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Die Pest in Athen. Quelleninterpretation von Thuk. 2,48-53

Titel: Die Pest in Athen. Quelleninterpretation von Thuk. 2,48-53

Hausarbeit , 2014 , 13 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Gernot Meyer (Autor:in)

Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In dieser Quelleninterpretation behandle ich die 431 v. Chr. in Athen ausgebrochene Seuche. Ich konzentriere mich hierbei auf die Analyse des politischen und moralischen Verfalls während der Seuche, der von Thukydides, einem antiken griechischen Geschichtsschreiber, in seinem Geschichtswerk „Der peloponnesische Krieg“ beschrieben wird. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Fragestellung, ob das von Thukydides genannte desaströse gesellschaftliche Verhältnis die damals vorhandenen Verhältnisse widerspiegelt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Thukydides

3. Historischer Kontext

4. Kontext der „Pestbeschreibung“ zum Gesamtwerk

5. Die Seuche

5.1 Ausbreitung und Folgen

5.2 Der Verfall

5.3 Idealbild vs. Thukydides

5.4 Realität oder Übertreibung?

6. Bilanz

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die von Thukydides beschriebene Seuche in Athen (431 v. Chr.) und analysiert kritisch, inwieweit die Darstellung des gesellschaftlichen und moralischen Verfalls mit den historischen Gegebenheiten korrespondiert oder als rhetorische bzw. literarische Zuspitzung zu werten ist.

  • Analyse des politischen und sozialen Zerfalls während der Seuchenjahre.
  • Kontrastierung der Seuchenschilderung mit dem perikleischen Idealbild.
  • Untersuchung der historischen Diskrepanz zwischen thukydideischer Schilderung und militärischen Erfolgen Athens.
  • Diskussion der „Pathologie des Krieges“ und des Zusammenhangs mit späteren Rechtslosigkeiten.

Auszug aus dem Buch

5.2 Der Verfall

In den folgenden Abschnitten (Thuk. 2,52-53) beschreibt Thukydides einen Verfall der Athener Bevölkerung auf mehreren Ebenen. So spricht er zunächst, dass die üblichen Bestattungsriten „nach Sitte der Väter“ nicht mehr eingehalten werden. So wurden etwa „neue“ Leichen auf bereits brennende Leichen geworfen oder von anderen aufgerichtete Scheiterhaufen einfach für eigene Begräbnisse genutzt (Thuk. 2,52.4). Ebenso wurden Tempel entweiht, da sich die Todkranken in diese zurückzogen, dort starben und zudem dort auch noch Geburten stattfanden – ein Sakrileg.

Der Verfall der sozialen Sitten sowie der gesetzlichen Grenzen ist ein weiterer Punkt. Thukydides schreibt, dass sich die Athener Bevölkerung aufgrund der ungewissen Zukunftsaussichten unmittelbaren Genüssen hingab, keine langfristigen Ziele verfolgte, ihr Geld ausgab und auch nicht vor Gesetzesbrüchen Halt machte:

„Sich vorauszuquälen um ein erwähltes Ziel war keiner mehr willig bei der Ungewißheit [sic], ob man nicht, eh man’s erreiche, umgekommen sei; aber alle Lust im Augenblick (…) hieß nun ehrenvoll und brauchbar. Da war keine Schranke mehr, nicht Götterfurcht, nicht Menschengesetz. (…)“ (Thuk. 2,53,3). Die Menschen sahen laut Thukydides die Seuche als die eigentliche, endgültige Bestrafung an und diese lies im Vergleich dazu die eigenen Straftaten verblassen sowie das Rechtsempfinden erheblich aus den Fugen geraten. Ebenso war keine Ehre mehr vorhanden. Wenn nun wie Thukydides schrieb, sich die Bevölkerung wahrhaftig weder durch Angst vor göttlicher noch durch weltlicher Bestrafung von Straf- und Untaten abbringen ließ und nur noch auf den eigenen Vorteil bedacht war, muss das gesellschaftliche Zusammenleben Athens während des Seuchenausbruchs erheblich gestört worden sein. Diesem Verfall steht das noch kurz vorher in der „Gefallenenrede“ beschriebene Idealbild eines Atheners gegenüber, auf das ich nun eingehe.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Definition der Forschungsfrage, die sich auf den politischen und moralischen Verfall während der Seuche in Athen konzentriert.

2. Thukydides: Kurzbiografie des Historikers und Einordnung seiner Arbeit im Kontext des Peloponnesischen Krieges.

3. Historischer Kontext: Erläuterung der politischen Ausgangslage und der drei zentralen Konfliktherde (Kerkyra, Megara, Potideia) vor Ausbruch der Seuche.

4. Kontext der „Pestbeschreibung“ zum Gesamtwerk: Einordnung der Seuchenschilderung innerhalb des zweiten Buches und Bezugnahme zu den Reden des Perikles.

5. Die Seuche: Detaillierte Betrachtung der Ausbreitung, der moralischen Folgen sowie der Kontrastierung zwischen thukydideischer Schilderung und historischen Realitäten.

6. Bilanz: Synthese der Ergebnisse, wobei festgestellt wird, dass Thukydides die gesellschaftliche Zerstörung teilweise dramatisiert, wenngleich er die aufkommende moralische Instabilität zutreffend beobachtet.

Schlüsselwörter

Thukydides, Peloponnesischer Krieg, Athen, Pest, Seuche, Perikles, Gefallenenrede, politischer Verfall, moralischer Verfall, Sophistik, Historische Interpretation, Rechtlosigkeit, Antike, Gesellschaft, Krise.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit behandelt die von Thukydides beschriebene Seuche in Athen und deren Auswirkungen auf die soziale und politische Ordnung der Polis.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zu den Schwerpunkten zählen die historische Einordnung des Peloponnesischen Krieges, das perikleische Idealbild und die Analyse des von Thukydides behaupteten moralischen Verfalls.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Es wird untersucht, ob die von Thukydides geschilderte, desolate gesellschaftliche Verfassung während der Seuche die tatsächlichen historischen Zustände widerspiegelt oder eine literarische Dramatisierung darstellt.

Welche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Quelleninterpretation des Geschichtswerks von Thukydides unter Heranziehung moderner Forschungsliteratur und historischer Kommentare.

Was steht im Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse der Seuchenschilderung, dem Vergleich mit dem Idealbild des Atheners und der Überprüfung der thukydideischen Thesen anhand militärischer Ereignisse.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Thukydides, Athen, Pest, moralischer Verfall und historische Interpretation charakterisiert.

Wie unterscheidet sich die Schilderung des Thukydides vom Idealbild des Perikles?

Während Perikles in seiner Gefallenenrede ein heroisiertes, stabiles Bild des Atheners zeichnet, beschreibt Thukydides unmittelbar danach den Zerfall der Ordnung, der Sitten und der sozialen Bindungen durch die Seuche.

Welche Rolle spielt die „Pathologie des Krieges“ in der Analyse?

Die Arbeit zeigt auf, dass Thukydides die Seuchenerfahrung als Ausgangspunkt für eine allgemeine Rechtlosigkeit (anomia) nutzt, die sich später in eskalierenden politischen Handlungen wie dem Massaker an den Meliern manifestiert.

Ist die Darstellung des moralischen Verfalls durch Thukydides historisch unbestreitbar?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Thukydides die Ereignisse dramatisiert, da Athen auch während und nach der Seuche noch bedeutende militärische Erfolge verzeichnen konnte, was gegen eine totale Lähmung der Gesellschaft spricht.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Pest in Athen. Quelleninterpretation von Thuk. 2,48-53
Hochschule
Universität Bielefeld  (Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie/Abteilung Geschichte)
Veranstaltung
Grundkurs Antike
Note
2,0
Autor
Gernot Meyer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
13
Katalognummer
V351376
ISBN (eBook)
9783668376793
ISBN (Buch)
9783668376809
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Athen; Griechen; Pest; Seuche; Verfall; Griechenland; Thukydides; Peloponnesischer Krieg
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Gernot Meyer (Autor:in), 2014, Die Pest in Athen. Quelleninterpretation von Thuk. 2,48-53, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351376
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Leseprobe aus  13  Seiten
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