Kultursponsoring - ein kurzer Überblick


Hausarbeit, 2004

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Kultur und Sponsoring

2. Die Subventionierung von Kultur
2.1. Kultur als volkwirtschaftliches Gut
2.2. Externe Effekte von Kultur
2.3. Kultur und Umwegrentabilität
2.4. Kultur als Standortfaktor

3. Kultursponsoring in der Praxis
3.1. Die verschiedenen Sponsoringarten
3.1.1. Sponsoring
3.1.2. Das Mäzenatentum
3.1.3. Stiftungen
3.1.4. Spenden
3.2. Sponsoring und Subventionen in Zahlen
3.3. Die zukünftige Rolle des Sponsoring

Literaturverzeichnis

1. Kultur und Sponsoring

Kultur und Sponsoring, das scheint zunächst ein Gegensatz zu sein. Über Jahrzehnte hinweg wurde Kultur fast schon selbstredend staatlich subventioniert. Die Kulturinstitutionen erhielten und erhalten immer noch einen Großteil ihrer Budgets bzw. ihrer Defizite, den Teil des Gesamtbudgets also, den sie nicht über Kartenverkäufe und Sponsoringgelder erwirtschaften konnten, vom Staat (Länder und Gemeinden) zugeschossen, ohne dass diese Praxis bisher auch nur ansatzweise in Frage gestellt wurde.

Die Finanzkrise der öffentlichen Haushalte, gerade seit der Wiedervereinigung 1990, löste jedoch eine Debatte über Subventionskürzungen aus, die sich auch auf diese gängige Praxis richtete. Die Schließungen des Metropol-Theaters 1999 sowie des Schiller-Theaters 2001 in Berlin geben bereits einen Vorgeschmack darauf, welche Konsequenzen eine solche Debatte haben kann, zumal führende Politiker wie Peer Steinbrück (SPD) und Roland Koch (CDU) davon ausgehen, dass angeplante Subventionskürzungen, die aufgrund der Finanzsituation der öffentlichen Haushalte unabdingbar sind, alle Bereiche des öffentlichen Lebens zu treffen haben und somit auch den Bereich der Kultur. Dieser Ansatz ist aus Sicht des Politikers, der seine meist unliebsamen Entscheidungen dem Wähler zu vermitteln hat, durchaus auch verständlich.

Die Suche nach neuen Finanzierungsformen muss daher die neue Aufgabe der Kulturinstitutionen in Zusammenarbeit mit den Kulturpolitikern sein, um der kulturellen Infrastruktur der Bundesrepublik Deutschland keinen nennenswerten Schaden zuzufügen. Die Folge daraus wird der Aufbau eines umfassenden Sponsoring- und Spendenwesens sein, um der momentanen Lage Rechnung zu tragen.

Diese Hausarbeit wird das Gut ‚Kultur’ zunächst aus volkswirtschaftlicher Sicht betrachten, um damit eine Abgrenzung zu anderen gesellschaftlichen Bereichen wie dem Sport vorzunehmen, die weitgehend nicht subventioniert werden, bevor die verschiedenen Formen des Sponsorings (Mäzenatentum, Stiftungen, Spenden sowie das Sponsoring selbst) am Beispiel betrachtet werden sollen, um ein Bild davon zu vermitteln, wie sich die derzeitige Sponsoringpraxis in der Bundesrepublik Deutschland darstellt. Ein Blick auf die zahlenmäßigen Dimensionen des Kultursponsorings wie der Kultursubventionierung und auf die künftige Rolle des Sponsorings schließt den ersten Teil der Hausarbeit ab.

Der zweite Teil der Hausarbeit beleuchtet sodann das Sponsoring aus Sicht des Sponsors wie des Gesponserten sowie die damit einhergehenden Chancen und Risiken aus wirtschaftlicher und rechtlicher Sicht. Am Ende steht ein Blick auf das Kultursponsoring im internationalen Vergleich.

2. Die Subventionierung von Kultur

Obwohl es aus unternehmerischer Sicht viele inhaltliche Überschneidungen zwischen Sport- und Kultursponsoring gibt, da beide Aktivitäten als Teil des unternehmerischen Marketings gelten können, mit dem Ziel, die Bekanntheit und das Image eines Unternehmens zu steigern, so ergibt sich aufgrund der Unterschiedlichkeit dieser beiden gesellschaftlichen Bereiche doch die Notwendigkeit einer differenzierteren Betrachtung von Sport und Kultur. Der wesentliche Unterschied zwischen den Bereichen besteht darin, dass die Kultur von Seiten des Staates gesponsert, d.h. subventioniert wird. Es ist daher notwendig, einen Blick auf die wirtschaftspolitischen Aspekte des Gutes Kultur zu werfen, welche ausschlaggebend sind für die staatliche Bezuschussung der Kultur. Hierfür ist es allerdings wichtig zu erwähnen, dass es sich, wenn in diesem Zusammenhang von Kultur geredet wird, um den Bereich der sog. Hochkultur handelt in Abgrenzung bspw. zur Subkultur, zur Alltagskultur oder auch zur Konsumkultur. Die sog. Hochkultur umfasst dabei die Bereiche der Theater, Opernhäuser, der (Literatur-)Archive, der Orchester, Museen, Volkshochschulen sowie der Literatur allgemein.[1]

Wirft man einen Blick auf den Umfang der Kultursubventionen der Länder,[2] so fällt auf, wie unterschiedlich die Dimensionen der Kultursubventionierung sein können, wenn man die makroökonomischen Größen gegen die betrieblichen Größen der Institutionen abgrenzt.

Während in Hamburg die Kultursubventionen von 1998 bis 2001 von 1,2% auf 0,9% des Landeshaushaltes abgesenkt wurden, stieg der Kulturetat in 2002 auf 2% des Haushaltes an, was 193,6 Millionen Euro entspricht.[3] Davon entfallen 40,2 Millionen Euro allein auf die Hamburgische Staatsoper, was bei einem Gesamtbudget von ca. 54,32 Millionen Euro einer Zuschussquote von 74% entspricht. Die restlichen 14,12 Millionen Euro (26%) erwirtschaftet die Staatsoper über Kartenverkäufe und Sponsoringgelder.[4][5] Rechnet man den Subventionsbetrag auf die 300 Aufführungen je Saison und die 1765 Plätze herunter, so ergibt sich daraus ein Subventionsbetrag von 76 Euro je Platz und Abend.

Diese Sicht der Zahlen verdeutlicht zweierlei:

Zum einen lässt sich feststellen, dass es sehr schwer ist, die Dimensionen der Kulturförderung in ihrer Höhe zu bewerten. Zum anderen zeigt sich, dass Institutionen wie

die Staatsoper dadurch, dass die Subventionshöhe seit 2001 gedeckelt ist, und das Haus zudem jedes Jahr die tarifliche Erhöhung der Mitarbeitergehälter um 1,5% zu tragen hat, ein immer höheres Maß an Sponsoringgeldern einwerben müssten, um nicht einen Niveauverlust im Leistungsangebot zu erzeugen.[6] Natürlich könnte die Staatsoper auch die Kartenpreise erhöhen. Dies ist jedoch aus ökonomischer Sicht nicht unbedingt ratsam. Eine von W. Baumol 1966 durchgeführte Untersuchung, die in der Folgezeit mehrfach wiederholt wurde, zeigte, dass eine Erhöhung der Kartenpreise um 1% einen Besucherrückgang von 0,7% bewirken würde.[7] An diese Stelle nun steht der Beginn einer ganzen Legitimationskette, mit der man die Bedeutung von Kultur und deren Subventionierung volkswirtschaftlich begründet.

2.1. Kultur als volkwirtschaftliches Gut

Als Begründung für die staatliche Subventionierung lassen sich für das Gut Kultur zwei Aspekte anführen.

1. Kultur ist ein öffentliches Gut. Öffentliche Güter sind durch zwei Merkmale gekennzeichnet: „Sie können ohne ein den Knappheitsverhältnissen entsprechendes Entgelt genutzt werden (unvollständige Anwendung des Ausschlussprinzips) und es besteht [keine] Rivalität in der Nutzung des Gutes. Dabei meint Rivalität hier, dass die Nutzung des Gutes durch einen Akteur die Nutzungsmöglichkeiten durch andere Akteure einschränkt.“[8] „Gilt das Ausschlussprinzip nicht oder nicht vollständig, so bedeutet dies nichts anderes, als dass [...] Effekte vorliegen und bestimmte Handlungen mit Zusatzkosten bzw. Zusatznutzen.“[9]
2. Kultur ist ein meritorisches Gut. „Als meritorisch bezeichnet man solche Güter, die nach Auffassung der staatlichen Entscheidungsträger in zu geringem Maße nachgefragt werden [...].“[10]

Dass Kultur ein meritorisches Gut ist, dürfte eingängig sein. Immerhin werden Literaturarchive, Orchesterkonzerte und Opernaufführungen von einem relativ kleinen Teil der Bevölkerung besucht bzw. nachgefragt. Nach gängiger Auffassung vieler Kulturorganisatoren dürfte der Bevölkerungsanteil, der Kunst- und Kulturveranstaltungen besucht, sei es regelmäßig oder unregelmäßig, etwa zwischen 6% und 18% der in Deutschland lebenden Menschen liegen.[11]

Unter Berücksichtigung dieser Zahlen kann man sehr leicht zu der These kommen, dass es wünschenswert wäre, wenn mehr Menschen vom kulturellen Angebot einer Region Gebrauch machen würden. Da jedoch die privaten Haushalte, wie jedes Unternehmen auch, Budgetrestriktionen unterliegen, d.h. über ein beschränktes Kontingent an finanziellen Mitteln verfügen, ist dieser Wunsch oftmals nicht ohne weiteres realisierbar. Die o.g. Untersuchung[12] über den Besucherrückgang bei Preiserhöhungen untermauert dieses Argument.

Auch leitet der Gedanke der Meritorik von Kulturgütern zu der Tatsache über, dass Kultur ein öffentliches Gut ist. Öffentliche Güter sind solche, die „in kollektiver bzw. staatlicher Regie erbracht werden müssen, weil der Markt ohne spezielle Eingriffe versagt.“[13]

Und ein Grund dieses Marktversagens kann die Tatsache sein, dass keine Rivalität im Konsum besteht. Ein Beispiel dafür wäre eine nicht ausverkaufte Vorstellung bspw. einer modernen Oper. Ein solcher Sachverhalt deutet auch schon auf die Meritorik der Kultur hin. Des Weiteren bewirkt die Erstellung von Kultur, wie oben erwähnt, externe Effekte, die von allen Bürgern genutzt werden (können), gewollt oder ungewollt.

2.2. Externe Effekte von Kultur

Man unterscheidet in der Literatur gemeinhin zwischen technologischen externen Effekten,pekuniären externen Effekten sowie psychologischen externen Effekten.

Allgemein kann man festhalten, dass externe Effekte dann vorliegen, „wenn in der Nutzen- bzw. der Gewinnfunktion eines Akteurs (A) außer dessen eigenen Parametern [...] mindestens eine Variable [...] enthalten ist, die nicht (vollständig) von A, sondern von einem (oder mehreren) anderen Akteur(en) kontrolliert wird [...].“[14] Die positiven externen Effekte von Kultur dürften dabei psychologischer, die negativen externen Effekte technologischer Natur sein, da bspw. zwischen der Erstellung einer Opernproduktion und der Nutzenfunktion eines ‚Normalbürgers’ keine pekuniären Zusammenhänge bestehen dürften.[15] Ein psychologischer externer Effekt kann dann vorliegen,wenn das Nutzenniveau eines Individuums durch das Gewinn- oder Nutzenniveau eines Dritten beeinflusst wird, ohne dass ein physischer Zusammenhang besteht.[16] Technologische externe Effekte treten dann auf,wenn ein direkter Zusammenhang zwischen der Nutzen- bzw. Gewinnfunktion mehrerer Akteure besteht, der nicht durch den Marktmechanismus erfasst wird, so durch die preisliche Kompensation der erbrachten Leistung.[17]

[...]


[1] Literatur allgemein, also Bücher und Publikationen, werden dabei nicht direkt aus den Kulturetats der Länder subventioniert, sondern indirekt gefördert. Dies geschieht dadurch, dass der Käufer beim Erwerb von Büchern 7% statt der sonst üblichen 16% Mehrwertsteuer zu zahlen hat.

[2] Aus den Artikeln 73 und 74 GG kann man ableiten, dass Kultur eine der wenigen ausschließlichen Länderaufgaben ist. Und in der Tat werden die wenigsten Kulturinstitutionen auch durch den Bund subventioniert. Zu diesen gehören u.a. das Filmarchiv e.V. in Berlin, das Berthold Brecht Haus e.V. in Berlin, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die auch die Berliner Museumsinsel umfasst, die Stiftung Berliner Philharmoniker sowie die Bayreuther Festspiele GmbH.

[3] Vgl. http://fhh.hamburg.de/stadt/Aktuell/behoerden/finanzbehörde/haushalt/haushalt-2002/finanzbericht-2002;property=source.pdf, Stand 04.05.2004.

[4] Vgl. ebd.

[5] Vgl. http://www.welt.de/data/2003/05/089579.html, Interview mit GMD Ingo Metzmacher; Stand 05.05.2004.

[6] Vgl. ebd.

[7] Vgl. W. Baumol, Juni 1967, S. 415-426.

[8] Vgl. Th. Wein, 2001, S. 110.

[9] Ebd., S. 352.

[10] Ebd., S. 354.

[11] Vgl. O. Zimmermann, 1993, S. 37 f. Der Autor bezieht sich bei dieser Angabe auf eine Studie der SRD/ZDF-Medienkommission aus dem Jahr 1991. Diese stellte für das Jahr 1988 fest, dass von den 2600 Museen der sog. alten Bundesländer, etwa die Hälfte von ihnen sind öffentliche Museen, etwa 10%, also ca. 260, als Kunstmuseen gelten. Von den 66 Mio. Gästen aller Museen in 1988 besuchten etwa 18%, also ca. 11,9 Mio. Menschen, diese Kunstmuseen. Zwar lassen sich diese Zahlen nicht vollständig auf Opernhäuser oder Archive übertragen, zumal sie auch Mehrfachbesucher erfassen. Jedoch liefert diese Zahl einen ersten Anhaltspunkt über die gesellschaftlichen Dimensionen von Kunst, auch in Bezug auf Kunstinstitutionen als sozialer Ort.

[12] Vgl. W. Baumol, Juni 1967, S. 415-426.

[13] In: Th. Wein, 2001, S. 354.

[14] Ebd., 2001, S. 96.

[15] Pekuniäre externe Effekte erfolgen durch eine Änderung der Allokation und bewirken nichts anderes als Preisänderungen aufgrund von Nachfrage- oder Angebotsänderungen. Dieses führt jedoch nicht zu Marktversagen und ist somit auch keine Rechtfertigung für Eingriffe des Staates.

[16] Vgl. Th. Wein, 2001, S. 97.

[17] Vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Kultursponsoring - ein kurzer Überblick
Hochschule
Universität Lüneburg  (Institut für Marketing und Technologiemanagement)
Veranstaltung
Rechtliche und wirtschaftliche Aspekte des Sponsoring
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
19
Katalognummer
V35096
ISBN (eBook)
9783638351270
ISBN (Buch)
9783638953610
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kultursponsoring, Rechtliche, Aspekte, Sponsoring
Arbeit zitieren
Friedrich Bielfeldt (Autor), 2004, Kultursponsoring - ein kurzer Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35096

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