Die bildende Wirkung des Schönen und Erhabenen. Friedrich Schillers Briefe zur ästhetischen Erziehung


Bachelorarbeit, 2014
37 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Entstehung der Schrift Über die ästhetische Erziehung des Menschen im historischen Kontext

3 Die Veredelung des Charakters als Weg zur Freiheit und Emanzipation nach Schiller
3.1 „ Stofftrieb “ und „ Formtrieb
3.2 Der „ Spieltrieb “ und der „ ästhetische Zustand
3.3 Die „ schmelzende “ und „ energische “ Schönheit
3.4 Von dem „ Naturstaat “ zum „ Vernunftstaat

4 Die Schönheit als Werkzeug der menschlichen Bildung

5 Wirkungen .

6 Schlusswort

1 Einleitung

„ Denn, um es endlich auf einmal herauszusagen, der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt. “ 1

- Friedrich Schiller, 1795, 15. Brief

Dieser bekannte und oft zitierte Satz von Friedrich Schiller aus seiner Schrift Ü ber dieästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen, ist eine der wesentlichen Aussagen seines Werkes, auf die er bis zu seinem 15. Brief hin arbeitet. Die folgende Arbeit soll aufweisen, weshalb der Mensch nur im Spiel ganz Mensch sein kann und inwiefern das Spiel und andere Aspekte der Erziehungstheorie von Schiller dem Menschen ermöglichen, sich zu bilden.

In seinen Briefen Ü ber dieästhetische Erziehung des Menschen thematisiert Schiller die Wirkung des Schönen auf den Menschen. Sein hoher Anspruch an die Schönheit, über den er in seinen Briefen schreibt, bedingt sich durch seine Ansicht, dass der Mensch nur mit Hilfe des Schönen und Erhabenen zu einer unbegrenzten Selbsterfahrung gelangt. So hat die Schönheit laut Schiller die Funktion, dem Menschen zur Freiheit und Entfaltung seiner Menschlichkeit zu verhelfen.2

Schillers Begriff der Schönheit ist abstrakt auffassbar, denn dieser zeichnet sich nicht durch konkrete Gegenstände oder Inhalte aus. Vielmehr findet sich die Schönheit in den verschiedensten Formen wieder, sei es ein Musikstück, ein Gedicht oder eine Landschaft, die den Menschen in den ästhetischen Genuss versetzt. Laut Schiller kann der Mensch die Schönheit entweder rezipierend oder produzierend erfahren.3 Seine Briefe Ü ber dieästhetische Erziehung des Menschen gelten als erste ästhetische Kritik an der Moderne. Schillers Überlegungen über die bildungstheoretische Bedeutung der Ästhetik sind stark von der Philosophie Kants und von seinem Werk Kritik der Urteilskraft geprägt worden.4 Während Kant sich jedoch mit „dem spezifischen Charakter des ästhetischen Erlebens gegenüber moralischen und theoretischen Einsichten“5 beschäftigte, war es Schillers Anliegen, in seiner Schrift herauszuarbeiten, inwiefern sich die Wirkung der Ästhetik auf die Bildung des Einzelnen und die menschliche Gattung auswirkt. Deshalb legte Schiller die Schönheit als Ausdruck der Freiheit fest.6 Die Briefe über die ästhetische Erziehung stehen in einem starken Zusammenhang mit Schillers gesellschaftspolitischer Kritik, im Speziellen seiner Auffassung zu der Französischen Revolution. 7 So lässt die Argumentation seines Werkes erkennen, dass es sich bei seiner Schrift weniger um eine Kunsttheorie, als um eine klassische Bildungstheorie handelt, deren Ziel es ist, herauszuarbeiten, inwiefern die ästhetische Erfahrung das Wesen der Menschen so beeinflusst, dass eine politische Verbesserung des Staates eingeleitet wird.8 "

In dem folgenden Text soll erläutert werden, wie nach Schillers Theorie das Schöne und Erhabene die Bildung des Menschen beeinflussen. Mit Bildung ist hier der Entwicklungsprozess des Menschen gemeint, in dem er seine geistigen, kulturellen, lebenspraktischen und sozialen Kompetenzen ausbaut.9

Um Schillers Argumentationsweise innerhalb der Briefe Ü ber dieästhetische Erziehung des Menschen nachvollziehen zu können, wird in der Arbeit vorerst der geschichtliche Hintergrund näher beleuchtet, der Schiller überhaupt den Anreiz gab, sich mit der Ästhetik im bildungstheoretischen Sinn zu befassen.

Die ästhetische Erziehung des Menschen nach Schiller steht in einem engen Zusammenhang zu seiner Kritik an der Moderne, denn für ihn ist es offensichtlich, dass der moderne Mensch von starken inneren und äußeren Zwängen geplagt wird, die ihn immer mehr von seinem Menschsein entfernen.10 Schiller problematisiert vor allem die derzeitigen gesellschaftlichen Bedingungen, die den Menschen daran hindern, zu einem Ganzen zu werden und Harmonie zu erfahren. Diese Kritik bezieht sich auf die

Entfremdung des Menschen von seiner Natur durch die Arbeitsteilung und Spezialisierung, welche im Laufe der Moderne immer mehr an gesellschaftlicher Bedeutung gewann. Die Entfremdung hat „aus der Menschheit eine Armee nützlicher

Sklaven gemacht“11, die nicht mehr in der Lage sind, zu ihrer eigentlichen menschlichen Natur zurück zu kehren. Für Schiller dient die Schönheit als Mittel, um diesen Missständen entgegen zu wirken, den Charakter des Menschen zu veredeln und ihn zu einer inneren Balance zurückzuführen.12

Der Schwerpunkt der folgenden Arbeit liegt bei der Frage, wie Schillers gesellschaftskritische Theorie mit der Bildung des Menschen zu verknüpfen ist, inwiefern der Mensch von der Schönheit zur Freiheit gelangt und weshalb er nur im Spiel ganz Mensch sein kann. Das Ziel soll es dabei sein, den Zusammenhang zwischen Freiheit, Emanzipation und Bildung zu beleuchten. Des Weiteren wird das ä sthetische Spiel des Menschen als wichtiger Faktor für seine Bildung analysiert.

Da die Schrift Ü ber dieästhetische Erziehung des Menschen bereits zu Schillers Lebzeiten sehr kontrovers aufgefasst und kritisiert wurde, folgt als Abschluss eine kurze Übersicht über die Wirkungen seines Werkes.

Um einen Einblick in eine aktuellere Kritik an der Schrift von Schiller zu erhalten, wird im Anschluss der Text M ö glichkeitsräume von Michael Parmentier vorgestellt. In seiner Schrift bemängelt er einerseits die Inkonsequenz in Schillers Argumentation, andererseits stimmt er ihm jedoch in einigen Punkten seiner Theorie zu und erläutert, weshalb das Spiel für die Bildung des Menschen von so großer Bedeutung ist.13

2 Die Entstehung der Schrift Ü ber dieästhetische Erziehung des Menschen im historischen Kontext

Die Schrift Ü ber dieästhetische Erziehung des Menschen entstand in einer Reihe von Briefen, nachdem Friedrich Schiller im Jahre 1791 schwer erkrankte.14 Durch seine ge- sundheitlichen Einschränkungen war es dem Dichter und Professor für Geschichte nicht mehr möglich, seine Lehrtätigkeit an der Universität Jena weiterhin auszuführen, oder sich durch das Publizieren von Schriften ein Einkommen zu sichern.15 Zudem verbreitete sich durch falsche Zeitungsberichte zeitweise das Gerücht, Schiller sei seiner Krankheit erlegen. In Sorge um das Wohlergehen des erkrankten Mannes wandte sich der dänische Dichter Jens Baggesen an den Herzog Friedrich Christian von Augustenburg und machte ihn auf die finanzielle Notlage Schillers aufmerksam.16

Im Dezember 1791 erhielt Friedrich Schiller von dem Erben des Herzogtums Augusten- burg-Schleswig-Holstein das Angebot eines Stipendiums, das sich über drei Jahre er- streckte. Durch diese finanzielle Unterstützung eröffnete sich ihm die Möglichkeit, um- fangreiche philosophische Studien durchzuführen, sich eingehender mit der Philosophie Kants, sowie seinem Werk Kritik der Urteilskraft zu beschäftigen.17 Im Februar 1793 verfasste Schiller einen Brief an den augustenburger Herzog, in dem er ihn bat, seine „ Ideenüber die Philosophie des Sch ö nen [ … ] in einer Reihe von Briefen “ 18 an ihn rich- ten „ und stückweise zusenden zu dürfen “ 19, bevor sie dem Publikum vorgelegt werden. Die Originalfassungen dieser sogenannten Augustenburger Briefe, in denen Schiller sei- ne Gedanken über die Ästhetik festhielt, gingen im Februar 1794 bei dem Brand des Kopenhagener Stadtschlosses verloren, ihr Inhalt war jedoch durch Abschriften zum größten Teil gesichert. Diese Briefe an den augustenburger Herzog gelten als Ursprung von Schillers Schrift Ü ber dieästhetische Erziehung des Menschen, denn in ihnen ar- beitete er bereits die Grundzüge seiner späteren ästhetischen Theorie heraus.20

Dass die Augustenburger Briefe ausschließlich als eine Einleitung zu seiner Konzeption der ästhetischen Erziehung betrachtet werden können, wurde Schiller bewusst, nachdem er der Bitte seines Gönners nachkam, die durch das Feuer zerstörten Briefe mit Hilfe der Abschriften wiederherzustellen und währenddessen feststellen musste, dass sich seine Theorie bereits stark verändert hatte.21 Durch die Erneuerung der Schriften gelang Schiller nach seinen eigenen Aussagen eine Verbesserung, die den Briefen eine neue Gestalt verlieh und sie letztendlich vervollständigte.22 Die 27 Schriften, die Schiller weiterhin in einer Briefform verfasste, wurden in seinem Journal, den Horen, in insge- samt drei Teile gegliedert und nacheinander im Jahre 1795 veröffentlicht.23

Die Briefe Über dieästhetische Erziehung des Menschen stehen, wie bereits in der Ein- leitung angedeutet, in einem Zusammenhang mit Schillers Anschauung der Französi- schen Revolution. Wie bei den „meisten deutschen intellektuellen Beobachtern dieser Zeit“24 ist seine Beurteilung der „Vorgänge in Frankreich ambivalent“25, da er als „re- publikanische[r] Revolutionär“26 das Ziel der Durchsetzung von bürgerlichen Freiheits- rechten durchaus befürwortete, ihre eskalierende praktische Durchführung jedoch ab- lehnte.27 Schiller gelangte zu der Auffassung, dass es ein inhumanes Unterfangen sei, eine urteilsfreie Meinung gegenüber der Französischen Revolution zu haben28 und so schrieb er dem augustenburger Herzog im Juli 1793 über die Französische Revolution:

„ So sehr dieser große Rechtshandel, seines Inhalts und seiner Folgen wegen, jeden der sich Mensch nennt, interessieren muß, so mußer, seiner Verhandlungsart wegen, jeden Selbstdenker insbesondere interessieren. “ 29

Schiller war über die „dionysische Entgrenzung der Volksmassen“30 während des Ver- laufs der Französischen Revolution bestürzt und beurteilte die politische Emanzipation des Volkes, insbesondere nach den Septembermorden im Jahr 1792 und der Hinrichtung des französischen Königs ein Jahr darauf, als gescheitert. Er erkannte in der Brutalität der Menschen ihre Regression und fragte sich, „warum das, was die aufgeklärte Ver- nunft errungen hat, nämlich die Idee einer demokratischen Staatsform“31, nicht eben- falls mit Hilfe der Vernunft umgesetzt werden konnte. Die Auseinandersetzung mit die- ser Fragestellung führte ihn zu der Erkenntnis, dass die Menschen die revolutionären Ideen nur verinnerlichen konnten, wenn sie bereits im Vorfeld dazu hin erzogen wurden.32

Laut Schiller ist dieses Unterfangen der moralischen Erziehung des Menschen aus- schließlich mit Hilfe der Ästhetik umsetzbar, denn nur in der ä sthetischen Tätigkeit sei das Individuum in der Lage, „den tatsächlichen Ansprüchen und der hohen Moralität, welche die Ideen vorgeben, gerecht zu werden“33. Für ihn zeichnet sich ein Staat vor allem durch die in ihm lebenden Menschen und deren erreichten „Grad der Menschlich- keit“34 aus, denn ein solcher könnte „nur so gut sein […], wie jeder einzelne Bürger, der darin lebt“35. Deshalb nennt er diesen Staat, in dem die Moral und die Vernunft des Ein- zelnen ausgeprägt und seine Partizipation durch die Erziehung gefördert wird, Ver- nunftstaat und stellt ihm dem Naturstaat gegenüber. Im Gegensatz zu dem Vernunftstaat ist der Naturstaat vor allem durch die in ihm herrschenden natürlichen Kräfte definiert. Beispiele für den Naturstaat wären das monarchische Prinzip, da es nicht durch Ver- nunft legitimiert wird sowie das Regime der französischen Revolution, welches gewalt- sam errichtet wurde.36

Darüber hinaus beobachtet Schiller eine derzeitige Zerrissenheit des Menschen, die er auf die Umstände der modernisierten Gesellschaft zurückführt. Um dies zu verdeutlichen, vergleicht er den derzeitigen Staat mit der antiken Gesellschaft und schreibt in seinem sechsten Brief:

„ Jene Polypennatur der griechischen Staaten, wo jedes Individuum eines unabhängigen Le bens genoß, und wenn es Noth tat, zum Ganzen werden konnte, machte jetzt einem kunstrei chen Uhrwerke Platz, wo aus der Zusammenstückelung unendlich vieler, aber lebloser Theile ein mechanisches Leben im Ganzen sich bildet. “ 37

Schiller beschreibt den modernen Menschen als einen „ Abdruck seines Geschäfts, sei- ner Wissenschaft “ 38, der seine Fertigkeiten zu deren Gunsten intensiv ausbaut, aber sei- ne übrigen Anlagen vernachlässigt, da er sich von ihnen keine gleichwertige Belohnung verspricht.39 So entfremdet sich der Mensch immer mehr von seiner Selbst, verliert die Möglichkeit, einen harmonischen Zustand seines Ganzen auszubilden und seine Persön- lichkeit voll zu entfalten.40 Laut Schiller ist die Entfremdung des Menschen jedoch ein notwendiger Schritt, um eine Weiterentwicklung der menschlichen Gattung zu fördern, denn die „ Einseitigkeit in Uebung der Kräfte führt zwar das Individuum unausbleiblich zum Irrthum, aber die Gattung zur Wahrheit “ 41. Das Leiden und der individuelle Verlust des Einzelnen dient demzufolge dem Zweck des geschichtlichen Fortschritts des men- schlichen Geschlechts. So befördert das, was der Einzelne versäumt, den Weltzweck.42 Schiller sieht in der Kunst ein Mittel, das dem Menschen helfen kann, die Schäden der allgemeinen Entfremdung als Phänomen der Moderne zu beheben, die Einheit von Kör- per und Geist des Einzelnen zu rekonstruieren, die Idealform der griechischen Antike in einer verbesserten Art und Weise wieder herzustellen und somit eine höhere kulturelle Stufe der Gesellschaft zu erreichen.43

Eine weitere Problematik, die sich laut Schiller durch die Modernisierung ergab, ist die Unterteilung der Gesellschaft in zwei entgegengesetzte Formen von Menschen, die er anhand ihrer Gemüter spezifiziert. Er bezeichnet diese als Wilde oder Barbaren. Dem Wilden schreibt er die Eigenschaft zu, „ seine Gefühleüber seine Grundsätze herr- schen “ 44 zu lassen, wohingegen die Grundsätze des Barbaren „ seine Gefühle zerst ö - ren “ 45.

Da der moderne, entfremdete Mensch seine Anlagen nur einseitig entwickelt, sind die Wilden von einer Verwilderung geprägt, während die Barbaren sich durch eine Erschlaf- fung kennzeichnen.46 Laut Schiller wird der Mensch von Trieben beeinflusst, die seiner tierischen Natur zuzuschreiben sind. Da der Mensch jedoch auch mit einer geistigen Natur ausgestattet ist, ist er ebenfalls zur Vernunft fähig. Beide Naturen des Menschen sollten sein Gemüt gleichstark beeinflussen, geraten jedoch in dem modernen Individu- um in einem so starken Kontrast, dass sich der Mensch immer mehr von seiner eigentli- chen Bestimmung entfernt.47 So schreibt Schiller in seinem siebten Brief über die Wil- den und die Barbaren:

„ Der Wilde verachtet die Kunst, und erkennt die Natur als seinen Unumschränkten Gebie ter; der Barbar verspottet und entehrt die Natur, aber verächtlicher als der Wilde fährt er häufig genug fort, der Sklave seines Sklaven zu sein. “ 48

Auf der einen Seite schreibt Schiller den niederen Klassen durch ihre triebgesteuerten Handlungsweisen eine Missachtung aller moralischen Gesetze zu, was den Menschen zu seiner tierischen Natur zurückführt.49 Auf der anderen Seite erkennt er bei den h ö he- ren Klassen zwar die Bereitschaft zur Aufnahme der Maximen der Aufklärung, welche sie sogar zu ihren Grundsätzen machen, aber trotzdem fehlt ihnen laut Schiller die Soli- darität und Empathie für ihre Mitmenschen.50 So stehen auch diese beiden Antonyme Schillers, die typisch für seine Tendenz sind, in dualistischen Begriffspaaren zu den- ken51, in einem Bezug zu der Französischen Revolution Da die zivilisierten Klassen durch ihre Erschlaffung nicht die Möglichkeit nutzten, der Französischen Revolution bereits im Voraus entgegen zu wirken und die vorhandenen Missstände innerhalb der Gesellschaft zu beseitigen, wurde aus dem Bestreben nach einer politischen Freiheit der niederen Klassen ein Desaster.52 Durch die Erschlaffung bzw. Verwilderung der Menschen gelang ihnen kein entsprechender Übergang von einem Notstaat zu dem Staat der Freiheit, da sie entweder bereits zu erschlafft oder verwildert waren und mit ihrer Freiheit nicht umgehen konnten. Hierüber schreibt Schiller:

Vergebliche Hoffnung! Die moralische M ö glichkeit fehlt, und der freigebige Augenblick findet ein unempfängliches Geschlecht. “ 53

Während die ursprünglichen Augustenburger Briefe in einem expliziten Bezug zu der Französischen Revolution stehen, wurde dieser in der späteren Horen-Fassung ge- dämpft, womit Schiller einen Wechsel von der politischen zu einer anthropologischen Ebene markiert.54

Für Schiller stellt die ästhetische Erziehung eine Möglichkeit dar, die Verzerrungen der Persönlichkeit durch die Moderne zu überwinden und somit dem Menschen die Gelegenheit zu bieten, wirkliche Freiheit zu erfahren.55

Im Folgenden wird aufgeführt, wie nach Schillers Konzeption der von seinen Trieben beeinflusste, innerlich zerrissene Mensch zur Selbstbestimmung gelangt, seine „Anla- gen entfalten und mit seiner Menschlichkeit in Übereinstimmung“56 bringen kann.

3 Die Veredelung des Charakters als Weg zur Freiheit und Emanzipation des Menschen nach Schiller

Schiller versteht unter der Veredelung des Charakters des Menschen einen Prozess, der ausschließlich durch Bildung und Kultur möglich ist. Diese Veredelung meint „die Verwandlung des Sinnlichen in das Geistige, aber so, daß das Sinnliche dabei zugleich im Geistigen aufbewahrt und aufgehoben ist“57.

Um nachvollziehen zu können, inwiefern der Mensch nach Schiller seinen Charakter veredelt, um zur Freiheit zu gelangen, müssen vorerst einige Begriffe, die Schiller in seinen Briefen verwendet, erklärt und analysiert werden. Die Abhandlung seiner Briefe zielt vor allem darauf ab, „einen transzendalen Begriff der Schönheit zu entwickeln“58. Schiller beschäftigt sich also in seiner Schrift damit, inwiefern die Schönheit die anthropologischen Grundkonstanten des Menschen beeinflusst, ihm zum Menschsein verhilft und somit seiner Entfremdung entgegen wirkt.

[...]


1 Berghahn, Klaus L. (Hrsg.): Friedrich Schiller. Über die ästhetische Erziehung des Menschen. Mit den Augustenburger Briefen. Stuttgart 2000. S. 62f. - 15. Brief.

2 Vgl. Matuschek, Stefan (Hrsg.): Friedrich Schiller. Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen. Frankfurt am Main 2009. S. 129.

3 Vgl. ebd. S. 129.

4 Seelinger, Annette (Hrsg.): Ästhetische Konstellationen. Neue Medien, Kunst und Bildung. In: Ästhetik, Medien, Bildung. Bd. 5. München 2003. S. 89.

5 Ebd. S. 89

6 Vgl. ebd. S. 89.

7 Vgl. Matuschek: Friedrich Schiller. S.129ff.

8 Vgl. Seelinger: Ästhetische Konstellationen. S. 89f.

9 Vgl. Schwenk, Bernhard: Bildung. In: Lenzen, Dieter (Hrsg.): Pädagogische Grundbegriffe. Aggression bis Interdisziplinarität. Bd. 1. 7. Aufl.. Reinbek bei Hamburg 2004. S. 208f.

10 Vgl. Berghahn: Friedrich Schiller. S. 255f.

11 Berghahn: Friedrich Schiller. S. 257.

12 Vgl. Dietrich u.a. (Hrsg.): Einführung in die ästhetische Bildung. Weinheim u.a. 2012. S. 37ff.

13 Parmentier, Michael: Möglichkeitsräume. Unterwegs zu einer Theorie der ästhetischen Bildung. In: Neue Sammlung. Vierteljahres-Zeitschrift für Erziehung und Gesellschaft. Bd. 33. Göttingen 1993. S. 303ff.

14 Vgl. Berghahn: Friedrich Schiller. S. 202.

" " 3

15 Vgl. Matuschek: Friedrich Schiller. S. 138.

16 Vgl. ebd. S. 138f.

17 Vgl. Hofmann, Michael: SCHILLER. Epoche -Werke -Wirkung. In: Barner u.a. (Hrsg.): Arbeitsbücher zur Literaturgeschichte. München 2003. S. 96.

18 Berghahn: Friedrich Schiller. S. 130. Augustenburger Brief 09.02.1793.

19 Ebd. S. 130.

20 Vgl. Zelle, Carsten: Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen (1795). In: Luserke-Jaqui, Matthias (Hrsg.): Schiller Handbuch. Leben - Werk - Wirkung. Stuttgart 2011. S. 409.

21 Vgl. Berghahn: Friedrich Schiller. S. 207.

22 Vgl. Zelle: Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen. S. 410.

23 Vgl. Ganter, Michael (Hrsg.): Friedrich Schillers Utopie vom „Bau einer wahren politischen Freiheit“. in seiner Abhandlung Ueber die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen. Frankfurt am Main 2009. S. 25.

24 Plumpe, Gerhard (Hrsg.): Ästhetische Kommunikation der Moderne. Bd. 1: Von Kant bis Hegel. Opladen 1993. S. 109.

25 Ebd. S. 109.

26 Pott, Hans-Georg: Kultur als Spiel, Geselligkeit und Lebenskunst. Schillers Ästhetische Briefe und das humanistische Bildungsprogramm der Aufklärung. In: Stolzenberg u.a. (Hrsg.): Bildung als Kunst. Fichte, Schiller, Humboldt, Nietzsche. Berlin 2010. S. 15.

27 Vgl. ebd. S. 15.

28 Vgl. Schings, Hans Jürgen (Hrsg.): Revolutionsetüden. Schiller - Goethe - Kleist. Würzburg 2012. S. 15.

29 Berghahn: Friedrich Schiller. S. 135. Augustenburger Brief 13.07.1793.

30 Zelle: Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen. S. 413.

31 Dietrich u.a.: Einführung in die ästhetische Bildung. S. 35.

32 Vgl. Englhart, Andreas (Hrsg.): Einführung in das Werk Schillers. Darmstadt 2010. S. 45.

33 Ebd. S. 45.

34 Dietrich u.a.: Einführung in die ästhetische Bildung. S. 36.

35 Ebd. S. 36.

36 Vgl. ebd. S. 35.

37 Berghahn: Friedrich Schiller. S. 23. 6. Brief.

38 Ebd. S. 23. 6. Brief.

39 Vgl. ebd. S. 24. 6. Brief.

40 Vgl. Hofmann: SCHILLER. S. 100f.

41 Vgl. Berghahn: Friedrich Schiller. S. 27. 6. Brief.

42 Vgl. Zelle: Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen. S. 421.

43 Vgl. Berghahn: Friedrich Schiller. S. 219.

44 Berghahn: Friedrich Schiller. S. 17. 4. Brief.

45 Ebd. S. 17. 4. Brief.

46 Vgl. von Wiesen, Benno (Hrsg.): Friedrich Schiller (4. Aufl.). Stuttgart 1978. S. 481f.

47 Vgl. Ganter: Friedrich Schillers Utopie vom „Bau einer wahren politischen Freiheit“. S. 46.

48 Berghahn: Friedrich Schiller. S. 17. 4. Brief.

49 Vgl. Hofmann: SCHILLER. S. 102.

50 Vgl. ebd. S. 102.

51 Vgl. Zelle: Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen. S. 426.

52 Vgl. Ganter: Friedrich Schillers Utopie vom „Bau einer wahren politischen Freiheit“. S. 46.

53 Berghahn: Friedrich Schiller. S. 18. 5. Brief.

54 Vgl. Zelle: Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen. S. 418.

55 Vgl. Hofmann: SCHILLER. S. 103.

56 Dietrich u.a.: Einführung in die ästhetische Bildung. S. 38.

57 von Wiesen: Friedrich Schiller. S. 483.

58 Hofmann: SCHILLER. S. 103.

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Die bildende Wirkung des Schönen und Erhabenen. Friedrich Schillers Briefe zur ästhetischen Erziehung
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Erziehungswissenschaften/Bildungswissenschaften)
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
37
Katalognummer
V350755
ISBN (eBook)
9783668373570
ISBN (Buch)
9783668373587
Dateigröße
790 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wirkung, schönen, erhabenen, friedrich, schillers, briefen, erziehung
Arbeit zitieren
Vanessa Möbes (Autor), 2014, Die bildende Wirkung des Schönen und Erhabenen. Friedrich Schillers Briefe zur ästhetischen Erziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350755

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