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Jean-Paul Satre und Sigmund Freud. Ein freudianischer Blick auf "Huis clos"

Titel: Jean-Paul Satre und Sigmund Freud. Ein freudianischer Blick auf "Huis clos"

Hausarbeit , 2016 , 33 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Judith Wagenhäuser (Autor:in)

Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob bestimmte Theorien Sigmund Freuds trotz Jean-Paul Sartres Kritik an der Psychoanalyse auf Sartres Drama "Huis clos" anwendbar sind und welche Funktion diese im Stück einnehmen. Bei dem Versuch einer Betrachtung des Dramas aus dem Blickwinkel der freudschen Psychoanalyse steht vor allem die Manifestation des Todestriebes im Fokus. Doch auch die von Freud beschriebene Angst, das Instanzenmodell der menschlichen Psyche, das Lustprinzip, der von Freud definierte Narzissmus sowie das Verdrängen fließen in die Betrachtung mit ein. Auf Grund der Thematik des Stückes liegt darüber hinaus ein Schwerpunkt auf der Verwendung des Motivs der Augen und des Blickes.

Sartre und seine philosophischen Schriften stehen Freud und seinen psychoanalytischen Theorien kritisch gegenüber. Sartre erhebt den Vorwurf des Synkretismus sowie „die Verschmelzung von Gedankengut aus verschiedenen Philosophien ohne Nachweise der inneren Einheit, wobei die Widersprüchlichkeit der verschiedenen Konzepte verdeckt wird“ , fasst Dandyk zusammen. Denn in Sartres Existentialismus „ist der Trieb keine Substanz im Menschen, sondern eine Relation zwischen Mensch und Welt“ , die eine unzertrennliche Einheit bilden und „nicht in selbständige Substanzen und unselbständige Relationen zerlegt werden“ können. Auf Grund jener kritischen Haltung Sartres scheint eine Betrachtung seiner Werke aus einer freudianischen Perspektive interessant. Sind trotz der offensichtlichen Abgrenzung Elemente der freudianischen Psychoanalyse auf die Dramen Sartres anwendbar?

Sartre verbindet in seinen Werken meist Mythos mit Alltäglichem: Beispielsweise in dem Drama "Huis clos" treffen Inès, Garcin und Estelle in der Hölle, welche ein Zimmer im Stil des Second Empire ist, aufeinander. Sie versuchen, trotz fehlendenr Gemeinsamkeiten den Grund für ihr Zusammentreffen zu ergründen und das Fehlen eines Henkers zu erläutern. In den Dialogen ergründen und verhandeln sie deshalb progressiv die Schuld jedes einzelnen und erkennen schließlich die eigene Abhängigkeit vom Fremdbild der anderen: Alle drei scheitern bei dem Versuch, dem Gegenüber eine konkrete Perspektive auf die eigene Person und ihre Vergangenheit zu forcieren.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Jean-Paul Sartre und Sigmund Freud

2. Ein freudianischer Blick auf Jean-Paul Sartres huis clos

2.1 Angst – Garcin und Inès

2.2 Das Lustprinzip

2.3 Das Struktur- oder Instanzenmodell der Psyche

2.4 Narzissmus – Estelle (und Garcin)

2.5 Der Todestrieb

2.6 Die Verdrängung

2.7 Augen, Spiegel, Doppelgänger

3. „L´enfer, c' est les Autres“

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Drama „huis clos“ von Jean-Paul Sartre auf Basis zentraler psychoanalytischer Theorien von Sigmund Freud. Ziel ist es zu analysieren, inwiefern diese Konzepte trotz Sartres expliziter Kritik an der Psychoanalyse zur Interpretation der Dynamik und der psychischen Zustände der Protagonisten beitragen können.

  • Anwendung psychoanalytischer Begriffe (Angst, Lustprinzip, Todestrieb, Verdrängung) auf das Drama.
  • Untersuchung der zwischenmenschlichen Spannungsfelder und Machtstrukturen.
  • Analyse der Rolle von Blick und Spiegelung für die Identitätskonstitution.
  • Erforschung der psychologischen Auswirkungen von Ausgeliefertsein und Passivität.
  • Interpretation von Garcins Feigheit und Inès' Sadismus im psychoanalytischen Kontext.

Auszug aus dem Buch

2.1 Angst – Garcin und Inès

Freud kategorisiert verschiedene Formen der Angst und sieht diese als Affekt, dessen Auftreten verschiedene Ursprünge haben kann. Einerseits gründet die Angst im befürchteten Liebesentzug, der bereits durch die Mutter stattfand. Außerdem resultiert Angst aus der Kastrationsdrohung in Folge des Ödipuskomplexes sowie aus der Strenge des Über-Ich und der Vorstellung vom Tod. Die Androhung der Kastration ist eine Reaktion des Vaters auf infantile sexuelle Phantasien gegenüber der Mutter. Der Kastrationskomplex des Kindes resultiert aus jener Kastrationsangst, wohingegen Mädchen das Fehlen eines Penis als bereits stattgefundenen Kastration und Nachteil gegenüber den Männern, welcher kompensiert oder bestenfalls akzeptiert werden muss, wahrnehmen. Der Begriff Trieb umfasst in der Psychoanalyse die „leidenschaftliche Wünsche, Phantasien und Gefühle, die im sinnlichen Kontakt mit der Außenwelt Befriedigung und Erfüllung finden.“

Garcins Kontrolldrang äußert sich in der detaillierten Erfassung seiner Situation, denn er wird ungerne von äußeren Umständen überrascht, sondern versucht alle Possibilitäten im Voraus zu bedenken. Die von ihm empfundene Gefahr durch Unbedachtes verbalisiert er mit der Personifikation „Je ne veux pas qu‘elle [la situation, Anm. d. Verf.] saute sur moi par-derrière“ (S. 11), welche bereits seine begrenzten Handlungsmöglichkeiten und das Gefühl des Ausgeliefertseins verdeutlicht. Inès Frage nach der Möglichkeit, den Raum zu verlassen, bezieht Garcin auf sich („Je comprends [..] que ma présence vous importune.“, S. 15), weshalb er antwortet, ebenfalls allein sein und sein Leben ordnen zu wollen. Inès wirkt durch jene Frage, welche eine Allusion auf Ausweich- oder Fluchtmöglichkeiten ist, ängstlich. Die Aussicht, mit Garcin alleine in einem Raum zu sein, scheint bei ihr Furcht auszulösen. Den Kastrationskomplex Garcins als Folge der Kastrationsangst und das sexuelle Interesse an Inès belegen die Tatsache, vermeintliche Schwächen nicht zugeben zu wollen, um sein Gesicht zu wahren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Jean-Paul Sartre und Sigmund Freud: Diese Einleitung stellt die kritische Haltung Sartres gegenüber der Psychoanalyse dar und legt die Relevanz einer freudianischen Betrachtung seiner Dramen dar.

2. Ein freudianischer Blick auf Jean-Paul Sartres huis clos: Dieser Hauptteil analysiert die psychischen Dynamiken der drei Charaktere anhand zentraler freudscher Konzepte wie Angst, Triebstruktur, Narzissmus und Verdrängung.

2.1 Angst – Garcin und Inès: Hier wird der Kontrolldrang Garcins und seine Kastrationsangst im Kontext des Zusammenlebens mit Inès in der Hölle untersucht.

2.2 Das Lustprinzip: Das Kapitel beleuchtet das Streben der Figuren nach Spannungsreduktion und die Unmöglichkeit der Triebbefriedigung unter den Bedingungen ihres Daseins.

2.3 Das Struktur- oder Instanzenmodell der Psyche: Die Analyse konzentriert sich auf Inès als Verkörperung des Über-Ich und die Konflikte bei der Vermittlung zwischen Es-Bedürfnissen und gesellschaftlichen Ansprüchen.

2.4 Narzissmus – Estelle (und Garcin): Dieser Abschnitt betrachtet Estelle als narzisstisch geprägte Persönlichkeit, die ihre Identität ausschließlich durch die Wahrnehmung von außen definiert.

2.5 Der Todestrieb: Hier wird die Aggression und Destruktivität der Figuren, insbesondere von Inès, als Ausdruck des Todestriebes interpretiert.

2.6 Die Verdrängung: Das Kapitel thematisiert die Versuche der Charaktere, sich der Realität ihrer Taten und ihrer Schuld durch Leugnung zu entziehen.

2.7 Augen, Spiegel, Doppelgänger: Diese Analyse fokussiert auf die Bedeutung des Blicks der Anderen sowie die Rolle von Spiegelungen für das Selbstbild der Figuren.

3. „L´enfer, c' est les Autres“: Das Fazit fasst zusammen, dass die Figuren in einem unfreiwilligen und unlösbaren Abhängigkeitsverhältnis zueinander gefangen bleiben.

Schlüsselwörter

Psychoanalyse, Jean-Paul Sartre, Sigmund Freud, Huis clos, Angst, Kastrationskomplex, Narzissmus, Todestrieb, Verdrängung, Existentialismus, Blick, Identität, Abhängigkeit, Triebstruktur, Interaktion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Theaterstück „huis clos“ von Jean-Paul Sartre aus der Perspektive der freudschen Psychoanalyse, obwohl Sartre der Psychoanalyse skeptisch gegenüberstand.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?

Die zentralen Themen sind das menschliche Verhalten in Grenzsituationen, die Dynamik zwischenmenschlicher Abhängigkeiten, die psychische Selbstinszenierung und die Unausweichlichkeit des Blicks des Anderen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die psychischen Zustände der Charaktere Inès, Garcin und Estelle mittels psychoanalytischer Begriffe wie Angst, Lustprinzip und Todestrieb zu analysieren und zu validieren, ob diese Theorien auf das Drama anwendbar sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die das Drama textnah interpretiert und dabei mit theoretischen Ansätzen der klassischen Psychoanalyse verknüpft.

Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene psychologische Phänomene, darunter die Kastrationsangst bei Garcin, narzisstische Tendenzen bei Estelle, Inès' Dominanz als Todestrieb-Manifestation sowie die fundamentale Rolle von Augen, Spiegeln und der Verdrängung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Narzissmus, Kastrationskomplex, Todestrieb, Verdrängung, Existentialismus, Blickdynamik und psychische Instanzen.

Wie fungiert der „Blick“ der Anderen im Drama gemäß der Arbeit?

Der Blick wird als Instrument zur Identitätszuschreibung und gleichzeitig als Zwang zur Selbsterkenntnis interpretiert, was für die Figuren zur dauerhaften psychischen Qual wird.

Warum wird Inès in der Analyse als „Hölle“ für die anderen bezeichnet?

Inès durchschaut die Lügen und Verdrängungsversuche von Garcin und Estelle, was sie in eine überlegene Machtposition bringt, aus der heraus sie die Schwächen der anderen gezielt instrumentalisiert.

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Jean-Paul Satre und Sigmund Freud. Ein freudianischer Blick auf "Huis clos"
Note
1,0
Autor
Judith Wagenhäuser (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2016
Seiten
33
Katalognummer
V350913
ISBN (eBook)
9783668374324
ISBN (Buch)
9783668374331
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jean-paul satre sigmund freud blick huis
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Judith Wagenhäuser (Autor:in), 2016, Jean-Paul Satre und Sigmund Freud. Ein freudianischer Blick auf "Huis clos", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350913
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  33  Seiten
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