Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit einer genaueren Betrachtung einer der ersten professionellen Ausdruckstänzerinnen des 20. Jahrhunderts, Isadora Duncan. Sie galt als Vorreiterin und Pionierin dieser Tanzform, da sie das Wesen und den Stil des modernen, ‚freien‘ Tanzes maßgeblich prägte, sodass die Relevanz und das Echo ihrer Arbeit noch deutlich bis in den modernen Ausdruckstanz heutzutage wahrzunehmen sind.
In dieser Arbeit soll untersucht werden, wie Duncan den von ihr geäußerten Protest, sei es die Rebellion gegen ihre Familie, politischer oder feministischer Protest sowie die Ablehnung des bis dato standardisierten Tanzes, des Balletts, in ihrer ‚neuen‘ Form des Tanzes darstellt und verarbeitet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Zielsetzung
2. Definition von (Ausdrucks)Tanz und Protest in Verbindung mit Duncans Ideologie
3. Historischer Überblick über Protestformen im Tanz
4. Die Anfänge von Isadora Duncan – Beginn der Rebellion
5. Auflehnung als Beruf(ung)
5.1 Kritik am Ballett/Besinnung auf die Natur & Religion
5.2 Politischer Protest
5.3 Einsatz für den Feminismus
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle von Isadora Duncan als Pionierin des Ausdruckstanzes und analysiert, in welcher Form sie Protest – gegen familiäre Zwänge, gesellschaftliche Konventionen, politische Unterdrückung sowie die Ästhetik des klassischen Balletts – tänzerisch artikulierte und damit den Grundstein für eine moderne, emanzipierte Tanzkultur legte.
- Die Entwicklung des Ausdruckstanzes als Gegenbewegung zum klassischen Ballett
- Isadora Duncans Leben und ihre künstlerische Sozialisation
- Tanz als nonverbales Medium für gesellschaftspolitischen und feministischen Protest
- Der Einfluss des griechischen Schönheitsideals auf Duncans Tanzästhetik
- Die Bedeutung von Körperlichkeit und Nacktheit als Ausdrucksmittel und Befreiungsakt
Auszug aus dem Buch
5.1 Kritik am Ballett/Besinnung auf die Natur & Religion
Nachdem Isadoras Tanz nun beim Publikum Anklang fand begann sie, ihre Tanzauffassung auch schriftlich zu publizieren: In Leipzig wurde die Druckfassung ihres Vortrags „Der Tanz der Zukunft“ veröffentlicht. Der Vortrag behandelt ihre Kritik am klassischen Ballett und propagiert den natürlichen, freien Tanz: „Ein Tanz dürfe nichts anderes zum Ausdruck bringen als die von der Natur gesetzlich vorgeschriebene Gravitation im Menschenwillen, was letztendlich eine Übersetzung der kosmischen Gravitation durch den Menschen ist.“
Sie kritisiert die unnatürlichen Bewegungsabläufe des Balletts, da es „dem schönen Frauenkörper eine Deformation aufzwing[e]“ und beschreibt, dass die Muskeln und Knochen professioneller Balletttänzer aufgrund der Ausbildung falscher Bewegungen missgebildet seien. Jede Bewegung bestehe laut Duncan zuerst in der Natur, dies verdeutliche das Tierreich, welches sich in unbewussten, universellen Reflexen bewege. Der freie Tanz zeichne sich demnach dadurch aus, dass er eine Übertragung dieser Bewegungsenergie mittels des Mediums des menschlichen Körpers versuche.
Das Ballett verhalte sich wider den Naturgesetzen, indem es Gebärden, die nicht naturgemäß sind, erzwinge und sterile Bewegungen produziere: Die Bewegung der freien Tiere und Vögel hat stets den Bezug zu deren Natur, zu den Bedürfnissen und zum Willen dieser Natur, die wiederum bei der Erde eigenistet sind. Wenn man freie Tiere schädlich einsperrt, verlieren diese die Kraft sich naturgemäß zu bewegen und eignen sich Bewegungen an, die das Gehegedasein zum Ausdruck bringen. Dasselbe macht die Zivilisation mit dem Menschen. Die Bewegungen der Wilden – die frei und in ständiger Berührung mit der Natur lebten – waren ungezwungen, natürlich und schön. Nur die Bewegungen des nackten Körpers können vollkommen natürlich sein. Der endgültig zivilisierte Mensch wird zur Nacktheit zurückkehren müssen – nicht zur unbewussten Nacktheit des Wilden, sondern zur bewussten, anerkannten Nacktheit des evolutionären Menschen, dessen Körper der harmonische Ausdruck seines Geistes sein wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Zielsetzung: Diese Einführung erläutert die Relevanz von Isadora Duncan für den modernen Ausdruckstanz und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Darstellung von Protest in ihrem Werk.
2. Definition von (Ausdrucks)Tanz und Protest in Verbindung mit Duncans Ideologie: Das Kapitel klärt die theoretischen Begriffe und stellt Duncans Verständnis von Tanz als Ausdruck der inneren Gefühlswelt gegen die als starr empfundenen Regeln des klassischen Balletts.
3. Historischer Überblick über Protestformen im Tanz: Hier wird ein Abriss über die Geschichte des Tanzes als Ausdrucksform von Protest gegeben, der von steinzeitlichen Ritualen über die Antike bis zur Neuzeit reicht.
4. Die Anfänge von Isadora Duncan – Beginn der Rebellion: Der biographische Teil beleuchtet Duncans Kindheit, ihre Erziehung und die ersten bewussten Schritte ihrer tänzerischen Rebellion.
5. Auflehnung als Beruf(ung): Dieses Kapitel analysiert Duncans Karriere und ihre künstlerischen Ansätze in den drei Unterkapiteln zur Tanzästhetik, Politik und zum Feminismus.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Duncan durch ihren revolutionären Ansatz den Grundstein für die weibliche Emanzipation legte und den Tanz als Ausdrucksmedium maßgeblich transformierte.
Schlüsselwörter
Isadora Duncan, Ausdruckstanz, klassisches Ballett, Protest, Tanzgeschichte, Körperlichkeit, Weiblichkeit, Feminismus, Emanzipation, Tanzphilosophie, Moderne, Natürlichkeit, Bewegungsanalyse, künstlerischer Ausdruck, soziale Befreiung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die künstlerische und persönliche Entwicklung der Tänzerin Isadora Duncan vor dem Hintergrund ihres Protests gegen gesellschaftliche Normen und traditionelle Tanzformen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder sind die Definition des Ausdruckstanzes, die Geschichte des Protesttanzes, Duncans individuelle Rebellion gegen das Ballett, politisches Engagement durch den Tanz sowie die Förderung der weiblichen Emanzipation.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es zu untersuchen, wie Isadora Duncan ihren Protest gegen Familienstrukturen, gesellschaftliche Normen und die Standardisierung des Balletts in ihre „neue“ Tanzform integrierte und verkörperte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine biographische Analyse von Duncans Leben mit einer kulturhistorischen Einordnung und einer tanzästhetischen Untersuchung ihrer Vorträge und Choreografien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil beschreibt chronologisch Duncans Werdegang sowie ihre Kritik am Ballett, ihre Hinwendung zum Naturideal, ihre politische Verstrickung in Russland und ihren Einsatz für die Befreiung der Frau.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Isadora Duncan, Ausdruckstanz, Protest, Emanzipation und Tanzästhetik.
Warum lehnte Isadora Duncan das klassische Ballett so entschieden ab?
Sie empfand das Ballett als unnatürlich, starr und körperfeindlich, da es den Körper in unfreie Posen zwang und der Entwicklung des Geistes entgegenstand.
Welche Bedeutung hatte das antike Griechenland für ihre Arbeit?
Das griechische Schönheitsideal diente ihr als Vorbild für eine natürlichere Bewegungsqualität, die den Tanz wieder zu einer religiösen und freien Kunstform erheben sollte.
Wie verknüpfte Duncan Feminismus mit ihrem künstlerischen Schaffen?
Sie nutzte ihren Körper als Medium der Befreiung von viktorianischen Kleidungs- und Verhaltensregeln, um die Identität der Frau in der Moderne neu zu definieren.
Welche politische Rolle spielte der Tanz in Duncans späteren Jahren?
In ihrem späteren Wirken, insbesondere in Russland, setzte sie den Tanz aktiv ein, um gesellschaftliche Veränderungen, den Kommunismus und die Russische Revolution zu thematisieren.
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- Anonym (Author), 2016, Tanz als Ausdruck des Protests bei Isadora Duncan. "Der höchste Geist in dem freiesten Körper“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351431