Optimierte Wirtschaftstransformation durch den Einsatz interkultureller Kompetenzen, Kommunikations- und Verhandlungstechniken in internationalen Geschäfts- und Handlungsfeldern


Doktorarbeit / Dissertation, 2016

105 Seiten, Note: 1'0 summa cum laude (4.0)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Diagramm-Verzeichnis

1 Einleitung

2 Beschreibung und Zielsetzung des Untersuchungsgegenstandes

3 Wirtschaftsintegration, Transformation und Globalisierung

4 Genese und Entwicklung des Integrationsbegriffs
4.1 Verständnis des Integrationsbegriffs in den verschiedenen Wissenschaften
4.1.1 Integrationsverständnis innerhalb der Soziologie
4.1.2 Integrationsverständnis innerhalb der Philosophie
4.1.3 Integrationsverständnis innerhalb der Psychologie
4.1.4 Integrationsverständnis innerhalb der Pädagogik
4.2 Projektion der Integrationsbegrifflichkeiten auf die wirtschaftswissenschaftliche Disziplin
4.3 Die Wirtschaftsphilosophie als Reflexion der Wirtschaftswissenschaften
4.4 Der wirtschaftswissenschaftliche Transformationsbegriff

5 Wissenschaftlicher Hintergrund
5.1 Kulturdimensionen nach Hofstede
5.1.1 Machtdistanz
5.1.2 Individuum vs. Kollektivismus
5.1.3 Maskulinität und Feminität
5.1.4 Unsicherheitsvermeidung
5.1.5 Langzeitorientierung
5.2 Kompetenz
5.2.1 Individuelle Kompetenz
5.2.2 Humankompetenz
5.2.3 Sozialkompetenz
5.2.4 Methodenkompetenz
5.2.5 Sachkompetenz und Fachkompetenz
5.2.6 Handlungskompetenz
5.2.7 Kommunikative Kompetenz
5.2.8 Lernkompetenz
5.2.9 Schlüsselkompetenz
5.2.10 Managementkompetenz
5.3 Kompetenzmessung
5.4 Kompetenzmodelle
5.4.1 Unternehmens spezifische Kompetenzmodelle
5.4.2 Zielgruppenspezifische Kompetenzmodelle
5.5 Interkulturelle Kompetenz und Verhalten

6 Kommunikation
6.1 Interaktionen in Kommunikation

7 Verhandlung – Terminologische Abgrenzung und Begriffserklärung
7.1 Einleitung interkulturelle Verhandlungen
7.1.1 Interkulturelle Verhandlung
7.1.2 Verhandlungsformen- Unterschiede zwischen politischen und geschäftlichen Interaktionen
7.1.2.1 Kooperatives Verhandeln
7.1.2.2 Kompetitives Verhandeln
7.1.2.3 Diabolisches/Satanisches Verhandeln
7.2 Kultur

8 Besonderheiten und Probleme in interkulturellen Verhandlungen
8.1 Die Verhandlung im interkulturellen Kontext: Modelle und Erklärungsansätze
8.2 Analyse von Einzelelementen in ihrer Auswirkung auf interkulturelle Verhandlungen
8.2.1 Kommunikation in der Verhandlung
8.2.2 Emotionen und Verhalten
8.2.3 Entscheidungsfindung, Risikoabwägung und Kompromissbereitschaft

9 Lösungsansätze für Probleme in interkulturellen Verhandlungen
9.1 Lösungen zur Vorbeugung von Konflikten in interkulturellen Verhandlungen
9.2 Lösungen bei Auftreten von Konflikten in interkulturellen Verhandlungen
9.3 Mediation und Diplomatie als Lösung von Problemen in interkulturellen Verhandlungen?

10 Zusammenfassung der Ergebnisse und kritische Würdigung

11 Ausblick

12 Anhang
12.1 Einflüsse der Kulturkenntnisse in Verhandlungen (China)
12.2 Einflüsse der Kulturkenntnisse in Verhandlungen (Deutschland)
12.3 Vergleich der Befragungsergebnisse: China vs. Deutschland

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Landkarte Chinas mit politischen Provinzen

Abbildung 2: Lage der Industriegebiete in China

Abbildung 3: Bevölkerungsdichte chinesischer Provinzen

Abbildung 4: Business-Transformations-Modell „Die vier R der Transformation“ nach Gouillart/Kelly.

Abbildung 5: „Drei Ebenen der Einzigartigkeit in der mentalen Programmierung des Menschen“ von Hofstede 1993

Abbildung 6: Hofstede 1993: Das „Zwiebeldiagramm“: Manifestationen von Kultur auf verschiedene Tiefenebenen

Abbildung 7: Persönliche Auswertung

Abbildung 8: Hofstedes MDI-Wert

Abbildung 9: Kompetenzatlas Heyse & Erpenbeck 2004

Abbildung 10: Lehmann 2009 Das Organon Modell der Sprache (Bühler 1934)

Abbildung 11: Eisbergmodell nach Sigmund Freud

Abbildung 12: Kommunikationssystem nach Paul Watzlawick

Abbildung 13: Kommunikationsquadrat und Vier Ohren Modell

Abbildung 14: Beispiel für Fehlinterpretationen

Abbildung 15: Das Dreieck der sozialen Interaktion von Ruth Cohn

Abbildung 16: Eigenen Darstellung des Kommunikationsmodells mit drei verbalen Ebenen

Abbildung 17: 5 Phasen-Verlaufsmodell nach U. Kreggenfeld

Abbildung 18: Schlüsselpunkte einer Verhandlung

Abbildung 19: Erkennung von 6 Basisemotionen

Abbildung 20: eigene Bildquelle , Geschäftsessen in China

Abbildung 21: Schalenmodell: Grad der Integration, eigene Darstellung

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Hauptunterschiede zwischen Gesellschaften mit geringer und mit großer Machtdistanz Allgemeine Norm, Familie, Schule und Arbeitsplatz, Hofstede S.52

Tabelle 2 Hauptunterschiede zwischen kollektivistischen und individualistischen Gesellschaften Allgemeine Norm, Familie, Schule und Arbeitsplatz, Hofstede S.84

Tabelle 3 Hauptunterschiede zwischen Femininen und Maskulinen Gesellschaften

Tabelle 4 Unsicherheitsvermeidungsindex (UVI): Werte für 50 Länder und 3 Regionen

Diagramm-Verzeichnis

Diagramm 1: Wichtigkeit der Grundkenntnisse der Kultur; China vs. Deutschland; Eigene Darstellung

Diagramm 2: Wichtigkeit der Kenntnisse der Kultur; China vs. Deutschland; Eigene Darstellung

Diagramm 3: Wichtigkeit der Kenntnisse der Wirtschaftsentwicklung; China vs. Deutschland; Eigene Darstellung

Diagramm 4: Wichtigkeit der Kenntnisse der Mentalität; China vs. Deutschland; Eigene Darstellung

Diagramm 5: Wichtigkeit der Grundkenntnisse der Landessprache; China vs. Deutschland; Eigene Darstellung

Diagramm 6: Wichtigkeit von verhandlungssicheren Sprachkenntnissen; China vs. Deutschland; Eigene Darstellung

Diagramm 7: Wichtigkeit der englischen Sprachkenntnisse; China vs. Deutschland; Eigene Darstellung

Diagramm 8: Wichtigkeit der nonverbalen Kommunikation; China vs. Deutschland; Eigene Darstellung

Diagramm 9: Wichtigkeit der Konfliktvermeidung; China vs. Deutschland; Eigene Darstellung

Diagramm 10: Wichtigkeit von Guangxi; China vs. Deutschland; Eigene Darstellung

Diagramm 11: Wichtigkeit einer langfristigen Geschäftsbeziehung; China vs. Deutschland; Eigene Darstellung

Diagramm 12: Wichtigkeit einer Win-Win Situation; China vs. Deutschland; Eigene Darstellung

1 Einleitung

In einer globalisierten Welt sind Unternehmen gezwungen, sich Wettbewerbsvorteile unter anderem durch eine kostenoptimierte Fertigung zu verschaffen bzw. zu halten. Im Zuge der Globalisierung in allen wirtschaftlichen Bereichen der modernen Industrieunternehmen steigen die Anforderungen an Flexibilität, Dynamik und Anpassungsfähigkeit der Firmen, die international als Global Player bezeichnet werden und derjenigen, die sich international etablieren wollen, um auf diese Weise ihren Umsatz zu erhöhen und ihren Marktanteil zu sichern und auszubauen.

Durch die in der Automobilindustrie verzeichneten Erfolge, welche durch Produktionsverlagerung ins Ausland erzielt wurden, sehen sich nun mehr auch andere Branchen, wie Maschinen- und Anlagenbau, Elektroindustrie, etc. veranlasst global zu denken und durch den Einsatz von interkulturellen Kompetenzen ihre Potenziale voll auszuschöpfen.

Die „Best in Class“- Unternehmen nutzen heute sämtliche Techniken und Know How, die ein erfolgreiches Global Sourcing benötigt. So ist es zum Beispiel üblich, dass Mitarbeiter aus unterschiedlichen Kulturkreisen in Teams zusammenarbeiten, um so den bestmöglichen Ertrag zu sichern. Optimierte Wirtschaftstransformation ist heute kaum zu erreichen, wenn die Beschaffung der benötigten Ware ausschließlich auf dem nationalen Markt erfolgt, da dieses aufgrund der begrenzten Verfügbarkeiten der inländischen Ressourcen lediglich ein eingeschränktes Ergebnis hervorbringt.

Ein weiterer Aspekt für die Notwendigkeit der Internationalisierung sind die sogenannten „Nachahmer“, die erfolgreiche Produkte in Billiglohnländern kopieren und international vertreiben. Diese Plagiate richten jährlich einen wirtschaftlichen Schaden in Milliardenhöhe an.

Betroffen sind Unternehmen wie Siemens, Bosch, Mobilfunkgerätehersteller, etc., die entsprechende Umsatzeinbußen zu verzeichnen haben. Um dieser Entwicklung gegenzusteuern, werden Joint Ventures, Mergers, Holdings, Tochtergesellschaften und internationale Produktionsstandorte gegründet.

Das Kernthema dieser Arbeit befasst sich mit den Einflussfaktoren zur Erreichung einer optimierten Wirtschaftstransformation im internationalen Business unter der Berücksichtigung kulturübergreifender Faktoren, die den Unternehmen als Orientierungshilfe dienen kann, ihre internationalen Aktivitäten zu maximieren.

Im Einzelnen werden die Themenbereiche von Wirtschaftsintegration, interkulturelle Kommunikation/Kompetenz und Verhandlungstechniken in internationalen Wirtschaftsbeziehungen mit dem Schwerpunkt Deutschland/China untersucht.

Aus meiner langjährigen Erfahrung mit einer Vielzahl von Lieferantenkontakten vor Ort ist mir bewusst geworden, dass die uns ureigenen deutschen, oftmals starren Vorstellungen, Verhaltens- und Kommunikationsmuster auf dem chinesischen Markt nicht unbedingt anwendbar und Erfolg bringend sind. Aufgrund dieser Erfahrung ist diese Arbeit entstanden.

2 Beschreibung und Zielsetzung des Untersuchungsgegenstandes

Im weiteren Verlauf der Arbeit werde ich die einzelnen Punkte der optimierten Wirtschaftstransformation durch den Einsatz interkultureller Kompetenzen, Kommunikations- und Verhandlungstechniken in internationalen Geschäfts- und Handlungsfeldern durch die Betrachtung und Analyse der im Literaturverzeichnis aufgeführten Quellen und der aktuellen Situation der deutsch/chinesischen Beziehungen untersuchen.

3 Wirtschaftsintegration, Transformation und Globalisierung

Die Wirtschaftswissenschaft entdeckte erstmals in den neunziger Jahren die Bedeutung der Kultur für die unterschiedlichen Wirtschaftsleistungen von Volkswirtschaften. Dies könnte ein Faktor sein warum China mit einem kommunistischen System wirtschaftlich außerordentlich erfolgreich ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Landkarte Chinas mit politischen Provinzen[1]

Chinas Kultur wurde durch eine weit zurückreichende Historie geprägt, beginnend mit der Han-Dynastie zwischen 200 v. Chr. bis 200 n. Chr., und war bis zum 17. Jahrhundert die führende Zivilisation, wodurch sich die Chinesen als Reich der Mitte verstanden. Aufgrund der Fähigkeit, den Ertrag pro Hektar über den damals üblichen zu steigern, wuchs die Bevölkerung in einem Ausmaß, welches das Tempo der Ertragssteigerung überstieg. Als Folge mussten die Bauern hungern, und es kam zu Aufständen, die bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts reichten. Diese wurden als Taiping-Revolution bekannt, in der ca. 30 Millionen Menschen starben.

Zur Zeit der Hungersnöte, Aufstände und Überbevölkerung in China stießen die Engländer vor, um das Land gewaltsam für Ihren Handel zu öffnen.

Danach folgte bis zum Beginn des 20 Jahrhundert eine Reihe von Eroberungen der Hafenstädte in China durch Europäer, Amerikaner, Russen und Japaner.

Die Zeit der Besetzung durch fremde Truppen führte zu einem Trauma, welches das kollektive Gedächtnis nachhaltig geprägt hat, da es als ein Sturz in Schande und Armut empfunden wurde. Aus dieser Vergangenheit hat sich ein ausgeprägtes Nationalbewusstsein entwickelt.

Nachdem die japanischen Besatzer mit Hilfe der Amerikaner 1945 besiegt wurden, entwickelte sich ein Bürgerkrieg, da nun ein Machtkampf zwischen den nationalchinesischen Truppen unter Führung von Chiang Kai-Shek und den kommunistischen Streitkräften unter Mao Zedong entstand.

Am 1. Oktober 1949 wurde die Volksrepublik China durch Mao Zedong ausgerufen.

Mao Zedong orientierte sich mit seiner Politik und Wirtschaft an der sozialistischen Sowjetunion und führte eine umfangreiche Bodenreform durch, wobei Großgrundbesitzer zwangsenteignet wurden.

Im Jahre 1958 propagierte Mao den »Großen Sprung nach vorn«, der ein schnelles Wirtschaftswachstum herbeiführen und die kommunistische Gesellschaft vorbereiten sollte. Zugleich machte die Kommunistische Partei Chinas der Sowjetunion den Führungsanspruch in der sozialistischen Welt streitig.

„Doch scheiterte dieser Versuch der sprunghaften Steigerung der Industrieproduktion. Es kam zu einem drastischen Einbruch der gesamten Wirtschaftstätigkeit mit dramatischen Folgen für die Bevölkerung. Der »Große Sprung« führte in die Hungersnöte der »Drei bitteren Jahre« (1959-1961), denen zwischen zwanzig und dreißig Millionen Chinesen zum Opfer fielen.“ (Juchler und Frick, 2008)

Als nächster Eckpunkt zur Festigung Mao´s Position folgte im Zeitraum von 1966-1976 die „große proletarische Kulturrevolution“ welche Maos politische Gegener mit drastischen Maßnahmen, wie Verfolgungen und Mißhandlungen, aus dem Weg räumen sollte. Sein Nachfolger Deng Xiaoping baute die Volksrepublik China komplett um, hin zu den ersten Ansätzen einer freien Marktwirtschaft, Preisreformen, Landwirtschaftsreform und Etablierung eines finanziellen Anreizsystem, um die Weichen zu stellen zur Sicherung der machtpolitischen Stellung der Volksrepublick China. Jiang Zemin, der 1993 zum Präsident ernannt wurde, verfolgt die vom Vorgänger eingeschlagene Wirtschaftspolitik weiter, welche am 1. Juli 1997 mit der Übergabe der Insel Hong Kong von den Engländern an die Volksrepublik China ihren ersten Höhepunkt verzeichnete. Er erklärt Hong Kong zur Sonderwirschaftszone, die nach westlichen Vorbild verwaltet wird.

Diese Form der Wirtschaftsstruktur war sehr erfolgreich, so dass sukzzessiv weitere Sonderwirtschaftszonen errichtet wurden, vornehmlich in Küstenstädten, die eine bessere Anbindung an Kommunikationswege bieten als die tief im Landesinneren liegenden Städte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Lage der Industriegebiete in China[2]

2001 wurde die Volksrepublik China Mitglied der Welthandelsorganisation WTO.

Nach der Übergabe der Ämter an seinen Nachfolger Hu Jintao erfuhr das Land weitere Reformen, um sich mit einer harmonischen und auf der Wissenschaft begründeten Gesellschaft weiter dem West zu öffnen.

So richtete China erstmalig 2008 die Olympischen Sommerspiele in Peking aus.

Um die Annäherung an den Westen und das negative Image Chinas hinsichtlich der Menschenrechte zu verbessern, erfolgte am 13. April 2009 die Bekanntgabe eines Aktionsplans zur „Verbesserung der Einhaltung der Menschenrechte“, um die in der Vergangenheit erfolgten Misshandlungen, Folterungen und die noch durchgeführten Todesstrafen an die Maßnahmen und das Verständnis westlicher Kulturen anzugleichen.[3]

In der Literatur wurden diese kulturellen Faktoren, die zu einer Hybridisierung und einer Wirtschaftstransformation Chinas führten, mehrfach untersucht.

Prof. Dr. Carsten Herrmann-Pillath untersuchte in seinem „Working Paper No. 115“ der Frankfurt School of Finance & Management die Aspekte der ökonomischen Analyse von Kulturen für ein Verständnis der chinesischen Wirtschaft.

Prof. Dr. Carsten Herrmann-Pillath beschäftigt sich mit der Frage „inwieweit […] Kultur als eine intermediäre Variable in der Beziehung zwischen Institutionen und Wachstum [wirkt] [und ob] dies möglicherweise auch den Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Wachstum und politischem Wandel [betrifft]?[4]

Der Begriff Kultur ist im wirtschaftswissenschaftlichen Sinn nicht eindeutig beschrieben, so das verschiedene Begrifflichkeiten in der Literatur thematisiert werden, wie zum Beispiel folgende Betrachtungsansätze:

- Sozialstrukturelle Aspekte (Greif, 1994, 1997)
- Kognitionswissenschaftliche Zugänge (shared mental models etc.) (North, 2005)
- Verhaltenswissenschaftliche Ansätze (frames etc., Heinrich et. al., 2005)

Diese Unbestimmtheit des Begriffs Kultur in der Wirtschaftswissenschaft führt dazu, dass es keine klare Abgrenzung zu anderen Konzepten gibt, unter anderen:

- Informale Institutionen, insoweit sie als situativ-rationale Verhaltensmuster interpretiert werden (Bowles und Gintis, 2001).
- Mikroanalytische Ansätze wie zu den „customs“, die psychologisch fundiert sind (Schlicht 1998).
- Sozialkapital (Dasgupta, 2005)
- Werthaltungen, wie zum Beispiel im Zusammenhang mit der Erforschung des Vertrauens (Gleaser et. al., 2000)

Eine Differenzierung des Begriffs „Kultur“ in vorwissenschaftlichen und relevanten (Hannerz, 1992; Wimmer, 1998; Brumann, 1999) Ansätzen ist deshalb wichtig, um die verschiedenen Ansätze der Kulturforschung zuzuordnen.

Des Weiteren ist der methodologische Aspekt für China von Interesse, da die chinesische Kultur für Europäer nicht eindeutig klar nachvollziehbar ist:[5]

- In China existiert keine organisierte Religion, wie sie in der westlichen Welt bekannt ist, verstanden und praktiziert wird, da in China viele verschiedene Glaubensrichtungen existieren und entsprechend ausgeübt werden.
- Durch die Übergabe Hongkongs von Großbritannien an China im Jahre 1997 erfolgte eine Internationalisierung und Modernisierung die auch Einfluss auf die vorhandene Kultur hatte.
- Seit 1966 unter der Führung Maos verfolgt China eine aktive Politik des Kulturwandels, immer mit dem Ziel der Transformation der traditionellen Werte und sozialen Strukturen.
- Topologische und wirtschaftliche Unterschiede führen zu demografischen Unterschieden in den Regionen, die durchaus größer ausfallen können (Abbildung 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Bevölkerungsdichte chinesischer Provinzen[6]

Prof. Dr. Carsten Herrmann-Pillath definiert den Begriff „Kultur” in seinem Working Paper No. 115 als einen „Aspekt gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Modernisierung“, in den „die kulturelle Kreativität des Menschen unter ständig wechselnden Umweltbedingungen“ wahrgenommen wird.

Eine weitere Kulturdefinition kommt von Alexander Thomas, der schreibt, „Kultur ist ein universelles, für die Gesellschaft, Organisation und Gruppe aber sehr typisches Orientierungssystem. Dieses Orientierungssystem wird aus spezifischen Symbolen gebildet und in der jeweiligen Gesellschaft usw. tradiert. Es beeinflusst das Wahrnehmen, Denken, Werten und Handeln aller ihrer Mitglieder und definiert somit deren Zugehörigkeit zur Gesellschaft. Kultur als Orientierungssystem strukturiert ein für die sich der Gesellschaft zugehörig fühlenden Individuen spezifisches Handlungsfeld und schafft damit die Voraussetzung zur Entwicklung eigenständiger Formen der Umweltbewältigung.“[7]

Aus diesen Umweltbedingungen entwickelten die US-amerikanischen Soziologen Parsons und Shils 1951 erstmals die verschiedenen Kulturdimensionen, welche durch die Anthropologen Florence Kluckhohn und Fred Strodtbeck im Jahre 1961 weiterentwickelt wurden.

Auf Basis dieser Erkenntnisse entwickelte Hofstede Ende der 60er Jahre die heute bekannten 5 Kulturdimensionen, welche die landesspezifischen Unterschiede berücksichtigen, auf die ich später noch detailliert eingehen werde.

4 Genese und Entwicklung des Integrationsbegriffs

Das Gebiet der Integrationsforschung stellt die wissenschaftliche Ausgangsbasis für das im Rahmen dieser Ausführungen behandelte Thema. Dabei ist der Integrationsbegriff Gegenstand verschiedener Wissenschaftsdisziplinen, so u. a. auch in den Wirtschaftswissenschaften.

Für eine Beschreibung dieses modernen, wirtschaftswissenschaftlichen Verständnisses des Integrationsbegriffs findet eine Annäherung über die Einbeziehung der Entwicklungen innerhalb der wesentlichen Wissenschaftsdisziplinen, wie z. B. der Soziologie statt. Die hierdurch ermittelten Erkenntnisse werden auf den wirtschaftswissenschaftlichen Bereich bezogen.

Verknüpfungen zwischen den verschiedenen Wissenschaften, die zur umfassenden Behandlung dieses Themas nicht außer Acht gelassen werden können, werden durch den diesen Ausführungen nachgestellten Abschnitt zur Erläuterung der Wirtschaftsphilosophie weiterführend verdeutlicht.

Im Zusammenhang mit dem wirtschaftswissenschaftlichen Integrationsverständnis wird zudem zur Komplettierung dessen abschließend auf den Transformationsbegriff eingegangen.

4.1 Verständnis des Integrationsbegriffs in den verschiedenen Wissenschaften

Die Verwendung des Begriffs „Integration“ ist in den Wissenschaften mit vielfältigen Bedeutungen und Sachverhalten verbunden.

Nachfolgend werden in den verschiedenen Wissenschaften Soziologie, Philosophie, Psychologie und Pädagogik die Beiträge zur Integrationsforschung betrachtet, um im Anschluss Rückschlüsse gemäß der im vorhergehenden Abschnitt beschriebenen Vorgehensweise zur Einordnung von Grundbegriffen vorzunehmen.

Den einzelnen wissenschaftlichen Betrachtungen vorangestellt lässt sich, als grundlegende Herleitung, der Integrationsbegriff synonym aus dem lateinischen Wortstamm „integer“ als „unangetastet“, „unversehrt“ oder auch als „unberührt“ definieren. Hinzu treten die Ableitungen aus den Wörtern „integrare“ (was eher den Vorgang beschreibt, etwas „unversehrt zu machen“ bzw. „wiederherzustellen“ und zu „ergänzen“) und „integratio“ als „Erneuerung“.[8]

Dies alles lässt sich als eine Art der Eingliederung zusammenfassen, die Zustände wie z. B. die „Separation“ aufhebt.[9]

4.1.1 Integrationsverständnis innerhalb der Soziologie

Der Schwerpunkt der Integrationsforschung ist in der Soziologie beheimatet.

Gewissermaßen ist hier auch der Ursprung zu sehen, obwohl auch die Philosophie als weitaus älteres wissenschaftliches Gebiet sich mit der Thematik bereits schon im 19. Jahrhundert auseinandersetzte.[10] Dennoch stellt die Soziologie die Wissenschaft dar, die zuerst den Integrationsbegriff prägte.[11] Dies liegt darin begründet, dass Integration primär als ein gesellschaftsorientiertes Problem gesehen wurde. Die „klassischen Integrationsthemen“ spielten sich im Rahmen politischer, nationalstaatlicher Schranken ab.[12]

Die Soziologie ist ebenso wie die Wirtschaftswissenschaften den Sozialwissenschaften zugehörig. Somit kommt der innerhalb dieser wissenschaftlichen Disziplin angestellten Forschung aufgrund der „Nähe“ zu den wirtschaftswissenschaftlichen Fachrichtungen eine besondere Bedeutung im Rahmen dieser Betrachtung zu.

Generell ist das Gebiet der Soziologie zu determinieren als Wissenschaft, die sich mit der „Lehre vom Zusammenleben der Menschen“ bzw. mit der „Lehre von der Gesellschaft“ als solcher beschäftigt.[13] Der Gegenstand der Soziologie wird hierbei charakterisiert als „…systematisches, umfassendes, wissenschaftlich angeleitetes Nachdenken über die Gesellschaft.“[14] Aufgabe der Soziologie ist es somit im Allgemeinen, soziales Geschehen zu erklären.[15]

[...]


[1] {Infos und Fakten über China 05.10.2015; http://www.china9.de/landkarten/karten/landkarte-china-politisch-provinzen.png}

[2] {Infos und Fakten über China 05.10.2015 http://www.china9.de/landkarten/karten/landkarte-china-industrie-1983.jpg}

[3] {vgl. Volksrepublik China S.6 Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg}

[4] {Prof. Dr. Carsten Herrmann-Pillath Working Paper No. 115, Frankfurt School of Finance & Management, März 2009}

[5] {Prof. Dr. Carsten Herrmann-Pillath Working Paper No. 115, Frankfurt School of Finance & Management, März 2009}}

[6] {Infos und Fakten über China 05.10.2015; http://www.china9.de/infos/bevoelkerungsdiche-chinesischer-provinzen.html}

[7] {Thomas, 1993, S. 380}

[8] {Vgl. Schuppener, 2006, S. 85}

[9] {Vgl. Esser, 2000, S. 261}

[10] {Vgl. Kobi, 2003, S. 71}

[11] {Vgl. Hess/Moser, 2009, S. 11ff}

[12] {Vgl. Knelangen, 2001, S. 1}

[13] {Vgl. Esser, 1999, S. 3}

[14] {Vgl. Prisching, 1990, S. 13}

[15] {Vgl. Greshoff/Schimank, 2012, S. 2}

Ende der Leseprobe aus 105 Seiten

Details

Titel
Optimierte Wirtschaftstransformation durch den Einsatz interkultureller Kompetenzen, Kommunikations- und Verhandlungstechniken in internationalen Geschäfts- und Handlungsfeldern
Hochschule
University of Northwest Europe  (Business Administration Intercultural Management)
Note
1'0 summa cum laude (4.0)
Autor
Jahr
2016
Seiten
105
Katalognummer
V350595
ISBN (eBook)
9783668379114
ISBN (Buch)
9783668379121
Dateigröße
3560 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
optimierte, wirtschaftstransformation, einsatz, kompetenzen, verhandlungstechniken, handlungsfeldern, china, deutschland, länderanalyse, interkulturelle kommunikation, kommunikationstechnik, kommunikationstechniken, kommunikation, asien, geschäftsfelder, geschäftsfeld
Arbeit zitieren
Siegfried Venn (Autor), 2016, Optimierte Wirtschaftstransformation durch den Einsatz interkultureller Kompetenzen, Kommunikations- und Verhandlungstechniken in internationalen Geschäfts- und Handlungsfeldern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350595

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