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Ethische Trainingsprogramme in international tätigen Unternehmen: Gestaltungsoptionen, Erfolgsfaktoren und institutionelle Voraussetzungen

Title: Ethische Trainingsprogramme in international tätigen Unternehmen: Gestaltungsoptionen, Erfolgsfaktoren und institutionelle Voraussetzungen

Diploma Thesis , 2004 , 115 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Achim Höss (Author)

Leadership and Human Resources - Miscellaneous
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Summary Excerpt Details

Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz antwortete auf die Frage, ob die Menschheit eine Chance auf Fortbestand hat, mit der Aussage, dass ihr Überleben letztlich eine Frage ihrer Ethik sei. Doch zeichnete Lorenz gleichsam ein düsteres Bild unserer Überlebenschancen, indem er beschrieb, dass der Mensch zwar außerordentliche Fähigkeiten in den verschiedensten Lebensbereichen entwickelt habe, jedoch ethisch auf der Stufe eines Steinzeitmenschen verblieben sei. Nur wenn es gelingt, diese Kluft zu schließen, so Lorenz weiter, könne die Selbstvernichtung des Menschen noch gestoppt werden. 1 Unmittelbare Beispiele dieser selbstzerstörerischen Tendenz der Menschheit lassen sich insbesondere im Bereich international tätiger Unternehmen 2 relativ leicht identifizieren. So können auf der einen Seite große, vielfach in der Öffentlichkeit diskutierte ethische Vergehen einiger Unternehmen angeführt werden 3 (z.B. Nestlé mit dem Skandal um Muttermilchersatzprodukte in einigen Entwicklungsländern, dem Vorhaben von Shell, die Ölplattform „Brent Spar“ in der Nordsee zu versenken, der Einsatz von Kinderarbeit für die Herstellung von Spielzeugartikeln für McDonald’s, Chicco, Mattel, Hasbro etc.), jedoch andererseits ebenso „kleinere“ Fehltritte genannt werden, die zwar nicht das große öffentliche Interesse wecken konnten bzw. können, doch gleichfalls ethisch höchst zweifelhaft sind (Zahlung von Bestechungsgeldern, Bruch mit lokalen Traditionen, Kulturimperialismus etc.).

Vor dem Hintergrund dieser Ausführungen stellt sich nun dringend die Frage, wie der von Lorenz beschriebene Ethikbedarf nachgeholt werden kann, um unethisches Verhalten, speziell von international tätigen Unternehmen, sowie dessen negative Folgen möglichst zu minimieren bzw. gänzlich zu vermeiden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Ethische Trainingsprogramme als Mittel zur Ethisierung international tätiger Unternehmen

2 Unternehmensethik im Kontext international tätiger Unternehmen

2.1 Moral und Ethik – eine begriffliche Abgrenzung

2.2 Das Verhältnis von Ethik und Ökonomie

2.3 Legitimation von Unternehmensethik bei internationaler Geschäftstätigkeit

2.4 Entscheidungsfindung bei interkulturell ethischen Konflikten

2.4.1 Ethnozentrismus oder der „missionarische Ansatz“

2.4.2 „Good corporate citizenship“ als Ausdruck des Relativismus

2.4.3 Lösung interkulturell ethischer Konflikte durch fallweise Reflexion

3 Vom ethischen Konflikt zum un-/ethischen Verhalten: Darstellung des Prozessablaufes sowie ausgewählter Einflussfaktoren im internationalen Kontext

3.1 Kognitive Barrieren

3.1.1 Script processing

3.1.2 Faktensammlung

3.1.3 Erkennen von Konsequenzen

3.2 Der kognitionspsychologische Ansatz Kohlbergs

3.2.1 Generelle Eigenschaften des Stufenkonzeptes

3.2.2 Maßnahmen zur Steigerung der moralischen Urteilskompetenz

3.2.3 Moralisches Urteil und moralisches Handeln

3.3 Personenbezogene Einflussvariablen

3.3.1 Locus of Control

3.3.2 Feldabhängigkeit

3.3.3 Moralischer Mut

3.4 Institutionelle bzw. situative Einwirkungen auf den Prozessablauf

3.4.1 Ethische Unternehmensleitlinien

3.4.2 Vergütungen und Anreize

3.4.3 Erwartetes Rollenverhalten

3.4.4 Gehorsamkeit gegenüber der Autorität

3.4.5 Gruppenzwang

3.4.6 Alleinige vs. geteilte Verantwortung

4 Inhalte und Ausgestaltungsmöglichkeiten eines effektiven ethischen Trainingsprogramms

4.1 Zweck ethischer Trainingsmaßnahmen im interkulturellen Kontext

4.1.1 Förderung der moralisch-kognitiven Kompetenz – Vorstellung und Bewertung möglicher Gestaltungsoptionen

4.1.2 Persönlichkeitstraining zur Förderung des tatsächlichen individuell-moralischen Verhaltens – Übersicht und Evaluation möglicher Trainingsmaßnahmen

4.2 Darstellung genereller Erfolgsfaktoren ethischer Trainingsprogramme

4.3 Evaluierung der Effektivität ethischer Trainingsprogramme

5 Institutionelle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implementierung ethischer Trainingsprogramme in international tätigen Unternehmen

5.1 Ethische Ausgestaltung der Organisationskultur als Erfolgsvoraussetzung ethischer Trainingsprogramme

5.1.1 Ethische Unternehmensleitlinien

5.1.2 Vergütungs- und Anreizsysteme

5.1.3 Aufgaben- und Stellenbeschreibungen

5.2 Die Rolle der formalen Organisationsstruktur

6 Ausblick auf den verbleibenden Forschungsbedarf im Zusammenhang mit ethischen Trainingsprogrammen in international tätigen Unternehmen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit verfolgt das Ziel, Unternehmensethikern und Personalentwicklern Denkanstöße für die Konzeption effektiver ethischer Trainingsprogramme im internationalen Kontext zu liefern. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie solche Programme gestaltet sein müssen, um die moralische Entscheidungsfindung von Mitarbeitern nachhaltig zu ethisieren und dabei sowohl individuelle Faktoren als auch institutionelle Rahmenbedingungen zu berücksichtigen.

  • Analyse der moralischen Entscheidungsfindung von Individuen in Unternehmen.
  • Evaluation und Vergleich verschiedener Trainingsmethoden wie Fallstudien, Rollenspiele und Gruppendiskussionen.
  • Identifikation genereller Erfolgsfaktoren für die Implementierung ethischer Programme.
  • Bedeutung institutioneller Faktoren (Unternehmenskultur, Anreizsysteme, Organisationsstruktur) für das ethische Verhalten.
  • Integration theoretischer Modelle der Moralentwicklung (Kohlberg) in die Unternehmenspraxis.

Auszug aus dem Buch

3.4.4 Gehorsamkeit gegenüber der Autorität

Im Juni 1987 wurde die Chrysler Corporation in den USA angeklagt, angeblich 60.000 Autos und LKWs als neu verkauft zu haben, die zuvor bereits schon von Unternehmensmitgliedern, bei abgetrenntem Kilometerzähler, bis zu 400 Meilen gefahren worden seien. Die Klage bezog sich auf einen Zeitraum von 18 Monaten, jedoch gab es diese Praxis, wie später bekannt wurde, schon seit 1944 im Konzern, mit mehr als einer Million betroffener Fahrzeuge. Es stellt sich die Frage, wieso sich niemand über einen so langen Zeitraum gegen diese unethische Praxis aufgelehnt hat, und der Konzern angeblich „jungfräuliche“ Fahrzeuge an seine Kunden verkaufen konnte.

Viel betroffener macht die Frage, wie es passieren konnte, dass Millionen unschuldiger Personen in der Zeit von 1933 – 45 systematisch ohne einen laut schallenden Aufschrei in der Bevölkerung getötet werden konnten?

Milgram schreibt hierzu, dass Ereignisse in der Vergangenheit und Beobachtungen aus dem täglichen Leben darauf hinweisen würden, dass für viele Menschen Gehorsam ein tief in ihrem Inneren verwurzeltes Verhalten darstelle und Dinge wie Mitgefühl, Moralvorstellungen sowie ethische Trainingsprogramme wirkungslos erscheinen lässt. Sicherlich, Gehorsam gehört zu den Grundvoraussetzungen menschlichen Zusammenlebens, doch kann blinder Gehorsam zu schwerstwiegenden Schäden für die gesamte Menschheit und somit auch für Unternehmen führen. Die Verursachung und Auswirkung der oben genannten Blindheit wird von Milgram wie folgt ausgedrückt:

„Jeder Mensch hat ein Gewissen, das mehr oder weniger dazu beiträgt, die Triebbefriedigung, die anderen Schaden zufügt, zu verhindern. Doch wenn der Mensch seine Person in eine Organisationsstruktur einbringt, tritt an die Stelle des autonomen Menschen ein neues Wesen, das von seiner individuellen Moralvorstellung nicht mehr eingeschränkt ist, das von der Behinderung durch Gebote der Menschlichkeit befreit ist und nur auf die Sanktionen seitens der Autorität achtet.“

Zusammenfassung der Kapitel

1 Ethische Trainingsprogramme als Mittel zur Ethisierung international tätiger Unternehmen: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit ethischer Erziehung in internationalen Konzernen angesichts wiederkehrender Fehltritte und definiert den Fokus der Arbeit.

2 Unternehmensethik im Kontext international tätiger Unternehmen: Dieses Kapitel differenziert zwischen Moral und Ethik, hinterfragt das Verhältnis von Ethik und Ökonomie und diskutiert Ansätze zur Lösung interkultureller ethischer Konflikte.

3 Vom ethischen Konflikt zum un-/ethischen Verhalten: Darstellung des Prozessablaufes sowie ausgewählter Einflussfaktoren im internationalen Kontext: Hier wird ein psychologisches Modell der moralischen Entscheidungsfindung erarbeitet, das kognitive Barrieren sowie individuelle und institutionelle Einflussfaktoren analysiert.

4 Inhalte und Ausgestaltungsmöglichkeiten eines effektiven ethischen Trainingsprogramms: Dieser Teil bewertet verschiedene Trainingsmethoden wie Fallstudien und Rollenspiele hinsichtlich ihrer Eignung zur Förderung moralischer Kompetenz und definiert Teilziele für effektive Trainings.

5 Institutionelle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implementierung ethischer Trainingsprogramme in international tätigen Unternehmen: Das Kapitel erläutert, wie Unternehmenskultur, Anreizsysteme und formale Organisationsstrukturen gestaltet sein müssen, um ethisches Verhalten zu stützen.

6 Ausblick auf den verbleibenden Forschungsbedarf im Zusammenhang mit ethischen Trainingsprogrammen in international tätigen Unternehmen: Abschließend wird der Bedarf an empirischer Forschung zu Wirkungsinterdependenzen und der Effektivität der vorgestellten Maßnahmen aufgezeigt.

Schlüsselwörter

Unternehmensethik, ethische Trainingsprogramme, internationale Unternehmen, moralische Entscheidungsfindung, Stufenkonzept Kohlbergs, kognitive Barrieren, Organisationskultur, Compliance, Gehorsamkeit gegenüber Autorität, interkulturelle Konflikte, Fallmethodik, Rollenspiele, Personalentwicklung, moralische Urteilskompetenz, Institutionelle Voraussetzungen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Diplomarbeit untersucht die Gestaltung und Wirksamkeit ethischer Trainingsprogramme für international tätige Unternehmen, um unethisches Verhalten von Mitarbeitern zu minimieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit behandelt die moralische Entscheidungsfindung, kognitive Barrieren, psychologische Modelle der Moralentwicklung, verschiedene Trainingsmethoden sowie die Bedeutung der Unternehmenskultur.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, Unternehmensethikern und Personalentwicklern fundierte Ansätze und Kriterien an die Hand zu geben, mit denen Trainingsprogramme im internationalen Kontext effektiver gestaltet werden können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine fundierte theoretische Analyse auf Basis interdisziplinärer Literatur (Psychologie, Ethik, Management) vorgenommen, ergänzt durch Modelle wie das von Treviño oder Kohlbergs Stufentheorie.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die psychologischen Prozesse der Entscheidungsfindung, die Evaluation konkreter Trainingsoptionen wie Fallstudien und Rollenspiele sowie institutionelle Rahmenbedingungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Unternehmensethik, ethische Trainingsprogramme, moralische Entscheidungsfindung, Organisationskultur und interkulturelle Kompetenz.

Inwiefern ist das Modell von Kohlberg für internationale Unternehmen relevant?

Kohlbergs Stufenmodell dient als theoretisches Fundament, um die moralische Urteilskompetenz von Mitarbeitern zu analysieren und gezielt durch Trainingsmaßnahmen auf eine post-konventionelle Ebene zu heben, was kulturinvariant ist.

Warum reicht ein Trainingsprogramm allein oft nicht aus?

Die Arbeit argumentiert, dass Trainings wirkungslos bleiben, wenn institutionelle Faktoren wie eine unethische Unternehmenskultur oder fehlanreizende Vergütungssysteme das Verhalten der Mitarbeiter weiterhin in eine negative Richtung lenken.

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Details

Title
Ethische Trainingsprogramme in international tätigen Unternehmen: Gestaltungsoptionen, Erfolgsfaktoren und institutionelle Voraussetzungen
College
University of Bamberg  (Lehrstuhl für Internationales Managemen, insb. Europäisches Management)
Grade
1,7
Author
Achim Höss (Author)
Publication Year
2004
Pages
115
Catalog Number
V35075
ISBN (eBook)
9783638351119
Language
German
Tags
Ethische Trainingsprogramme Unternehmen Gestaltungsoptionen Erfolgsfaktoren Voraussetzungen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Achim Höss (Author), 2004, Ethische Trainingsprogramme in international tätigen Unternehmen: Gestaltungsoptionen, Erfolgsfaktoren und institutionelle Voraussetzungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35075
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