Gespräch des Sokrates mit Thrasymachos


Seminararbeit, 1999

6 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Gerechtigkeit als Vorteil des Stärkeren (I. Buch 336b-347e)

III. Gerechtigkeit nützlicher als Ungerechtigkeit (I. Buch 347e-357a)

I. Einleitung

Nach dem Gespräch mit Polemachos greift Thrasymachos ein und kritisiert Sokrates Art seine Dialoge zu führen. Er meint, Sokrates würde Fragen stellen, um Antworten zu hören, welche er dann widerlegen könne. Am Ende aber habe er selber keine exakte Antwort auf seine eigenen Fragen. Thrasymachos jedoch wisse die Antwort.

Sokrates widerspricht ihm und sagt, er sei kein Wissender und deshalb würde er fragen und am Ende weiterhin ein Unwissender bleiben. Doch wenn Thrasymachos behaupte, er sei ein Wissender - so solle er antworten und seine Antworten zu belegen versuchen, damit man seine Gedanken nachvollziehen und verstehen könne.

Endlich stimmt Thrasymachos ein und beginnt ein Dialog über das Gerechte zu führen.

II. Gerechtigkeit als Vorteil des Stärkeren S. 3-4 (I. Buch 336b-347e)

Thrasymachos sagt, daß das Gerechte dem Stärkeren nütze. Die verschiedenen Regierungsformen gäben Gesetze, welche für die Herrschenden selbst nützlich seien. Und das Nützliche für die Regierenden sei somit das Gerechte für die Regierten. Die Regierten müßten den Gesetzen gehorchen, wenn nicht, würden sie bestraft werden.

Nun widerspricht Sokrates und fragt ihn, ob der Herrscher als Mensch sich denn auch mal irren könnte in seinen Entscheidungen oder Befehlen. Thrasymachos stimmt dem zu. Daraus folgert dann Sokrates, daß der Starke, der die Befehle gibt, sich nützen, aber auch schaden kann, wenn er Befehle erteilt, welche nicht zu seinem Vorteil sind. Die ihm Gehorchenden müssen auch diese Befehle ausführen und somit dem Herrscher nicht zu einem Vorteil verhelfen. Thrasymachos ist empört über Sokrates Wortverdrehungen und sagt, der Herrscher könne sich hinsichtlich des für ihn Nützlichen nicht irren, da er eben Herrscher ist - ansonsten wäre er dies nicht. Auch ein Arzt könne sich nicht irren; wenn er einen Fehler machen würde, so würde er kein Arzt sein. Meister machten keine Fehler, wenn dann seien sie keine Meister. Sokrates macht mit dem Arzt weiter und sagt: ein Arzt als Arzt im genauen Sinne des Wortes nützt mit seiner Heilkunst nicht sich selbst sondern dem Kranken. Der Arzt befiehlt nicht das ihm selbst Zuträgliche, sondern dem Kranken Zuträgliche. So steht es auch mit der Herrschkunst. Der Regierende befiehlt dem Regierten Zuträgliche und Nützliche. Demnach ist die Kunst des Herrn, für den Staat zu sorgen.

Thrasymachos widerspricht damit, daß er den Herre n mit dem Hirten vergleicht. Der Hirt sorgt für die Schafe in seinem eigenen Interesse - so sorgt der Herr auch für seine Knechten. Der Herrscher ist der Befehlende zu seinem Nutzen - er selber ist frei und kann nie bestraft werden. Seine Schlußfolgerung ist dann, daß der Gerechte gegen den Ungerechten im Nachteil ist. Wenn ein Ungerechter und ein Gerechter miteinander in einer Geschäftsbeziehung stehen, so ist der am Ende Bevorteiligte der Ungerechte. Dies auch in der Beziehung zum Staate, wenn es um Steuerzahlung geht. Der Gerechte zahlt nämlich vom gleichen Vermögen mehr als der Ungerechte - somit ist er im Nachteil dem Ungerechten gegenüber.

Wichtig ist für Thrasymachos die Frage danach, ob die Ungerechtigkeit oder die Gerechtigkeit dem Menschen mehr Nutzen bringt. Seine Antwort ist das Unerreichtes, das dem Menschen mehr Vorteil verschafft. Sokrates soll von der vollendetsten Ungerechtigkeit ausgehen. Hier ist der Ungerechte der Glücklichste, der Unrechterleidende jedoch der Unglücklichste. Derjenige, der im einzelnen Schandtaten verübt, kann gefaßt und bestraft werden. Zusätzlich wird er für sein Verbrechen einen schlechten Ruf bekommen. Die Tyrannenherrschaft aber ist die vollendetste Form der Ungerechtigkeit, die dem Herrscher Vorteil, Nutzen und „guten“ Ruf bringt. Denn jener herrscht über Staat, Gesetz und Mensch. Niemand kann ihn verurteilen und bestrafen. Der Tyrann macht seine Schandtaten im großen Rahmen und sich selbst somit frei und mächtig. Thrasymachos sagt, daß derjenige, der die Ungerechtigkeit schmäht, dies nicht aus Scheu vor dem Unrechttun, sonder vor dem Unrechterleiden tut. Wer aber, nichts zu befürchten hat, wird sich der Ungerechtigkeit jederzeit bedienen, wenn es ihm die Umstände erlauben. (343d-344d) Sokrates aber bleibt bei seiner Ansicht, daß die Ungerechtigkeit nicht gewinnbringender sein kann als die Gerechtigkeit und möchte von Thrasymachos vom Gegenteil überzeugt werden. Nach Sokrates ist die Kunst des Hirten nicht anders als die des Arztes. Beide verdienen sich Geld für ihre Tätigkeit. Der Arzt verdient Lohn für den Nutzen an den Kranken und der Hirt an Schafen. So bringt die Kunst des Regierens Nutzen für die Regierten und kein Mensch regiert für deren Nutzen, wenn er dadurch nicht Geld oder Ehre gewinnt. Die Rechtschaffensten Männer aber würden sich weder durch Geld noch durch Ehre zum regieren bewegen lassen. Es sei denn aus Furcht vor Strafe, und zwar die Strafe, von Schlechteren regiert zu werden.

Wenn in einem Staat nur Rechtschaffende wären, so würde sich jeder drum streiten, nicht zu regieren, weil es eben nicht so ist, regiert derjenige, der am besten für die Polis nützt.

III. Gerechtigkeit nützlicher als Ungerechtigkeit (I. Buch 347e-357a)

Thrasymachos´ zweite These lautet, daß die vollkommene Ungerechtigkeit besser sei als die vollkommene Gerechtigkeit. Hierbei ist Gerechtigkeit für ihn eine edle Einfallt, doch Ungerechtigkeit Wohlberatenheit.

Beide einigen sich darüber, daß ein Gerechter vor einem Gerechten nichts voraushaben will - aber vor dem Ungerechten. Der Ungerechte jedoch möchte sowohl dem Gerechten als auch dem Ungerechten etwas voraushaben. Der Ungerechte ist aber nach Thrasymachos der Wohlberatene, der Verständige, der anderen Verständigen gleicht. Verständige wollen aber anderen Verständigen nichts voraushaben. Beispiel (349e) Genauso will der Kundige dem Kundigen nichts voraushaben, wohl aber dem Unkundigen - daraus folgert dann Sokrates, daß der Gerechte der Kundige und weise sein muß, weil er seinesgleichen nichts voraushaben will. Der Ungerechte das Gegenteil.

Also erweist sich für Sokrates der Gerechte als gut und weise, der Ungerechte aber als unwissend und schlecht.

Muß aber der Ungerechte unwissend sein? Dieses Problem bleibt in dem Gespräch ungelöst. Daß der Ungerechte unwissend sein muß, wird von Sokrates als Tatsache aufgestellt, aber nicht bewiesen.

Thrasymachos wird solange bearbeitet bis er es auch zugibt und allem Anschein nach mit Sokrates einer Meinung ist.

Nun geht Sokrates der Behauptung, Ungerechtigkeit sei mächtiger und kraftvoller als die Gerechtigkeit, nach. Die Frage ist, ob ein ungerechter Staat ohne Gerechtigkeit auskommen kann. Innerhalb der Klassen muß Gerechtigkeit herrschen, damit keine Unruhen entstehen. Der Herrscher braucht z.B. seine Helfer, er ist auf diese angewiesen. Unter diesen muß Gerechtigkeit sein, damit man einander vertrauen und positives erreichen kann. Wenn ein Staat einen anderen Staat unter Knechtschaft hält, muß innerhalb des Herrscherstaates Einigkeit und Gerechtigkeit herrschen. Ansonsten entstehen Aufruhr, Haß und Kampf. (351c...) Somit sei nun die Frage beantwortet, ob Ungerechtigkeit mächtiger und kraftvoller sei als Gerechtigkeit. NEIN.

Sokrates fragt nun, ob denn die Gerechten besser und glücklicher leben oder die Ungerechten. Nach Sokrates kann nur der Gerechte wirklich glücklich sein. Um diese These zu begründen, gibt er ein Beispiel: und zwar dient jedes Werkzeug und jedes natürliche Organ dafür, etwas zu verrichten. Das Schnitzmesser dient zum Schneiden, das Auge zum Sehen und das Ohr zum Hören. Um das Verrichtete gut zu verrichten, muß es tüchtig sein. So sieht ein tüchtiges Auge gut, schneidet ein tüchtiges Messer gut. (353b...)

So gilt dies auch für die Seele. Die Seele versorgt, herrscht, vermittelt, berät und lebt (353d). Die Tüchtigkeit der Seele ist ihre Gerechtigkeit. (353e) Demnach lebt der Gerechte gut, der Ungerechte schlecht.

FAZIT: Gerechtigkeit ist die Gesundheit der Seele.

Zum Schluß macht Sokrates deutlich, daß er noch immer nur weiß, daß er nichts weiß. Die Frage, was denn Gerechtigkeit sei, ist für ihn unbeantwortet geblieben. Man muß zuerst die Gerechtigkeit erörtern, um dann erst wissen zu können, ob sie eine Tugend ist und ob, wer sie besitzt, glücklicher ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Gespräch des Sokrates mit Thrasymachos
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Politisches Institut)
Veranstaltung
Platon: Der Staat
Note
1
Autor
Jahr
1999
Seiten
6
Katalognummer
V3515
ISBN (eBook)
9783638121644
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Analyse ohne Verwendung von Sekundärliteratur. 243 KB
Schlagworte
Gespräch, Sokrates, Thrasymachos, Platon, Staat
Arbeit zitieren
Zehra Sentürk (Autor), 1999, Gespräch des Sokrates mit Thrasymachos, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3515

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