Verschiedene Einflüsse des kirchlichen Ehrenamts auf die Jugendphase

Eine empirische Analyse mittels Chi²-Test und SPSS


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

26 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Einbettung
2.1 Definitionen
2.1.1 Kirchliches Ehrenamt
2.1.2 Jugendphase
2.1.3 Jugendarbeit
2.2 Theorie und Forschungsstand
2.3 Hypothesenableitung

3 Daten, Variablen und Methoden
3.1 Variablen

4 Empirische Analyse

5 Diskussion

6 Zusammenfassung

7 Literaturverzeichnis

8 Anhang

1 Einleitung

Neil Armstrong, Harald Schmidt, Bill Gates, Claus Schenk von Stauffenberg und Franklin Delano Roosevelt haben eines gemeinsam: Sie sind Pfadfinder. Die Tradition des Knotenflechtens, Liedersingens und Feuermachens gehört zu einer weltweit verbreiteten Jugendbewegung. Diese Kultur musste sich bereits vielen Herausforderungen stellen und unterliegt auch im 21. Jahrhundert dem gesellschaftlichen Wandel und der Säkularisierung (Witte und Niekrenz 2013, S. 9). In Form von Verbänden sammeln sich Pfadfinder unterschiedlicher christlicher Glaubensrichtungen. Diese Jugendarbeit innerhalb der Verbände wird oftmals durch kirchliche Gelder unterstützt und zählt somit zum Bereich des kirchlichen und religiösen Ehrenamts. Der Engagementbereich hat, wie auch die Pfadfinderbewegung, die zunehmende Säkularisierung überlebt und übt weiterhin Einfluss auf wichtige Teilbereiche der Gesellschaft aus. Das Ehrenamt trägt den christlichen Glauben nach außen, verbindet die Zivilgesellschaft mit der Institution Kirche und hat allgemein auch Einflüsse auf andere Bereiche des freiwilligen Engagements (Junga und Rothardt 2016). Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Betrachtung der Jugendphase, da sich vor allem Bildung, Freunde und Freizeit prägend auf den späteren Lebensverlauf auswirken. Daher werden in dieser Arbeit die verschiedenen Einflüsse des kirchlichen Ehrenamts auf die Jugendphase analysiert. Der erste Teil widmet sich der terminologischen Klärung und dem Stand der Wissenschaft in diesem Bereich. Darauf aufbauend werden die Arbeitshypothesen abgeleitet, die als Grundlage der empirischen Analyse dienen, und es erfolgt eine Beschreibung der Variablen, Daten und Methoden. Das vierte Kapitel widmet sich der empirischen Analyse, die sich auf die Untersuchung von Einzelaspekten beschränkt. Ziel dieser Arbeit ist es, Zusammenhänge zwischen der Jugendphase und dem kirchlichen Ehrenamt mit Hilfe ausgewählter Variablen aufzudecken. Daran schließt sich eine Diskussion der Ergebnisse an.

2 Theoretische Einbettung

2.1 Definitionen

Für die Erarbeitung der Fragestellung ist eine Auseinandersetzung mit dem begrifflichen Instrumentarium besonders wichtig. Daher sind die wichtigsten Begriffe klar zu definieren und zu differenzieren. In diesem Kapitel werden die in der Literatur diskutierten Definitionen vorgestellt und dahingehend analysiert, welche von ihnen den Anforderungen sowie dem Spektrum dieser Arbeit am besten entspricht.

2.1.1 Kirchliches Ehrenamt

Folgt man der Definition des Brockhaus, ist Ehrenamt ein „öffentliches mt, das ohne Entgelt ausgeübt wird, teils als Pflicht (Schöffe), teils freiwillig (Gemeindeämter)“ (Adams 2010, S. 260).

Enger als in der Brockhaus-Definition wird hier nur das freiwillige Ehrenamt weiter behandelt. Es lässt sich in verschiedene Bereiche unterteilen und ist in fast allen Teilbereichen der Gesellschaft vorzufinden. Die Ziele und Motivationen dahinter sind sehr vielfältig, jedoch spielt der Kontakt zu Mitmenschen, sowie die Hilfe und Unterstützung durch Menschen in ähnlicher Lebenslage eine entscheidende Rolle (Tesch-Römer et al. 2016, S. 25).

Zur weiteren begrifflichen Bestimmung ist eine Differenzierung der freiwilligen Tätigkeit notwendig. Da das Augenmerk dieser Arbeit auf dem kirchlichen Bereich liegt, beschränke ich mich auf eine engere Definition des kirchlichen Ehrenamts. Diese Sparte zählt zu den größten Bereichen der Freiwilligenarbeit in Deutschland (Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2016, S. 29). Dies ist auch ein Ergebnis des Freiwilligensurveys, bei dem die verschiedenen Sektoren des Ehrenamts untersucht wurden. Die Facetten des kirchlichen Ehrenamts sind vielfältig: Es umfasst Jugendarbeit, Erwachsenenbildung oder auch religiöse Aufgaben. Seine inhaltlichen Aspekte im Gesamten zu erfassen ist besonders schwierig. Daher zählt alles zur Kategorie des kirchlichen Ehrenamts, das entweder in direktem Zusammenhang mit der Kirche steht, dessen Organisationsstruktur des freiwilligen Engagements als kirchlich eingeordnet wird oder bei dem die Kirche als finanzieller Unterstützer hinter dem Ehrenamt steht. Somit werden sowohl strukturelle als auch inhaltliche Aspekte des kirchlichen Ehrenamts erfasst (Tesch-Römer et al. 2016, S. 131). Diese Definition umfasst alle christlichen Kirchen in Deutschland und unterscheidet nicht zwischen römisch-katholischen, evangelischen, orthodoxen oder weiteren Abzweigungen des christlichen Glaubens. Daher wird in dieser Definition die Institution Kirche als Einheit angesehen, die die verschiedenen Richtungen des Glaubens vereinigt.

2.1.2 Jugendphase

Jugend wird vor allem durch das Lebensalter definiert. Speziell in dieser Arbeit wird die Jugendphase auf die Altersgruppe der 14 bis 21 -jährigen begrenzt, da der Freiwilligensurvey erst Personen ab dem 14. Lebensjahr befragt. Ein weiterer Aspekt, der die Jugendphase entscheidend beeinflusst, ist die gesellschaftliche Prägung. Das Beobachten des gesellschaftlichen Organisationsgefüges führt zu einer kritischen Betrachtung und oftmals zu Protesthaltungen (Ecarius et al. 2011, S. 136). In diesem Lebensabschnitt entwickelt sich ein soziales und ökonomisch selbständiges Erwachsenenleben, das zur Persönlichkeitsbildung und Individualisierung beiträgt. Wichtig ist zudem der Kenntniserwerb in dieser Zeit, da er die Grundlage der Kompetenzen, Kenntnisse und Fertigkeiten für das spätere (Berufs-)Leben bildet (Düx et al. 2012, S. 173; Münchmeier 1998, S. 105). Die Entwicklung einer integrierenden Identität und das Ausprobieren kennzeichnen diese Periode, wobei deren Gestaltung in der historischen Entwicklung immer offener, unspezifischer und freier wurde (Tenbruck et al. 1996, S. 195). Besonders wichtig ist der Kontakt zu Gleichaltrigen, der die Persönlichkeitsentwicklung entscheidend beeinflusst und den Jugendlichen zu einer sozialen Person macht. In diesem Lebensabschnitt entwickeln und etablieren sich prägende Werthaltungen (Ecarius et al. 2011, S. 28).

2.1.3 Jugendarbeit

Für eine Definition des Begriffs Jugendarbeit werden die Ergebnisse der Forschungen in den Bereichen Bildung, Adoleszenz und Sozialisation herangezogen.

Merkmale dieses Begriffs sind öffentlich organisierte, pädagogisch wertvolle und außerschulische Aktivitäten, die verschiedene Sozialisationsfelder abdecken. Wie das kirchliche Ehrenamt, basiert auch die Jugendarbeit auf dem Prinzip der Freiwilligkeit (Thole, S. 5). Ein weiterer Aspekt ist die Beziehungsarbeit, die vor allem den pädagogischen Bezug umfasst und als wichtiger Teilbereich der Jugendarbeit gilt (Lindner 2009, S. 21). Verschiedene Interaktionen, wie beispielsweise Konflikte zwischen Jugendlichen und dem leitenden Pädagogen der Jugendarbeit, werden unter diesem Begriff gebündelt und in der Adoleszenz-Forschung analysiert (Bimschas und Schröder 2003, S. 9).

2.2 Theorie und Forschungsstand

Als Grundlage der vorliegenden Analyse dient der Freiwilligensurvey 2014. Dieser Datensatz, der Personen ab 14 Jahren erfasst, ist auf das ehrenamtliche Engagement, seine Teilbereiche und die Bereitschaft zum Ehrenamt fokussiert (Tesch-Römer et al. 2016). Die Ergebnisse des Freiwilligensurveys 2014 wurden zusammengefasst in einem Bericht veröffentlicht. In diesem werden nur die Religionszugehörigkeit und der Bereich des kirchlichen Ehrenamts hervorgehoben, nicht aber die Einflüsse des kirchlichen Ehrenamts auf die Jugendphase (Tesch- Römer et al. 2016).

Der Kinder- und Jugendbericht aus dem Jahr 2010 befasst sich schwerpunktmäßig mit dem religiösen Ehrenamt von Kindern sowie Jugendlichen. Hier stehen das Evangelium und seine Botschaft für das Ehrenamt im Mittelpunkt. Die Inhalte des Evangeliums stellen die Orientierungsmarken für das Leben dar. Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Glauben sorgt im Ehrenamt für eine umfassende Persönlichkeitsbildung, Wertorientierung, Sinnsuche und Entwicklung der Individualität der Jugendlichen. Zugleich werden sozialräumliche Unterschiede sowie Subjektorientierungen zentral erarbeitet (Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau 2010, S. 5).

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat 2009 einen Bericht zur Lage und zu den Perspektiven des bürgergesellschaftlichen Engagements in Deutschland veröffentlicht, der sich intensiv mit den Entwicklungen des Ehrenamts auseinandersetzt. Demnach gilt die Kirche als der drittstärkste Engagementbereich nach Sport/ Bewegung und Schule/ Kindergarten. Der Zusammenhang zwischen kirchlichem Ehrenamts und Intensität der Kirchenbindung wird in diesem Bericht erörtert. Im Allgemeinen konzentrieren sich die erfassten, kirchlichen, ehrenamtlichen Aktivitäten auf kirchliche Einrichtungen, Verbände, Vereine und Initiativen. Der Bericht geht nicht explizit auf die Jugendarbeit ein (Priller et al. 2009).

Des Weiteren gibt es einige Monographien und Sammelwerke zu ausgewählten Bereichen des Ehrenamts. Diese beziehen sich jedoch nicht speziell auf kirchliche Jugendarbeit und ausgewählte Themen, sondern oftmals nur auf bürgerliches Engagement oder Jugendarbeit (Bimschas und Schröder 2003; Düx et al. 2012; Ecarius et al. 2011; Feiler 2016; Gabriel und Hobelsberger 1994; Heinze und Olk 2001).

Im Allgemeinen zeigt der ausgewählte Stand der Forschung in diesem Bereich, dass zentrale und wichtige Aspekte zwar untersucht wurden, man sich aber nicht intensiver mit den Einzelaspekten beschäftigt. Viele Forschungen von Kirche und Staat, Dissertationen oder auch Forschungen von Universitäten untersuchen das Thema kirchliches Ehrenamt oder Jugendliche im Ehrenamt. Auffällig ist, dass sich die wenigsten Forschungen auf Einflüsse des kirchlichen Ehrenamts auf die Jugendphase konzentrieren. Daher ist eine Auseinandersetzung mit der Relevanz des kirchlichen und religiösen Engagementbereich bei Jugendlichen notwendig. Hier darf nicht nur das Ehrenamt betrachtet werden, das unmittelbar im Zusammenhang mit der Kirche steht (Ministrantendienst), sondern auch das indirekte kirchliche Engagement in Form von Jugendorganisationen, die durch kirchliche Gelder finanziert werden (Alemann 1999, S. 96)

2.3 Hypothesenableitung

H1: Es ist davon auszugehen, dass die Geschlechterzugehörigkeit keinen Einfluss auf die Aktivität im kirchlichen Ehrenamt hat. Männliche und weibliche Jugendliche engagieren sich demnach zu gleichen Teilen (Reinders 2009, S. 15).

H2: Der Bildungsgrad ist im aktiven Ehrenamt besonders wichtig. Jugendliche, die eine höhere Schule (Gymnasium oder Realschule) besuchen, sind vermehrt im Sektor des freiwilligen Engagements zu finden (Reinders 2009, S. 19). Ein höherer Bildungsstatus ist demnach ein Auslöser für das freiwillige Ehrenamt während der Jugendphase. Daraus lässt sich ableiten, dass der Anteil der Jugendlichen mit höherer Schulbildung im kirchlichen Ehrenamt höher ist, als der Anteil der Jugendlichen mit niedrigerer Schulbildung (Reinders 2009, S. 15).

H3: Die Verbundenheit mit einer Religion kann dazu führen, dass man sich in diesem Bereich häufiger freiwillig engagiert. Der Einflussbereich der Institution Kirche vergrößert sich durch das vorhandene Interesse (Priller et al. 2009, S. 84). Eine stärkere Kirchenbindung ist demnach Auslöser für eine höhere Partizipation am kirchlichen Leben und die Übernahme ehrenamtlicher Aktivitäten. Je stärker also die Verbundenheit mit der Religion, desto häufiger engagieren sich Jugendliche in diesem Bereich (Seidelmann und Giesler 2012, S. 11).

H4: Des Weiteren ist davon auszugehen, dass sich Jugendliche im kirchlichen Ehrenamt verschiedene Kenntnisse aneignen. So zeichnet sich ab, dass sie abseits der institutionalisierten Schulbildung Soft-Skills und zusätzliche Kompetenzen erwerben (Olk et al. 2010, S. 266). Diese Fähigkeiten entstehen durch eigene individuelle Erfahrungen und Handlungen, aber auch durch den Austausch mit anderen Jugendlichen oder Älteren sowie durch Teamarbeit, was vor allem den Zusammenhalt enorm stärkt. Die engagierten Jugendlichen erlernen im Ehrenamt häufig Verantwortung zu übernehmen oder Eigeninitiative zu ergreifen (Feiler 2016, S. 52). Gerade im kirchlichen Bereich werden den Engagierten Nächstenliebe und soziale Fähigkeiten vermittelt. Je aktiver jemand im kirchlichen Ehrenamt tätig ist, desto höher kann der Kompetenzerwerb ausfallen (Düx et al. 2012, S. 125; Lindner 2009, S. 199).

H5: Die gesellschaftliche Verbundenheit spielt im Bereich des kirchlichen Ehrenamts eine wichtige Rolle. Durch die aktive Partizipation am gesellschaftlichen Leben und den Kontakt zu Mitmenschen erhöht sich die Integration in eine Gesellschaft.

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Verschiedene Einflüsse des kirchlichen Ehrenamts auf die Jugendphase
Untertitel
Eine empirische Analyse mittels Chi²-Test und SPSS
Hochschule
Universität Rostock  (Institut für Soziologie und Demographie)
Veranstaltung
Quantitatives Forschungskolloquium, Teil I
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
26
Katalognummer
V351240
ISBN (eBook)
9783668376915
ISBN (Buch)
9783668376922
Dateigröße
896 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
SPSS-Syntax im Anhang
Schlagworte
SPSS, Analyse, Empirie, Kirche, Religion, Ehrenamt, Einflüsse, Einfluss, Statistik, CramersV, Phi, Chi²-Test, Datenanalyse, Pfadfinder, religiöse Jugend, Allbus, SOEP, Forschung, Empirische Sozialforschung, Demographie, Engagement, religiöses Engagement, kirchlicher Engagementbereich, Variablen, Forschungsstand, Theorie, Hypothesen, Freiwilligensurvey, Freiwilligensurvey 2014
Arbeit zitieren
Johanna Seibert (Autor), 2016, Verschiedene Einflüsse des kirchlichen Ehrenamts auf die Jugendphase, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351240

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Verschiedene Einflüsse des kirchlichen Ehrenamts auf die Jugendphase



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden