Ich beschäftige ich mich in dieser Hausarbeit mit der Fragestellung, inwiefern sich die lateinamerikanischen Autoren des neunzehnten und zwanzigstsen Jahrhunderts an Cervantes und seinem Werk „Don Quijote“ sowie seinem Protagonist Don Quijote orientieren, ihn rezipieren und welche Bedeutung Cervantes für lateinamerikanische Autoren hat.
Dafür wird zunächst im zweiten Kapitel auf die Orientierung der lateinamerikanischen Autoren bezüglich dem Werk und der Figur eingegangen. Dabei wird zwischen einer Imitation des Werks wie beispielsweise bei Lizardi und Montalvo und einer Adaptation des Werks wie bei Febres Cordero oder Alberdi unterschieden.
In Kapitel 3 wird der Stellenwert des Don Quijote als lateinamerikanische Identifikationsfigur verdeutlicht. Kapitel 4 zeigt auf, inwiefern das Werk und die Figur des Don Quijote als Modell einer lateinamerikanischen Synthese verstanden werden kann. Im Fokus soll dabei das identitätsphilosophische Paradigma stehen. Dieses lateinamerikanische Paradigma wird im 5. Kapitel erneut aufgegriffen und auf die Weltliteratur übertragen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Don Quijote als Vorbild der lateinamerikanischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts
2.1 – Die Imitation des „Don Quijote“
2.1.1 Fernández de Lizardi mit dem Roman „Periquillo Sarniento“
2.1.2 Juan Montalvo mit dem Roman „Capítulos que se le olvidaron a Cervantes“
2.2 – Die Adaption des „Don Quijote“
2.2.1 Tulio Febres Cordero
2.2.2 Alberdi
2.3 Jorge Luis Borges mit Pierre Menard, autor del Quijote
3. Die lateinamerikanische Identifikationsfigur: Don Quijote
4. Das Konzept einer lateinamerikanischen Synthese im Don Quijote
5. Die Gegensätze der Literatur im Don Quijote
5.1 Jorge Luis Borges
5.2 Carlos Fuentes
6. Fazit
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Miguel de Cervantes und seinem Roman „Don Quijote“ für lateinamerikanische Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts. Ziel ist es zu analysieren, wie die Figur des Don Quijote als Vorbild, Identifikationsmodell und Mittel der literarischen Auseinandersetzung rezipiert sowie in verschiedenen Formen wie Imitation oder Adaption in den lateinamerikanischen Kontext integriert wurde.
- Unterscheidung zwischen Imitation und Adaptation in der Literatur
- Die Figur des Don Quijote als lateinamerikanische Identifikationsfigur
- Don Quijote als Modell für identitätsphilosophische Synthesen
- Literarische Parodien und die Neuschaffung von Texten (z.B. Borges)
- Die Rolle der Polyvalenz und des „real maravilloso“
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Fernández de Lizardi mit dem Roman „Periquillo Sarniento“
Fernández de Lizardi veröffentlichte 1816 mit „Periquillo Sarniento“ den ersten postkolonialen lateinamerikanischen Roman. Bereits in seiner Rechtfertigungsschrift, der sogenannten „Apología“ nimmt Lizardi Bezug auf „Don Quijote“ und legitimiert damit seine realistische Darstellungsweise, die beim Leser zwar keine Neugier erzeugen würde, sich jedoch nicht von der des Cervantes unterscheide (vgl. Strosetzki, 1991, S. 379).
„Mas yo, con su licencia, tomo el 'Quijote' de Cervantes, la obra maestra en clase de romances, y no veo en su acción nada raro, nada extraordinario, nada prodigioso. Todos los sucesos son demasiado vulgares y comunes, tales como pudieran acontecer a un loco de las circunstancias de don Alonso Quijada“ (Fernández de Lizardi, 1976, S. 14).
Auch seine vielen eingeschobenen und moralisierenden Episoden rechtfertigt er mit „Don Quijote“.
„Don Quijote también moralizaba y predicaba a cada paso, y tanto que su criado le decía que podía coger un púlpito en las manos y andar por esos mundos predicando lindezas“ (Fernández de Lizardi, 1976, S. 15).
Doch auch die Erzählung des Romans selbst bezieht sich häufig auf Cervantes oder sein Werk „Don Quijote“. Beispielsweise auf Seite 111 muss Cervantes, als „desgraciado poeta“ für die Problematik der Wahl des richtigen Berufs herhalten. Auf der Inventarliste, die Periquillo für seinen Gläubiger anfertigt, steht „Don Quijote“ (S. 187) und auf S. 278 vergleicht Periquillo seine leere Truhe mit dem leeren Helm des Mambrin von Don Quijote (vgl. Fernández de Lizardi, 1976, S. 111, 187 und 278).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird die Relevanz des Don Quijote für Lateinamerika dargelegt und die Forschungsfrage zur Orientierung und Rezeption durch lateinamerikanische Autoren definiert.
2. Don Quijote als Vorbild der lateinamerikanischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts: Dieses Kapitel analysiert verschiedene Formen der literarischen Auseinandersetzung, insbesondere die Imitation bei Lizardi und Montalvo sowie die Adaptation bei Febres Cordero und Alberdi.
3. Die lateinamerikanische Identifikationsfigur: Don Quijote: Untersuchung, wie die Figur des Don Quijote zur Identitätsstiftung genutzt wurde, etwa im Kontext des Gegensatzes zwischen Zivilisation und Barbarei.
4. Das Konzept einer lateinamerikanischen Synthese im Don Quijote: Darstellung der philosophischen Deutung des Werkes als Modell für eine Synthese zwischen Realität und Idealität bei Autoren wie Zea und Paz.
5. Die Gegensätze der Literatur im Don Quijote: Analyse der Antinomien von Realität und Magie bzw. Moderne und Tradition unter Einbeziehung von Borges und Fuentes.
6. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse, welche die Funktion des Don Quijote als kulturelles Erbe und Legitimation für lateinamerikanische Literatur hervorhebt.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung aller verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Don Quijote, Miguel de Cervantes, Lateinamerikanische Literatur, Imitation, Adaptation, Identitätsphilosophie, Synthese, Real maravilloso, Jorge Luis Borges, Carlos Fuentes, Postkolonialismus, Literaturgeschichte, Parodie, Realität und Fiktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die tiefgreifende Wirkung des Romans „Don Quijote“ von Miguel de Cervantes auf die Literatur Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Transformation des Don Quijote als literarisches Vorbild, seiner Rolle als Identifikationsfigur und seiner Verwendung als Instrument für politische und gesellschaftsphilosophische Kommentare.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie lateinamerikanische Autoren Cervantes' Werk rezipieren und durch Imitation oder Adaptation in ihre eigene kulturelle und nationale Identität übersetzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primäre literarische Texte mit theoretischen Ansätzen (u.a. von Strosetzki, Borges, Carpentier) vergleicht und interpretativ auswertet.
Welche Inhalte werden im Hauptteil fokussiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die Auseinandersetzung mit Imitations- und Adaptationsformen, die Identitätsstiftung sowie die Darstellung komplexer Gegensätze innerhalb der Literatur wie Idealismus und Realismus.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Wichtige Begriffe sind unter anderem: Imitation, Adaptation, Identitätsphilosophie, „real maravilloso“, Polyvalenz und die Synthese von europäischer und lateinamerikanischer Tradition.
Wie unterscheidet sich die Rezeption von Alberdi von derjenigen von Febres Cordero?
Febres Cordero parodiert vor allem den blinden Fortschrittsglauben an europäische Vorbilder, während Alberdi in seiner Adaptation die Diskrepanz zwischen liberalen Verfassungstexten und der tatsächlichen politischen Realität in Argentinien kritisiert.
Welche Bedeutung misst Jorge Luis Borges dem Werk zu?
Borges parodiert die Imitationsversuche und hebt die Vielschichtigkeit sowie die zyklische Natur der Literatur hervor, wobei er das Imaginäre als einen integralen Bestandteil der Wirklichkeit begreift.
- Arbeit zitieren
- Andreas Burkart (Autor:in), 2016, Cervantes Bedeutung für die lateinamerikanischen Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts. Inwiefern orientieren sie sich an seinem Werk „Don Quijote“ und seinem Protagonist und rezipieren ihn?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351342