Immer häufiger wird in der Öffentlichkeit über das Problem der Finanzierung von
Opernbetrieben, die hier stellvertretend für alle staatlich subventionierten
Kulturbetriebe gesetzt werden (Theater, Orchester, Museen etc.), diskutiert. Die sehr
hohen Subventionen für Opernhäuser, die bei der Hamburgischen Staatsoper
beispielsweise € 76.- je Platz und Abend betragen, verleiten viele Politiker in
Deutschland dazu, über den (Un-)Sinn der Kultursubventionierung zu lamentieren,
gerade in der Zeit knapper öffentlicher Kassen. Sehr zum Unmut der Hamburgischen
Staatstheater wurde in den Jahren 1998 bis 2001 der Hamburger Kultusetat von
1,2% auf 0,9% des Hamburger Landeshaushaltes abgesenkt1, was sich als erstes in
der Qualität und im Umfang der Spielpläne niederschlagen dürfte, ohne dass über
die daraus entstehenden Finanzierungsprobleme für die Theater ansatzweise
diskutiert wurde. Ebenso mangelt es heute an neuen Finanzierungskonzepten,
welche die Hamburger Kulturszene stabilisieren und handlungsfähiger machen
könnte. Der Vollständigkeit halber sei hier erwähnt, dass der Kultusetat von 1950 bis
1992 kontinuierlich auf das Niveau von 1,2% angewachsen ist, ausgehend von 0,4%
(1950)2. Am offenkundigsten wird das Finanzierungsproblem derzeit in Berlin, auf
das hier später noch genauer eingegangen wird. Immerhin wurde in Berlin durch die
rechtliche und finanzielle Neustrukturierung des Berliner Philharmonischen
Orchesters zumindest ein Schritt in eine neue und richtige Richtung getan, indem
das Orchester weithin in eine private Stiftung überführt wurde; ein Schritt aus dem
man lernen könnte für künftige Umstrukturierungen im kulturellen Bereich. Dass dies
jedoch nicht heißen darf, man könne sämtliche Opern, Orchester und Theater
privatisieren und sich selbst überlassen, muss den verantwortlichen Politikern dabei
ebenfalls klar werden, da der Markt allein die Kultur nicht erhalten kann, ebenso wie
die Bildung, das Gesundheitswesen oder die Altersvorsorge nicht rein über den
Markt finanziert werden können. [...]
1 Aus: http://fhh.hamburg.de/stadt/Aktuell/behoerden/finanzbehoerde/haushalt/haushalt-2002/finanzbericht-
2002,property=source.pdf, Stand 04.05. 2003. Insgesamt sind dies ca. 40,2 Mio. € nur für die Staatsoper in 2002.
2 Ebd.; mittlerweile hat der neue Senat die Kulturausgaben auf 2,0% des Gesamthaushaltes in 2002 aufgestockt,
was umgerechnet 193,6 Mio. € entspricht.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Problematik der Opernhäuser
2. Die Kultur und der Markt
2.1. Die Finanzen der Opernhäuser
2.2. Der ‚Opernmarkt’
2.3. Theaterformen am Markt
2.3.1. Kooperativ betriebene Theater
2.3.2. Profitorientierte Theater
2.3.3. Staatlich subventionierte Theater
3. Die Frage der Kultursubventionen
3.1. Warum Subventionen?
3.2.1. ‚Positive externe Effekte’
3.2.2. Umwegrentabilität als zusätzlicher positiver Effekt
3.2.3.Schwächen der Argumentation
4. ‚Die Berliner Opernkrise’
4.1. Die strukturellen Probleme der Berliner Opernhäuser
4.2. Das Konzept zur Sanierung der Berliner Opernlandschaft
5. Ein Ausblick
6.1. Anlage I
6.2. Anlage II
7. Quellen/Literatur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen staatlicher Kulturfinanzierung und marktwirtschaftlichen Anforderungen anhand der aktuellen Herausforderungen der Berliner Opernhäuser. Ziel ist es, ökonomische Grundlagen für den Kulturbetrieb zu erläutern und Reformkonzepte für eine effizientere Strukturierung zu bewerten.
- Ökonomische Analyse der Opernfinanzierung und Marktversagen
- Begründung staatlicher Kultursubventionen durch externe Effekte
- Strukturelle Problemanalyse der Berliner Opernlandschaft
- Bewertung von Reformansätzen wie Stiftungs- oder GmbH-Modellen
- Potenziale zur Steigerung der betrieblichen Effizienz und Synergien
Auszug aus dem Buch
2.3.2. Profitorientierte Theater
Profitorientierte Theater sind auf die Erwirtschaftung von Gewinnen ausgelegt und finden sich heutzutage zumeist bei Musical-Theatern , wie der Neuen Flora oder dem Operettenhaus in Hamburg wieder. Um rentabel arbeiten zu können, müssen bei diesen Theatern zumindest Kombinationen aus folgenden Bedingungen existieren: A) Niedrige Fixkosten, die sich durch einen vergleichsweise niedrigen Gebäude- und Personalbestand realisieren lassen. So haben sich die drei Musical-Theater in Hamburg (neben den beiden oben genannten existiert noch das Buddy Holly Theater) zusammengeschlossen und von der Stella AG aufkaufen lassen, die neben mehreren Kinos noch weitere Musical-Theater in Deutschland betreibt. So konnte das organisatorische Personal und der Gebäudebestand (bspw. Probebühnen) minimiert und auf mehrere Produktionen verteilt werden.
B) Hohe Zuschauerzahlen, die es ermöglichen, die Gesamtkosten auf viele zahlende Gäste zu verteilen, was zu sinkenden Gesamtkosten und zu niedrigen Fixkosten je Zuschauer führt. Diese Entwicklung wird dabei durch ein eng begrenztes Repertoire mit langen Spieldauern realisiert („Cats“ lief im Hamburger Operettenhaus rd. 15 Jahre). Neben Musical-Theatern ist dies vor allem bei Tourneetheatern vorzufinden.
C) Preisdiskriminierung, indem man für ein und dasselbe Produkt, wie eine Aufführung von „Das Phantom der Oper“, unterschiedliche Preise verlangt. So kann man für Plätze im Parterre mehr Geld verlangen als für Plätze im ersten Rang, Premieren können teurer gemacht werden als Repertoirevorstellungen, Feiertage ebenso teurer als Wochentage, genauso wie Vorstellungen mit Starbesetzungen mehr Geld abschöpfen als Aufführungen mit Ensemblebesetzungen. Der Hintergedanke dabei ist, dass man die höhere Zahlungsbereitschaft bestimmter Kundengruppen abschöpfen möchte, um die dadurch gewonnene Konsumentenrente zur Deckung der Kosten zu verwenden.
D) Aquise anderer Einnahmequellen durch Fernsehaufzeichnungen oder Sponsoring. Dies setzt allerdings voraus, dass diese Theater vor allem populäre Stücke spielen, damit die Unternehmen und die Fernsehanstalten Interesse an den jeweiligen Stücken entwickeln, da sie damit ein breiteres Publikum ansprechen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Problematik der Opernhäuser: Einführung in die Finanzierungsschwierigkeiten subventionierter Kulturbetriebe und Darstellung der aktuellen Notwendigkeit für neue Strukturkonzepte.
2. Die Kultur und der Markt: Untersuchung der ökonomischen Rahmenbedingungen, der Kostenstrukturen und der verschiedenen Theaterformen im Marktvergleich.
3. Die Frage der Kultursubventionen: Analyse der Rechtfertigungsgründe für staatliche Förderungen durch positive externe Effekte und Umwegrentabilität sowie Aufzeigen von Schwachstellen in der Argumentation.
4. ‚Die Berliner Opernkrise’: Detaillierte Darstellung der speziellen strukturellen und finanziellen Probleme der Berliner Bühnen sowie Diskussion konkreter Sanierungsansätze.
5. Ein Ausblick: Zusammenfassende Bewertung zukünftiger Reformmöglichkeiten und deren Bedeutung für die Stabilität des Kulturbetriebs im Allgemeinen.
Schlüsselwörter
Kulturökonomie, Kultursubventionen, Opernhäuser, Berliner Opernkrise, Marktversagen, externe Effekte, Umwegrentabilität, Strukturreform, Theatermanagement, Finanzierung, Stiftungsmodell, Sponsoring, Öffentliche Haushalte, Kulturbetriebe, Marktmechanismen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die ökonomischen Herausforderungen staatlich subventionierter Opernhäuser am Beispiel der Berliner Opernlandschaft und diskutiert, wie diese in Zeiten knapper öffentlicher Kassen zukunftsfähig bleiben können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Kernpunkten gehören das Marktversagen bei Kulturgütern, die Rolle von Subventionen, Möglichkeiten zur Kostenoptimierung in Theatern sowie die Ausgestaltung von Reformkonzepten zur Strukturverbesserung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die ökonomischen Voraussetzungen von Opernbetrieben zu verdeutlichen und aufzuzeigen, wie ein Spagat zwischen staatlicher Verantwortung und marktgerechteren, effizienteren Strukturen gelingen kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse ökonomischer Modelle (wie dem des homo oeconomicus oder keynsianischer Ansätze) in Verbindung mit der Auswertung von Statistiken und konkreten Fallbeispielen der Berliner Opernstrukturreform.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die ökonomische Fundierung der Kulturfinanzierung (u.a. externe Effekte), den Vergleich verschiedener Theaterorganisationsformen und eine tiefgehende Untersuchung der Berliner Krise samt ihrer Reformoptionen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Kulturökonomie, positive externe Effekte, Umwegrentabilität, Subventionspolitik und Strukturreform.
Warum wird die Berliner Opernlandschaft als Beispiel herangezogen?
Berlin bietet mit seiner historisch bedingten Dichte an drei Opernhäusern und der aktuellen Finanzkrise des Landes ein ideales Fallbeispiel, um die Schwierigkeiten der Konsolidierung und notwendige Strukturveränderungen praxisnah zu verdeutlichen.
Was ist der Kern des "Kulturforum Mitte"-Konzepts im Vergleich zu anderen Reformansätzen?
Das Konzept schlägt vor, die drei Häuser unter dem Dach einer Akademie zu vereinen, um Synergien in Verwaltung, Werkstätten und künstlerischen Ressourcen zu nutzen, während gleichzeitig eine fachliche Spezialisierung der Häuser erfolgt.
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- Friedrich Bielfeldt (Author), 2003, Die Oper zwischen Staat und Markt - Eine Betrachtung der Berliner Opernkrise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35093