„Die wahre Geschichte der Eiger-Nordwand ist furchtbarer und großartiger, als Menschen sie je erfinden könnten.“ Die Nordwand ist eine vertikale Arena, sie erhebt sich direkt über grünen Almweiden 1800 Meter in die Höhe. Von der kleinen Scheidegg aus lassen sich die Bergsteiger bequem durch Fernrohre beobachten und wie die Eiger-Nordwand aus ihnen entweder Helden oder Tragödien macht. Kurzum, der Berg bei Grindelwald bietet optimale Voraussetzungen für die Medien. Die erste Durchsteigung vom 21. bis 14. Juli 1938 gehört gewiss zu den großartigen Momenten in der Geschichte der Eiger-Nordwand und wurde ein medienträchtiges Ereignis. So schreibt Anderl Heckmair, einer der Erstbesteiger: „Lange noch waren wir dem Kreuzfeuer der Frager ausgesetzt, und erst jetzt erfuhren wir, welche Sensation wir aufgewirbelt haben. ... Sogar die Rundfunksendungen waren unterbrochen worden, um den neuesten Stand in der Eiger-Nordwand zu melden.“
In dieser Arbeit nun soll die Berichterstattung der Presse über die erste Durchsteigung verglichen werden. Auslöser dafür war Heinrich Harrers Buch „Die Weiße Spinne“ , eine spannende und umfassende Chronik über die Eiger-Nordwand. Harrer, der selbst zu den Erstbesteigern gehört, erwähnt darin immer wieder, wie die Presse mit dem Thema umging. So entstand die Idee seine Eindrücke mit der Realität zu überprüfen. Dazu werden vier Zeitungen, deutsche und ausländische, untersucht. Zunächst soll jedoch die Durchsteigung der Eiger-Nordwand und die vier beteiligten Bergsteiger im Vordergrund stehen. Danach wird die Pressepolitik im Dritten Reich behandelt, um anschließend die vier Zeitungen (Frankfurter Zeitung, Völkischer Beobachter, Neue Züricher Zeitung, The Times) ausführlich vorzustellen. Zu jeder werden Hypothesen betreffend die Berichterstattung über die Eiger-Nordwand formuliert. Es folgt der Vergleich der Zeitungen auf verschiedenen Ebenen, um im Ergebnis die aufgestellten Hypothesen zu überprüfen. Ein Ausblick auf die weitere Geschichte des Eiger als „Medienberg“ soll die Arbeit abrunden.
Anzumerken ist, dass im Rahmen dieser Arbeit nicht auf die Einstellung der vier Erstbesteiger zum Nationalsozialismus und die immer wieder vermutete politische Motivation zur Eiger-Nordwand-Durchsteigung eingegangen wird . Denn dies zu diskutieren, würde den Umfang der Arbeit sicherlich sprengen und wahrscheinlich zu keinem befriedigenden Ergebnis führen.
Gliederung
1. Einleitung
2. Die Eiger-Nordwand
2.1. Erstdurchsteigung 1938
2.2. Teilnehmer
3. Die Presse im Nationalsozialismus (1933 – 1939)
3.1. Inland
3.2. Ausland
4. Charakteristika und Hypothesen
4.1. Frankfurter Zeitung
4.2. Neue Zürcher Zeitung
4.3. The Times
4.4. Völkischer Beobachter
5. Vergleich
5.1. deutsche Zeitungen
5.2. ausländische Zeitungen
5.3. deutsche und ausländische Zeitungen
6. Ergebnis
7. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die mediale Berichterstattung über die Erstbesteigung der Eiger-Nordwand im Juli 1938. Das primäre Ziel ist es, den Einfluss der Pressepolitik im Nationalsozialismus auf die Darstellung dieses Ereignisses in unterschiedlichen deutschsprachigen und internationalen Zeitungen zu analysieren.
- Pressepolitik und -lenkung im Nationalsozialismus
- Struktur und Charakteristika der untersuchten Zeitungen (FZ, VB, NZZ, The Times)
- Vergleichende Analyse der Berichterstattung: Umfang, Darstellungsform und Sprache
- Untersuchung der nationalen Vereinnahmung und politischen Propagierung alpinistischer Erfolge
Auszug aus dem Buch
2.1. Erstdurchsteigung 1938
1932 waren alle Seiten des Eigers bestiegen – fast, denn nur die Wand, als „glatt und absolut unbesteigbar“ beurteilt, fehlte noch. Als erste stiegen Max Sedelmayr und Karl Mehringer 1935 in die Nordwand. „Man kennt nur ihr Gesicht, das sich ständig verändert. Eis, Fels, Schnee ... Lawinen- und Steinschlagzüge. Ein Gesicht ohne Gnade, ohne Freundlichkeit.“ Die beiden kletterten drei Tage lang bis hinauf zum Bügeleisen, dann schlug in der Nacht das Wetter um. Die Lawinen und der Steinschlag bildeten eine furchtbare Falle. Erst Wochen später entdeckte man die Bergsteiger aus einem Flieger heraus, „bis an die Knie im Schnee steckend, stehend erfroren im letzten Biwak, an der Spitze des Bügeleisens, das seitdem das Todesbiwak genannt wird.“
Ein Jahr später gingen Willy Angerer, Anderl Hinterstoisser, Toni Kurz und Edi Rainer in die Eiger-Nordwand, unter der Roten Fluh machte Hinterstoisser einen Quergang zum ersten Eisfeld - und zog das Seil wieder ab. Danach stieg die Seilschaft über zwei Biwaks fast bis zum Bügeleisen auf. Dort mussten sie umkehren, weil einer der Bergsteiger vom Steinschlag verletzt war. Doch im Quergang hing kein Seil mehr, der Rückweg war versperrt. „Einen Seilzugquergang, ... kann man, wenn das Seil einmal abgezogen ist, nicht mehr in umgekehrter Richtung machen.“ Beim Abseilen über eine senkrechte Steilstufe stürzte Hinterstoisser schließlich ab, Angerer wurde dabei vom Seil erhängt und Rainer erfror. Nur Toni Kurz hing noch lebend in einer Seilschlinge in der Wand. Eine Nacht lang, in der ihm ein Arm erfror. Am nächsten Tag konnte er sich mit Hilfe von Bergführern weiter abseilen, bis ein Seilknoten nicht durch den Karabiner passte. Kurz starb nur fünf Meter entfernt vor den Augen seiner Retter an Erschöpfung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit begründet das Interesse am Vergleich der Presseberichterstattung zur Eiger-Nordwand-Durchsteigung 1938 und legt die methodische Vorgehensweise sowie die Auswahl der Zeitungen dar.
2. Die Eiger-Nordwand: Dieses Kapitel skizziert die alpinistische Geschichte der Wand, insbesondere die gescheiterten Versuche vor 1938, und porträtiert die Erstbesteiger.
3. Die Presse im Nationalsozialismus (1933 – 1939): Hier wird das System der nationalsozialistischen Presselenkung und Propaganda sowohl für das Inland als auch die Auswirkungen auf das Ausland detailliert beschrieben.
4. Charakteristika und Hypothesen: Die Arbeit stellt die vier untersuchten Zeitungen (Frankfurter Zeitung, Neue Zürcher Zeitung, The Times, Völkischer Beobachter) vor und formuliert für jede Einzelne Hypothesen zur Berichterstattung.
5. Vergleich: Dieser Hauptteil analysiert die tatsächliche Berichterstattung über die Durchsteigung in den Zeitungen auf verschiedenen Ebenen und stellt deutsche sowie ausländische Zeitungen gegenüber.
6. Ergebnis: Die Ergebnisse der Analyse werden zusammengefasst und die in Kapitel 4 aufgestellten Hypothesen werden auf ihre Validität hin überprüft.
7. Ausblick: Das Kapitel schließt mit einer Betrachtung der weiteren Entwicklung der Eiger-Nordwand als „Medienberg“ bis in die Gegenwart.
Schlüsselwörter
Eiger-Nordwand, Pressepolitik, Nationalsozialismus, Propaganda, Erstbesteigung, Journalismus, Frankfurter Zeitung, Völkischer Beobachter, Neue Zürcher Zeitung, The Times, Presselenkung, Medienberichterstattung, Bergsteigen, Alpinismus, Gleichschaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie vier ausgewählte, politisch unterschiedlich orientierte Zeitungen über die Erstbesteigung der Eiger-Nordwand im Jahr 1938 berichtet haben, wobei der Fokus auf dem Einfluss der NS-Pressepolitik liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Mechanismen der Presselenkung im Dritten Reich, den Vergleich zwischen inländischer und ausländischer Presseberichterstattung sowie die Instrumentalisierung von Sportereignissen für politische Propaganda.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, wie deutsche und ausländische Zeitungen auf das Ereignis reagierten und ob sich die ideologische Ausrichtung der Zeitungen bzw. die staatlichen Anweisungen im Erscheinungsbild der Berichterstattung widerspiegeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es wird eine vergleichende Inhaltsanalyse der Zeitungsartikel durchgeführt, bei der Parameter wie Umfang, Darstellungsform, Platzierung, Quellenwahl und sprachliche Merkmale systematisch ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Presselenkung, eine detaillierte Charakterisierung der vier ausgewählten Zeitungen und einen umfassenden Vergleich der Berichterstattung über die Eiger-Nordwand.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Eiger-Nordwand, Presselenkung, Nationalsozialismus, Propaganda, Erstbesteigung, Medienberichterstattung und die vier untersuchten Zeitungen.
Wie unterscheidet sich die Berichterstattung des Völkischen Beobachters von der Frankfurter Zeitung?
Während die Frankfurter Zeitung eher sachlich-distanzierte und kurze Meldungen veröffentlichte, nutzte der Völkische Beobachter das Thema für emotionalisierte, propagandistische und stark personalisierte Berichte, um Heldentum und den Nationalsozialismus zu glorifizieren.
Warum wurde die Neue Zürcher Zeitung als Vergleichsobjekt gewählt?
Die NZZ wurde gewählt, da sie als Schweizer Zeitung aus der Perspektive eines neutralen Landes berichtete und einen analytischen, historisch orientierten Stil pflegte, der sich deutlich von der deutschen Propaganda unterschied.
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- Christina Quast (Author), 2002, Die Wand der Wände - Ein Vergleich der Presseberichterstattung zur Eiger-Nordwand-Durchsteigung 1938, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35136