Der demografische Wandel als Herausforderung für Kommunen. Wie kann ein lebensfreundliches Umfeld für Menschen mit Demenz geschaffen werden?

Grundsätzliche Überlegungen und Lösungsansätze


Ausarbeitung, 2015
21 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hintergrund
2.1 Zahlen, Daten, Fakten zur Demenz
2.2 Herausforderung für Kommunen
2.3 Rahmenbedingungen in den Kommunen

3 Die Demenzfreundliche Kommune
3.1 Grundsätze einer Demenzfreundlichen Kommune
3.2 Konkrete Umsetzung

4 Demenzstrategie Bayern

5 Allianz für Menschen mit Demenz
5.1 Gesellschaftliche Verantwortung
5.2 Unterstützung von Menschen mit Demenz und deren Familien
5.3 Gestaltung des Unterstützungs- und Versorgungssystems

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der demografische Wandel stellt Kommunen vor vielfältige Herausforderungen. Ein zentrales Problem kann in der weiteren Entwicklung der dementiellen Erkrankungen gesehen werden. Die Verantwortlichen in jeder Kommune sollten sich fragen, wie sie Menschen mit Demenz zur Seite stehen und eine angemessene Lebensqualität im vertrauten Umfeld ermöglichen können. Da die Anzahl der dementiell erkrankten Menschen in ganz Deutschland steigen wird (auf fast 3 Mio. Menschen bis 2050), wird dieses Thema auch bundesweit weiter an Bedeutung gewinnen und dabei auch kleinere Gemeinden betreffen. Denn Menschen mit Demenz leben nicht in abstrakten Räumen oder Statistiken, sondern an einem konkreten Ort: in einer Gemeinde, einem Dorf, einer Stadt oder einem Stadtteil (Gronemeyer/Wißmann 2009). Die Kommunen stehen damit vor der Herausforderung ein „demenzfreundliches“ Gemeinwesen zu schaffen. Und dies ist auch unbedingt erforderlich, da Menschen mit Demenz ein radikales Gegenbild zum „aktiven Altern“ darstellen, welches ansonsten gefordert und gefördert wird. Es besteht somit durchaus die Gefahr, dass Menschen mit Demenz – und deren Angehörige – aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwinden bzw. in bestimmten Bereichen gar nicht erst hinein geraten.

Die vorliegende Ausarbeitung greift die wesentlichen Erkenntnisse aus aktuellen Projekten und Initiativen auf und stellt diese zusammengefasst dar. Hierdurch sollen Denkanstöße geliefert werden, um individuelle Lösungen für einzelne Gemeinden ableiten zu können und die notwendige Sensibilität für das Thema zu entwickeln. Zudem werden konkrete Maßnahmen aufgezeigt, die die Umsetzung vor Ort unterstützen sollen.

Hierfür wird, nach wenigen theoretischen Fakten zu dementiellen Erkrankungen allgemein (Kapitel 2), zunächst das Konzept der „Demenzfreundlichen Kommune“ dargestellt (Kapitel 3), womit die grundsätzliche Haltung einer Gemeinde hinterfragt werden soll. Durch konkrete Arbeitsschritte und Fragestellungen wird auch aufgezeigt, wie der Weg zu einem demenzfreundlichen Umfeld gelingen kann. Anschließend wird die Demenzstrategie Bayern in Teilen auf die kommunale Ebene herunter gebrochen und mit konkreten Maßnahmen-vorschlägen versehen (Kapitel 4). Gleiches gilt für die bundesweite Aktion „Allianz für Menschen mit Demenz“, aus der die Aspekte vorgestellt werden, die eine besondere Relevanz für einzelne Gemeinden besitzen (Kapitel 5). Auch an dieser Stelle werden konkrete Maßnahmen vorgestellt, die die Teilhabe von Menschen mit Demenz in der Kommune positiv beeinflussen und damit die Lebensqualität der Betroffenen sowie ihrer Angehörigen erhöhen sollen.

2 Hintergrund

Zunächst sollen einige grundlegende Daten (Häufigkeit, Prognose und Symptome) zu dementiellen Erkrankungen dargestellt werden, um anschließend zentrale Herausforderungen aufzuzeigen, die für die Kommunen in Zusammenhang mit diesen Erkrankungen entstehen[1].

2.1 Zahlen, Daten, Fakten zur Demenz

Aktuell ist davon auszugehen, dass im betrachteten Landkreis ca. 1.800 Menschen mit einer diagnostizierten Demenz leben. Bis zum Jahr 2032 ist mit einem Anstieg von über 80% auf etwa 3.300 Menschen zu rechnen (LGL Bayern 2014). Diese Entwicklung folgt einem eigentlich sehr positiven Trend: Der Landkreis wird in den nächsten Jahren voraussichtlich wachsen (von etwa 116.000 Einwohnern im Jahr 2012 auf ca. 122.600 im Jahr 2030) und immer älter werden. Das Durchschnittsalter wird von ca. 43 auf fast 47 Jahre ansteigen, der Anteil der unter 18-Jährigen wird sinken und der Anteil der Menschen ab 65 Jahre wird steigen (Wegweiser Kommune 2015). Und dieses zunehmende Lebensalter stellt gleichzeitig einen zentralen Risikofaktor für das Auftreten einer dementiellen Erkrankung dar.

Eine dementielle Erkrankung ist dabei nicht gleichbedeutend mit der Alzheimer-Krankheit, auch wenn diese sicherlich die bekannteste und auch die häufigste Demenzform darstellt. Daher werden beide Begriffe (Demenz und Alzheimer) häufig synonym verwendet. Es gibt jedoch zahlreiche weitere dementielle Erkrankungen, die mit ähnlichen Symptomen verbunden sind. Einige zentrale Symptome, die bei allen Demenzformen auftreten, sind:

- Störung der Merkfähigkeit
- Zeitliche und/oder räumliche und/oder situative Desorientierung
- Verlust praktischer Fähigkeiten
- Sprachstörungen
- Störung des inneren Antriebs
- Gefühlsschwankungen
- Persönlichkeitsveränderungen

Bei einigen Demenzformen sind die Ursachen bereits gut erklärbar, anders hingegen bei der Alzheimer-Demenz: Obwohl die Krankheit bereits seit über 100 Jahren bekannt ist, konnten die Ursachen noch immer nicht geklärt und keine Heilmittel entwickelt werden. Fest steht, dass bei der Alzheimer-Demenz Nervenzellen im Gehirn absterben, die Gründe hierfür sind jedoch unbekannt. Des Weiteren kann ein gestörter Signalaustausch im Gehirn beobachtet werden, woran ein Mangel des Botenstoffes Acetylcholin maßgeblich beteiligt ist – auch hier konnten die genauen Entstehungsgründe noch immer nicht geklärt werden. Die Kombination aus dem Verlust an Nervenzellen und der abnehmenden Funktionsfähigkeit führt letztlich zu den bereits genannten Symptomen und dem Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit der Betroffenen.

2.2 Herausforderung für Kommunen

Das Ausmaß der Bedeutung von dementiellen Erkrankungen wird schon heute oftmals unterschätzt. Demenz wird auch als „Familienkrankheit“ oder „Krankheit der Angehörigen“ bezeichnet. Wenn wir in einer Gemeinde von lediglich zehn Menschen mit Demenz ausgehen, muss bereits eine Gesamtzahl Betroffener von 20 bis 25 Personen angenommen werden, da auch das Leben der Angehörigen (negativ) beeinflusst wird. Für das künftige Handeln reicht es also nicht aus, die Versorgung der zehn Menschen mit Demenz zu planen. Darüber hinaus muss die zunehmende Zahl an Neuerkrankten berücksichtigt und die Unterstützung der pflegenden Angehörigen sichergestellt werden, da sie in vielen Fällen die Hauptlast der Betreuung schultern und damit der „größte Pflegedienst Deutschlands“ sind. Bricht dieser „Pflegedienst“ zusammen, haben die Kommunen einen höheren Bedarf an stationären Pflegeplätzen und folglich höhere Sozialausgaben zu verzeichnen.

Neben diesen versorgungsbezogenen Aspekten muss jedoch auch die Teilhabe/Inklusion dementiell erkrankter Menschen gewährleistet werden. Hierbei ist insbesondere die soziale Inklusion von Bedeutung; hiermit wird das Ziel verbunden, jeden Menschen als wichtiges Mitglied der Gemeinschaft anzuerkennen, unabhängig von seinen Fähigkeiten und Einschränkungen. D.h. jeder Mensch soll die Möglichkeit haben, in vollem Umfang an der Gesellschaft teilzunehmen. Dieses Leitziel der Inklusion sollten auch kommunale Akteure als Aufforderung verstehen, sich hierfür zu engagieren. Denn die Betroffenen und deren Angehörige leben in den Kommunen und können nur hier Teilhabe und Inklusion konkret erfahren.

2.3 Rahmenbedingungen in den Kommunen

Kommunen halten schon länger nicht mehr im großen Umfang Seniorenwohnanlagen oder Pflegeheime vor, teilweise unter Bezug auf die Pflegeversicherung und die damit verbundenen veränderten Verantwortlichkeiten. Zudem gibt es auch keinen klar und verbindlich formulierten gesetzlichen Rahmen[2]. „Grundlage für das kommunale Handeln bilden zum einen die Verpflichtung der Kommunen der Daseinsvorsorge (Grundgesetz Artikel 28) und zum anderen die Interpretationen der verschiedenen Sozialgesetze (zum Beispiel §§ 17 SGB I, 95 SGB X etc.), die Kommunen zur Bereithaltung der notwendigen Dienst-leistungen verpflichten“ (Gronemeyer/Wißmann 2009: 211). Kommunen können auch weiterhin aktiven Einfluss auf die Versorgung von älteren Menschen und von Menschen mit Demenz nehmen. Die Hauptaufgaben bestehen dann unter anderem im Initiieren, Organisieren, Moderieren und Koordinieren von Aktivitäten. Hierzu kann beispielsweise eine intensive Öffentlichkeitsarbeit, die Initiierung von Vernetzungsstrukturen oder die Fortbildung von freiwilligen Akteuren sein.

3 Die Demenzfreundliche Kommune

Eine Möglichkeit der Einflussnahme ist das Konzept „Demenzfreundliche Kommune“ des Vereins Aktion Demenz e.V. Das Ziel besteht darin, Offenheit, Toleranz und Unterstützung in den Kommunen zu fördern und damit ein demenzfreundliches Umfeld zu gestalten.

3.1 Grundsätze einer Demenzfreundlichen Kommune

Um dieses Ziel zu erreichen, kann die Berücksichtigung der folgenden Aspekte hilfreich sein (Gronemeyer/Wißmann 2009):

Qualität statt Quantität: Selbst Kommunen, die bereits über ein umfangreiches und ausdifferenziertes Unterstützungs- und Entlastungangebot für dementiell erkrankte Menschen und deren Angehörige haben, machen immer wieder die Erfahrung, dass diese Angebote nur sehr zaghaft in Anspruch genommen werden. Hieraus wird bereits deutlich, dass es nicht nur darum gehen kann, immer neue Angebote zu initiieren. Vielmehr muss es das Ziel sein, einen tolerierenden Rahmen in der Gesellschaft zu schaffen und dementielle Erkrankungen nicht weiter zu tabuisieren.

Abbau von Angstbildern und Stigmatisierung: Unterstützungsleistungen werden häufig immer noch nicht in Anspruch genommen, weil in der Gesellschaft ein biomedizinisch geprägtes Bild von Demenz vorherrscht. Die Bilder, die in den Medien von dementiell erkrankten Menschen transportiert werden erzeugen Angst und Resignation. Eine Aufgabe muss darin bestehen, diesem negativen Bild ein aufgeklärtes Bild entgegenzusetzen, das auch die Ressourcen von Menschen mit Demenz aufzeigt. Lebensqualität ist auch in und mit einer Demenz möglich.

Demenz als soziale und zivilgesellschaftliche Frage: Demenz wird heute meist als medizinisches oder pflegerisches Problem thematisiert. Doch Demenz geht alle etwas an und die sozialen Aspekte müssen in den Fokus des Interesses gerückt werden (zum Beispiel Bedeutung sozialer Kontakte, Rollen und Aktivitäten im Verlauf einer Demenz). Letztlich soll nicht die Krankheit im Mittelpunkt stehen, sondern der Mensch, der von dieser Krankheit betroffen ist.

Begegnungsmöglichkeiten: Es muss allen Menschen ermöglicht werden sich als Mitglied der Gesellschaft zu erfahren. Wenn einer Gruppe der Zugang verwehrt ist, kann der demokratische Anspruch einer Gesellschaft als nicht erfüllt angesehen werden. Begegnungsmöglichkeiten zwischen Menschen mit und ohne Demenz – als Bürgerinnen und Bürger – zu schaffen, stellt daher eine zentrale Aufgabe in einem demenzfreundlichen Gemeinwesen dar.

Geteilte Verantwortung: Die Pflege von dementiell erkrankten Menschen kann langfristig nicht allein von professionellen Akteuren bewältigt werden. Folglich muss die besondere Qualität der Arbeit von pflegenden Angehörigen und ehrenamtlich engagierten Menschen berücksichtigt und genutzt werden.

Wie eine „Demenzfreundliche Kommune“ letztlich aussehen soll, kann weder eine einzelne Person, noch eine Organisation festlegen. Die Vorschläge sollten in einem konstruktiven Auseinandersetzungsprozess aller beteiligten Akteure sowie Bürgerinnen und Bürgern entstehen – einschließlich der betroffenen Menschen vor Ort. Zur Bestanderfassung und zur Festlegung der gemeinsamen Ziele, sollten vorab einige Fragen beantwortet werden, um die Situation vor Ort zu analysieren (Aktion Demenz e.V. 2011):

- Wie viele Menschen mit Demenz leben in unserer Kommune?
- Wie werden sie betreut?
- Welche unterstützenden Dienstleistungen sind vorhanden (zum Beispiel ambulante Pflegedienste, Betreuungsangebote, Angehörigengruppen)?
- Welche Begegnungsmöglichkeiten haben Menschen mit und ohne Demenz in unserer Kommune? Wie werden diese genutzt?
- Was denken und wissen die Bürger/-innen in der Kommune über Demenz und über Menschen mit Demenz?
- Wie beurteilen Betroffene und Angehörige die Demenzfreundlichkeit der Kommune? Was fehlt ihrer Einschätzung nach? Was könnte Ihnen helfen? Wo sind dringend Veränderungen notwendig?
- Gibt es bereits Projekte, die die Schaffung eines demenzfreundlichen Gemeinwesens zum Ziel haben, an die man anknüpfen könnte?

3.2 Konkrete Umsetzung

Auf Grundlage der erstellten Situationsanalyse, kann mit der Planung eines konkreten Projektes begonnen werden. Seit Gründung der Aktion Demenz im Jahr 2007 konnten bereits zahlreiche Kommunen – teilweise mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen – zum Engagement bewegt und verschiedenartige Projekte[3] realisiert werden. Selbstverständlich können diese Projekte nicht einfach auf andere Kommunen übertragen werden, dennoch können sie erste Ideen und Impulse liefern, wie ähnliche Probleme in der eigenen Kommune angegangen werden können. Von der Idee bis zur erfolgreichen und nachhaltigen Realisierung sind einige Schritte erforderlich, die im Folgenden beschrieben werden (Gronemeyer/Wißmann 2009):

Akteure und Koordination: Der Anstoß für ein Projekt kann von bestehenden Projekt- oder Interessensgruppen, aber auch von einzelnen Personen, Unternehmen oder Kommunen ausgehen. Die Initialisierung auf Bestreben einer Kommune wird häufig als erfolgversprechendste Variante betrachtet. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass unter einer „Demenzfreundlichen Kommune“ mehr als die übliche Versorgungsplanung zu verstehen ist. Der Erfolg der Initiative ist auch davon abhängig, in welchem Maß es gelingt, auch weitere Akteure (zum Beispiel Angehörige, bürgerschaftlich Engagierte, Unternehmen, Selbsthilfegruppen) aktiv und gleichberechtigt mit einzubinden. Durch die Vielzahl der einzubindenden Akteure ist es auch erforderlich, eine Steuerungsgruppe zu bilden, welche den Prozess koordiniert und überwacht.

Start: Teilweise kann es erforderlich sein, zunächst das Interesse der Bürger/-innen für das Thema zu wecken. Dies kann zum Beispiel durch öffentliche Aktionen[4], Workshops oder Befragungen erfolgen. Wenn das Thema in der Kommune bereits bekannt ist, kann die Steuerungsgruppe auch direkt mit Veranstaltungen oder Projekten beginnen.

Nachhaltigkeit: Kommunen benötigen einen langen Atem, wenn sie etwas verändern möchten und eine Verstetigung bzw. Nachhaltigkeit erreichen möchten. Erfolgversprechend sind sowohl kompakte Aktionen (vgl. „Taschentuchaktion“), als auch zeitlich groß angelegte Kampagnen[5], die Ideen besonders nachdrücklich transportieren und ins öffentliche Bewusstsein rücken. Von besonderer Bedeutung ist in beiden Fällen, dass die Planungen auf eine nachhaltige Veränderung abzielen und nicht auf kurzfristige Effekte.

Zugang: Teilweise sind kreative Zugänge erforderlich, um Menschen zu erreichen, die kaum oder gar nicht mit dem Thema Demenz konfrontiert werden. Solche Zugänge können zum Beispiel über Kunst und Kultur gefunden werden. Erfolgreich erprobte Zugangswege sind beispielsweise Filmabende[6], Ausstellungen mit Werken von Menschen mit Demenz oder Lesungen[7], um Film-, Kunst- und Literaturfreunde zu erreichen. Spezielle Schulungseinheiten für Bürger/-innen, die beruflich bedingt Kontakt zu dementiell erkrankten Menschen haben können (zum Beispiel Polizisten, Bankangestellte, Supermarktangestellte) oder Schulprojekte für Schüler/-innen können weitere Zugangswege sein.

Öffentlichkeitsarbeit: Die vorhandenen Medien müssen offensiv genutzt werden, um Demenz nicht als „Schreckgespenst“, sondern unter dem Aspekt von Nachbarschaft und Solidarität darzustellen. Denkbar sind zum Beispiel Plakataktionen mit zentralen Botschaften oder auch längerfristig angelegte Kolumnen in der örtlichen Presse mit Statements bekannter Persönlichkeiten („Wenn ich einmal dement bin…“).

Diskurs: Was ein demenzfreundlicher Lebensraum ist, muss sich erst in einem gemeinsamen Projekt von Betroffenen, Angehörigen, beruflichen Experten, politisch Verantwortlichen und bürgerschaftlich Engagierten herausstellen. Es können zum Beispiel unterschiedliche Perspektiven formuliert und ausgetauscht werden: Was macht eine „Demenzfreundliche Kommune“ für pflegende Angehörige oder für Betroffene im Frühstadium der Erkrankung aus? Wo liegt der Schwerpunkt für Politiker oder Pflegeunternehmer? Diese Fragen können unter anderem in einem Workshop oder in Experten-Gruppen diskutiert werden.

Vernetzung: Das Thema Demenz, als Herausforderung für die gesamte Gesellschaft, muss teilweise erst noch in das Bewusstsein der Menschen gerückt werden. Dieser Wandel kann nur erreicht werden, wenn er von möglichst vielen Akteuren unterstützt wird. Und um wirklich wirksam zu werden, ist selbstverständlich eine Vernetzung aller Beteiligten erforderlich. Einen möglichen Rahmen hierfür bietet beispielsweise der Verein Aktion Demenz e.V.[8]

Evaluation: Das Konzept „Demenzfreundliche Kommune“ verfolgt einen zivilgesellschaftlichen Ansatz und betritt damit Neuland. Aus diesem Grund – aber auch allgemein zur Überprüfung der Wirksamkeit einer Maßnahme und um mögliche Verbesserungspotenziale aufzudecken – bietet sich eine Evaluation der durchgeführten Projekte an. Dies kann beispielsweise in Zusammenarbeit mit einer Hochschule oder einzelnen Studierenden geschehen und ist selbstverständlich auch selbstständig möglich.

[...]


[1] Auf eine umfassende Darstellung der medizinischen Hintergründe wird an dieser Stelle bewusst verzichtet. Weiterführende Informationen sind unter anderem dem Wegweiser Demenz zu entnehmen: http://www.wegweiser-demenz.de/startseite.html

[2] Die Rolle der Kommunen in der Pflege wird sich in den nächsten Jahren ggf. verändern. Die Bund-Länder-Arbeitsgruppe hat hierzu bereits erste Vorschläge erarbeitet: http://www.bmg.bund.de/ministerium/meldungen/2015/gute-pflege-in-den-kommunen-staerken.html. Zudem bleibt die konkrete Umsetzung des Pflegestärkungsgesetzes III auf Länderebene abzuwarten.

[3] Weitere Informationen hierzu können der Homepage http://www.demenzfreundliche-kommunen.de/ entnommen werden.

[4] Vergleiche hierzu bspw. die „Taschentuchaktion“ der Stadt Gießen: http://www.knoten-taschentuch.de/

[5] Vergleiche hierzu bspw. die Demenzkampagne Rheinland-Pfalz: http://www.demenz-rlp.de/

[6] Bspw. „Vergiss mein nicht“ von David Sieveking (Dokumentation) – u.v.a.m.

[7] Bspw. „Small World“ von Martin Suter (Drama, medizinische Fallstudie, Thriller) – u.v.a.m.

[8] Vergleiche hierzu: http://www.aktion-demenz.de

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Der demografische Wandel als Herausforderung für Kommunen. Wie kann ein lebensfreundliches Umfeld für Menschen mit Demenz geschaffen werden?
Untertitel
Grundsätzliche Überlegungen und Lösungsansätze
Autor
Jahr
2015
Seiten
21
Katalognummer
V350837
ISBN (eBook)
9783668377387
ISBN (Buch)
9783668377394
Dateigröße
765 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demenz, Versorgung, Kommune, Versorgungsforschung, Altenpflege, Altenhilfe, Daseinsfürsorge
Arbeit zitieren
Pajam Rais Parsi (Autor), 2015, Der demografische Wandel als Herausforderung für Kommunen. Wie kann ein lebensfreundliches Umfeld für Menschen mit Demenz geschaffen werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350837

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