Tarski und Davidson. Verbindungspunkte zwischen der Wahrheits- und Bedeutungstheorie


Essay, 2011

7 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhalt

Tarskis Wahrheitstheorie

Davidsons Bedeutungstheorie

Literatur

Im Folgenden möchte ich mich in Ansätzen mit der Wahrheitstheorie Alfred Tarskis und der Bedeutungstheorie Donald Davidsons beschäftigen. Es wird mir nicht gelingen, beide Theorien erschöpfend nachzuzeichnen, jedoch werde ich für mich entscheidende Aspekte herausgreifen, um die Verbindung beider aufzuzeigen.

Tarskis Wahrheitstheorie

Zu erwähnen ist Tarskis Beitrag, der eigentlich der formalisierten Sprache zuzuordnen ist, weil Davidson seine Theorie des Wahrheitsbegriffs aufgenommen und für sich nutzbar gemacht hat. Die hierfür notwendigen Änderungen werde ich im nächsten Teil ausführen und zunächst die Theorie Tarskis in Ansätzen wiedergeben.

Tarski versuchte in seinem gleichnamigen Aufsatz die Verwendung des Wahrheitsbegriff in der formalisierten Sprache zu analysieren. Es geht ihm darum, eine „materially adequat and formally correct definition of the term 'true sentence' “ (https://www3.nd.edu/~jspeaks/courses/mcgill/415/Tarski.pdf) zu geben und so der Bedeutung von ,Wahrheitʻ näher zu kommen, ohne den Anspruch zu erheben, die Frage erschöpfend zu klären, was Wahrheit sei.

Die Anwendung einer Wahrheitstheorie auf natürliche Sprachen verwirft Tarski u.a. aufgrund der in ihr entstehenden Antinomie des Lügners. Dieser möchte er durch eine Sprachanalyse auf zwei Ebenen entgegenwirken, die eine Unterscheidung zwischen Objekt- und Metasprache erfordert.

Die Definition eines Wahrheitsprädikats (für eine Sprache L in einer Metasprache ML) ist Tarskis 'Konvention W' zufolge sachlich adäquat, wenn aus ihr alle Sätze der Form 'X ist wahr gdw. p' folgen, wobei 'X' durch den Namen eines Satzes von L und 'p' durch die Übersetzung dieses Satzes in ML zu ersetzen ist.[1]

Angewandt auf Deutsch als Metasprache und Englisch als Objektsprache sieht ein sog. 'W-Satz' wie folgt aus: „'Grass is green' ist wahr gdw. Gras grün ist“. Dieser ist allerdings lediglich als Veranschaulichung zu verstehen, denn die Anwendung von Tarskis Theorie funktioniert nur „für bestimmte formale Sprachen (endlicher Ordnung)“[2] und nicht für die natürliche Sprache Englisch bzw. Deutsch.

Die Theorie Tarskis ist natürlich weitaus komplizierter und ausgereifter als dargestellt. Eine vollständige Darstellung kann hier jedoch nicht geleistet werden. Wichtig für die weiteren Ausführung ist jedoch noch zu sagen, dass es Tarski gelungen ist zu beweisen, dass sich für formale Sprachen bestimmter Form „ein Wahrheitsprädikat definieren lässt, dass [sic!] der 'Konvention-W' genügt“[3]. Und eben diese Leistung macht sich Davidson zunutze, jedoch mit einem anderen Ziel als Tarski.

Davidsons Bedeutungstheorie

Davidson bezieht sich in seinem Aufsatz Truth and Meaning[4] u.a. auf Tarski und greift seine Wahrheitstheorie auf, die er jedoch grundlegend anders verwendet. Ging es Tarski in seinen Unternehmungen um eine Analyse der Verwendung des Wahrheitsbegriffes, so versucht Davidson die Bedeutung von Sätzen der natürlichen Sprache zu analysieren und muss hierfür annehmen, dass der Wahrheitsbegriff hinreichend bekannt und somit verwendbar ist[5]. Somit unterscheidet sich sein Vorgehen in zwei wichtigen Punkten von dem Tarskis, denn dieser hielt die Möglichkeit einer Formalisierung einer natürlichen Sprache zumindest für „questionable“[6].

[...]


[1] Markus Willaschek, Wahrheit, in: Peter Prechtl, Franz-Peter Burkard (Hg.): Metzler Lexikon Philosophie. Stuttgart 20083, S. 667.

[2] Ebd.

[3] Ebd.

[4] Donald Davidson, Truth and Meaning, in: Synthese, 17, 1967, S. 304-323.

[5] Diese Annahme scheint Tarskis nicht grundlegend zu widersprechen, denn auch er räumt ein: „[T]he term 'true sentence' in colloquial language seems to be quite clear and intelligible“. Alfred Tarski, The Concept of Truth in Formalized Languages, in: Ders., Logic, Semantics, Metamathematics. Oxford University Press, London 1956, S. 152. Und später: „Every reader possesses in greater or less degree an intuitive knowledge of the concept of truth“. Ebd., S. 153.
Man muss jedoch klar sagen, dass Tarski dieses intuitive Wissen nicht genügt und er versucht, es durch seine Analyse zu präzisieren. Davidson steht einer Definition des Wahrheitsbegriffs grundsätzlich kritisch gegenüber: „Es gibt keine Chance, diesen Begriff durch etwas zu untermauern, was durchsichtiger oder leichter zu verstehen wäre. Die Wahrheit ist […] ein undefinierbarer Begriff.“ David Davidson, Die Torheit des Versuchs, die Wahrheit zu definieren, in: Mike Sandbothe (Hg.), Wozu Wahrheit? Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005, S. 248.

[6] „[...] the very possibility of a consistent use of the expression 'true sentence' which is in harmony with the laws of logic and the spirit of everyday language seems to be very questionable, and consequently the same doubt attaches to the possibility of constructing a correct definition of this expression.“ Alfred Tarski, The Concept of Truth in Formalized Languages, S. 165.

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Details

Titel
Tarski und Davidson. Verbindungspunkte zwischen der Wahrheits- und Bedeutungstheorie
Note
1,5
Autor
Jahr
2011
Seiten
7
Katalognummer
V350723
ISBN (eBook)
9783668373433
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
tarski, davidson, verbindungspunkte, wahrheits-, bedeutungstheorie
Arbeit zitieren
Lisa Atzler (Autor), 2011, Tarski und Davidson. Verbindungspunkte zwischen der Wahrheits- und Bedeutungstheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350723

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