Der Essay beleuchtet die Frage, was gegen und für einen ethischen Relativismus spricht.
Um herauszuarbeiten, welche Argumente und Punkte für respektive gegen den moralischen Relativismus sprechen, möchte ich zunächst den Begriff “Relativismus” und seine unterschiedlichen Verwendungsweisen klären.
Inhaltsverzeichnis
1. Begriffsdefinitionen
1.1 Deskriptiver moralischer Relativismus
1.2 Normativer moralischer Relativismus
1.3 Metaethischer moralischer Relativismus
2. Analyse von Pro- und Contra-Argumenten
2.1 Argumente für den moralischen Relativismus
2.2 Kritische Auseinandersetzung und Gegenargumente
2.2.1 Das Problem widersprüchlicher moralischer Aussagen
2.2.2 Das Argumentum ad Nazium
3. Zusammenfassung und Reflexion
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Berechtigung und die logischen Konsequenzen des moralischen Relativismus. Das primäre Ziel ist es, die metaethische Form des moralischen Relativismus auf ihre Stimmigkeit zu prüfen, indem die intuitive Akzeptanz gegenüber der problematischen Konsequenz abgewogen wird, dass moralische Urteile kontextabhängig und somit letztlich subjektiv sind.
- Differenzierung zwischen deskriptiven, normativen und metaethischen Relativismus
- Analyse der Toleranz-Argumentation für den Relativismus
- Kritische Untersuchung von Widerspruchsfreiheit in moralischen Konversationen
- Diskussion des Argumentum ad Nazium und der Frage objektiver Werte
Auszug aus dem Buch
Das Problem widersprüchlicher moralischer Aussagen
Nehmen wir eine Unterhaltung, die sich so begibt:6
Klaus: “Es ist unter keinen Umständen richtig, einen Menschen zu töten.”
Franz: “Es ist unter bestimmten Umständen durchaus richtig, einen Menschen zu töten.”
Wenn wir diese Konversation hören/lesen, scheint es offensichtlich, dass sich beide Aussagen widersprechen. Und würde ein Kommentar wie
Maria: “Da habt ihr ja beide völlig recht, aber warum regt ihr euch so auf?”
folgen, würden wir dieses als “klarerweise unsinnig”7 empfinden. Trotzdem würde ein Relativist an dieser Stelle sagen, dass sich beide Aussagen (die von Klaus und Franz) nicht widersprechen, da beide -metaethisch analysiert- von den Begebenheiten in ihrer Kultur erzählen und aus dieser heraus urteilen. Man könne nach dieser Auslegung der Aussagen und der Verschiebung auf zwei sich nicht berührende Ebenen, nicht über moralische Urteile streiten. Dies scheint uns, sei es weil es in diesem Beispiel eine sehr grundlegende ethische Frage ist, nicht stimmig. Es “zeigt an, dass wir moralische Urteile nicht für in relevanter Hinsicht kontextabhängig halten.” 8 Der Relativist vertritt hier eine contraintuitive Position.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Begriffsdefinitionen: In diesem Kapitel werden die unterschiedlichen Spielarten des Relativismus – deskriptiv, normativ und metaethisch – klar voneinander abgegrenzt und definiert.
2. Analyse von Pro- und Contra-Argumenten: Hier wird die metaethische Position des Relativismus auf ihre Plausibilität hin untersucht, wobei sowohl die populären Argumente für Toleranz als auch schwerwiegende Gegenargumente beleuchtet werden.
3. Zusammenfassung und Reflexion: Dieses Kapitel zieht ein vorläufiges Fazit, das die intuitiven Schwierigkeiten des Relativismus betont und die Notwendigkeit für objektive Werte unterstreicht.
Schlüsselwörter
Moralischer Relativismus, Metaethik, Deskriptiver Relativismus, Normativer Relativismus, Ethische Objektivität, Moralische Werte, Kontextabhängigkeit, Toleranz, Naturalistischer Fehlschluss, Argumentum ad Nazium, Ethische Urteile, Konversation, Intuition, Kulturrelativismus, Menschenrechte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem moralischen Relativismus und hinterfragt, ob eine rein kontextbezogene Sichtweise auf moralische Urteile philosophisch und intuitiv tragfähig ist.
Welche drei Spielarten des moralischen Relativismus werden unterschieden?
Es wird zwischen dem deskriptiven (beschreibenden), dem normativen (vorschreibenden) und dem metaethischen (die Ethik hinterfragenden) moralischen Relativismus differenziert.
Was ist das zentrale Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Berechtigung des metaethischen moralischen Relativismus zu prüfen und aufzuzeigen, wo dessen Argumente an unsere moralische Intuition stoßen.
Warum wird der Relativismus oft als "Rückfallposition" bezeichnet?
Weil er durch die Akzeptanz unterschiedlicher Standpunkte als ein toleranter und vermeintlich sicherer Ausweg aus Konflikten in moralischen Fragen wahrgenommen wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es werden logische Analysen von moralischen Aussagen durchgeführt und ethische Argumentationsmuster, wie das Argumentum ad Nazium, kritisch geprüft.
Was zeigt das Beispiel der Unterhaltung zwischen Klaus und Franz?
Das Beispiel verdeutlicht, dass die relativistische Deutung, die moralische Aussagen auf verschiedene Kontexte verschiebt, zu intuitiv unsinnigen Ergebnissen führt, da sie den eigentlichen moralischen Streit unmöglich macht.
Inwiefern stellt der Nationalsozialismus eine Herausforderung für den Relativismus dar?
Das "Argumentum ad Nazium" verdeutlicht, dass der Relativismus zu der absurden Schlussfolgerung führen würde, dass nationalsozialistische Werte richtig wären, sofern sie in ihrem Kontext akzeptiert wurden, was unser moralisches Empfinden zutiefst ablehnt.
Was ist das Ergebnis der Reflexion über objektive Werte?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass wir bestimmte Werte nicht als rein kontextabhängig betrachten können und dass intuitiv die Existenz objektiver moralischer Werte nahegelegt wird.
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- Lisa Atzler (Autor), 2010, Was spricht für und gegen einen ethischen Relativismus?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350721