In seinem Buch "Roots of Language" stellt Bickerton die Hypothese auf, dass Kreolsprachen bestimmte Strukturen zeig en, die genetisch festgelegt sind und formuliert neben Chomsky eine w eitere nativistische Theorie, die er selbst jedoch eher als Hypothese verstanden wissen w ill. Seine Ansichten führten z u einer regen Diskussion in der wissenschaftlichen Literat ur, an der sich nicht nur Linguisten, sondern auch Psychologen, Biologen und Anthropologen beteiligten (siehe hierzu z. B. die Diskussion in The Behavioral and Brain Sciences; 7(2), S. 188 -221.). In weiteren Veröffentlichung en führt er seine Hypothese weiter aus, um der Kritik zu begegnen und modifiziert sie zum Teil (z . B. Bickerton (1989)), um ihr gerecht zu werden. Geht man davon aus, dass bestimmte Strukturen der Sprache genetisch festgelegt sind, so könnten aus diesen Strukturen generelle Aussagen über natürliche Eigenschaften von Sprache als solcher gemacht und Rückschlüsse auf ihre Entstehung gezogen werden, was Bickerton folgerichtig auch versucht. Dies würde einen wichtigen Schritt zur Beantwortung einer Frage bedeuten, die die Menschheit schon seit Jahrtausenden bewegt. Ziel dieser Arbeit ist es, darzustellen, in wie weit Bickertons Hypothese dies leisten kann. Hierzu wird zu erst eine Zusammenfassung seiner Hypothese und ihrer Kritik gegeben und danach versucht werden, die Haltbarkeit seiner Aussagen zu bewerten.
Zum Verständnis von Bickertons Hypothese muss hierzu erst auf Erklärungsmodelle zur Entstehung von Kreolsprachen, denen Bickerton ganz oder teilweise widerspricht, eingegangen werden. Die Darstellung von Bickertons Hypothese orientiert sich an der zeitlichen Abfolge von Bickertons Veröffentlichungen. Leider kann auf Grund des beschränkten Umfang es der vorliegenden Arbeit nicht auf alle Veröffentlichungen Bickertons eingegangen werden, es wird aber versucht, alle wesentlichen Aussagen in Bickertons Veröffentlichungen kurz darzustellen. Aus dem selben Grund werden keine konkreten Beispiele, die Bickerton zu Untermauerung seiner Thesen gibt, gegeben. Da die Kritik an Bickertons These, wie oben bereits erwähnt, sehr umfangreich ist und um zu gewährleisten, dass sie den neuesten Forschungsstand wiedergibt, wurde darauf verzichtet zur Darstellung der Kritik Veröffentlichungen zu verwenden, die vor 1994 erschienen sind.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Pidgins und Kreolsprachen
2.2 Monogenese
3 Bickertons Language Bioprogram Hypothesis
3.1 Roots of Language
3.2 The Language Bioprogram Hypothesis
3.3 The Lexical Learning Hypothesis and The Pidgin-Creole Cycle
4 Kritik
5 Schlussbemerkung
6 Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die von Derek Bickerton formulierte „Language Bioprogram Hypothesis“ (LBH) hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen Haltbarkeit. Ziel ist es, Bickertons nativistische Theorie, die eine genetische Grundlage für die Entstehung von Kreolsprachen postuliert, zusammenfassend darzustellen, ihre methodische Basis zu hinterfragen und die in der Fachliteratur geäußerte Kritik zu bewerten, um den aktuellen Forschungsstand zu dieser Hypothese einzuordnen.
- Darstellung der nativistischen Sprachursprungstheorie nach Derek Bickerton.
- Analyse der linguistischen Argumente für ein genetisches Sprachprogramm.
- Diskussion der Rolle von Substrat- und Superstrateinflüssen auf Kreolsprachen.
- Kritische Auseinandersetzung mit der methodischen Validität der Bickertonschen Daten.
- Gegenüberstellung der Bioprogramm-Hypothese mit soziolinguistischen Erklärungsansätzen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Roots of Language
In Roots of Language schränkt Bickerton die übliche Definition von Kreolsprachen ein. Er stellt fest, sein Ziel sei es nicht, die Herkunft aller als Kreol bekannter Sprachen zu klären, sondern „fundamental properties of human languages in general“ zu finden und darzustellen. Hierzu interessiere er sich vor allem für Situationen „where the normal continuity of language transmission is most severely disrupted“. Da dies bei der Entstehung von Kreols der Fall sei, eigneten sie sich besonders gut für seine Untersuchungen. Allerdings seien hier vor allem Extrembeispiele interessant, da in ihnen die linguistische Leistungsfähigkeit der Menschen am stärksten beansprucht werde. Deshalb schränkt er für den weiteren Gebrauch die Definition von Kreolsprachen folgendermaßen ein:
[...] I shall use the word creole to refer to languages which:
1) Arose out of a prior pidgin which had not existed for more than a generation.
2) Arose in a population where not more than 20 percent were native speakers of the dominant language and where the remaining 80 percent was composed of diverse language groups.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die nativistische Theorie von Derek Bickerton vor, nennt das Ziel der kritischen Auseinandersetzung mit dieser Hypothese und erläutert den methodischen Ansatz sowie die Beschränkungen der vorliegenden Arbeit.
2 Grundlagen: Hier werden die linguistischen Definitionen von Pidgins und Kreolsprachen sowie der theoretische Hintergrund der Monogenese-Theorie für den weiteren Argumentationsgang dargelegt.
3 Bickertons Language Bioprogram Hypothesis: Dieser Abschnitt erläutert Bickertons zentrale Thesen, seine spezifische Definition von Kreolsprachen und die Vorstellung, dass eine genetisch festgelegte Programmierung die Entstehung grammatikalischer Strukturen bei Kreolisierungsprozessen steuert.
4 Kritik: In diesem Kapitel werden die wesentlichen Gegenargumente und methodischen Zweifel der Fachwelt an Bickertons Hypothese, insbesondere hinsichtlich der Rolle von Substrateinflüssen und der Datenbasis, zusammengetragen und diskutiert.
5 Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung, in der die Hypothese als auslösendes Element für eine interdisziplinäre Debatte gewürdigt, aber hinsichtlich ihrer strikten genetischen Determiniertheit kritisch hinterfragt wird.
6 Bibliographie: Verzeichnis der im Text zitierten und zur Erstellung der Arbeit herangezogenen wissenschaftlichen Literatur und Quellen.
Schlüsselwörter
Language Bioprogram Hypothesis, Bickerton, Kreolsprachen, Pidgin, Nativismus, genetische Sprachursprungstheorie, Dekreolisierung, Substratsprache, Universalgrammatik, Spracherwerb, TMA-System, linguistische Morphologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch Derek Bickertons „Language Bioprogram Hypothesis“, die davon ausgeht, dass die strukturellen Ähnlichkeiten von Kreolsprachen auf ein angeborenes, genetisches Programm zurückzuführen sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entstehung von Kreolsprachen, die Theorie des Nativismus, die Abgrenzung zu anderen Sprachkontaktphänomenen sowie die wissenschaftliche Debatte um die biologische Determination von Sprache.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, darzustellen, inwieweit Bickertons Hypothese die Entstehung von Sprachen erklären kann, und deren Haltbarkeit durch eine Bewertung der aktuellen Fachkritik zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, bei der Bickertons Primärveröffentlichungen (insb. Roots of Language) mit neuerer kritischer Forschung und linguistischen Kommentarwerken verglichen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Bickertons Definitionen von Kreolsprachen, seine Beobachtungen zu grammatikalischen Aspekten wie dem TMA-System sowie die Verbindung seiner Theorie zur Universalgrammatik von Chomsky detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Language Bioprogram Hypothesis, Kreolsprachen, Nativismus, Spracherwerb und die kritische Auseinandersetzung mit Bickertons Datenbasis.
Inwiefern unterscheidet sich Bickertons Sichtweise von der Chomskys?
Bickerton geht davon aus, dass die angeborenen Strukturen wesentlich spezifischer sind als bei Chomsky; während Chomsky vage von latent verfügbaren Grundgrammatiken spricht, postuliert Bickerton ein konkretes Programm zur aktiven Entwicklung spezifischer grammatikalischer Strukturen.
Warum wird Bickertons Hypothese in der Fachwelt teilweise angezweifelt?
Kritiker führen an, dass Bickertons Datengrundlage unzureichend sei, er soziolinguistische Faktoren und Substrateinflüsse rigoros ablehne und seine Definition von „Kreolsprache“ zu eng gewählt sei, um eine breite empirische Überprüfung zu ermöglichen.
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- Markus Ciapura (Author), 2005, Zu: Derek Bickertons "Language Bioprogram Hypothesis" - Eine Hypothese und ihre Kritik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35146