Die Staatsarbeit wurde im Rahmen des Ersten Staatsexamens geschrieben und trägt den Titel: „Konstruktion von Männlichkeit im und durch Fußball“.
Da das Thema breit gefächert und sehr umfangreich ist, erhebt diese Arbeit keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr wurden zentrale Aspekte des Themas ausgewählt und differenziert bearbeitet.
Der Fußball ist in Deutschland ein hohes Kulturgut, nichts anderes fasziniert, vereint oder spaltet die Massen auf so magische Weise. Und spätestens seit der WM 2006 haben wir die berechtigte Hoffnung, dass unser Volkssport Nr. 1 auch in der modernen Gesellschaft angekommen ist. Gerne präsentiert man sich tolerant und weltoffen, dabei gibt es noch bei einigen Themen Nachholbedarf.
Zunächst einmal soll im Rahmen dieser Arbeit vorgestellt werden, inwiefern das Geschlecht selbst von unserer Gesellschaft konstruiert wird und dadurch die Zweigeschlechtlichkeit unangetastet als etwas Selbstverständliches begriffen wird.
Darüber hinaus wird sich in 2.2 mit der Thematik Männlichkeit als soziale Konstruktion befasst und es wird aufgezeigt, dass unsere Gesellschaft nicht nur das Geschlecht in männlich und weiblich unterteilt und keine Mischformen zulässt, sondern es definiert auch klar, was alles zur Männlichkeit zählt und welche Eigenschaften als männlich angesehen werden. Dabei findet auch eine klare Trennung zum Weiblichen statt, was die Theorie der Zweigeschlechtlichkeit weiter verfestigt. Anschließend wird in 2.3 erläutert, dass Fußball, wie jede andere Sportart auch, eine Konstruktion unserer Gesellschaft ist und es wird die Macht die der Fußball in unserer heutigen Gesellschaft hat, aufgezeigt. Politiker und Prominente nutzen den Fußball besonders im Wahlkampf und zur Werbung.
In Kapitel 3 wird dann ein Exkurs über Diskriminierung und Homophobie in unserer Gesellschaft gemacht. Dieser Exkurs soll später helfen zu verstehen, dass Homosexualität nicht nur im Sport als etwas unnormales und speziell bei Männern als Unmännlichkeit schlechthin wahrgenommen wird. Der Fußball als beliebteste Sportart Deutschlands spiegelt dementsprechend nur wider, was in der Gesellschaft auch zu finden ist. Allerdings wirkt der Fußball, wenn es um Diskriminierung und Homophobie gegenüber Homosexuellen geht, wie ein Verstärker, weil Fußball in unserer Gesellschaft als eine Sportart verstanden wird, die die Männlichkeit schlecht reproduziert. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Konstruktionen in der Gesellschaft
2.1 Konstruktion von Geschlecht in der Gesellschaft
2.2 Männlichkeit als soziale Konstruktion
2.3 Konstruktion von Fußball und die Macht des Fußballs in der Gesellschaft
3. Diskriminierung und Homophobie in der Gesellschaft
4. Konstruktionen im Fußball
4.1 Konstruktion von Geschlecht im Fußball
4.2 Die männliche Fanszene im Fußball
4.3 Konstruktion von Fußball und Männlichkeit
4.3.1 Heterosexualität am Beispiel Oliver Kahn
4.3.2 Metrosexualität am Beispiel von David Beckham
4.3.3 Homosexualität am Beispiel von Thomas Hitzsperger
5. Diskriminierung und Homophobie im Fußball
6. Weitere Tabu´s im Fußball
6.1 Der Fall Andreas Biermann
6.2 Der Fall Martin Amedick
6.3 Die Rede von Dr. Theo Zwanziger auf der Trauerfeier zum Tod von Robert Enke
7. Ilusionen im Fußball
8. Fußball als Medium für eine männliche Erziehung
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die soziale Konstruktion von Männlichkeit im Kontext des Fußballs. Dabei wird analysiert, wie hegemoniale Männlichkeitsbilder durch Sport und Fanszenen reproduziert werden, welche Rolle Diskriminierung und Tabuisierung spielen und inwiefern Fußball als Instrument der männlichen Erziehung fungiert.
- Soziale Konstruktion von Geschlecht und Männlichkeit
- Homophobie und Diskriminierung in der Fußballgesellschaft
- Analyse prominenter Fallbeispiele (z.B. Thomas Hitzsperger, Andreas Biermann)
- Tabuisierung psychischer Erkrankungen im Profifußball
- Fußball als Medium zur männlichen Erziehung und Sozialisation
Auszug aus dem Buch
4.2. Die männliche Fanszene im Fußball
Eine der bekanntesten Fangruppierungen sind die Ultras. Die Ultras stehen für Werte wie Engagement, Gruppenzusammenhalt und Verantwortungsgefühl gegenüber ihrem Verein bzw. dem Team. Mit aufwändigen Spruchbändern, Transparenten und Choreographien unterstützen sie nahezu bedingungslos ihre Mannschaft (vgl. Gabler, 2010, S. 57). Zweifelsohne gehören die Ultras zu den „echten“ Fans. Und „Fans haben eine klare Vorstellung davon, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit jemand den Graben überspringen und echter Fan werden darf“ (Fiske, 1997, S. 58). Ein „echter“ Fan hat Interesse am Fußball und ausreichende Fachkenntnisse über die Sportart bzw. den Verein (vgl. Sülzle, 2011, S. 118). „Mädels“, die wegen ihres Freundes ins Stadion gehen oder einzelne Spieler anhimmeln gelten hingen nicht als „echte“ Fans, da sie nicht um des Fußballs willen ins Stadion gehen. Ebenso werden Ehefrauen von Spielern, Politiker/innen sowie VIP-Besucher häufig nicht als „echte“ Fans gesehen, sondern vielmehr als „Modefans“ oder auch „Erfolgsfans“ bezeichnet. Diese gehen nur zu besonders interessanten Spielen ins Stadion, wie im Auf- oder Abstiegskampf, Derby´s und Pokalspielen, statt ihr Team in jedem Spiel zu unterstützen. Ihnen wird „Konsum ohne Treue und Leidenschaft“ nachgesagt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Konstruktion von Männlichkeit im Fußball sowie Abgrenzung der Zielsetzung dieser Arbeit.
2. Konstruktionen in der Gesellschaft: Theoretische Auseinandersetzung mit der sozialen Konstruktion von Geschlecht und Männlichkeit sowie der gesellschaftlichen Bedeutung des Fußballs.
3. Diskriminierung und Homophobie in der Gesellschaft: Untersuchung der Mechanismen von Minderheitenstress und Ausgrenzung gegenüber Homosexuellen in der Gesellschaft.
4. Konstruktionen im Fußball: Analyse der geschlechtsspezifischen Prägung des Fußballsports und der damit verbundenen männlichen Identitätsbilder.
5. Diskriminierung und Homophobie im Fußball: Aufarbeitung der Tabuisierung von Homosexualität im Profifußball und der damit einhergehenden psychischen Belastungen für Akteure.
6. Weitere Tabu´s im Fußball: Diskussion psychischer Erkrankungen wie Depressionen und Burn-out am Beispiel konkreter Profispieler.
7. Ilusionen im Fußball: Kritische Beleuchtung der ökonomischen Kommerzialisierung des Fußballs und der Entzauberung des „Glitzerwelt“-Mythos.
8. Fußball als Medium für eine männliche Erziehung: Reflexion über den Einsatz von Fußball als Instrument zur Sozialisation und Erziehung junger Männer.
9. Fazit: Zusammenfassung der zentralen Thesen und abschließende Einordnung des Fußballs als Spiegel gesellschaftlicher Identitätskonstruktionen.
Schlüsselwörter
Männlichkeit, Fußball, Geschlechterkonstruktion, Homophobie, Diskriminierung, Profifußball, Depression, Burn-out, Doing Masculinity, Hegemoniale Männlichkeit, Fanszene, Sozialisation, Identität, Tabuisierung, Kommerzialisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie der Sport Fußball aktiv zur Konstruktion und Reproduktion traditioneller Männlichkeitsbilder beiträgt und welche gesellschaftlichen Folgen dies hat.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Neben der Konstruktion von Geschlecht stehen die Themen Homophobie, Diskriminierung, psychische Belastungen im Profisport sowie der Fußball als Instrument männlicher Erziehung im Vordergrund.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die unbewusste Verbindung zwischen Fußball und hegemonialer Männlichkeit aufzudecken und zu hinterfragen, warum Abweichungen vom männlichen Ideal im Fußball tabuisiert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch soziologische Gender-Konzepte (wie "Doing Masculinity") sowie der Analyse von Fallbeispielen aus dem Profifußball und aktueller Studien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die soziologische Analyse von Konstruktionsprozessen, die Behandlung von Tabuthemen wie Homosexualität und psychische Erkrankungen sowie die ökonomische und erzieherische Bedeutung des Fußballs.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie hegemoniale Männlichkeit, soziale Konstruktion, Diskriminierung, homosoziale Männerbünde und Tabuisierung geprägt.
Wie gehen Profifußballer laut der Arbeit mit Depressionen um?
Die Arbeit zeigt, dass psychische Erkrankungen aufgrund des herrschenden heteronormativen Leitbildes oft verschleiert werden, da sie als Schwäche wahrgenommen werden, die eine Karriere gefährden könnte.
Welche Rolle spielen die "Ultras" in diesem Kontext?
Ultras werden als Beispiel für eine spezifische männliche Fankultur genannt, die zwar hohe Loyalitätswerte vertritt, aber auch exklusive und teils diskriminierende Männlichkeitsideale festigt.
- Arbeit zitieren
- Andreas Burkart (Autor:in), 2016, Konstruktion von Männlichkeit im und durch Fußball, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350968