Zum Universalismus in G. W. F. Hegels Metaphysik

Die Kraft des Geistes aus entwicklungstheoretischer Perspektive


Essay, 2010

12 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Einleitung

Wie bereits der Titel der Arbeit erkennen lässt, ist diese speziell darauf ausgerichtet sich mit Hegels Metaphysik zur Weltgeschichte genauer zu beschäftigen. Es ist diesbezüglich zur erwähnen, dass Hegel selbst protestantischen Glaubens war und daher sein Werk sehr theologisch konnotiert ist, insbesondere was den Endzweck der Geschichte betrifft. Davon soll aber in dieser Arbeit abstrahiert werden, um die universalistischen Elemente in Hegels Metaphysik zu verdeutlichen. Es muss hier kurz angemerkt werden, dass Universalismus im Sinne von vorherrschenden gültigen allgemeinen Normen und Prinzipien philosophischer Natur, und damit also in Abgrenzung zum Partikularismus, zu verstehen ist.

Des Weiteren ist anzuführen, dass Hegel mit seiner Philosophie der Geschichte, die für ihn nichts anderes ist als "die denkende Betrachtung derselben"[1] und die wahrhaftigere im Vergleich zur ursprünglichen und reflektierten Geschichte, den Aspekt der Entwicklung hervorhebt, welche einen Fortschritt in der Geschichte verkörpert. Dabei ist die Vernunft als Voraussetzung für jeglichen Wandel und die Idee der Freiheit als absoluter Endzweck zu erfassen – zwei durchaus universalistische Elemente!

Auch spielen das Substanzielle und das Akzidentielle eine bedeutende Rolle in Hegels idealistischer entwicklungstheoretischer Konzeption (Weltgeist), wobei in der Arbeit näher ausgeführt werden soll, weshalb ersteres Element als universalistisches und letzteres als partikularistisches aufgefasst werden kann und somit im Wechselspiel einen wesentlichen Beitrag zu Hegels Dialektik leisten und dementsprechend zum Fortschritt in der Weltgeschichte.

Anschließend soll exemplifizierend auf den Übergang des Germanischen Reiches des Mittelalters hin zur Aufklärung Bezug genommen werden, wo den Grundzügen des Universalismus erstmals besondere Entfaltung zukam und damit evolutionär ein essentieller Abschnitt der Geschichte mit Einleitung einer neuen Epoche sein Ende fand.

Abschließend sollen zusammenfassend die Kernelemente der Arbeit wiedergegeben werden und reflektierend auf Hegels Metaphysik hinsichtlich des Universalismusgedankens und der treibenden Kraft des Ideellen eingegangen werden.

Zum Universalismus & der Kraft des Geistes

Was also zunächst schon aus der Einleitung zu vernehmen ist, ist jener Gedanke, dass Hegels Geschichtsauffassung ein langzeitliches Phänomen ist, indem er die gesamte Weltgeschichte in Angriff nimmt. Wichtig ist hier zu erwähnen, dass es bei ihm drei Arten gibt die Geschichte zu betrachten: die ursprüngliche, so wie sie von Herodot oder Thukydides erzählt wurde, welche "[…] die Taten, Begebenheiten und Zustände beschrieben, die sie vor sich gehabt, deren Geist sie selbst zugehört haben, und das, was äußerlich vorhanden war, in das Reich der geistigen Vorstellung übertrugen."[2], die reflektierende, wobei die Aufarbeitung des geschichtlichen Materials das Wesentliche ist, "[…] an den der Arbeiter mit seinem Geiste kommt, der verschieden ist von dem Geistes des Inhalts."[3], und die philosophisch, bei der die Vernunft die Welt beherrscht und die Frage nach dem Sinn zentraler Aspekt ist.

Wesentlich ist diese Unterscheidung für die Arbeit deshalb, da nur die letztere von einem unendlichen Inhalt ausgeht und von einem Drang vernünftiger Einsicht geprägt ist; und eben nur durch diese Unendlichkeit im ideellen Sinn kann Bezug auf das philosophische Element des Universalismus genommen werden. Dieser findet seinen Ausdruck bereits auf den allerersten Seiten in Hegels Einleitung mit dem Vermerk, dass die Vernunft "das ganz frei sich selbst bestimmende Denken" verkörpert. Nun gut, er spricht hier allerdings auch von der religiösen Wahrheit und der Vorsehung, als göttlichen Plans, der die Welt regiert und als Grundlage zur Entwicklung des denkenden Geistes – und demnach der Vernunft -, aber wie schon zuvor erwähnt, soll von aller Theologie abstrahiert werden und einzig und allein nur der reinen Philosophie Rechnung getragen werden.[4]

Auf Basis dieses Vernunftsverständnisses, wird bei Hegel die Welt in physischer und psychischer Natur begriffen, welche zwei wesentliche Komponente folglich auch für die Weltgeschichte an sich darstellen. Ich möchte an dieser Stelle behaupten, dass, - von der Theologie als marginales Phänomen ausgehend -, alles physische hier dem Partikularen gleichkommt und die psychische Natur als universalistisch angesehen werden muss, denn "[…] der Geist und der Verlauf seiner Entwicklung ist das Substantielle."[5] So kann also auch die Dichotomie des Substantiellen (= Wesen) und Akzidentiellen (= Charakteristika) nach dem Schemata Universalismus/Partikularismus eingeteilt werden, das Substantielle dem Universalismus gleichkommend und das Akzidentielle dem Partikularismus, wobei hier wiederum ersteres allem Ideellen, Geistigen verschrieben werden muss und letzteres allem Physischen.

Um diese Abstraktion anschaulicher zu machen muss hier zum Verständnis des Psychischen, Substantiellen, Geistigen/Ideellen, Allgemeinen, Universalistischen auf die Bestimmung der Natur des Geistes, und zur Klärung des Physischen, Akzidentiellen, Partikularen auf die Mittel des Geistes zur Realisierung seiner selbst, welche mit dem Endzweck der Welt zusammenhängt, näher eingegangen werden.

Zur Bestimmung des ersteren ist hier hervorzuheben, dass die Substanz beziehungsweise das Wesen des Geistes die Freiheit ist. Hegel bezeichnet diese als das "einzige Wahrhafte des Geistes"[6], der nur durch sie in sich selbst und bei sich selbst ist und sich somit auf kein anderes bezieht – er ist also frei von jeglichen Abhängigkeiten. Die Weltgeschichte ist somit für Hegel die Darstellung des Geistes; des Weltgeistes und daher "[…] der Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit – ein Fortschritt, den wir in seiner Notwendigkeit zu erkennen haben."[7] Die Freiheit ist hier also Zweck an sich und der einzige Zweck des Geistes, was uns sogleich zum Endzweck der Welt führt – nämlich "das Bewusstsein des Geistes von seiner Freiheit". Es ist also zu vernehmen, dass in dieser "reinen" Metaphysik der Endzweck nicht notwendigerweise mit der Realisierung des Johannesevangeliums im Protestantismus, wie von Hegel im Verlauf seines Werkes konstatiert, zusammenfallen muss. Denn ganz gegenteilig kommt hier doch sehr stark der universalistische Charakter zum Vorschein!

Anschließend stellt sich nun also die Frage nach den Mitteln zur Realisierung des Weltgeistes. Diese sind das Unmittelbare, also "[…] die Handlungen der Menschen von ihren Bedürfnissen, ihren Leidenschaften, ihren Interessen, ihren Charakteren und Talenten […]" ausgehend "[…] und zwar so, dass es in diesem Schauspiel der Tätigkeit nur die Bedürfnisse, Leidenschaften, Interessen sind, welche als die Triebfedern erscheinen und als das Hauptwirksame vorkommen".[8] Grundlegend ist hierbei das Prinzip des Willens, ohne das es nicht zur Verwirklichung des ersteren, allgemeinen Moments kommen kann. Denn der partikulare Inhalt wird mit dem Willen gleichgesetzt, sodass er untrennbar von ihm ist, und daher das Privatinteresse seinen Teil zur Realisierung des Weltgeistes beiträgt. Die Idee und die Leidenschaft sind hier zentrale Elemente, deren Mitte und Vereinigung beider, der sittlichen Freiheit im Staat gleichkommt.[9]

Wichtig ist hier des Weiteren anzumerken, dass Hegel in diesem Zusammenhang auch Bezug auf das Notwendige und das Zufällige nimmt. Wiederum möchte ich behaupten, dass das Notwendige dem Aspekt des Universalismus verschrieben werden kann und das Zufällige dem Partikularismus, wobei sich hier die Notwendigkeit auf den Gang des Geistes und die Zufälligkeit auf die Form der Mittel zur dessen Verwirklichung bezieht. Es muss allerdings gesagt werden, dass diese Zuschreibung nicht immer klare Grenzen aufweist, aber trotzdem nicht als unzulänglich bezeichnet werden kann. Folgendes Beispiel soll zur Verdeutlichung dienen:

Hegel geht davon aus, dass jeder Mensch zufällig ist, mit der Ausnahme, dass manche substantiell sind. Er proklamiert: "Dies sind die großen Menschen in der Geschichte, deren eigne partikulare Zwecke das Substantielle enthalten, welches Wille des Weltgeistes ist"[10] und verweist dabei unter anderem auf Cäsar, Alexander von Makedonien und Napoleon, denen er die Bezeichnung "Seelenführer" zukommen lässt. Denn "Ihre Sache war es, dies Allgemeine, die notwendige, nächste Stufe ihrer Welt zu wissen, diese sich zum Zweck zu machen und ihre Energie in dieselbe zu legen".[11] Es wird anhand dieser Zeilen ersichtlich, dass die Menschen in die Kategorie der Mittel, der Partikularität, fallen, jedoch bei einigen wenigen das Privatinteresse mit dem Zweck des Substantiellen zusammenfällt, sodass diese durch ihren Tatendrang die Weltgeschichte zum Fortschreiten bewegen vermögen. Dies bedeutet allerdings nicht das Ende der Universalismus/Partikularismus Debatte, sondern lediglich ein "overlap", das komplementären und keineswegs oppositionellen Charakter aufweist.

So kann allgemein also behauptet werden, dass die Vereinigung der Verwirklichung der universellen Idee zur unmittelbaren Wirklichkeit und das Erheben der Partikularitäten in die allgemeine Wahrheit erst den Fortschritt ermöglicht.[12] Der Universalismus und der Partikularismus bedingen sich also gegenseitig und nur durch dieses Wechselspiel erfährt die Dialektik bei Hegel spezielle Auszeichnung hinsichtlich des entwicklungstheoretischen Gedankens, der uns heutzutage so präsent ist, wie noch nie zuvor.

[...]


[1] Hegel, G. W .F., "Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte", Philipp Reclam Jun. Stuttgart, 1961, S. 48

[2] Hegel, G. W .F., "Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte", Philipp Reclam Jun. Stuttgart, 1961, S. 39

[3] Ebd., S 42

[4] Ebd., S 53-56

[5] Ebd., S 57

[6] Hegel, G. W .F., "Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte", Philipp Reclam Jun. Stuttgart, 1961, S. 58

[7] Ebd., S. 61

[8] Ebd., S. 62

[9] Ebd., S. 63-68

[10] Hegel, G. W .F., "Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte", Philipp Reclam Jun. Stuttgart, 1961, S. 75

[11] Ebd., S. 75

[12] Ebd., S. 73

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Zum Universalismus in G. W. F. Hegels Metaphysik
Untertitel
Die Kraft des Geistes aus entwicklungstheoretischer Perspektive
Hochschule
Universität Wien  (Politikwissenschaft)
Note
1
Autor
Jahr
2010
Seiten
12
Katalognummer
V350611
ISBN (eBook)
9783668371255
ISBN (Buch)
9783668371262
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
universalismus, hegels, metaphysik, kraft, geistes, perspektive
Arbeit zitieren
Anna Scheithauer (Autor), 2010, Zum Universalismus in G. W. F. Hegels Metaphysik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350611

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