Patenten für die Organisationen unterscheidet sich, weshalb ihr Inputwert für die Innovationen nicht hinreichend monetär ausgedrückt werden kann (Griliches, 1990). Barney (1991) stellt darüber hinaus fest, dass Patente kodifiziertes Wissen repräsentieren, jedoch die Wichtigkeit von taktischem Wissen für Unternehmen und Organisationen bei die-sem Ressourcenbasierten Ansatz unterschätzt wird. Taktisches Wissen ist eine wichtige Ressource, da sie schwer zu imitieren ist. Dieses Wissen kann nicht übertragen werden durch schriftliche Dokumente wie z.B. Patente (Bougrain und Haudeville, 2002)

Neben den beiden populären, soeben vorgestellten Ansätzen zur Messung von Innovativität, werden in der der Literatur noch andere Herangehensweisen diskutiert. Kleinknecht (1987) bezieht sich bei der Messung auf die die reine Anzahl der Arbeitsstunden der Mitarbeiter in F&E und addiert zusätzlich Arbeitsstunden, welche in anderen Aktivitäten versteckt sind so-wie F&E Aktivitäten außerhalb der Arbeitszeit. Adams et al. (2006) hält es für zielführender die Inputs für Innovationen in verschiedene Typen aufzuspalten und getrennt voneinander zu betrachten. Dies bedeutet, dass nicht die kumulierten F&E-Aufwendungen als Inputbasis an-gesetzt werden sollten, sondern dass eine Differenzierung in Ausrüstung, Einrichtungen, Fi-nanzielle Mittel und insbesondere die an F&E beteiligten Personen erfolgen sollte. Beruft man sich auf Baldridge und Burnham (1975), so wird jedoch Kritik an der gesonderten Betrach-tung der beteiligten Personen deutlich, da diese die demographischen Eigenschaften wie Ge-schlecht, Alter und Bildungsstand als nicht die Innovativität von Individuen beeinflussend ansehen. Sie sehen als Innovator nicht die einzelnen Personen, sondern viel mehr organisato-rische Faktoren. Kessler und Chakrabarti (1996) kommen zu dem Ergebnis, dass Teammit-glieder mit hohem Bildungsstand und Selbstwertgefühl die F&E-Aktivität erhöhen und, dass die Quelle der Innovativität sehr wohl im Individuum liegt. Hier wird noch einmal deutlich, dass die Forschung zur Messung von Innovativität zu teilweise widersprüchlichen Ergebnis-sen kommt.

3.1.2 Maßzahlen bezüglich der Adoption von Innovationen

Dieser zweite Ansatz der Messung organisationaler Innovativität bezieht sich auf die Adopti-on von Innovationen. Dabei kann Innovativität in diesem Kontext nach Daft (1982) definiert werden als Adoption einer Idee oder Handlungsweise, welche neu für die adoptierende Orga-nisation ist. Eine Innovation kann ein neues Produkt, eine neue Dienstleistung, eine neue Handlungsweise oder eine neue Struktur sein (Damanpour, 1991). Auch diese Heran-gehensweise wird in der Literatur diskutiert. Im Folgenden werden die populärsten Ansätze vorgestellt.

Viele Studien der Adoption von Innovationen verwenden den Zeitpunkt der Adoption als Maßzahl für die Innovativität (Damanpour, 1991, Damanpour und Gopalakrishnan, 1998, Subramanian und Nilakanta, 1996). Da dieses Maß jedoch auf lediglich einer einzigen Innovation basiert, sind die Ergebnisse nicht generalisierbar anzuwenden. Wenn eine Organisation eine Innovation vor anderen Organisationen adoptiert, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass sie dieses Verhalten auch bei anderen Innovationen aufweisen. Deswegen müssen gültige Maßzahlen der Innovativität auf der Adoption einer Vielzahl von Innovationen basieren (Subramanian und Nilakanta, 1996).

Ein weiterer Ansatz misst die organisationale Innovativität durch die Rate der Adoption von Innovationen. Viele Studien definieren die Rate der Adoption als Anzahl adoptierter Innova-tionen innerhalb einer bestimmten Zeitperiode (Damanpour, 1991). Organisationen mit einer hohen Adoptionsrate adoptieren Innovationen häufiger und regelmäßiger als Organisationen mit geringer Adoptionsrate (Damanpour und Gopalakrishnan, 1998). Studien, welche Innova-tivität ausschließlich auf Basis der Anzahl der adoptierten Innovationen messen, vernachlässi-gen jedoch den Zeitpunkt der Adoption. Wahrhaftig innovative Organisationen sind jene, welche innovatives Verhalten konsistent im Zeitverlauf zeigen, weshalb eine gültige Maßzahl diese zeitliche Dimension berücksichtigen muss. (Subramanian und Nilakanta, 1996). Aiken und Hage (1971) erstellten eine Liste von Innovationen, welche durch Organisationen inner-halb einer Zeitperiode adoptiert werden konnten. Anschließend bestimmten sie die Anzahl der adoptierten Innovationen sowie die Geschwindigkeit der Adoption. Schulman (1969) misst den Grad der Innovativität durch die Anzahl neuer Programme und Services, welche erfolg-reich innerhalb einer 3-jahres Periode implementiert wurden.

Subramanian und Nilakanta (1996) betonen, dass neben dem Zeitpunkt der Adoption und der durchschnittlichen Anzahl adoptierter Innovationen innerhalb einer Zeitperiode eine weitere Dimension wichtig ist: Die Variabilität oder Konsistent des Zeitpunktes der Adoption. Demnach sind Organisationen, welche im Zeitverlauf konstant frühzeitig adoptieren innovati-ver als Organisationen, welche manchmal frühzeitig und manchmal später adoptieren.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass in der Literatur zwei verschiedene Perspektiven der Messung von Innovativität vorliegen. Die erste bemisst den Grad der organisationalen Innovativität anhand des Erfolges neuer Produktentwicklungen oder Dienstleistungen. Die zweite Sichtweise nennt Organisationen innovativ, welche frühzeitig, häufig und im Zeitver-lauf konstant Innovationen adoptieren. Innerhalb dieser zwei voneinander abzugrenzenden Stränge existieren verschiedenste Herangehensweisen, welche alle sowohl Vorteile als auch Nachteile aufweisen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Entstehung von medizintechnischen Innovationen
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Lehrstuhl für Technologiemanagement)
Note
1,0
Autoren
Jahr
2016
Seiten
38
Katalognummer
V350565
ISBN (eBook)
9783668371378
ISBN (Buch)
9783668371385
Dateigröße
738 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medizin, Medizintechnik, Krankenhaus, Innovation, Medical Arms Race, Maßzahlen, Erfolgsfaktoren, Barrieren, Innovativität, Adoption, Adoptoren, Diffusion, Patentanalyse, Patentierungsaktivitäten
Arbeit zitieren
Marwin Marw (Autor:in)Viktor Reese (Autor:in), 2016, Entstehung von medizintechnischen Innovationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350565

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