Rhodos im Zeitalter der Diadochen

Zwischen Diplomatie und militärischer Intervention


Hausarbeit, 2013
16 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Themenschwerpunkt und zentrale Fragestellung
1.2 Historische Einordnung

2. Politische und diplomatische Struktur im hellenistischen Rhodos

3. Die Belagerung von Rhodos 305 – 304 v. Chr.

4. Schluss

5. Quellenverzeichnis

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Themenschwerpunkt und zentrale Fragestellung

Die Stadt Rhodos hatte ihre Stärke im Seewesen. Und da sie unter allen Griechen am vortrefflichsten verwaltet wurde, war sie ein begehrtes Objekt für alle Dynasten und Könige, denn jeder bemühte sich, sie in die Zahl seiner Anhänger aufgenommen zu wissen. Sie aber hatte mit großem Weitblick nur den eigenen Vorteil zum Ziel. Zwar schloß sie gesondert mit jedem Freundschaft, an den Kriegen der Dynasten untereinander aber pflegte sie keinen Anteil zu nehmen.[1]

Bereits dieses Zitat von Diodor zeigt uns mit welchem diplomatischen Geschick Rhodos agierte. Jeder Diadoche hatte das Ziel diese griechische Stadt als Bündnispartner zu gewinnen. Dies nutze sie geschickt aus und agierte stets „sprunghaft“, was ihre Bündnispolitik bzw. die diplomatischen Beziehungen anging. Hierbei gelang es ihr sich einer Mehrzahl an bedrohlichen Konfliktsituationen durch geschicktes diplomatisches Taktieren zu entziehen.

Die vorliegende Arbeit widmet sich Rhodos im Zeitalter der Diadochen. Dabei liegt der Fokus auf dem politischen, diplomatischen und militärischen Verhalten der Mittelmacht Rhodos. Hierbei sei erklärt, dass unter Mittelmacht alle griechischen Staaten gemeint sind, welche sich selbst nicht zu den großen Diadochenreichen zählten.

Dieser Arbeit geht eine historische Einordnung voraus. Auf diese folgt der erste Themenkomplex. Dieser setzt sich mit den diplomatischen und politischen Strukturen von Rhodos auseinander. Dabei liegt das Erkenntnisinteresse auf der politischen Organisation Rhodos, sowie auf der „sprunghaften“ Bündnispolitik Rhodos. Des Weitern gilt es die Frage zu beantworten, wie es Rhodos gelang in den Wirren der Diadochenkriege seine Unabhängigkeit zu bewahren und gleichzeitig erfolgreich zu agieren? Der zweite Themenkomplex befasst sich mit der Belagerung von Rhodos im Jahre 305 – 304 v. Chr. Er widmet sich sowohl dem Ablauf der militärischen Intervention als auch der Rolle des Ptolemaios. Es gilt darzustellen, wie es Rhodos trotz militärischer Unterlegenheit gelang standzuhalten.

Bei Sichtung der zum Thema verfügbaren Quellen fällt auf, dass nur sehr wenige, teilweise unseriöse und bruchstückhafte Überlieferungen aus dieser Zeit existieren. Trotzdem wird in ausreichendem Maße Forschungsliteratur publiziert. Dabei beziehen sich die Historiker vor allem auf den antiken griechischen Geschichtsschreiber Diodor und auf seine vierzig Bücher umfassenden Universalgeschichte. Dabei gilt es zu beachten, dass die Qualität des Inhalts starken Schwankungen unterliegt. Es gilt den zeitlichen Abstand zu berücksichtigen, denn Diodor schrieb seine Bücher erst in der zweiten Hälfte des 1. Jh. v. Chr., also mit einem relativ großen Abstand zum Geschehenen. Deshalb ist der historische Wert nicht genau abzuschätzen. Der Geschichte über die Diadochenzeit wird allerdings ein hohes Maß an Qualität und Seriosität zugesprochen. Es wird vermutet, dass Diodor Hieronymus von Kardia, einen zeitgenössischen Autor, welcher die Diadochenzeit selbst miterlebt hatte, als Quelle heranzog. Die aktuelle Forschung stützt sich daher in hohem Maße auf die Bücher des Diodor. Hierbei gibt es oftmals unterschiedliche Deutungsansätze, so dass es sich lohnt verschiedene Forschungsmeinungen miteinander zu vergleichen. In seiner Publikation „Krieg, Handel und Piraterie“ beschreibt Hans-Ulrich Wiemer die Quellenproblematik zum Thema hellenistisches Rhodos wie folgt:

Obwohl unsere Kenntnis des hellenistischen Rhodos durch archäologische, numismatische und epigraphische Quellen seit dem 19. Jahrhundertbeträchtlich erweitert worden ist, bilden die Geschichtswerke von Polybios und Diodor nach wie vor die Grundlage jedweden Versuches, die äußere Geschichte dieses Staates in hellenistischer Zeit zu rekonstruieren. Denn die große Mehrzahl der Informationen, die wir über diesen Gegenstand besitzen, ist durch diese beiden Autoren überliefert. Die Angaben, die sich anderen Quellengattungen entnehmen lassen, sind demgegenüber so fragmentarisch, punktuell und disparat, dass sie sich in der Regel erst im Rahmen der literarischen Überlieferung verständlich machen lassen.[2]

Dieses Zitat zeigt uns, dass durch den Mangel an Quellen eine ausführliche Quellenkritik unbedingt erforderlich ist. Hierbei ist eine Analyse der Quellen, sowie dessen Interpretation erforderlich, um die Ereignisse rekonstruieren zu können und ihnen einen historischen Wert zuordnen zu können.

1.2 Historische Einordnung

Am 10. Juni 323 v. Chr. verstarb Alexander der Große an den Folgen eines Fiebers. Der Tod dieses Mannes weckte Begehrlichkeiten. Um seine Nachfolge kämpften die Diadochen. Meist handelte es sich hierbei um Persönlichkeiten, die bereits unter der Führung Alexanders hohe Ämter bekleidet hatten. Diese Diadochen erkannten ihre Möglichkeit zur direkten Ergreifung der Macht. Ein Grund hierfür war, dass Alexander keinen legitimen Nachfolger hatte. Das Verlangen nach der Macht musste unweigerlich zu Konflikten zwischen den verschiedenen Parteien führen. Alexander hätte allerdings kein größeres Erbe hinterlassen können und jeder seiner Nachfolger orientierte sich an ihm. Das zu erreichen, was er erreicht hatte, war allerdings utopisch. Die Folge war, dass das Alexanderreich in kleinere Teilreiche zerbrach. Dies bedeutete jedoch nicht, dass man an der Einheit des Reiches kein Interesse mehr gehabt hätte, im Gegenteil es gibt zahlreiche Beispiele, in denen die Diadochen versuchten ihren Machtbereich zu erweitern und einen entscheidenden Vorteil zu erlangen.[3]

[…] fast sofort, tauchte die Vorstellung der ungeteilten Nachfolge Alexanders durch einen der Ihren im Kreise der Machthaber auf. Die Situation war zu einladend. Es war, wie schon beschrieben, kein legitimer Nachfolger vorhanden, der effektiv die Regierungsgewalt hätte ausüben können.[4]

Dieser Machthunger entlud sich in insgesamt vier Diadochenkriegen. Der erste Diadochenkrieg begann bereits zwei Jahre nach dem Tod Alexanders im Jahre 321 v. Chr., der vierte Diadochenkrieg endet mit der Schlacht von Ipsos im Jahre 301 v. Chr.

Nach den ersten drei Diadochenkriegen setzten sich fünf Diadochen in ihren Herrschaftsgebieten fest, dies waren: Antigonos, Kassander, Lysimachos, Ptolemaios und Seleukos. Machtpolitisch ragte vor allem Antigonos aus dieser Gruppe hervor. Dies lag daran, dass er ganz offen die Reichseinheit anstrebte. Antigonos und sein Sohn Demetrios scheiterten 306 v. Chr. mit dem Versuch Ägypten zu erobern und somit Ptolemaios niederzuringen. Nach dieser Schmach versuchten sie Ptolemaios indirekt zu treffen, indem sie den unabhängigen Mittelstaat Rhodos zu erobern versuchten. Dieser war ein wichtiger Handelspunkt für Ägypten.[5] Rhodos wird hierbei als eine Stadt beschrieben, welche versuchte ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Hierbei versuchte sie sich militärischen Auseinandersetzungen zu entziehen, indem sie sich auf keine völkerrechtlichen Bindungen einließ. Ökonomischer Erfolg gilt hierbei als das Hauptinteresse des rhodischen Staates.[6]

Indem so die Rhodier mit allen Dynasten Freundschaft schlossen, bewahrten sie sich vor einer gerechtfertigten Beschuldigung.[7]

Deshalb verweigerten sie sich wahrscheinlich auch der Forderung des Demetrios, die Handelbeziehungen zu Ägypten einzustellen. Diese Verweigerung führte dann zu der einjährigen Belagerung (305 – 304 v. Chr.) von Rhodos. Die Belagerung musste später von Demetrios erfolglos abgebrochen werden, auch weil verschiedene Diadochen unter ihnen auch Ptolemaios die Stadt unterstützten.[8]

2. Politische und diplomatische Struktur im hellenistischen Rhodos

Betrachtet man die aktuelle Forschung, so wird die rhodische Außenpolitik als überwiegend konsequent und von klaren Prinzipien geleitet beschrieben. Diese relativ klare Definition ist in erheblichem Maße den Beschreibungen Diodors zur rhodischen Politik geschuldet. Dabei ist zu beachten, dass sich Diodor auf Zenon bezieht, einem Rhodier, was die Auswertung des Inhaltes erschwert, weil von einer subjektiven Färbung auszugehen ist. Diodor zeichnet das Bild eines sehr bedacht agierenden Staates. So pflegte Rhodos ein gutes Verhältnis zu den Diadochen, aber auch zu den griechischen Städten. Rhodos lehnte jede vertragliche Bindung an andere Staaten ab. Dies galt auch für die Teilnahme an kriegerischen Auseinandersetzungen. Diese Grundprinzipien zeigen die Beständigkeit und Verlässlichkeit der rhodischen Politik.[9] Bei dieser Beschreibung der rhodischen Politik gibt es durchaus kritische Stimmen in der Forschung. Wiemer selbst gibt zu bedenken, dass sich Rhodos als „friedlicher Handelstaat“ zwar gut in die damals herrschenden hellenistischen Verhältnisse einfügt, allerdings sei dies nie problematisiert bzw. hinterfragt worden. Er geht davon aus, dass dadurch Annahmen in die Forschung eingegangen seien, die heute als Tatsachen dargestellt werden.[10] Deshalb gilt es für die weitere Arbeit in diesem Themenkomplex sowohl die Quellen als auch die bereits vorhandene Sekundärliteratur kritisch zu betrachten und zu vergleichen um ein seriöses Ergebnis erzielen zu können.

Diodor spricht über Rhodos in einer auffällig idealisierten Weise. So beschreibt er die Stadt als die am besten verwaltete Stadt in ganz Griechenland.[11] Tatsache ist, dass es in Rhodos, wie in den meisten griechischen Städten, demokratische Strukturen gab. Allerdings sollte man sich davor in Acht nehmen, die damaligen griechischen Städte mit dem Prädikat Demokratie zu versehen.

[…] it has been suggested that although Rhodes is described as a democratic by most ancient authors and in several official inscriptions, it was not in fact so, but rather “an aristocracy disguised as a democracy.[12]

Tatsächlich durften die rhodischen Bürger ein Konzil wählen, welches als höchstes Staatsorgan anzusehen war. Dabei ist uns die Zahl der Mitglieder dieses Konzils unbekannt. Wir wissen lediglich, dass es sich um eine vergütete und sechs bis zwölf Monate andauernde Tätigkeit gehandelt haben muss. Die höchste Entscheidungsgewalt sollte allerdings bei den Rhodern selbst liegen, deshalb einmal im Monat eine Versammlung einberufen wurde.[13]

Für das Verständnis der Entscheidungsprozesse ist die simple Tatsache grundlegend, daß die Entscheidungen über Krieg und Frieden, über Gesandtschaften und Verträge bei einer Versammlung lag, die allen Bürgern des rhodischen Staates offenstand. […] Abgestimmt wurde durch Handaufheben.[14]

Hierbei entsteht für den Leser der Eindruck, es handle sich um eine sehr moderne Form der Demokratie, weil das Gefühl vermittelt wird, die Entscheidungsgewalt läge in den Händen des rhodischen Volkes. Diese Annahme ist nicht zutreffend. In Wirklichkeit stellt sich die Situation so dar, dass die Mitglieder des Konzils ihren Einfluss nutzten um die rhodischen Bürger für sich und ihre Vorhaben zu gewinnen.[15] Dies ist auch der Grund dafür, dass Berthold die rhodische Demokratie als eine „Aristokratie im Gewand einer Demokratie“ beschreibt. Diese Vermutung geht allerdings etwas zu weit, wenn man die Umstände betrachtet unter welchen das Konzil arbeiten musste. Im Vergleich zu Rom wurden die Mitglieder des Konzils nicht auf Lebenszeit gewählt, sondern nur für eine absehbare Zeitspanne. Daraus ergibt sich eine logische Konsequenz, dass falls man als Mitglied des Konzils darauf bedacht war bei den nächsten Wahlen nochmals erfolgreich zu sein, so musste man sich der Interessen der Bürger annehmen. Diese kurze Legislaturperiode kann also bereits als eine Art „Kontrollorgan“ beschrieben werden. Wiemer argumentiert gegen die Annahme Rhodos sei eine „verkleidete Demokratie“.

Die gewählten zivilen und militärischen Vertreter des rhodischen Volkes waren zwar in der Lage, die Außenpolitik ihres Staates zu beeinflussen; sie zu lenken vermochten sie jedoch nur dann, wenn sie ihre Mitbürger überzeugen konnten.[16]

[...]


[1] Diod. 20, 81, 2.

[2] zit. Hans-Ulrich Wiemer, Krieg, Handel und Piraterie. Berlin 2002, S. 37.

[3] Hans-Joachim Gehrke, Geschichte des Hellenismus. München 2008, S. 30 – 33.

[4] zit. Ebd., S. 33.

[5] Hans-Joachim Gehrke, Geschichte des Hellenismus. München 2008, S. 33 – 40.

[6] Hans-Ulrich Wiemer, Krieg, Handel und Piraterie. Berlin 2002, S. 13.

[7] Diod. 20, 81, 2.

[8] Gehrke, Geschichte des Hellenismus, S. 30 – 33.

[9] Hans-Ulrich Wiemer, Rhodische Traditionen in der hellenistischen Historiographie. Frankfurt a. M. 2001, S. 222.

[10] Hans-Ulrich Wiemer, Ökonomie und Politik im hellenistischen Rhodos. Frankfurt a. M. 2002, S. 563.

[11] Diod. 20, 81, 1 – 4.

[12] zit. R. M. Berthold, Rhodes in the Hellenistic Age. New York 1984, S. 39.

[13] Volker Grieb, Hellenistische Demokratie. Stuttgart 2008, S. 273 – 275.

[14] zit. Hans-Ulrich Wiemer, Krieg, Handel und Piraterie. Berlin 2002, S. 21.

[15] Ebd., S. 38f.

[16] zit. Hans-Ulrich Wiemer, Krieg, Handel und Piraterie. Berlin 2002, S. 22.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Rhodos im Zeitalter der Diadochen
Untertitel
Zwischen Diplomatie und militärischer Intervention
Hochschule
Universität Mannheim  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Die Diadochen
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V350566
ISBN (eBook)
9783668372139
ISBN (Buch)
9783668372146
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Diadochen, Rhodos, Diplomatie, Geschichte, Geschichtswissenschaften, Alte Geschichte, Militär
Arbeit zitieren
Ittai Moraweck (Autor), 2013, Rhodos im Zeitalter der Diadochen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350566

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