Der demografische Wandel stellt Kommunen vor vielfältige Herausforderungen. Ein zentrales Problem kann in der weiteren Entwicklung der dementiellen Erkrankungen gesehen werden. Die Verantwortlichen in jeder Kommune sollten sich fragen, wie sie Menschen mit Demenz zur Seite stehen und eine angemessene Lebensqualität im vertrauten Umfeld ermöglichen können. Da die Anzahl der dementiell erkrankten Menschen in ganz Deutschland steigen wird (auf fast 3 Millionen Menschen bis 2050), wird dieses Thema auch bundesweit weiter an Bedeutung gewinnen und dabei auch kleinere Gemeinden betreffen. Denn Menschen mit Demenz leben nicht in abstrakten Räumen oder Statistiken, sondern an einem konkreten Ort: in einer Gemeinde, einem Dorf, einer Stadt oder einem Stadtteil. Die Kommunen stehen damit vor der Herausforderung ein „demenzfreundliches“ Gemeinwesen zu schaffen. Und dies ist auch unbedingt erforderlich, da Menschen mit Demenz ein radikales Gegenbild zum „aktiven Altern“ darstellen, welches ansonsten gefordert und gefördert wird. Es besteht somit durchaus die Gefahr, dass Menschen mit Demenz – und deren Angehörige – aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwinden bzw. in bestimmten Bereichen gar nicht erst hinein geraten.
Die Ausarbeitung greift die wesentlichen Erkenntnisse aus aktuellen Projekten und Initiativen auf und stellt diese zusammengefasst dar. Hierdurch sollen Denkanstöße geliefert werden, um individuelle Lösungen für einzelne Gemeinden ableiten zu können und die notwendige Sensibilität für das Thema zu entwickeln. Zudem werden konkrete Maßnahmen aufgezeigt, die die Umsetzung vor Ort unterstützen sollen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hintergrund
2.1 Zahlen, Daten, Fakten zur Demenz
2.2 Herausforderung für Kommunen
2.3 Rahmenbedingungen in den Kommunen
3 Die Demenzfreundliche Kommune
3.1 Grundsätze einer Demenzfreundlichen Kommune
3.2 Konkrete Umsetzung
4 Demenzstrategie Bayern
5 Allianz für Menschen mit Demenz
5.1 Gesellschaftliche Verantwortung
5.2 Unterstützung von Menschen mit Demenz und deren Familien
5.3 Gestaltung des Unterstützungs- und Versorgungssystems
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Ausarbeitung zielt darauf ab, Kommunen für die Herausforderungen des demografischen Wandels im Kontext demenzieller Erkrankungen zu sensibilisieren und konkrete Handlungsansätze für ein demenzfreundliches Gemeinwesen aufzuzeigen. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, wie Gemeinden trotz begrenzter Ressourcen ein Umfeld schaffen können, das Menschen mit Demenz sowie deren Angehörigen soziale Teilhabe und Lebensqualität im vertrauten Lebensraum ermöglicht.
- Analyse der demografischen Entwicklung und deren Auswirkungen auf kommunale Strukturen
- Konzeptualisierung und operative Umsetzung einer "Demenzfreundlichen Kommune"
- Integration übergeordneter Strategien (Demenzstrategie Bayern, Allianz für Menschen mit Demenz) in die lokale Praxis
- Identifikation zentraler Handlungsfelder wie Öffentlichkeitsarbeit, Prävention und Unterstützung pflegender Angehöriger
- Methodische Unterstützung bei der Initiierung und Koordination lokaler Demenz-Projekte
Auszug aus dem Buch
Die Demenzfreundliche Kommune
Eine Möglichkeit der Einflussnahme ist das Konzept „Demenzfreundliche Kommune“ des Vereins Aktion Demenz e.V. Das Ziel besteht darin, Offenheit, Toleranz und Unterstützung in den Kommunen zu fördern und damit ein demenzfreundliches Umfeld zu gestalten.
Um dieses Ziel zu erreichen, kann die Berücksichtigung der folgenden Aspekte hilfreich sein (Gronemeyer/Wißmann 2009):
Qualität statt Quantität: Selbst Kommunen, die bereits über ein umfangreiches und ausdifferenziertes Unterstützungs- und Entlastungangebot für dementiell erkrankte Menschen und deren Angehörige haben, machen immer wieder die Erfahrung, dass diese Angebote nur sehr zaghaft in Anspruch genommen werden. Hieraus wird bereits deutlich, dass es nicht nur darum gehen kann, immer neue Angebote zu initiieren. Vielmehr muss es das Ziel sein, einen tolerierenden Rahmen in der Gesellschaft zu schaffen und dementielle Erkrankungen nicht weiter zu tabuisieren.
Abbau von Angstbildern und Stigmatisierung: Unterstützungsleistungen werden häufig immer noch nicht in Anspruch genommen, weil in der Gesellschaft ein biomedizinisch geprägtes Bild von Demenz vorherrscht. Die Bilder, die in den Medien von dementiell erkrankten Menschen transportiert werden erzeugen Angst und Resignation. Eine Aufgabe muss darin bestehen, diesem negativen Bild ein aufgeklärtes Bild entgegenzusetzen, das auch die Ressourcen von Menschen mit Demenz aufzeigt. Lebensqualität ist auch in und mit einer Demenz möglich.
Demenz als soziale und zivilgesellschaftliche Frage: Demenz wird heute meist als medizinisches oder pflegerisches Problem thematisiert. Doch Demenz geht alle etwas an und die sozialen Aspekte müssen in den Fokus des Interesses gerückt werden (zum Beispiel Bedeutung sozialer Kontakte, Rollen und Aktivitäten im Verlauf einer Demenz). Letztlich soll nicht die Krankheit im Mittelpunkt stehen, sondern der Mensch, der von dieser Krankheit betroffen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen des demografischen Wandels für Kommunen und stellt die Zielsetzung der Arbeit sowie das methodische Vorgehen vor.
2 Hintergrund: Das Kapitel liefert fundamentale statistische Daten und medizinische Fakten zu Demenzerkrankungen und beschreibt die daraus resultierenden, oft unterschätzten kommunalen Herausforderungen.
3 Die Demenzfreundliche Kommune: Hier wird das Konzept einer demenzfreundlichen Gemeinde vorgestellt, inklusive der theoretischen Grundsätze und praktischer Empfehlungen zur Umsetzung vor Ort.
4 Demenzstrategie Bayern: Dieser Abschnitt überträgt die landesweiten Leitziele der bayerischen Demenzstrategie auf die spezifische Ebene der kommunalen Handlungspraxis.
5 Allianz für Menschen mit Demenz: Das Kapitel analysiert die Handlungsfelder der gleichnamigen Bundesinitiative und leitet konkrete Aspekte für die praktische Gestaltung in einzelnen Gemeinden ab.
6 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Notwendigkeit aktiven kommunalen Handelns und verweist auf die Wirksamkeit bestehender Praxisbeispiele.
Schlüsselwörter
Demenz, Kommune, demografischer Wandel, Lebensqualität, soziale Teilhabe, Inklusion, Pflege, Angehörige, Demenzfreundliche Kommune, zivilgesellschaftliches Engagement, Demenzstrategie, Allianz für Menschen mit Demenz, Versorgungsplanung, Öffentlichkeitsarbeit, Prävention
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Publikation untersucht, wie Kommunen proaktiv mit der steigenden Zahl demenziell erkrankter Menschen umgehen können, um eine hohe Lebensqualität für Betroffene und Angehörige sicherzustellen.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Die Arbeit fokussiert auf kommunale Strategien, die Integration in die Gesellschaft, die Unterstützung pflegender Angehöriger sowie die praktische Umsetzung von Versorgungs- und Teilhabekonzepten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, lokale Akteure durch die Bereitstellung von Hintergrundwissen und praktischen Handlungsschritten in die Lage zu versetzen, ein demenzfreundliches Gemeinwesen nachhaltig zu etablieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine auf der Auswertung aktueller Projekte, Initiativen und politischer Strategien basierende Ausarbeitung, die diese Erkenntnisse für die kommunale Praxis nutzbar macht.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, das Konzept der demenzfreundlichen Kommune sowie die Anwendung landesweiter Strategien wie der Demenzstrategie Bayern und der Allianz für Menschen mit Demenz.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Kernbegriffe sind Demenzfreundliche Kommune, soziale Teilhabe, demografischer Wandel, kommunale Seniorenpolitik und bürgerschaftliches Engagement.
Warum ist das Konzept der "Demenzfreundlichen Kommune" laut Autor zentral?
Der Autor argumentiert, dass Demenz eine gesellschaftliche und soziale Herausforderung ist, die nicht allein durch medizinische Versorgung gelöst werden kann, sondern einen tolerierenden und offenen Rahmen im gesamten Gemeinwesen erfordert.
Welche Rolle spielen die Angehörigen in dieser Betrachtung?
Angehörige werden als der "größte Pflegedienst Deutschlands" identifiziert, deren Unterstützung essenziell ist, um eine Überforderung zu vermeiden und den Verbleib der Betroffenen im häuslichen Umfeld zu gewährleisten.
Wie können Kommunen ohne große finanzielle Mittel aktiv werden?
Die Arbeit betont, dass viele Ansätze, wie etwa die Bildung von Netzwerken, Öffentlichkeitsarbeit oder die Förderung von Ehrenamt und Begegnungsmöglichkeiten, primär durch Koordination und Gestaltung anstatt durch hohe finanzielle Investitionen realisiert werden können.
- Arbeit zitieren
- Pajam Rais Parsi (Autor:in), 2015, Der demografische Wandel als Herausforderung für Kommunen. Wie kann ein lebensfreundliches Umfeld für Menschen mit Demenz geschaffen werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350837