Der Begriff der Freiheit in den Schriften Martin Luthers

"Von der Freiheit eines Christenmenschen" und "De libero Arbitrio"


Hausarbeit, 2015
21 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis.

1. Einleitung
1.1. Darstellung des Themas. Anliegen des Autors
1.2. Die Prägung der Zeit
1.3. Das Problem des Freiheitsbegriffs
1.4. Einordnung der Schriften in den biographischen Kontext ihres Verfassers:
1.4.1. "Von der Freiheit eines Christenmenschen"
1.4.2."Vom unfreien Willen"

2. DAS FREIHEITSVERSTÄNDNIS LUTHERS IM "DE LIBERTATE CHRISTIANA"
2.1. Luthers Anthropologie
2.1.1. Die Unterscheidung zwischen dem Gesetz und dem Evangelium
2.1.2. Luthers Verständnis des Evangeliums und des Gesetzes
2.1.3. Die Freiheit des Menschen
2.2. Der äussere Mensch
2.3. Die Liebe als Träger der Freiheit des Menschen.
2.4. Kurze Zusammenfassung der Lehre Luthers von der Freiheit in "De libertate christiana"

3. Die Freiheit und der Wille, Luthers "De servo arbitrio"
3.1. Die Antwort des Erasmus von Rotterdam auf Luthers "De libertate christiana"
3.2. Luther antwortet Erasmus. Freiheit und der Wille des Menschen
3.2.1. "Der freie Wille ist reine Lüge."
3.2.2. Ist der Mensch ein Tier?!
3.2.3. Welche Freiheit meint Luther?
3.2.4. Luthers Begründungen des unfreien Willens in der Bibel
3.3. Das Vorherwissen Gottes schlisst den freien Willen aus
3.4. Wie verhält sich die Vernunft?
3.5. Erasmus Anthropologie und Luthers Antwort

4. Schlussfolgerungen

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung.

1.1. Darstellung des Themas. Anliegen des Autors.

Für Martin Luther war der Begriff "Freiheit" von höchster Bedeutung. Die damalige Kirche schien ihm diese Freiheit sehr stark zu begrenzen. Für ihn schien die Freiheit des Gewissens, die durch das Evangelium und den Glauben vermittelt wird, von der Kirche verdeckt zu sein. Sein Freiheitsbegriff war ganz anders als dessen heutiges Verständnis (besonders von der heute viel genannten politischen Freiheit). Er verband nämlich diese Freiheit mit Gott, Seiner Gnade und menschlichen (schwachen) Natur, was man heute unbedingt vermeiden will. Der Mensch ist heutzutage stark, selbstständig, für das Geld könnte er alles tun. Für Luther dagegen schien der Mensch ein schwaches Geschöpf Gottes zu sein, das nichts (gutes) kann.

In meiner Arbeit stelle ich seine beiden Hauptwerke zum Thema Freiheit vor:

"Von der Freiheit eines Christenmenschen" (1520), "Vom unfreien (bzw. geknechteten) Willen". Diese Betrachtung soll uns die pessimistische Anthropologie Luthers und derer Verbindung zum Evangelium aufzeigen.

Im ersten Teil meiner Arbeit zeige ich seine "Einführung" zur Freiheit aufgrund des Werkes "Von der Freiheit eines Christenmenschen". Es ist notwendig diese Schrift Luthers gut studiert zu haben, um überhaupt seine Denkweise verstehen zu können.

Danach folgt Luthers Antwort auf den Angriff von Erasmus (die Schrift gegen Luthers Freiheitsbegriff - "De libero Arbitrio" - 1524), die ein sehr pessimistisches Bild sowohl des Menschen, als auch Gottes vermittelt.

Der Aufbau meiner Arbeit stützt sich auf einem Referat von Thomas Ziaja, das das Thema der Freiheit bei Martin Luther und Philip Melanchton betrachtet.

1.2. Die Prägung der Zeit.

Martin Luther wurde 1483 in Eisleben geboren. Die Zeit des Mittelalters, einer Epoche, in der Gott im Mittelpunkt stand und alles nach dem Gesetz Gottes gemessen wurde, war vorbei.

Gerade zu Beginn des 15. Jh. war ein Wandel spürbar. Die Gelehrten, die sich früher mit Fragen im Bezug auf Gott befasst hatten, bekamen grosses Interesse an der Antike. Es begann die Zeit der Renaissance (Wiedergeburt). Der Mensch und nicht mehr Gott stand im Mittelpunkt. Eine neue Lebensbewertung kam auf, eine neue Haltung in weltanschaulichen und religiösen Dingen, was grosse Konsequenzen für alle Bereiche der Kunst, Wissenschaft, Politik und besonders Philosophie hatte. Der Mensch wurde zum Mass aller Dinge. Durch eigene Kraft und den eigenen Willen soll der Mensch zu höchstmöglicher Entfaltung kommen. Das religiöse Leben wurde zu einer Philosophie und zum Staunen über die Kunst der religiösen Werke, aber die Innerlichkeit ging verloren. Der Mensch war sich selbst bewusst und seiner (grossen) Kraft. Die Erbsündigkeit der Menschen wurde nicht mehr erkannt (oder wollte nicht erkannt werden), man zweifelte immer mehr an der Erlösungsbedürftigkeit und auch an der Notwendigkeit der Gnade und Hilfe Gottes.[1]

Gegen diesen gottlosen Zeitgeist seiner Epoche widersetzte sich Martin Luther stark und bewirkte eine grosse Verwirrung mit seinen oben genannten Schriften, die doch ein neues religiöses Leben bewirken sollten.

1.3. Das Problem des Freiheitsbegriffs.

Von der Freiheit kann man auf vielerlei Weise sprechen. Diese verschiedenen Arten der Freiheit sollen uns klar machen, von welcher Art der Freiheit in meiner Arbeit die Rede ist.

Freiheit im juristischen Sinn bedeutet ein bestimmter Freiraum, in dem der Mensch so leben kann, wie er will. Die Grenzen des eigenen Raumes stossen auf die Räume der Anderen.

Freiheit im politischen Sinn ist Selbstbestimmung eines Volkes im Gegensatz zur Fremdbestimmung durch ein anderes Volk. Dieser Begriff meint auch die Teilnahme des Volkes an dem politischen Geschehen des Staates.

Freiheit im philosophischen Sinn ist schwieriger zu definieren. Nach Kant ist der Mensch frei, wenn er all das tut, was vernünftig ist: "Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten kann". Also etwas kann man gut heissen, wenn alle auch das gut heissen oder auf diese Art und Weise handeln.

Im weltanschaulichen Sinn bedeutet es, wenn sich jemand für eine bestimmte Weltanschauung entscheidet, so ist er von allen anderen Weltanschauungen frei.[2]

Es gibt auch eine christliche Freiheit, die dann im Zuge der nächsten Kapitel ausführlich beschrieben wird.

1.4. Einordnung der Schriften in den biographischen Kontext ihres Verfassers:

1.4.1. "Von der Freiheit eines Christenmenschen"

Als Doktor der Theologie an der Universität in Wittenberg übernahm Martin Luther 1516/1517 einen Vorlesungszyklus über den Römerbrief. In dieser Zeit entdeckte er in diesem Brief eine neue Lehre von der Rechtfertigung aus dem Glauben.

Im Oktober des Jahres 1520 entstand seine Schrift "De libertate christiana" (lat. Fassung, deutsche Fassung: "Von der Freiheit eines Christenmenschen"). Am 24. Juli 1520 veröffentlichte der Vatikan die Bannandrohungsbulle "Exsurge Domine", die gegen Luther gerichtet war. Am 21. September 1520 wurde sie von Johannes Eck im Deutschen Reich bekannt gemacht. Karl von Militz wollte zwischen Luther und der Röm. Kurie vermitteln, deswegen machte er sich auf den Weg nach Rom mit Luthers Schrift. So wollte sowohl Luther als auch von Militz seine Rechtfertigungslehre vor dem Papst rechtfertigen. Jedoch stiess der deutsche Reformator in Rom nicht auf Gehör und am 21. Juli des nächsten Jahres wurde er als Ketzer verurteilt.[3]

Man kann die spätere Schrift Luthers "Vom unfreien Willen" ohne den Traktat "De liberate christiana" gelesen zu haben, nicht verstehen.

1.4.2. "Vom unfreien Willen"

Gleichzeitig lebte in Rotterdam ein anderer Reformator, der aber katholisch blieb - Erasmus. Nach der Lektüre der Schrift "De liberate christiana" und in Folge des Drucks des Papstes schrieb er eine Antwort auf diese Schrift, wo er Luthers Freiheitsbegriff, seine Rechfertigungslehre und die Lehre vom freien Willen verurteilt ("De libero arbitrio" - 1524). Erasmus ist dem Menschen gegenüber optimistisch, Luther dagegen sehr pessimistisch, was später ausführlich erklärt wird. Das Hauptthema ist die Frage, ob der Mensch nach dem Sündenfall die Freiheit hat, sich aus eigener Kraft für das Gute zu entscheiden. Ist die Gnade notwendig für das Heil der Menschen?

Gegen die Hauptströmungen des Humanismus erklärt Luther, dass der Mensch für sein Heil nichts bewirken kann, nur die Gnade Gottes. Bezüglich des Willens Gottes habe der Mensch keinen freien Willen.[4]

Die pessimistischen Aussagen über den Menschen werden noch ausführlich betrachtet.

2. DAS FREIHEITSVERSTÄNDNIS LUTHERS IM "DE LIBERTATE CHRISTIANA"

2.1. Luthers Anthropologie.

"Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan."[5]

Diese paradoxe Doppelthese, mit der Luther seine Schrift beginnt, zu begreifen, heisst, sich mit der Anthropologie Luthers auseinanderzusetzen. So beruft sich Luther auf Paulus (z.B. Röm. 8, 4) und erklärt dann: "(...) ein jeder Christenmensch von zweierlei Natur ist, von geistlicher und leiblicher. Nach der Seele wird er ein geistlicher, neuer, innerer Mensch genannt, nach Fleisch und Blut wird er ein leiblicher, alter und äußerer Mensch genannt."[6]

Diese Unterscheidung ist für Luther sehr wichtig, da er erklären will, ob die Werke einen Einfluss auf den inneren Menschen haben können.

Luther bezeichnet in dem oben genannten Ausschnitt den Menschen nach der Seele als einen geistlichen Menschen, trennt also die Seele vom Fleisch.

Der Geist ist nicht mit der Seele als solcher gleichzusetzen, sondern mit der von Gottes Geist ergriffenen Seele, die sich dem den Leib unterworfen hat. Der Begriff "Geist" kommt aber bei Luther kaum vor und wenn doch, dann ist er nicht gleich zu setzen mit der "Seele".

Der innere Mensch ist für Luther die Seele, sie wird von Gottes Wort ergriffen und soll von demselben bewegt werden. Die Seele ist aber für ihn ein direkter Gegensatz zum Leib (der nach den Begierden lebt).[7]

Schon die ersten Thesen der Freiheitsschrift zeigen, dass die Anthropologie für den deutschen Reformator in der Rechtsfertigungsfrage von höchster Bedeutung ist. Die erste Differenz: innerer Mensch (Seele) und der äussere (Leib) soll eine Einleitung sein zu der zweiten Differenz: das Gesetz und das Evangelium.

2.1.1. Die Unterscheidung zwischen dem Gesetz und dem Evangelium.

"Hier ist es offensichtlich, dass kein äußerliches Ding ihn frei und recht machen kann, wie immer es heißen möge."[8]

Der innere Mensch wird nicht von den äusserlichen Dingen beeinflusst, so dass er in seiner Existenz auch nur durch geistliche Dinge, das heisst nur durch Gottes Wort, das an ihn ergeht, beeinflusst werden kann. Der äussere Mensch aber kann das Wort nicht annehmen, da es anderer Natur ist. Mit dem Wort meint Luther nicht unbedingt die Heilige Schrift, sondern die lebendige Verkündigung in der jeweiligen Gegenwart[9]

Das Wort Gottes wird von Luther wie der Mensch in Gesetz und Evangelium geteilt. Welchen Einfluss sollen die beiden auf den äusseren und auf den inneren Menschen haben?

2.1.2. Luthers Verständnis des Evangeliums und des Gesetzes.

"Daher geben die Zusagen Gottes, was die Gebote fordern, und vollbringen, was die Gebote befehlen, auf dass alles Gottes eigen sei, Gebot und Erfüllung: Er befiehlt allein, er erfüllt auch allein. Darum sind die Zusagen Gottes Worte des neuen Testaments und gehören auch ins neue Testament."[10]

Für Luther ist das Evangelium sowohl ein Versprechen der Gottes Gnade durch Jesus Christus für die Menschen als auch Forderung der Erfüllung der Gebote. Die Heilstat des Messias bewirkte Gottes Zusage Seiner Gnade, wobei Luther sich auf seinen Lieblingsbrief stützt: "Christus ist das Ende und die Vollendung aller Gebote, für die, die an ihn glauben."( Röm 10).

Das Gesetz (das durch Mose "gekommen ist") ist, was später gezeigt wird, eine Anklage Gottes an die Menschen, so ist auch das Evangelium ein Freispruch von dieser, es ist eine grosse Verheissung der Gnade, die die Menschen von ihrem "Nicht-Gutes-KÖNNEN (wollen)" erlöst (was ausführlich Luthers spätere Schrift "De servo Arbitrio beschreibt).

Das Alte Testament steht für Luther für das Gesetz, das Neue Testament aber für die Verheissung der Gnade.[11] Den Sinn der Gebote und unsere Unfähigkeit, sie zu erfüllen, zeigt ausgezeichnet folgender Ausschnitt:

"Daher sind sie nur darum angeordnet, dass der Mensch in ihnen sein Unvermögen zum Guten erkenne und lerne, an sich selbst zu verzweifeln. Darum heißen sie auch altes Testament und gehören alle ins alte Testament. So beweist etwa das Gebot: Du sollst keine böse Begierde haben, dass wir allesamt Sünder sind, und dass kein Mensch ohne böse Begierde zu sein vermag, er tue, was er will. Daraus lernt er, an sich selbst zu verzagen und anderswo Hilfe zu suchen, dass er ohne böse Begierde sei, und also das Gebot erfülle durch einen andern, was er aus sich selbst nicht vermag. Und ebenso sind auch alle anderen Gebote uns zu erfüllen unmöglich."[12]

Das Gesetz (für Luther gleichbedeutend mit den Geboten) dient, wie schon gesagt, dazu, dem Menschen seine Sündhaftigkeit und seine Unfähigkeit zur Erfüllung des Gesetzes aus eigenen Kräften, zu zeigen. Das Gesetz verursacht, dass der Mensch zu zweifeln beginnt und genau in diesem Punkt kommt das Evangelium mit seiner Verheissung ("Du bist verloren, aber du bist gerettet"[13] ).

Die Gebote sind aber auch, so wie das Evangelium Gottes Wort. Sie sprechen den inneren Menschen an und dann den äusseren Menschen, dadurch dass die Seele den Leib bewegt, das Gesetz zu befolgen. Das Gesetz fordert unbedingt das Handeln des äusseren Menschen, was noch später genauer beschrieben wird.

2.1.2.1. Das Gesetz und das Evangelium wirken nicht ohne...

Die beiden, sowohl das Gesetz, als auch das Evangelium wirken durch ihre Dialektik, die beiden sind auch nicht zu trennen, aber sie wirken nicht auf den Menschen ohne den Glauben!

Das Gesetz kann jemanden, der nicht an Gott glaubt, nicht verdammen, aber trotzdem kann er nicht gerechtfertigt werden, da für ihn Christus und die Gnade, die durch Ihn gekommen ist, nichts bedeuten.[14]

" Damit du aber aus dir und von dir, das ist aus deinem Verderben herauskommen kannst, dazu stellt er seinen lieben Sohn Jesus Christus vor dich hin und lässt dir durch sein lebendiges, tröstliches Wort sagen: Du sollst dich in denselben mit festem Glauben ergeben und frisch auf ihn vertrauen. So sollen dir um dieses Glaubens willen alle deine Sünden vergeben und all dein Verderben überwunden sein, und du sollst gerecht, wahrhaftig, befriedet, recht sein; und alle Gebote sollen erfüllt und du sollst von allen Dingen frei sein."[15]

So kann man daraus folgern, dass der Glaube an Jesus Christus eine absolute Notwendigkeit für die Freiheit des Menschen ist.

2.1.3. Die Freiheit des Menschen.

Wie schon gesagt, wird die Gerechtigkeit nicht durch das Gesetz gebracht, sondern durch den Glauben an das Evangelium und die freimachende Gnade. Was bedeutet das aber, dass der Glaube uns frei (vom Gesetz) macht?

Martin Luther stellt in seiner Schrift fest, der Mensch wird von den im Gesetz erforderten Werken durch den Glauben frei und so auch ohne seinen Verdienst gerecht.

Das Evangelium durch den Glauben erfüllt nämlich selbst alle Gebote:

"Glaubst du, so hast du. Glaubst du nicht, so hast du nicht. Denn was dir unmöglich ist mit allen Werken der Gebote, deren es viele gibt und die doch keinen Nutzen haben können, das wird dir leicht und kurz durch den Glauben. Denn ich habe kurzum alle Dinge in den Glauben eingeschlossen, so dass der, der ihn hat, alle Dinge haben und selig sein soll; wer ihn nicht hat, der soll nichts haben."[16]

Der Glaube an das Wort Gottes (gemeint ist das Evangelium) bewirkt einen Wandel der Seele (der innere Mensch), die Gott dann ehrt und an Seine Verheissungen glaubt (der Mensch verlasst sich auf Gott im Glauben an das Heil).

So wird das Evangelium mit der Seele gleich gesetzt, wobei der Mittelpunkt Jesus Christus ist.

Wie wir jetzt nach Luther feststellen können, hat das Evangelium ohne den Glauben keine freimachende Wirkung auf den Menschen als ganzen (inneren und äusseren). "Das ist die christliche Freiheit, der eine Glaube, der nicht macht, dass wir müßig gehen oder übel tun würden, sondern dass wir keines Werkes bedürfen, um Gerechtigkeit und Seligkeit zu erlangen."[17]

Das Gesetz wurde aber von Luther trotzdem nicht aufgehoben, weil es zur Erkenntnis der eigenen Sündhaftigkeit führt.

2.2. Der äussere Mensch.

Wie wirkt die Freiheit vom Gesetz auf den äusseren Menschen? Braucht der Mensch überhaupt gute Werke zu tun, kann er das?

Luther stellt fest, die Werke können die Menschen nicht rechtfertigen (das Gesetz ist mit den Werken auch gemeint), sondern allein der Glaube, aber jetzt müsste man sich fragen, ob der Mensch überhaupt das Gute braucht.

Aber in der Theologie (wie auch der Anthropologie) Luthers ist es nicht so. Der Mensch braucht doch die Werke, aber nicht der innere Mensch, sondern der äussere. Luther sagt ausgehend vom Jakobusbrief, die guten Werke müssen vollzogen werden, da sie ein lebendiges Zeichen des Glaubens sind. "Aber diese Werke dürfen nicht in der Meinung geschehen, dass dadurch der Mensch vor Gott gerecht werde. Denn diese falsche Meinung kann der Glaube nicht ertragen, der allein die Gerechtigkeit vor Gott ist und sein muss. Sie dürfen nur in der Meinung geschehen, dass der Leib gehorsam und von seinen bösen Gelüsten gereinigt werde, und das Auge nur auf die bösen Gelüste sehe, sie auszutreiben. Denn während die Seele rein ist durch den Glauben und Gott liebt, will sie gern, dass auch alle Dinge rein sind, zuerst der eigene Leib, und dass jedermann Gott mit ihr liebt und lobt. So geschieht es, dass der Mensch seines eigenen Leibes wegen nicht müßig gehen kann, sondern darüber hinaus viele gute Werke tun muss"[18]

Hier kommt aber die Unterscheidung Luthers zwischen dem inneren und dem äusseren Menschen, denn der innere Mensch bedarf keine guten Werke. Da die Menschen von einer Doppelnatur sind, so vollbringen sie daher Werke - schon eine Bewegung ist bereits ein Werk des äusseren Menschen.

Die Werke, wie Fasten oder Arbeit sind für die Menschen deswegen nötig, da sie den Leib zügeln (aber auf den inneren Menschen - auf die Seele haben sie doch keinen Einfluss) - Luther vergleicht das mit einem guten und schlechten Baum.

Die Seele des guten Baumes ist mit Gott verbunden ("glaubt" so zu sagen) und der Baum kann reale, gute Werke vollbringen. Der Baum, auf dem die Früchte (Werke) zwar gut aussehen, der aber schlecht ist, in dem ist auch ein Wurm drin.

Der Glaube entscheidet also, ob das Werk gut oder böse war.

Die Seele (vom Wort erfasst) soll die Oberhand gewinnen und eine Wandlung von innen nach aussen soll vollzogen werden(der Leib soll Untertan der Seele werden).

Die alles soll also bedeuten, dass der Mensch nur mit und durch den Glauben gute Werke vollbringen kann.

2.3. Die Liebe als Träger der Freiheit des Menschen..

Die Doppelthese, mit der Luthers Schrift beginnt, soll jetzt folgendermassen erklärt werden. Der Mensch ist also einerseits durch den Glauben ein freier Mensch, aber andererseits ist er "Knecht aller Dinge", was heisst das denn? Diese Knechtschaft ist nämlich nicht die Folge des Gesetzes, da der Glaube uns trägt und frei macht, sondern die Freiheit selbst macht uns zum... Knecht. Wir tun die Werke, wie schon oben beschrieben zwangsläufig (die Bewegung z.B.), besonders in der Auseinandersetzung mit den Menschen:

"Denn der Mensch lebt nicht allein in seinem Leib, sondern unter anderen Menschen auf Erden. Darum kann er nicht ohne Werke sein gegen diese, er muss ja mit ihnen zu reden und zu schaffen haben, obwohl ihm keines dieser Werke nötig ist zur Gerechtigkeit und Seligkeit. Darum soll seine Meinung in allen Werken frei und nur darauf hin ausgerichtet sein, dass er anderen Leuten damit diene und nützlich sei."[19]

In der Gemeinschaft der Menschen ist der Christenmensch aufgefordert die Werke der Liebe zu tun. Und genau in der Liebe wird der Christ zum Knecht seines Nächsten und umgekehrt, was ihn nicht unfrei macht, sondern Folge seiner Freiheit ist, denn er tut dieses Werk nicht, weil er irgendwelche Hintergedanken hat (gerecht vor Gott zu werden), die er durch diese Werke ohnehin nicht erfüllen kann, sondern weil ihn die Seele durch die neue von Gott gewollte Freiheit dazu drängt.[20]

[...]


[1] Gieraths, G: Savonarola, S. 8.

[2] vgl. http://www.mehrglauben.de/vertiefen/standpunkte-finden/christlicher-glaube-heist-freiheit/16-1001-15?PHPSESSID=bfe03dc7cf5299db5c81bd05bbded5e2

[3] vgl. Ziaja Thomas, Luthers und Melanchthons Freiheitsbegriff, S. 2.

[4] vgl. http://ekkt.ekir.de/trier/fileadmin/user_upload/gemeinden/trier/Freiheit_bei_Martin_Luther_-_Schneider.pdf

[5] Siehe: http://www.luther2017.de/679-lutherschrift-von-der-freiheit-eines-christenmenschen

[6] Ebd.

[7] vgl. Ziaja Thomas, Luthers und Melanchthons Freiheitsbegriff, S. 7.

[8] Siehe: http://www.luther2017.de/679-lutherschrift-von-der-freiheit-eines-christenmenschen

[9] vgl. Ziaja Thomas, Luthers und Melanchthons Freiheitsbegriff, S. 8.

[10] Siehe: http://www.luther2017.de/679-lutherschrift-von-der-freiheit-eines-christenmenschen

[11] vgl. Ziaja Thomas, Luthers und Melanchthons Freiheitsbegriff, S. 9 - 12.

[12] http://www.luther2017.de/679-lutherschrift-von-der-freiheit-eines-christenmenschen

[13] Ebd.

[14] vgl. Ziaja Thomas, Luthers und Melanchthons Freiheitsbegriff, S. 12.

[15] Siehe: http://www.luther2017.de/679-lutherschrift-von-der-freiheit-eines-christenmenschen

[16] Ebd.

[17] Siehe: http://www.luther2017.de/679-lutherschrift-von-der-freiheit-eines-christenmenschen

[18] Ebd.

[19] Siehe: http://www.luther2017.de/679-lutherschrift-von-der-freiheit-eines-christenmenschen

[20] vgl. Ziaja Thomas, Luthers und Melanchthons Freiheitsbegriff, S. 19.

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Details

Titel
Der Begriff der Freiheit in den Schriften Martin Luthers
Untertitel
"Von der Freiheit eines Christenmenschen" und "De libero Arbitrio"
Hochschule
Theologische Hochschule Chur
Autor
Jahr
2015
Seiten
21
Katalognummer
V351469
ISBN (eBook)
9783668378926
ISBN (Buch)
9783668378933
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
begriff, freiheit, martin, luther, erasmus, rotterdam, vergleich
Arbeit zitieren
Marcin Piergies (Autor), 2015, Der Begriff der Freiheit in den Schriften Martin Luthers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351469

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