Die deutsche Assekuranz im Spannungsfeld eines veränderten Marktumfeldes

Analyse der aktuellen Marketingmaßnahmen der ERGO Group AG


Bachelorarbeit, 2016

48 Seiten, Note: 1,5

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Quelle: Eigene Darstellung

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Relevanz des Themas und Ziel der Arbeit
1.2. Vorgehensweise und Methodik

2. Theoretisch-konzeptionelle Grundlagen
2.1. Begriffsabgrenzung und Besonderheiten des Versicherungsproduktes
2.1.1. Definition des Versicherungsprodukts
2.1.2. Besonderheiten im Versicherungsmarketing
2.2. Strategisches Management
2.2.1. Notwendigkeit der strategischen Planung
2.2.2. Strategiearten
2.3. Strategisches Marketing
2.3.1. Der Marketingbegriff
2.3.2. Der Marketingprozess
2.3.3. Marketingpolitische Instrumente

3. Die Versicherungswirtschaft im Spannungsfeld einer veränderten Umwelt
3.1. Solvency II-Chancen und Risiken für die Assekuranz
3.2. Assekuranz und die digitale Welt
3.2.1. Digitalisierung und Industrialisierung der Assekuranz
3.2.2. Veränderte Kundenbedürfnisse

4. Analyse der marketingpolitischen Maßnahmen der ERGO Group AG
4.1. Vorgehensweise
4.2. Die ERGO Group AG
4.3 Analyse und Interpretation
4.3.1 „ERGO - Versichern heißt verstehen“
4.3.2 Offline, Online und Mobil
4.3.3 Neue und individuelle Produkte
4.3.4 Image

5 Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Besonderheiten des Versicherungsprodukts und ihre Relevanz für das Marketing

Abbildung 2: Wettbewerbskräfte nach Porter

Abbildung 3: Übersicht der Managementfunktionen

Abbildung 4: Produkt/Markt-Matrix nach Ansoff

Abbildung 5: Wettbewerbsstrategien nach Porter

Abbildung 6: Strategischer Marketingprozess

Abbildung 7: Wettbewerbsvergleich einzelner Prozesse der VU

Abbildung 8: Ziele und Hindernisse der Industrialisierung

Abbildung 9: AppSichern, Fairr.de und Friendsurance

Abbildung 10: Strategische Herausforderungen für VU

Abbildung 11: Gesellschaften und Marken der ERGO Deutschland (Auswahl)

Abbildung 12: Versichern heißt verstehen

Abbildung 13: Die 4 Ps der ERGO

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1. Relevanz des Themas und Ziel der Arbeit

Seit Jahrzehnten versuchen Wissenschaftler die Gegenwart zu verstehen, um sich besser auf die Zukunft vorbereiten zu können. Megatrends und Gegentrends in der Entwicklung unserer Gesellschaft und Kultur haben einen großen Einfluss auf die Wirtschaft und das branchenübergreifend.[1]

Diesen übergeordneten Diskurs aufgreifend soll an dieser Stelle die Assekuranz (Versicherungswirtschaft) näher betrachtet werden, insbesondere die Abhängigkeit ihres Erfolgs von den sich verändernden Umweltbedingungen. Die Versicherungsbranche ist stark absatzorientiert und darauf ausgelegt ihre Ziel- und Mittelplanung langfristig und zukunftsorientiert vorzunehmen.[2] Zukünftige Umweltbedingungen spielen daher eine entscheidende Rolle im strategischen Management und Marketing der Versicherungsunternehmen (VU) und müssen stets in der Planung berücksichtigt werden.[3]

Die Versicherungsbranche gilt als langweilig und wenig innovativ.[4] Versicherungsprodukte haben nur einen abstrakten Nutzen für die Kunden.[5] Durch die starke Regulierung der Branche war es bislang für VU nicht möglich sich über die angebotenen Versicherungsprodukte zu differenzieren. In jüngster Vergangenheit fand aber eine Lockerung statt mit dem Ziel der Schaffung eines europäischen Versicherungsmarktes.[6] Der Wettbewerb nimmt national und international zu.

Rentenreformen, die Lage der Finanzmärkte und Imageprobleme der Branche schaffen Handlungsbedarf. Es ist nicht länger zu leugnen, dass auf die deutschsprachige Assekuranz strategische Veränderungen zukommen. Diese Veränderungen werden nicht allein durch die politisch-rechtlichen Umwelteinflüssen hervorgerufen, sondern haben ihren Ursprung auch in technologischen und gesellschaftlichen Trends. Das Institut für Versicherungswirtschaft der Universität St. Gallen (I.VW-HSG) veröffentlichte 2015 eine Studie, die das Ziel verfolgte „[…] zu verstehen, wie sich das Wertschöpfungsmodell der Assekuranz unter dem Einfluss veränderter Umweltbedingungen einer digitalen Welt wandelt.“[7]. Im Rahmen der Studie wurden 387 Führungskräfte aus 106 Erstversicherungsgesellschaften verschiedener Größen und Sparten der deutschsprachigen Assekuranz zu strategischen Zielsetzungen im Zusammenhang mit den aktuellen Umweltbedingungen befragt. Die Ergebnisse der Studie decken sich weitgehend mit den Stimmen, die aus der Versicherungspraxis seit einiger Zeit laut werden: „Künftig müsse man mehr aus Kundensicht denken“ findet zum Beispiel auch Norbert Dierichsweiler, Leiter Maklervertrieb der Allianz Lebensversicherung AG.[8]

Veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen, Niedrigzinsniveau, ein digitales, vernetztes Umfeld sowie ein verändertes Kundenverhalten zwingen die Versicherungsunternehmen dazu, nicht nur neue Produktlösungen zu entwickeln, sondern sich gänzlich neu auf dem Markt zu positionieren. Versicherer sind in der Pflicht ihre Strategien anzupassen und neue Maßnahmen zu ergreifen um den Marktanforderungen langfristig gerecht zu werden. Der Aufbau stärkerer Kundenbeziehungen, Gewährleistung hoher Servicequalität und ein besseres Verstehen der Kundenbedürfnisse sind zu den aktuellen Herausforderungen von Versicherungsunternehmen geworden.[9] Vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen soll an dieser Stelle ein näherer Blick auf die Praxis geworfen werden. Die vorliegende Bachelorarbeit hat die Beantwortung folgender Fragen zum Ziel:

Welche Maßnahmen werden exemplarisch von Versicherungsunternehmen ergriffen, um sich erfolgreich im neuen Wettbewerbsumfeld zu positionieren?

Und welche Schlüsse lassen sich ggf. aus den gewählten Maßnahmen hinsichtlich der strategischen (Neu-)Ausrichtung der Versicherungsunternehmen ziehen?

1.2. Vorgehensweise und Methodik

Bevor mit der Analyse begonnen werden kann, muss zunächst eine Begriffsabgrenzung des Versicherungsproduktes vorgenommen werden. Dies geschieht in Kapitel 2 und umfasst sowohl die Beschreibung der Besonderheiten des Versicherungsprodukts als auch die daraus resultierende Implikation für das Marketing. Des Weiteren wird in Kapitel 2 die Notwendigkeit der strategischen Planung und des strategischen Marketings im Allgemeinen erläutert und anhand einschlägiger strategischer Konzepte (z.B. nach Ansoff und Porter) verdeutlicht. Existentiell für die Beantwortung der Forschungsfrage ist die Kenntnis der marketingpolitischen Instrumente, die von einem Unternehmen für die Marktbearbeitung eingesetzt werden können. Diese Instrumente werden ebenfalls benannt und erläutert.

Kapitel 3 widmet sich der Beschreibung der Umwelt, in der sich die Versicherungswirtschaft derzeit wiederfindet und orientiert sich dabei an den Untersuchungsergebnissen des Instituts für Versicherungswirtschaft der Universität St. Gallen.

Nach den konzeptionellen Grundlagen und der Beschreibung der Ausgangssituation folgt in Kapitel 4 die Analyse der von Versicherungsunternehmen gewählten Absatzinstrumente am Beispiel der ERGO Group AG und die daraus gewonnenen Rückschlüsse auf die verfolgte Strategie für die Zukunft.

Im Rahmen der Analyse erfolgt zunächst eine Informationsrecherche und -sammlung über die aktuellen Marketingmaßnahmen Der ERGO. Dies erfolgt durch Recherchen auf den Unternehmenswebseiten, Blogs, Branchenforen, -zeitschriften und dergleichen.

Ein besonderes Augenmerk bei der Analyse und Interpretation der Daten wird dabei auf die aktuellen Trends, die in Kapitel 3 aufgeführt werden, gelegt. Reagieren das VU zum Beispiel auf neue gesetzliche Bestimmungen und auf den Ruf der Kunden nach mehr Transparenz und mehr Onlinepräsenz? Wenn ja, wie tun sie es? Und was tun sie zuerst?

Zu erwarten ist, dass VU derzeit neue Marketingmaßnahmen ergreifen und damit auf die Nachfragetrends reagieren. Ob es wirklich so ist und in welchem Umfang dies im Fall ERGO geschieht, wird die Analyse zeigen. Final gilt herauszufinden, ob anhand der dann vorliegenden Daten eine Ableitung der angestrebten Strategien möglich ist und wie diese aussehen könnten.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf geschlechterspezifische Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichwohl für das weibliche und männliche Geschlecht.

2. Theoretisch-konzeptionelle Grundlagen

2.1. Begriffsabgrenzung und Besonderheiten des Versicherungsproduktes

2.1.1. Definition des Versicherungsprodukts

Um auf die Besonderheiten des Versicherungsproduktes und deren Bedeutung fürs Versicherungsmarketing eingehen zu können, muss zunächst der Versicherungsbegriff charakterisiert werden.

Versicherungsleistungen sind Dienstleistungen.[10] Aus Sicht des Versicherungsnehmers (VN) verringern Versicherungsprodukte die Unsicherheit über zukünftige Ereignisse und dienen damit der Befriedigung ihrer Sicherheitsbedürfnisse. Vereinfacht dargestellt, transferiert der Versicherungsnehmer sein Risiko auf den Versicherer gegen eine vereinbarte Prämienzahlung. Der Versicherungsanbieter erteilt ein Leistungsversprechen im Versicherungsfall eine vereinbarte Zahlung zu leisten.[11] Das Eintreten eines Versicherungsfalls ist indessen ungewiss und der Nutzen einer Versicherung für viele Kunden deshalb nur schwer greifbar. Der Abschluss von Versicherungsverträgen ist stets eine individuelle Kundenentscheidung, bei der der subjektive Nutzen eines Risikotransfers den „Mißnutzen der Prämienzahlung übersteigt.[12] Das VU kalkuliert Prämien in erster Linie anhand von statistischen Schadensverteilungen und des „Risikoausgleichs im Kollektiv“[13]. Es kann zugrunde gelegt werden, dass nicht bei jedem VN ein Schaden eintritt. Das einzelne Risiko ist für den Versicherer daher geringer als für den VN, da es auf den gesamten Versicherungsbestand und über Zeit verteilt wird.[14] Das sogenannte Risikogeschäft, das Spar-/Entspargeschäft (z.B. Verzinsung von Sparbeiträgen bei Lebensversicherungen) und das Dienstleistungsgeschäft (Beratungs- und Abwicklungsleistungen) sind die Bestandteile des Wirtschaftens in Versicherungsunternehmen.[15]

Versicherungsleistungen können im Allgemeinen in Individual- und Sozialversicherung untergliedert werden.[16] Die deutsche Sozialversicherung als gesetzliches Versicherungssystem stellt einen Teil der sozialen Sicherung für wesentliche Lebensrisiken dar. Sie umfasst die gesetzlichen Kranken-, Pflege-, Unfall-, Renten- und Arbeitslosenversicherungen. Die Finanzierung erfolgt durch Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge, die sich am Gehalt der Arbeitnehmer orientieren.[17]

Bei der Individualversicherung entscheidet der Kunde selbst, ob und bei welcher Versicherungsgesellschaft er einen Versicherungsvertrag abschließt. Mit über 300 Versicherungsarten[18] und 518 verschiedenen Versicherungsunternehmen[19] der Sparten Leben-, Kranken- und Schaden/Unfallversicherung hat der Kunde eine solide Auswahl. Mit Ausnahme der gesetzlich vorgeschriebenen Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung, bei der jedoch der Versicherer wählbar ist, kann der Kunde frei entscheiden, welches Risiko er zusätzlich absichern möchte.[20]

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird der Bereich der Sozialversicherung überwiegend außen vor gelassen, da hier nur die private Versicherungswirtschaft betrachtet werden soll.

2.1.2. Besonderheiten im Versicherungsmarketing

Als Besonderheiten beim Absatz von Dienstleistungen im Allgemeinen gelten die Notwendigkeit der Leistungsfähigkeit des Dienstleistungsanbieters, die Integration des externen Faktors (Kunde) und die Immaterialität der Dienstleistungen. Für die Dienstleistungserstellung muss der Dienstleister im Vorfeld Know-how, Personal, Technologien und unter Umständen andere interne Produktionsfaktoren bereitstellen, da eine Dienstleistung aufgrund ihrer Nichtlagerfähigkeit nur im Zusammenspiel mit dem Kunden produziert und konsumiert werden kann (Uno-Actu-Prinzip).[21]

Aus ihrem Dienstleistungscharakter resultieren folgende Besonderheiten für Versicherungsprodukte:

- Immaterialität: nicht Sichtbarkeit, nicht Greifbarkeit
- Kein konkreter Gegenwert/ abstrakter Nutzen
- Vertrauensgut: Leistung kann erst im Versicherungsfall vom Kunden beurteilt werden
- Oft mit negativen Assoziationen verbunden (einerseits ist der Kunde gezwungen sich bei Abschluss eines Versicherungsvertrages mit unangenehmen Lebensszenarien auseinanderzusetzen, andererseits besteht ein Risiko, dass die gezahlten Beiträge die tatsächlichen zukünftigen Versicherungsleistungen übersteigen)
- Bedarf der Massenproduktion für den Risikoausgleich im Kollektiv; vermehrbar
- Gleichzeitig produziert und verkauft (Uno-actu-Prinzip)
- Latent vorhandenes Bedürfnis nach Versicherungsschutz, das erst geweckt werden muss[22]

Aus diesen Besonderheiten lassen sich vier negative Merkmale des Versicherungsprodukts ableiten, die Bedeutung für das Marketing haben:

- Erklärungsbedürftigkeit aufgrund der Abstraktheit und Immaterialität des Versicherungsprodukts
- Schwerverkäuflichkeit einer negativ behafteten Leistung, die der Kunde nur im Falle eines unerfreulichen Ereignisses erhält
- Verhältnismäßig geringe Konsumneigung von Versicherungskunden
- Versicherungsschutz ist kein selbstwerbendes Gut [23]

Abbildung 1: Besonderheiten des Versicherungsprodukts und ihre Relevanz für das Marketing

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an KÖHNE/LANGE 2015, S.7ff. und SUTOR 2010, S. 83ff. Eigene Darstellung

Zusammenfassend bleibt zu betonen, dass die Besonderheiten des Versicherungsproduktes das strategische und operative Marketing vor besondere Herausforderungen stellen. Es muss den VU gelingen in einem regulierten Markt die eher kaufunwilligen Privatkunden von einem abstrakten und vermeintlich unattraktiven Produkt ohne unmittelbaren Nutzen zu überzeugen und zu Abschluss von langfristigen Verträgen zu bewegen.[24]

Im Firmenkundengeschäft mag das Bild etwas anders aussehen, was die Attraktivität des Versicherungsproduktes angeht. Ob in einem Unternehmen ein umfangreiches Risikomanagement installiert ist oder nicht, sollte es Eigentümern und Managern einleuchten, welche wirtschaftlichen und sozialen Folgen ein Personen-, Sach-, Haftpflicht-, Vermögens- oder Ausfallschaden haben könnten. Unternehmen haben vielerlei Verpflichtungen ihren Geldgebern, Mitarbeitern, Kunden und der Gesellschaft gegenüber. Die Wissenschaft und Praxis gibt genügend Modelle an zur Vorsorge, Bewertung und Minimierung von Risiken. Welches Risiko dabei selbst getragen, vermieden oder auf einen anderen Träger transferiert wird, bedarf einer gründlichen Überlegung. Im Falle des Großbrands in einer Schlachterei von Wiesenhof in Lohne zu Ostern 2016 scheint die Versicherungssumme der Betriebsausfallversicherung nicht auszureichen um den Lohn der Beschäftigten währen des Wiederaufbaus zahlen zu können. Hunderte Arbeitsplätze sind somit in Gefahr.[25] Der Wiederaufbau wird in diesem Fall vom Gebäudeversicherer übernommen. Doch was wäre gewesen, wenn keine Feuerversicherung abgeschlossen worden wäre? Vermutlich Standortschließung und/oder hohe Verluste. Für kleinere Unternehmen kann ein einzelner nicht versicherter Haftpflichtschaden existenzbedrohend sein, wenn nicht genügend Liquidität vorliegt. Die Annahme liegt also nahe, dass Unternehmen daran interessiert sind Versicherungsschutz nachzufragen um einigen Risiken entgegenzuwirken. Leider ist die Versicherungsnachfrage von Unternehmen bisweilen kaum erforscht,[26] dennoch legt die gängigen Unterteilung der Kundengruppen von VU in Privatkunden und gewerbliche Kunden nahe, dass Firmenkunden einen anderen Versicherungsbedarf haben und/oder sich anders verhalten.[27] Die Implikation für das Versicherungsmarketing im Zusammenhang mit Firmenkunden wäre daher kundengruppengeeignete Angebote, Ansprachen und Vertriebsverfahren bereitzustellen und zu analysieren inwieweit diese sich vom Privatkundengeschäft unterscheiden.[28]

2.2. Strategisches Management

2.2.1. Notwendigkeit der strategischen Planung

Im Zuge der voranschreitenden Industrialisierung, Globalisierung und den wachsenden Anforderungen aus einer sich verändernden, dynamischen Umwelt mussten Unternehmen lernen sich weiter zu entwickeln. Sie mussten lernen weiter voraus zu planen, d.h. strategisch zu handeln und sich sowohl nach außen als auch nach innen zu orientieren. Um sensibel für die dynamischen Veränderungen der Umwelt zu sein und auf diese adäquat reagieren zu können, müssen einerseits die Wahrnehmung für solches geschärft werden und andererseits die internen Ressourcen, Potenziale und Kompetenzen entwickelt werden.[29] Im Fokus des strategischen Managements steht der Fit-Gedanke, der zwei Ausprägungen hat: Der System-Umwelt-Fit ist die zukunftsbezogene Ausrichtung der Unternehmenskompetenzen auf die Anforderungen der Unternehmensumwelt, der Intra-System-Fit meint dagegen die Schaffung optimaler Bedingungen im Unternehmen selbst, wie die Optimierung von Struktur, Kultur und Verhalten. Diese Begriffe wurden in der Fachliteratur vor allem durch Igor Ansoff geprägt.[30]

Auf dem Vergleich der Umweltanforderung (zukünftige Chancen und Risiken) mit den internen Fähigkeiten (eigene Stärken und Schwächen) fußt die Annahme von einer Möglichkeit der Planung des langfristigen Erfolgspotenzials.[31] Strategische Planung lässt sich am prägnantesten wie folgt definieren:

Strategische Planung ist ein informationsverarbeitender Prozess zur Abstimmung von Anforderungen der Umwelt mit den Potenzialen des Unternehmens in der Absicht, mit Hilfe von Strategien den langfristigen Erfolg eines Unternehmens zu sichern.[32]

Für die praktische Ausgestaltung des strategischen Planungsprozesses, der aus Zielbildung, Umwelt- und Unternehmensanalyse, Strategiewahl und Strategieimplementierung besteht,[33] kennt die Wissenschaft und Praxis zahlreiche Methoden und Tools. Ein oft zitiertes Modell zur Betrachtung der Branchenstruktur und des Wettbewerbs im Rahmen der Umweltanalyse ist Porters Five Forces -Modell[34] (s. Abbildung 2). Dabei identifiziert Porter die bestehende Rivalität in der Branche, die Bedrohung durch mögliche neue Konkurrenten, die jeweilige Verhandlungsmacht der Lieferanten und Kunden als die fünf Determinanten, die die Attraktivität und Struktur einer Branche oder eines Branchensegments bestimmen und die es im Einzelnen zu analysieren gilt.[35]

Abbildung 2: Wettbewerbskräfte nach Porter

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: in Anlehnung an PORTER 1980, Competitive Strategy: Techniques for analyzing industries and competitors- with a new introduction. New York: The Free Press, S. 4. Eigene Darstellung.

Der Begriff des Strategischen Managements geht über die reine Planung hinaus und ist als ganzheitliches Managementkonzept zu verstehen, das die Steuerung aller Managementfunktionen zur Aufgabe hat.[36] Eine mögliche Strukturierung der Managementfunktionen zeigt die Abbildung 3.

Abbildung 3: Übersicht der Managementfunktionen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: JUNG et al. 2011, S. 95.

[...]


[1] Vgl. MAAS et al. 2015, 2050 Megatrends, Alltagswelten, Zukunftsmärkte, I.VW-HSG: St. Gallen, S.9 ff.

[2] Vgl. ROSENBAUM 2010, Megatrends im Versicherungsmarkt, in: ZERRES/REICH (Hrsg.), Handbuch Versicherungsmarketing. Berlin/Heidelberg: Springer, S.103 ff. sowie darin zitiert FARNY, D., Versicherungsbetriebslehre, 4. Auflage, Karlsruhe: VVW, S 660ff.

[3] Im Januar 2016 trat ein europaweit gültiges Regelwerk für die Versicherungswirtschaft in Kraft, das Versicherungsunternehmen regelrecht das Unternehmensziel vorschreibt, Vermögen und Leistungsansprüche der Versicherten zu schützen und im Bedarfsfall die Unternehmensstrategie anzupassen. Vgl. GDV 2016a: Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (Hrsg.), So funktioniert Solvency II vom 16.12.2015, URL: http://www.gdv.de/2015/12/so-funktioniert-solvency-ii/

[4] Vgl. GELLERT et al. 2014: Gellert, A. et al.., Einmal neu, bitte! Oder bleibt alles beim Alten? Die Bedeutung von Innovationen für die Versicherungswirtschaft, Versicherungsforen-Themendossier Nr. 09 / 2014, Versicherungsforen Leipzig, URL: http://www.versicherungsforen.net/portal/media/forschung/studienundumfragen/studie_innovationsmanagement/2014-Nr9-Mai_Innovation_klein.pdf, S. 7 ff.

[5] Vgl. SUTOR 2010, Theoretische Grundlagen des Versicherungsmarketing, in: ZERRES/ REICH (Hrsg.), Handbuch Versicherungsmarketing. Berlin/Heidelberg: Springer, S.85.

[6] Vgl. KALKA/SCHMIDT 2012, Identitätsorientierte Markenführung im Dienstleistungsbereich am Beispiel der Versicherungsbranche: Eine explorative Studie. Forschungsbericht Nr. 21, Fachbereich Wirtschaft Fachhochschule Düsseldorf, S.5.

[7] MAAS/BÜHLER 2015, Industrialisierung der Assekuranz in einer digitalen Welt, St.Gallen, S.8.

[8] In: MÜLLER 2016, Versicherungsvertrieb - Künftig müsse man mehr aus Kundensicht denken in: Versicherungsbote, 09.03.2016, URL: http://www.versicherungsbote.de/id/4838416/Versicherungsvertrieb-Allianz-Beenken/.

[9] Vgl. MAAS/BÜHLER 2015, S.29.

[10] Zu begrifflichen Definitionsansätzen von Dienstleistungen s. MEFFERT/BRUHN 2009, Dienstleistungsmarketing: Grundlagen, Konzepte, Methoden, 6. Auflage. Wiesbaden: Gabler, S.16ff; MEFFERT et al. 2015, Marketing: Grundlagen marktorientierter Unternehmensführung; Konzepte - Instrumente - Praxisbeispiele, 12. Auflage. Wiesbaden: Springer, führen auf S. 28 Versicherungen als Beispiel für einen typischen Dienstleister auf.

[11] Vgl. ALTUNTAS/UHL 2016: Altuntas, M./ Uhl, P., Industrielle Exzellenz in der Versicherungswirtschaft: Bestimmung der Industrialisierungsreife in einer zunehmend digitalisierten Welt. Wiesbaden: Springer Gabler, S.5f. und FARNY 2006, S. 8.

[12] Vgl. FARNY 2006, S. 35f.

[13] FARNY 2006, S. 36.; s.a. ebd., S. 27ff. für Einzelheiten zur Schadensverteilung.

[14] Vgl. ALTUNTAS/UHL 2016, S. 5ff.

[15] Vgl. FARNY 2006, S.21ff.

[16] Vgl. DORKA 2010: Dorka, M., Anbieter von Versicherungsleistungen, in: ZERRES/REICH (Hrsg.), Handbuch Versicherungsmarketing. Berlin/Heidelberg: Springer, S. 3ff.

[17] Vgl. Deutsche Sozialversicherung Europavertretung (Hrsg.), Deutsche Sozialversicherung, o.J. URL: http://www.deutsche-sozialversicherung.de/de/wegweiser/einfuehrung.html.

[18] Vgl. DORKA 2010, S. 3.

[19] Vgl. GDV 2015a: Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (Hrsg.), Statistisches Taschenbuch der Versicherungswirtschaft 2015, Karlsruhe: VVW, URL: www.gdv.de/zahlen-fakten, Grafik 2.

[20] Vgl. DORKA 2010, S. 7 und Altuntas/Uhl 2016, S. 8ff.

[21] Vgl. MEFFERT/BRUHN 2009, S. 33-45.

[22] Vgl. KÖHNE/LANGE 2015: Köhne, T./ Lange, M., Marketing und Vertrieb von Versicherungs- und Finanzprodukte für Privatkunden: Fach- und Führungskompetenz für die Assekuranz. Karlsruhe: VVW, S. 7f. und SUTOR 2010, S.83f.

[23] Vgl. KÖHNE/LANGE 2015, S. 8f. und SUTOR 2010, S.84f.

[24] Vgl. KÖHNE/LANGE 2015, S. 8f.

[25] Vgl. FISSER 2016: Fisser, D., Wiesenhof: Lohn durch Versicherung nicht annähernd gedeckt, in: Neue Osnabrücker Zeitung vom 11.04.2016.

[26] Vgl. ZWEIFEL/EISEN 2000, Versicherungsökonomie. Berlin/Heidelberg: Springer, S. 156, s.a. VVW (Hrsg.) 2006, Die Versicherungsnachfrage von Unternehmen: Beschreibung, URL: https://www.vvw.de/Buch/9783899522853.

[27] Vgl. FARNY 2006, S. 406ff.

[28] Vgl. FARNY 2006, S. 406f.

[29] Vgl. BEA/HAAS 2009: Bea, F. X./ Haas, J., Strategisches Management, 5. Auflage. Stuttgart: Lucius & Lucius, S. 6ff.

[30] Vgl. BEA/HAAS 2009, S. 16f. und Jung et al. 2011: Jung, R. H./ Bruck, J./ Quarg, S., Allgemeine Managementlehre- Lehrbuch für die angewandte Unternehmens- und Personalführung, 4. Auflage. Berlin: Erich Schmidt Verlag, S. 114f.

[31] Vgl. BEA/HAAS 2009, S. 10ff.

[32] BEA/HAAS 2009, S. 54.

[33] Vgl. BEA/HAAS 2009, S. 56.

[34] Vgl. JUNG et al. 2011, S.299ff., s.a. BEA/HAAS 2009, S.105ff.

[35] Vgl. ebd.

[36] Vgl. JUNG et al. 2011, S. 115.

Ende der Leseprobe aus 48 Seiten

Details

Titel
Die deutsche Assekuranz im Spannungsfeld eines veränderten Marktumfeldes
Untertitel
Analyse der aktuellen Marketingmaßnahmen der ERGO Group AG
Hochschule
BSP Business School Berlin (ehem. Potsdam)
Note
1,5
Jahr
2016
Seiten
48
Katalognummer
V351350
ISBN (eBook)
9783668378315
ISBN (Buch)
9783668378322
Dateigröße
1600 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Marketing, Versicherungsmarketing, Digitalisierung, Assekuranz, Besonderheiten des Versicherungsproduktes, Strategisches Management, Strategiearten, Strategisches Marketing, Marketingprozess, Industrialisierung der Assekuranz, Kundenorientierung, Changemanagement, Paradigmenwechsel, Marketingmaßnahmen, 4P, Versicherungswirtschaft, Wettbewerb
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Die deutsche Assekuranz im Spannungsfeld eines veränderten Marktumfeldes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351350

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