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Ist die Tugend lehrbar? Die Frage nach der Tugendlehrbarkeit bei Platon

Title: Ist die Tugend lehrbar? Die Frage nach der Tugendlehrbarkeit bei Platon

Essay , 2003 , 15 Pages , Grade: 2

Autor:in: Stefanie Krämer (Author)

Philosophy - Philosophy of the Ancient World
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Summary Excerpt Details

Kommt einen der Begriff „Tugend“ in Verbindung mit der Antike zu Ohren, muß man
zu aller erst unweigerlich an die vier platonischen Kardinaltugenden denken. Unter
diesen umhüllenden Mantel fallen die überragenden Tugenden der Tapferkeit,
Besonnenheit, Klugheit und Gerechtigkeit, die zu einem glücklichen Leben
befähigen. Die Bezeichnung Kardinaltugend fußt im Lateinischen „cardo“ und
bedeutet so viel wie „Türangel“. Es wird deutlich, daß es sich um
Rahmenbedingungen, ja Grundtugenden handelt, die unerläßlich für das Ansehen
eines guten Mannes, eines guten Bürgers durch die Gesellschaft, aber vor allem
durch ihn selbst sind. Aufgrund dessen nehmen die vier Kardinaltugenden für das
gesamte soziale Zusammenleben und um auf den Spuren Platons zu bleiben, auch
für die Gründung einer Polis, eine essentielle Rolle ein. Die Grundtugenden gelten
dabei für Platon als Garant für die Gesundheit der Seele, indem sie für eine gute
Lebensführung sorgen. Diesem Weg zu folgen stellt den obersten Bezug allen
Handelns dar.
Die Gerechtigkeit (dikaiosynê) ist eine von Zeus gegebene Tugend, die durch
die Lebenserfahrung weiter entwickelt und geprägt wird. Sie postuliert eine innere
ethische und moralische Gesetzgebung des Denkens und Verhaltens, die sich
individuell verfestigt und durch sich selbst zwingend und maßgebend ist. Gerecht gilt
in der Polis derjenige, der an den in der Gesellschaft anerkannten Sitten und
Bräuchen sein Handeln ausrichtet und der seinen Pflichten als Bürger und seinem
Gott gegenüber nachkommt. Nach Platon ist Gerechtigkeit die oberste Tugend, denn
diese stellt sich automatisch ein, wenn ein Einklang zwischen den anderen drei
Tugenden und den entsprechenden Seelenteilen (thymmoeides = Begierdeteil,
epithymêtikon = Mutteil, logistikon = Vernunftteil) herrscht. Dieses harmonische
Verhältnis kann nur dadurch herbeigeführt werden, indem jeder Seelenteil
ausschließlich seine Funktion und Aufgabe verrichtet, ohne seinen Fokus auf andere
Dinge zu richten. Geleitet werden dabei alle Seelenteile von der Idee des Guten.
Dieses Schema läßt sich ohne weiteres auch auf die Beziehung zwischen den
Individuen und ihrem Kollektiv übertragen, denn für Platon ist der Staat das Abbild
der menschlichen Seele. Auch hier muß eine Harmonie zwischen den subjektiven
Belangen und dem allgemeinen Wohl hergestellt werden. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Der Tugendbegriff im 5.Jh v.Chr.

I. Die vier Kardinaltugenden

II. Das aretê-Verständnis zu Zeiten Platons

Die Tugend (aretê), das Gute (agathon) und das Glück (eudaimonia)

Die Fachkunden (technai) und das Tugendwissen (epistêmê)

Die Frage nach der Tugendlehrbarkeit

I. Die Frage nach der Tugendlehrbarkeit in Platons „Protagoras“

II.Die Tugendlehrbarkeit in „Menon“

Schlußbemerkungen

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den antiken Tugendbegriff bei Platon, insbesondere die komplexe Beziehung zwischen aretê, technê und der zentralen Frage nach der Lehrbarkeit der Tugend. Das Hauptziel besteht darin, die philosophische Bedeutung dieser Konzepte innerhalb der Dialoge „Protagoras“ und „Menon“ zu erörtern und die sokratische Wissensauffassung kritisch zu beleuchten.

  • Analyse der vier platonischen Kardinaltugenden und ihrer Funktion für das gute Leben.
  • Unterscheidung und gegenseitige Verflechtung von aretê (Tugend) und technê (Fachkunde).
  • Erörterung der Lehrbarkeit der Tugend anhand der sophistischen Auffassung versus des sokratischen Wissensideals.
  • Untersuchung der Bedeutung von Wissen (epistêmê) im Gegensatz zur bloßen Meinung (doxa).
  • Kritische Reflexion der aporetischen Enden der behandelten Dialoge.

Auszug aus dem Buch

Die vier Kardinaltugenden

Kommt einen der Begriff „Tugend“ in Verbindung mit der Antike zu Ohren, muß man zu aller erst unweigerlich an die vier platonischen Kardinaltugenden denken. Unter diesen umhüllenden Mantel fallen die überragenden Tugenden der Tapferkeit, Besonnenheit, Klugheit und Gerechtigkeit, die zu einem glücklichen Leben befähigen. Die Bezeichnung Kardinaltugend fußt im Lateinischen „cardo“ und bedeutet so viel wie „Türangel“. Es wird deutlich, daß es sich um Rahmenbedingungen, ja Grundtugenden handelt, die unerläßlich für das Ansehen eines guten Mannes, eines guten Bürgers durch die Gesellschaft, aber vor allem durch ihn selbst sind.

Aufgrund dessen nehmen die vier Kardinaltugenden für das gesamte soziale Zusammenleben und um auf den Spuren Platons zu bleiben, auch für die Gründung einer Polis, eine essentielle Rolle ein. Die Grundtugenden gelten dabei für Platon als Garant für die Gesundheit der Seele, indem sie für eine gute Lebensführung sorgen. Diesem Weg zu folgen stellt den obersten Bezug allen Handelns dar.

Die Gerechtigkeit (dikaiosynê) ist eine von Zeus gegebene Tugend, die durch die Lebenserfahrung weiter entwickelt und geprägt wird. Sie postuliert eine innere ethische und moralische Gesetzgebung des Denkens und Verhaltens, die sich individuell verfestigt und durch sich selbst zwingend und maßgebend ist. Gerecht gilt in der Polis derjenige, der an den in der Gesellschaft anerkannten Sitten und Bräuchen sein Handeln ausrichtet und der seinen Pflichten als Bürger und seinem Gott gegenüber nachkommt.

Zusammenfassung der Kapitel

Der Tugendbegriff im 5.Jh v.Chr.: Dieses Kapitel führt in die vier platonischen Kardinaltugenden ein und erläutert ihre Bedeutung als Rahmenbedingungen für ein gesundes Seelenleben und die gesellschaftliche Ordnung der Polis.

Die Tugend (aretê), das Gute (agathon) und das Glück (eudaimonia): Hier wird dargelegt, wie die aretê als funktionale Eigenschaft zum Lebenserfolg und damit zum persönlichen Glück beiträgt, wobei das Gutsein als zentrales Lebensziel definiert wird.

Die Fachkunden (technai) und das Tugendwissen (epistêmê): Dieses Kapitel analysiert den Zusammenhang zwischen technê als praktischem Expertenwissen und dem ethisch fundierten Tugendwissen, das für eine gute Lebensführung notwendig ist.

Die Frage nach der Tugendlehrbarkeit: Der Abschnitt diskutiert die historische Debatte um die Lehrbarkeit der Tugend, wobei insbesondere die unterschiedlichen Positionen in den Dialogen „Protagoras“ und „Menon“ herausgearbeitet werden.

Schlußbemerkungen: Die abschließenden Bemerkungen reflektieren das Fehlen einer eindeutigen Lösung für das Lehrbarkeitsproblem und fassen die sokratische Skepsis sowie die logische Konsequenz der Wissensidentität zusammen.

Schlüsselwörter

Platon, Tugend, aretê, Kardinaltugenden, technê, epistêmê, Gerechtigkeit, Klugheit, Tapferkeit, Besonnenheit, Tugendlehrbarkeit, Protagoras, Menon, Sokrates, Eudaimonia.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit dem antiken Verständnis von Tugend (aretê) bei Platon und der Frage, ob diese erlernbar ist.

Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?

Die zentralen Felder sind die Kardinaltugenden, die Abgrenzung von Fachwissen (technê) und Tugendwissen sowie die philosophische Analyse der Lehrbarkeit.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, den platonischen Tugendbegriff zu definieren und zu klären, ob Tugend als Wissen vermittelt werden kann, wie es in den Dialogen „Protagoras“ und „Menon“ verhandelt wird.

Welche Methode wird verwendet?

Es wird eine textanalytische Untersuchung der platonischen Dialoge durchgeführt, um die Argumentationslinien von Sokrates und Protagoras herauszuarbeiten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Definition der Kardinaltugenden, die Verflechtung von Moral und Funktionalität sowie die detaillierte Diskussion der Lehrbarkeitsargumente.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Tugendethik, aretê, sokratische Anamnesis, Epistêmê und Polis geprägt.

Wie unterscheidet Platon laut der Arbeit zwischen Wissen und Meinung?

Wissen (epistêmê) beruht auf begründeter Einsicht und Erfahrung, während Meinung (doxa) eine schwächere, nicht notwendigerweise begründete Ansicht darstellt.

Warum endet die Diskussion über die Tugendlehrbarkeit oft aporetisch?

Die Dialoge enden aporetisch, weil eine allgemeingültige, sokratische Definition des Wesens der Tugend ausbleibt, welche Voraussetzung für eine abschließende Klärung der Lehrbarkeit wäre.

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Details

Title
Ist die Tugend lehrbar? Die Frage nach der Tugendlehrbarkeit bei Platon
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg  (Philosophische Fakultät I)
Course
Platon: Protagoras
Grade
2
Author
Stefanie Krämer (Author)
Publication Year
2003
Pages
15
Catalog Number
V35056
ISBN (eBook)
9783638350983
Language
German
Tags
Tugend Frage Tugendlehrbarkeit Platon Protagoras
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefanie Krämer (Author), 2003, Ist die Tugend lehrbar? Die Frage nach der Tugendlehrbarkeit bei Platon, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35056
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