Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit Konzeptionen der Toleranz von Rainer Forst und Achim Lohmar. Die beiden Autoren erarbeiten sehr unterschiedliche Theorien darüber, wie sich Toleranz gestaltet. Gemeinsam haben sie beide, dass der Begriff der Toleranz eine positive und eine negative Seite hat. Rainer Forsts Konzeption wird zuerst erarbeitet, seine Ausarbeitung ist von 2003. Nach einer allgemeinen Darstellung folgt seine negative Seite der Toleranz, „Ablehnungskomponente“ genannt, darauf die positive Seite, die „Akzeptanzkomponente“.
Im Anschluss daran wird Achim Lohmars Toleranzbegriff und seine Explikation erläutert, sein Text ist aus dem Jahr 2010, er geht auch direkt auf Rainer Forsts Text ein und kritisiert diesen. Einige Punkte seiner Kritik werden hier aufgegriffen. Hauptsächlich wird Achim Lohmars Darstellung zuerst allgemein behandelt, dann konkret seine positive und negative Seite der Toleranz, „Abneigung“ und „Nicht-Sanktionierung“.
Zuletzt wird ein Vergleich der beiden Autoren und ihrer Darstellung vorgenommen, daraus ergibt sich eine Vorstellung davon wie differenziert sich der Begriff der Toleranz und seine Konzeptionen gestalten können.
Die Toleranz als handlungswirksames Konzept hat ihren festen Platz in vielen Diskursen, in der philosophischen Umgebung gleichwie auch in der Alltagswelt. Aus dieser Omnipräsenz entsteht die Notwendigkeit sich mit den philosophischen Schwierigkeiten auseinanderzusetzen, die ein Toleranzkonzept mit sich bringt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Darstellung von Rainer Forst
2.1 Die Ablehnungskomponente
2.2 Die Akzeptanzkomponente
3. Die Darstellung von Achim Lohmar
3.1 Die Abneigungskomponente
3.2 Die Nicht-Sanktionierungs-Komponente
4. Der Vergleich
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die unterschiedlichen Toleranzkonzepte von Rainer Forst und Achim Lohmar. Dabei wird analysiert, wie beide Autoren die positiven und negativen Aspekte der Toleranz definieren und welche theoretischen Herausforderungen, wie etwa das Problem der Paradoxien, sie damit adressieren.
- Grundlagen des Toleranzbegriffs und dessen philosophische Einordnung
- Analyse der Ablehnungs- und Akzeptanzkomponenten nach Rainer Forst
- Untersuchung der Abneigungs- und Nicht-Sanktionierungskomponenten nach Achim Lohmar
- Kritische Gegenüberstellung der beiden theoretischen Ansätze
- Diskussion über die praktische Anwendbarkeit und Nachvollziehbarkeit der Konzepte
Auszug aus dem Buch
Die Darstellung von Rainer Forst
Eine wichtige Festlegung, die Forst zu Beginn in seinem Text macht betreffend der Diskussion um den Begriff der Toleranz, ist angelehnt an Rawl´s: Konzept und Konzeptionen. Während das Konzept den Bedeutungskern ausmacht, sind Konzeptionen spezielle Interpretationen von im Konzept enthaltenden Bestandteilen. Daran anknüpfend arbeitet Forst sechs Bestandteile seiner Konzeption von Toleranz heraus.
Der erste Bestandteil ist der Kontext der Toleranz. Dies umfasst, wer wen toleriert, in welcher Beziehung diese zueinander stehen, was daraus folgende Gründe für oder gegen Toleranz sind und schließlich welche Handlungen durch die Toleranz gefordert sind.
Die zweite und dritte Komponente der Toleranz sind Ablehnung und Akzeptanz; da diese beiden zentral herausgestellt werden und als Vergleichspunkte dienen, werden sie im nächsten Kapitel noch ausführlich besprochen. Kurz gesagt handelt es sich dabei um die negative und positive Seite der Toleranz.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung stellt das Thema Toleranz als philosophisch relevantes Konzept vor und skizziert den Aufbau der Untersuchung der Theorien von Forst und Lohmar.
Die Darstellung von Rainer Forst: Dieses Kapitel erläutert die sechs Bestandteile von Forsts Toleranzkonzeption mit einem besonderen Fokus auf die Unterscheidung zwischen dem Konzept und verschiedenen Konzeptionen.
Die Ablehnungskomponente: Es wird analysiert, wie Forst die Ablehnung als notwendiges Element definiert, um Toleranz von Indifferenz oder Zustimmung abzugrenzen.
Die Akzeptanzkomponente: Dieses Kapitel behandelt die positiven Gründe, die Forst anführt, um trotz einer negativen Bewertung eine Tolerierung zu rechtfertigen.
Die Darstellung von Achim Lohmar: Hier wird Lohmars Ansatz präsentiert, der Toleranz als personale Einstellung betrachtet und entsprechende Adäquatheitsbedingungen formuliert.
Die Abneigungskomponente: Der Abschnitt beschreibt Lohmars negative Seite der Toleranz, die durch eine moralisch gerechtfertigte Erwartungshaltung gekennzeichnet ist.
Die Nicht-Sanktionierungs-Komponente: Hier wird erläutert, wie Lohmar begründet, dass trotz moralischer Abneigung auf eine Sanktionierung verzichtet wird, abhängig von der individuellen Lage.
Der Vergleich: Dieser Teil führt die Ansätze von Forst und Lohmar zusammen, um die Unterschiede im Kontext und in der methodischen Herangehensweise herauszuarbeiten.
Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die vorgestellten Toleranzbegriffe hinsichtlich ihrer lebensnahen Anwendbarkeit.
Schlüsselwörter
Toleranz, Rainer Forst, Achim Lohmar, Ablehnungskomponente, Akzeptanzkomponente, Abneigungskomponente, Nicht-Sanktionierung, Philosophie, Ethik, moralische Einstellung, Paradoxie, Toleranzkonzept, Sanktionierung, Toleranzbegriff, politische Philosophie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der philosophischen Untersuchung und einem direkten Vergleich zweier moderner Konzeptionen von Toleranz.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Begriffsdefinitionen von Toleranz sowie die Frage, wie ein moralisch begründeter Umgang mit abweichenden Überzeugungen theoretisch modelliert werden kann.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, die Konzepte von Rainer Forst und Achim Lohmar darzustellen, ihre Unterschiede herauszuarbeiten und zu prüfen, inwiefern sie Toleranz als handlungswirksames und logisch konsistentes Konzept begreifbar machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt die literaturanalytische Methode, um die Texte der beiden Autoren systematisch zu dekonstruieren, zu vergleichen und deren Argumentationsketten kritisch zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Vorstellung von Forsts Toleranzkonzept, die Darstellung von Lohmars Ansatz sowie einen anschließenden komparativen Vergleich beider Theorien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Toleranz, Ablehnungskomponente, Akzeptanzkomponente, moralische Einstellung und das Problem der Paradoxien geprägt.
Wie unterscheidet sich Rainer Forsts Verständnis von Toleranz von dem Achim Lohmars?
Während Forst Toleranz in einen breiteren gesellschaftlichen und religiösen Kontext einbettet, fokussiert sich Lohmar stärker auf eine individuelle, personale Einstellung und die situative Angemessenheit von Sanktionen.
Wie löst Lohmars Ansatz das Problem der „Paradoxie der Wahrheitsrelativierung“?
Lohmar vermeidet das Problem, indem er kein Abwägen zwischen negativen und positiven Gründen fordert, sondern die Sanktionierung aufgrund spezifischer situativer Umstände des Akteurs einschränkt.
- Arbeit zitieren
- Kevin Witte (Autor:in), 2013, Konzeptionen der Toleranz von Achim Lohmar und Rainer Forst. Ein Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350999