Das Phänomen des Turn-Taking. Theoretische Aufarbeitung und empirischer Diskurs


Hausarbeit, 2011

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Theoretischer Teil
2.1 Gespräch, Gesprächsanalyse und turn-taking – ein Versuch der Begriffsbestimmung
2.2 Formen des Sprecherwechsels
2.2.1 Fremdwahl in Gesprächen
2.2.2 Selbstwahl in Gesprächen
2.3 Sprecherrolle und Sprecheraktivität
2.4 Hörerrolle und Höreraktivitäten

3 Empirischer Teil
3.1 Beschreibung und Einordnung des zu untersuchendes Gesprächs
3.2 Untersuchungsmethode
3.2.1 Die zu untersuchenden Modalitäten
3.2.2 Bearbeitung des Datenmaterials

4 Zusammenfassung

Quellenangaben

Transkript

Transkriptionszeichen

1 Einleitung

In der vorliegenden Arbeit soll es um das Phänomen des ,turn taking’[1] gehen. Der Text wird sich in zwei Teile gliedern.

Im ersten, theoretischen, Teil werde ich anfangs den Versuch einer Begriffsbestimmung vornehmen. Hierbei sollen die Termini Gespräch, Gesprächsanalyse sowie turn taking näher beschrieben und zueinander in Verbindung gesetzt werden. Dies soll dazu dienen, ein begriffliches Fundament für die Arbeit schaffen. Anschließend sollen die Formen des Sprecherwechsels näher erläutert werden. Ich werden mich dabei auf Brinker und Sager stützen und die von ihnen genannten Formen glatter Wechsel, Wechsel nach einer Pause und Wechsel nach einer Unterbrechung näher erläutern. Die Art, wie ein Sprecherwechsel erfolgen kann, soll im darauffolgenden Abschnitt geklärt werden. Dies wird durch die Einführung der Begriffe Fremdwahl und Selbstwahl geschehen, welche theoretisch beschrieben und durch Umsetzungsmöglichkeiten im Gespräch veranschaulicht werden. Nach einem kurzen Exkurs zum Thema Sprecher- und Hörerrolle sowie Sprecher- und Höreraktivität, wird sich der zweite, der empirische Teil, angliedern. Ziel wird es sein das zuvor theoretisch Erarbeitete anhand von Sprachdaten zu veranschaulichen. Als Quelle der zu untersuchenden Daten wurde ein Gesprächsausschnitt aus der Sendung ,Beckmann’ gewählt. Der Analyse soll die Beschreibung und Einordnung des Datenmaterials vorangehen. Des weiteren findet die Untersuchungsmethodik im Vorfeld ihren Platz. Im sich anschließenden Analyseteil sollen am Datenmaterial die Formen und Arten des Sprecherwechsels identifiziert werden. Dies wird durch die Analyse verschiedener Parameter erfolgen, welche im Rahmen der von Schmitt entwickelte multimodale Perspektive auf die Gesprächsanalyse ausgewählt werden.

2 Theoretischer Teil

2.1 Gespräch, Gesprächsanalyse und turn-taking – ein Versuch der Begriffsbestimmung

Bevor wir uns den Spezifika des ,turn taking’ widmen, soll geklärt werden, was unter einem Gespräch verstanden wird, was sich genau unter Gesprächsanalyse verbirgt und wo das Phänomen des ,turn taking’ in die Gesprächsanalyse einzuordnen ist.

Brinker und Sager grenzen den Begriff ‚Gespräch’ von dem des ,Dialoges’ und der ,Konversation’ ab, da letztere beiden eine eingeschränkte Bedeutung zu haben scheinen. Der Begriff ,Dialog’ scheint sich vor allem auf ernsthafte Gespräche mit bedeutungsvollem thematischen Inhalt zu beziehen, während ,Konversation’ hingegen eher die unverbindliche, konventionelle und oberflächliche Unterhaltung meint. Der Gesprächsbegriff hingegen erscheint in seiner Bedeutung neutraler und eignet sich daher laut Brinker/ Sager besonders um den Gegenstandsbereich der Gesprächsanalyse zu bezeichnen. Folglich geben die Autoren dem Begriff der ,Gesprächsanalyse’ auch den Vortritt vor den Termini ,Konversations-’ oder ,Dialoganalyse’. (vgl. Brinker/ Sager 2001: 9f.)

Welches sind nun die Kriterien, welche ein Gespräch, z.B. in Abgrenzung zu einem literarischen Text, kennzeichnen? Brinker und Sager schlagen vier Kriterien vor, welche den Gesprächsbegriff charakterisieren. Diese sind: mindestens zwei Interaktanten, Sprecherwechsel, mündliche Realisierung und Ausrichtung auf ein bestimmtes Thema. (vgl. Brinker/ Sager 2001: 9) Deppermann geht noch einen Schritt weiter und benennt über die Formalia von Brinker/ Sager hinaus folgende fünf Eigenschaften, welche ganz allgemein für Gespräche als geltend bezeichnet werden können. Konstitutivität meint, dass die Gesprächsereignisse von den Gesprächsteilnehmern aktiv hergestellt werden, Prozessualität beinhaltet den Fakt, dass Gespräche zeitliche Gebilde sind, welche durch eine Abfolge von Aktivitäten entstehen. Unter Interaktivität versteht Deppermann, dass Gespräche aus wechselseitig aufeinander bezogenen Beiträgen der Gesprächsteilnehmer bestehen. Methodizität meint, dass die Gesprächsteilnehmer bei der Konstruktion und Interpretation von Beiträgen, sowie beim Austausch jener Beiträge, typische für den anderen erkennbare und verstehbare Methoden verwenden. Zum Schluss nennt Deppermann noch die Pragmatizität unter welcher er das Verfolgen gemeinsamer und individueller Zwecke der Teilnehmer im Gespräch sowie die Bearbeitung von Problemen und Aufgaben welche z.B. bei der Organisation des Gesprächs entstehen, versteht. (vgl.Deppermann 1999:8).

Ich bin der Meinung, dass eine Kombination der beiden Definitionsversuche des Begriffes Gespräch als fruchtbares Fundament für diese Arbeit dienen kann.

Was kann oder soll nun eine Gesprächsanalyse leisten? Ziel der Gesprächsanalyse ist es laut Deppermann zu erforschen, wie Menschen Gespräche führen. Untersucht werden sollen die Prinzipien und kommunikativen Ressourcen, mit denen Menschen ihren Austausch gestalten und somit die Wirklichkeit, in der sie leben, herstellen. In Anlehnung an Kallmeyer[2] unterscheidet Deppermann sechs Untersuchungsschwerpunkte der Gesprächsanalyse. Dies ist zum einen die Gesprächsorganisation. Hier soll die formale Abwicklung des Gespräches untersucht werden, wie z.B. die Zuweisung von Rederecht oder die Eröffnung bzw. Beendigung des Gesprächs. Unter dem Schwerpunkt Darstellung von Sachverhalten werden Gesprächsthemen- und inhalte in Form von Beschreibungen, Erzählungen und Argumentationen untersucht. Mit den Zielen und Zwecken des Gesprächs beschäftigt man sich unter dem Schwerpunkt Handeln. Einen weiteren Schwerpunkt stellen die sozialen Beziehung zwischen den Gesprächsteilnehmern dar. Hierbei geht es z.B. um Macht, Sympathie und Vertrautheit sowie um die Identitäten der teilnehmenden Parteien. Unter dem Schwerpunkt Modalität wird sich mit dem Realitätsbezug (z.B. Spaß, Ernst, Spiel) sowie der emotionalen und stilistischen Beteiligung der Gesprächspartner (wie z.B. Ärgern, Zurückhaltung, Betroffenheit) beschäftigt. Als letzten Punkt nennt Deppermann die Herstellung von Reziprozität, unter welcher eine Beschäftigung mit der Kooperation und Verständigung zwischen den Teilnehmern des Gespräches erfolgt. (vgl. Deppermann 1999: 9)

Der Forschungsgegenstand dieser Arbeit, der Sprecherwechsel, kann mit Blick auf die Systematik der Untersuchungsschwerpunkte der Gesprächsanalyse Deppermanns folglich der Gesprächsorganisation zugeordnet werden.

Was genau ist nun unter „turn taking“ zu verstehen und welchen Stellenwert hat dieses Phänomen innerhalb der Gesprächsorganisation?

Gülich und Mondada formulieren in Anlehnung an Sacks, Schegloff und Jefferson[3] den Gedanken, dass die grundlegende Organisation unterschiedlichster sozialer Aktivitäten in der Abwechslung der Teilnehmer bezüglich der Reihenfolge besteht. Dieses Prinzip ist auch auf Gespräche zu übertragen, was konkret bedeutet, dass sich die Gesprächsteilnehmer, in der Regel ohne lange Schweigephasen und Simultansequenzen, in ihren Redebeiträgen abwechseln. Diese Sprecherwechselsystematik bildet die Grundlage der Gesprächsorganisation, da sie der von den Gesprächsteilnehmern hervorgebrachten Ordnung in der Interaktion zu Grunde liegt und diese gleichzeitig beobachtbar macht. (vgl. Gülich/Mondada 2008: 37)

Somit steht die Frage wie die Gesprächsteilnehmer, ohne die Entstehung eines verbalen Chaos, rundherum zu Wort kommen am Anfang gesprächsanalytischer Arbeit. Als zentraler Untersuchungsgegenstand wird das Gespräch als Organisation genannt und die Frage nach den Mechanismen und Regeln, welche diese Organisationsform konstituieren. Das ,turn-taking’ ist als Organisationsgröße im Gespräch unabdingbar, da durch ihn die Grundeinheit eines jeden Gesprächs, die ,turns’ oder Gesprächsbeiträge organisiert werden.(Linke/Nussbaum/Portmann 2004: 300) Der Sprecherwechsel kann ganz allgemein als „Übergang des Rederechts vom Sprecher an den Hörer“ (Brinker/ Sager 2001: 62) definiert werden.

Im Folgenden Abschnitt soll es darum gehen welche Formen des Sprecherwechsel benannt werden können und wie das ,turn taking’ letztendlich im Gespräch realisiert wird.

2.2 Formen des Sprecherwechsels

Brinker und Sager unterscheiden drei Formen des Sprecherwechsels: Sprecherwechsel ohne Simultansequenz oder Sprechpause werden als „glatte Wechsel“ (Brinker/ Sager 2001: 62) benannt. Bei dieser Form des Sprecherwechsels übergibt der Sprecher das Rederecht an den Hörer welcher seinerseits das Rederecht übernimmt. Der „glatte Wechsel“ kann mittels Fremd- oder Selbstzuweisung (siehe 2.3) erfolgen. (vgl. Brinker/ Sager 2001: 62f.) Henne und Rehbock merken an, dass es sinnvoll wäre, auch die in Anlehnung an Sacks/Schegloff/Jefferson[4] definierten Wechsel ,überlappender’ und ,zäsurierter’ Wechsel unter die ,glatten Wechsel’ zu fassen. Unter ,überlappendem Wechsel’ wird dabei die Unterbrechung des Sprechers zu einem Zeitpunkt verstanden, wo jener nur noch inhaltlich Redundantes, wenn auch grammatikalisch Notwendiges, äußert und der Redebeitrag aus Sicht des Hörers beendet ist. ,Zäsusierter Wechsel’ hingegen bezieht sich auf die Übernahme des Rederechts durch einen Hörer nach einer kurzen Entscheidungs- oder Denkpause, die auf Grund des Inhaltes des vorhergehenden Redebeitrages zu erwarten war.(vgl. Henne/ Rehbock 1995: 193) In der vorliegenden Arbeit werde ich mich auf die Klassifizierung von Brinker/ Sager beschränken. Als zweite Möglichkeit wird der Sprecherwechsel nach einer Pause genannt. In diesem Fall beendet der Sprecher seinen Redebeitrag und der Hörer übernimmt die Sprecherrolle. Dies erfolgt jedoch erst nach einer deutlichen Pause. Denk- und Entscheidungspausen, welche zum Beispiel häufig nach einer Fragestellung auftreten, werden hier nicht als Pausen klassifiziert. Die dritte und letzte genannte Möglichkeit des Sprecherwechsels ist der ,Wechsel nach einer Unterbrechung’. In diesem Fall versucht der Hörer das Rederecht bereits zu einem Zeitpunkt zu übernehmen, zu welchem der Sprecher es noch nicht übergeben will, sondern die Absicht hat weiterzureden. Es erfolgt eine Simultansequenz, da der Unterbrechungsversuch des Hörers vom Sprecher nicht akzeptiert wird. Setzt sich der Hörer durch, kann von einem Sprecherwechsel gesprochen werden. Ist dies nicht der Fall, kann auf Seiten des Hörers von einer Rederechtbeanspruchung die Rede sein, welche zu den Höreraktivitäten (siehe 2.5) gerechnet wird. (vgl. Brinker/ Sager 2001: 62f.)

2.2.1 Fremdwahl in Gesprächen

Der Begriff ,Fremdwahl’, sowie der im nächsten Punkt erläuterte Begriff ,Selbstwahl’, beziehen sich darauf, wie in einem Gespräch ein Sprecherwechsel erfolgen kann.

Erfolgt der Sprecherwechsel durch eine Aufforderung; sprich, weist der gegenwärtige Sprecher das Rederecht an einen Hörer zu, wird der Begriff „Fremdzuweisung“ (Brinker/ Sager 2001: 62) verwendet. Die Möglichkeit der Zuweisung von Rederecht durch Fremdzuweisung wird im Gespräch unterschiedlich realisiert. Sie erfolgt zum Beispiel dadurch, dass der Sprecher eine Frage stellt und diese durch die Nennung eines Names an einen Hörer adressiert oder das Rederecht mittels Kopfnicken in Richtung eines Hörers abgibt. (vgl. Brinker/ Sager 2001: 62)

2.2.2 Selbstwahl in Gesprächen

Geht dem Sprecherwechsel keine Zuweisung des Rederechts voraus, organisiert die Selbstwahl den Sprecherwechsel, Brinker/ Sager sprechen dann von „Selbstzuweisung“ (Brinker/ Sager 2001: 62) des Rederechts. Bei der Selbstzuweisung sind nach Brinker und Sager zwei verschiedene Grundformen zu finden: Zum einen kann die Selbstwahl mit Unterbrechung des Sprechers erfolgen. Dies wird dadurch sichtbar, dass es in der Regel zunächst zu einer Simultansequenz zwischen dem Sprecher und demjenigen Hörer kommt, der das Rederecht einfordert, bis sich der Hörer als neuer Sprecher durchgesetzt hat. Als zweite Grundform der Selbstzuweisung von Rederecht wird die Selbstwahl ohne Unterbrechung genannt, bei welcher der Hörer nach Beendigung eines Sprechbeitrages das Rederecht ohne Zuweisung durch den gegenwärtigen Sprecher übernimmt. (vgl. Brinker/ Sager 2001: 62)

2.3 Sprecherrolle und Sprecheraktivität

Ist ein Gesprächsteilnehmer durch Selbst- oder Fremdwahl zu Wort gekommen, hat er das Recht erhalten, die Sprecherrolle für einen gewissen Zeitraum zu beanspruchen. Wie lange dieses Rederecht andauert, hängt von verschiedenen Faktoren, wie z.B. der Beziehungen der Gesprächsteilnehmer oder dem Ort und dem Öffentlichkeitscharakter des Gesprächs ab. Der Inhaber des Rederechts jedoch ist sich der Tatsache bewusst, dass er das Wort irgendwann wieder abgeben muss. Die Frage ist nun, wie der Sprecher dies organisiert. Wie signalisiert er während des Gesprächs, dass er das Rederecht weiter beansprucht oder es abgeben möchte? Dies erfolgt meist durch bestimmte Signale. So kann der Sprecher Denk- oder Formulierungspausen mit Verzögerungssignalen wie äh, äm oder hmm füllen um zu signalisieren, dass er noch weitersprechen möchte. Des weiteren ist auch eine erhöht bleibende Intonationskurve oder der deutliche Anstieg jener ein Zeichen dafür, dass der Gesprächsbeitrag noch nicht beendet ist. Wird der Sprecher zu einem Zeitpunkt unterbrochen, zu welchem er noch nicht beabsichtigt das Rederecht abzugeben, kann er sich verbal und nonverbal zu Wehr setzten. Er kann z.B. deutlich lauter sprechen, um den Unterbrecher zu übertönen oder den unterbrochenen Redeteil solange wiederholen, bis der Unterbrecher seinerseits wieder schweigt. Auch eine nonverbale Zurückdrängung des Unterbrechers durch Vorbeugen des Körpers und starkes gestikulieren ist möglich. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, die Unterbrechung zu thematisieren und sich verbal dagegen zu wehren. Beabsichtigt der Sprecher das Rederecht abzugeben, wird er dies durch eine leiser werdende Stimme oder einen langsameren Redefluss signalisieren. Auch ein zum Sprecherwechsel animierendes ...oder?, ...nicht wahr? oder wie findest du das denn? signalisieren können, dass der Sprecher zum Schluss kommen will und beabsichtigt das Wort abzugeben.

Zu erwähnen ist auch, dass selbst, wenn das Rederecht nicht durch einen Hörer angetastet wird, der Sprecher nicht darauf verzichten wird, sich seiner Rederolle beständig zu versichern. Dies kann z.B. durch Blickkontakt mit den Hörern erfolgen oder dadurch, dass der Sprecher Floskeln verwendet, welche ihm die Aufmerksamkeit der Hörer sichern oder diese zur Zustimmung animieren soll. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Verwendung rhetorischer Fragen, welche nicht als Aufforderung zur Übernahme des ,turn’ gedacht sind, sondern die Funktion haben, den Kontakt zum Hörer zu verstärken. (vgl. Linke/ Nussbaumer/ Portmann 2004: 303f.)

2.4 Hörerrolle und Höreraktivitäten

Nicht nur die Sprecher- sondern auch die Hörerrolle erfordert spezifischen Gesprächsaktivitäten. Hierbei ist nicht das aktive Hörverstehen gemeint, sondern vielmehr gesprächs- und sprecherorientierte Handlungen[5], welche in ihrer Funktion und Bedeutung erst mit Bezug auf die Sprecherrolle erschließbar sind. Diese vom Hörer ausgeführten Handlungen lassen sich in ihrer Notwendigkeit bezüglich der Kommunikation damit erklären, dass ein reines Zuhören von Hörerseite aus zu Verunsicherung beim Sprecher und unter Umständen zu einem Abbruch der Kommunikation führen kann. Was kann nun genau unter diesen Höreraktivitäten, welche normalerweise parallel zum ,turn’ und ohne ihn zu stören erfolgen, verstanden werden? Linke, Nussbaumer und Portmann schlagen zwei Haupttypen von Höreraktivitäten vor, welche sich in ihrer Funktion unterscheiden. Zum einen nennen sie aufmersamkeitsbezeugende Signale, welche die Sprecherrolle bestätigen und dem Sprecher signalisieren, dass der Hörer noch aktiv, wach und aufmerksam ist. Zum anderen nennen sie kommentierende Signale, durch welche der Hörer seine Einstellung zum Redebeitrag des Sprechers kund tut. Durch diese Hörersignale kann z.B. Zustimmung, Spannung oder Zweifel ausgedrückt werden. Für beide Typen von Höreraktivitäten stehen bezüglich ihrer Realisierung sowohl verbale als auch nonverbale Mittel zur Verfügung. Blickkontakt, Körperzuwendung, Mimik, Gestik und Kopfbewegungen werden ebenso eingesetzt wie Lachen/Lächeln, die Äußerung von Rückmeldesignalen wie mhm oder ja oder kommentierende Bemerkungen wie ach ja, wirklich? oder genau.

Somit hat der Hörer durchaus einen aktiven Part im Gespräch inne, er kann durch gesprächs- und sprecherorientierte Handlungen Einfluss auf den Gesprächsverlauf nehmen, ohne selbst das Rederecht einzufordern. (vgl. Linke/ Nussbaumer/ Portmann 2004: 304f.)

[...]


[1] Im folgenden Text werden die Termini „turn taking“ und „Sprecherwechsel“ synonym verwendet

[2] Kallmeyer, W.(1985); Handlungskonstitution im Gespräch; In: Gülich, E./ Kotschi, E. (Hrsg.); Grammatik, Konversation, Interaktion; Tübingen

[3] Sacks,H./ Schegloff, E./ Jefferson,G.(1974); A simplest systematics for the organisation of turn-taking for conversation; Language 50; S. 696-735

[4] Sacks,H./ Schegloff, E./ Jefferson,G.(1974); A simplest systematics for the organisation of turn-taking for conversation; Language 50; S. 696-735

[5] In der Literatur meist unter den Bezeichnungen „bach-channel-behavior“ oder „Rückmeldeverhalten“ zusammengefasst

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Details

Titel
Das Phänomen des Turn-Taking. Theoretische Aufarbeitung und empirischer Diskurs
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
21
Katalognummer
V350633
ISBN (eBook)
9783668371958
ISBN (Buch)
9783668371965
Dateigröße
703 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
phänomen, turn-taking, theoretische, aufarbeitung, diskurs
Arbeit zitieren
Sarah Heine (Autor), 2011, Das Phänomen des Turn-Taking. Theoretische Aufarbeitung und empirischer Diskurs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350633

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