Technologiebezogene Aspekte im Vertrieb

Was sind die Besonderheiten in der Kommunikation des Wissens aus der Perspektive der Technik und des Vertriebes?


Bachelorarbeit, 2013

49 Seiten, Note: Ausgezeichnet 1.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Themenstellung und Relevanz der Themenstellung
1.2 Formulierung der Forschungsfrage
1.3 Methodische Vorgehensweise
1.4 Aufbau der Arbeit
1.5 Definitionen und Prämissen

2 Technologie und Technik
2.1 Technologie
2.2 Technik
2.3 Zusammenfassung

3 Wissen
3.1 Wissensbegriff
3.2 Wissensarten
3.2.1 Explizites und implizites Wissen
3.2.2 Noetischer und noematischer Wissensbegriff
3.3 Wissensordnung
3.3.1 Wissenselemente
3.3.2 Wissensgebiete
3.3.3 Zusammenfassung zur Wissensordnung
3.4 Zusammenfassung

4 Klassifikationssysteme
4.1 Allgemeine Merkmale eines Klassifikationssystems
4.2 Dewey-Dezimalklassifikation (DDC)
4.3 Universale Dezimalklassifikation (UDC)
4.4 Library of Congress Klassifikation (LCC)
4.5 Wissensgebiete im Bereich M&A
4.6 Zusammenfassung

5 Kommunikation über technische Produkte
5.1 Inhalte der Kommunikation (Semantik)
5.2 Interaktionen in der Kommunikation (Pragmatik)
5.3 Besonderheiten in der Kommunikation
5.3.1 Kommunikation in der Technik
5.3.2 Kommunikation im Vertrieb
5.4 Zusammenfassung

6 Conclusio

7 Literaturverzeichnis

Abstract

Wie kann ein Produkt konstruiert werden, um die geforderten technischen Parameter erreichen zu können? Welche Technologien werden bei seiner Herstellung eingesetzt? Welcher Nutzen entsteht den KundInnen durch die Anwendung des Produktes? Das sind nur manche Fragen, die im Verlauf eines Produktlebenszyklus gestellt werden. Sie können vollständig und kompetent nur mit der Hilfe eines fachspezifischen Wissens beantwortet werden. Das Ziel der vorliegenden Bachelorarbeit ist es die Wissensgebiete in Bezug auf die Produkte im Bereich des Maschinen- und Anlagebaus zu identifizieren, die in der Technik und im Vertrieb eine grundlegende Rolle spielen. Weiters wird untersucht, wie dieses Wissen in den zwei Bereichen kommuniziert wird und durch welche Merkmale die Kommunikation gekennzeichnet ist.

How is a product designed to achieve the technical requirements? What technologies are used in the production? What benefits result to the clients through the application of the product? These are just some questions that arise during the course of the product life cycle. They can be answered fully and competently only by using specific knowledge. The aim of this thesis is to identify the knowledge areas in relation to the products from the mechanical and plant engineering industry, which play a fundamental role in the areas of construction and sales. Furthermore, it is researched how this knowledge is communicated in these two areas and what the typical characteristics of that communication are.

Darstellungsverzeichnis

Darstellung 1: Zusammenhang zwischen Theorie, Technologie und Technik

Darstellung 2: Technikbegriff

Darstellung 3: Beziehung zwischen den Zeichen, Daten, Information und Wissen

Darstellung 4: Kontinuum von Daten und Informationen zum Wissen

Darstellung 5: Stufenordnung der Wissenselemente

Darstellung 6: Beispiel des hierarchischen Aufbaus der DDC

Darstellung 7: Beispiel des hierarchischen Aufbaus der UDC

Darstellung 8: Beispiel des hierarchischen Aufbaus der LCC

Darstellung 9: Wissensgebiete im Bereich Maschinenbau nach UDC

Darstellung 10: Komponenten des Kommunikationsraums

Darstellung 11: Foto (Dauerbrüche)

Darstellung 12: Bild (Scherengreifer/Zweirohrdämpfer)

Darstellung 13: Technische Zeichnung (Eintragung von Toleranzklassen)

Darstellung 14: Explosionsbild (Kolbenverdichter)

Darstellung 15: Skizze (Lageskizze des Fachwerkträgers/Nietverbindung)

Darstellung 16: Schema (Verfahrensfließbild)

Darstellung 17: Schaltplan (Schaltbilder einer Asynchronmaschine/T-Ersatzschaltbild)

Darstellung 18: Diagramm (Beiwert für Axialrollenlager)

Darstellung 19: Symbol (Oberflächenangaben in Zeichnungen)

Darstellung 20: Vermittlung des Produktnutzens

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Themenstellung und Relevanz der Themenstellung

Der Industriegütermarkt ist in der heutigen Zeit durch die Globalisierung, neue MarktteilnehmerInnen und einem ausgeprägten Verdrängungswettbewerb charakterisiert. Diese Situation ist mit großen Herausforderungen für Unternehmen verbunden. Die Erhöhung der Produktqualität, die Gestaltung des wettbewerbsfähigen Preisniveaus und das Erfüllen der Kundenwünsche erfordern von Unternehmen die Entwicklung und Umsetzung neuer Vertriebsstrategien.[1]

Der Vertrieb gehört zu den Kernprozessen im Unternehmen. Die Hauptaufgabe des Vertriebes besteht in der Generierung von Umsätzen, um die Deckung der Kosten und die Erzielung von Gewinnen zu gewährleisten. Ein leistungsstarker Vertrieb wird auch als ein unternehmerischer Wettbewerbsvorteil angesehen.[2]

Aus diesem Grund werden an die VertriebsmitarbeiterInnen hohe Anforderungen gestellt. Insbesondere gilt dies für den Verkauf von technischen Produkten, Systemen und Dienstleistungen im Bereich des Maschinen- und Anlagebaus.

Die MitarbeiterInnen im technischen Vertrieb sind für die technische Beratung der KundInnen und für den Verkauf zuständig, was mit einer Doppelbelastung verbunden ist. An der Schnittstelle zu den KundInnen müssen die VertriebsmitarbeiterInnen vielfältige Kenntnisse aufweisen. Dazu gehört einerseits das Wissen über die betriebswirtschaftlichen Prozesse und dem Vertrieb, wie beispielsweise die Verkaufstechniken, und anderseits umfasst es ein vielfältiges technisches Wissen und Produktkenntnisse.[3]

Dieses technische Wissen ermöglicht es den VertriebsmitarbeiterInnen die Geschäfte ihrer KundInnen und die Anwendung ihrer Produkte besser zu verstehen, um technische Fragen beantworten zu können bzw. die technische Entwicklung in der Industriebranche mit den KundInnen zu besprechen.[4]

Ein wichtiger Erfolgsfaktor für Unternehmen ist der Einsatz von VertriebsmitarbeiterInnen mit einer speziellen Ausbildung. Eine entsprechende fachliche Qualifikation im technischen Vertrieb bietet der Bachelor-Studiengang „Technisches Vertriebsmanagement“ der Fachhochschule des BFI Wien. Im Rahmen des Studiums werden unter anderem die Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, das berufsspezifische juristische Wissen und eine Persönlichkeitsbildung vermittelt. Der Anteil der technischen Fächer im Studium umfasst 27% der Unterrichtseinheiten. Dadurch wird gewährleistet, dass die AbsolventInnen über die Fähigkeiten und Kompetenzen verfügen, die im technischen Vertrieb benötigt werden.[5]

1.2 Formulierung der Forschungsfrage

Im Rahmen des Bachelor-Studiengangs „Technisches Vertriebsmanagement“ der Fachhochschule des BFI Wien wird ab Sommersemester 2014 eine neue Lehrveranstaltung mit dem Titel „Technologiebezogene Aspekte im Vertrieb (M&A)“ eingeführt. Die Lehrinhalte fokussieren auf die vertriebsrelevanten Eigenschaften, auf die Aspekte technischer Produkte, und auf die Systeme und Dienstleistungen im Bereich des Maschinen- und Anlagebaus.

Das Ziel meiner Bachelorarbeit ist es die inhaltliche Konzeption der Lehrveranstaltung „Technologiebezogene Aspekte im Vertrieb (M&A)“ durchzuführen. Die vorliegende Bachelorarbeit soll folgende Forschungsfrage beantworten:

- „Welche Wissensgebiete im Bereich Technik und Vertrieb sollen in der Lehrveranstaltung „Technologiebezogene Aspekte im Vertrieb“ vermittelt werden?“

Aus dieser Hauptfragestellung leitet sich folgende Detailfrage ab:

- „Was sind die Besonderheiten in der Kommunikation des Wissens aus der Perspektive der Technik und des Vertrieb es?“

1.3 Methodische Vorgehensweise

Das Thema für die vorliegende Bachelorarbeit wurde als Auftrag vom Studiengang „Technisches Vertriebsmanagement“ der Fachhochschule des BFI Wien erteilt. Das allgemeine Thema „die inhaltliche Konzeption der Lehrveranstaltung‚ Technologiebezogene Aspekte im Vertrieb’“ wurde durch die Formulierung der Forschungs- und Detailfragen spezifiziert. Nachfolgend wurde entschieden, dass die Forschungsfragen durch eine theoretische Literaturarbeit beantwortet werden sollen.

1.4 Aufbau der Arbeit

Als erstes werden die theoretischen Grundlagen der Technologie, der Technik und des Wissens beleuchtet.

Nachfolgend werden die Klassifikationssysteme des Wissens näher erörtert, es werden Wissensgebiete nach der universalen Dezimalklassifikation erstellt und das Wissen wird bezüglich der Produkte im Bereich des Maschinen- und Anlagebaus erweitert.

Abschließend werden die Besonderheiten der Kommunikation des technischen Wissens aus der Perspektive der Technik und des Vertriebes erörtert. Die Merkmale der Kommunikation werden nach den Inhalten und Interaktionen in einem Kommunikationsraum untersucht.

1.5 Definitionen und Prämissen

In der vorliegenden Arbeit liegt der Fokus auf der Erstellung eines Beitrages zur inhaltlichen Konzeption der Lehrveranstaltung „Technologiebezogene Aspekte im Vertrieb (M&A), die im Rahmen des Bachelor-Studiengangs „Technisches Vertriebsmanagement“ unterrichtet wird. Hierbei wird kein Anspruch auf die Vollständigkeit einer kompletten Inhaltlichen Konzeption der Lehrveranstaltung erhoben, sondern es soll nur eine Idee zum Aufbau der Lehrveranstaltung entwickelt werden.

2 Technologie und Technik

Die Begriffe Technologie und Technik stellen einen wichtigen Faktor in Unternehmen dar und sind untrennbar mit deren Erfolg verbunden. Die Bezeichnungen „Technologie“ und „Technik“ werden jedoch oftmals miteinander verwechselt bzw. unterschiedlich interpretiert. Um die Unterschiede herausarbeiten zu können, bedarf es klarer Definitionen, die im Anschluss näher darstellt werden.

2.1 Technologie

Der Begriff „Technologie“ wurde bereits im achtzehnten Jahrhundert von Beckmann definiert. Seine Erklärung ermöglicht ein grundlegendes Verständnis des Terminus „Technologie“, weil die Bezeichnung „Technik“ in dieser Zeit noch nicht geläufig war.[6] Beckmann definiert die Technologie als “die Wissenschaft, welche die Verarbeitung der Naturalien, oder die Kenntnis der Handwerke lehrt“.[7]

Auf der Grundlage der obenstehenden Formulierung, definiert Ropohl die Technologie im gegenwärtigen Kontext als „die Wissenschaft von der Technik“ und „die Menge wissenschaftlich systematisierter Aussagen über [...] [einen, d. Verf.] Wirklichkeitsbereich“.[8]

Specht erklärt den Begriff Technologie als „Wissen über naturwissenschaftlich-technische Wirkungsbeziehungen, das bei der Lösung praktischer Probleme Anwendung finden kann“.[9]

Durch diese Auslegung stellt Specht einen Zusammenhang zwischen Theorie, Technologie und Technik dar, der in der Darstellung 1 abgebildet wird.

Diese Relation veranschaulicht Stummer an dem Beispiel einer Glasverschmelzung:

„Das Prinzip, gemäß dem sich Glas durch Hitzeeinwirkung schmelzen lässt, bildet die Theorie. Die Technologie zum Fusen[10] von Glas besteht in der Verwendung eines Spezialofens bei einer Temperatur von 788 bis 830 Grad [Celsius, d. Verf.]. Wird diese Technologie für die Herstellung von Produkten wie beispielsweise Glaswaschbecken, Glasmöbel etc. eingesetzt, handelt es sich um Technik.“[11]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 1 : Zusammenhang zwischen Theorie, Technologie und Technik[12]

Von den drei angeführten Definitionen des Begriffes „Technologie“ ist es offensichtlich, dass hier das Wissen im Vordergrund steht. Das strukturierte Wissen über die theoretischen Wirkungsbeziehungen wird bei der Lösung von praktischen Problemen eingesetzt. Die Technologie stellt die Grundlage für die Technik dar.

2.2 Technik

Ropohl erforschte die unterschiedlichen sprachlichen Aspekte des Wortes „Technik“, die in der Praxis und in der Wissenschaft verwendet werden. Auf der Basis seiner Analyse definierte er drei Klassen des Technikbegriffes. Jede Klasse umfasst bestimmte Merkmale:

- Der weite Technikbegriff schließt „jede Art von kunstfertiger Verfahrensroutine in beliebigen menschlichen Handlungsfeldern“[13] ein.
- Der enge Technikbegriff bezeichnet die Welt der Maschinen und Apparate. Im Vordergrund steht das künstlich gemachte Gebilde, das so genannte Artefakt. Das zweckmäßige menschliche Handeln ist ausdrücklich ausgeschlossen.[14]
- Der mittlere Technikbegriff umfasst die „künstlich gemachte Gegenstände und menschliches Handeln [...], aber nur solches Handeln, das mit Artefakten zu tun hat.“[15]

Nachfolgend formulierte Ropohl die Definition der Technik, die auf dem mittleren Technikbegriff basiert: Es handelt sich daher dann um Technik, wenn „Gegenstände von Menschen künstlich gemacht und für bestimmte Zwecke verwendet werden“.[16]

Von Technik wird beispielsweise dann gesprochen, wenn eine Maschine aus verschiedenen Elementen gebaut wird, die zur Herstellung von technischen Gebilden dient. Zugleich werden diese technischen Gebilde von den Menschen als Werkzeuge genutzt.

Laut Rophol umfasst der Begriff „Technik“:

a. „die Menge der nutzenorientierten, künstlichen, gegenständlichen Gebilde (Artefakte oder Sachsysteme),
b. die Menge menschlicher Handlungen und Einrichtungen, in denen Sachsysteme entstehen und
c. die Menge menschlicher Handlungen, in denen Sachsysteme verwendet werden.“[17]

Weyer betrachtet die Technik aus der soziologischen Perspektive. Hierbei stehen die sozialen Prozesse im Vordergrund. Das materielle Artefakt wird durch die sozialen Prozesse verkörpert, vermittelt oder ausgelöst.[18] In diesem Hinblick wird Technik als die „Verknüpfung eines Artefakts mit einer sozialen Handlungsform“[19] definiert.

Weyer stimmt mit Rophol überein, dass die Technik sowohl materiellen als auch immateriellen Charakter hat.[20] Daher lässt sich der Begriff „Technik“ durch den engen oder weiten Technikbegriff nicht vollständig erklären. Die Darstellung 2 illustriert den Technikbegriff nach Weyer.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 2 : Technikbegriff[21]

Im Zusammenhang mit der Technologie definiert Specht die Technik als die „konkrete Anwendung der Technologie in Produkten oder Produktionsprozessen“.[22]

Zusammenfassend bezieht sich der Begriff „Technik“ nicht nur ausschließlich auf die Artefakte oder nur auf menschliche Handlungen. Die Technik beinhaltet die Kombination von Artefakten (Sachsystemen, Produkten) und Handlungsformen, in denen Artefakte entstehen oder verwendet werden. Dabei ist auch der Verwendungszweck des Artefaktes zu berücksichtigen.

2.3 Zusammenfassung

Aus den genannten Behauptungen und Definitionen ergibt sich, dass Technologie und Technik in Zusammenhang stehen. Die Technologie stellt eine Grundlage für die Technik dar.

Die Technologie wird als Wissenschaft von der Technik definiert. Sie umfasst das Wissen über naturwissenschaftlich technische Wirkungsbeziehungen. Dieses Wissen wird bei der konkreten Problemlösung verwendet.

Im Anschluss dazu, wird gerade die konkrete Anwendung der Technologie in Produkten oder Produktionsprozessen als Technik definiert.

Der Technikbegriff verknüpft die Produkte bzw. Artefakte mit den menschlichen Handlungen in denen sie entstehen oder verwendet werden. Aus diesem Grund wird die Technik im Konzept des sozio-technischen Systems betrachtet.

3 Wissen

Dieses Kapitel beschäftigt sich mit dem Begriff Wissen. Um den Begriff „Wissen“ erklären zu können, ist es erforderlich, zunächst die Grundelemente der Wissensbasis zu erläutern um sodann den Begriff „Wissen“ nach Probst definieren zu können. Nachfolgend werden zwei unterschiedliche Unterteilungen von Wissensarten bestimmt. Als Grundlage hierfür werden die Theorien von Nonaka, Takeuchi und Dahlberg herangezogen.

Im anschließenden Teil wird die Bedeutung einer Wissensordnung hervorgehoben und es werden die Begriffe „Wissenselement“ und „Wissensgebiet“ näher erläutert. Als primäre Quelle wird hierfür Dahlberg herangezogen da sie eine anerkannte Autorin auf dem Gebiet der Wissensorganisation ist und 1989 die „International Society for Knowledge Organization“ gegründet hat.[23]

3.1 Wissensbegriff

Für ein besseres Verständnis des Begriffes „Wissen“ werden zuerst die Grundelemente der Wissensbasis aufgezeigt. Die Elemente Zeichen, Daten, Information und Wissen befinden sich auf den verschiedenen Ebenen der Begriffshierarchie. Die Unterscheidung zwischen den Elementen und Ihre Zusammenhänge werden in der Darstellung 3 abgebildet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 3 : Beziehung zwischen den Zeichen, Daten, Information und Wissen[24]

Die Beziehungen zwischen diesen Ebenen werden durch den so genannten Anreicherungsprozess ausgedrückt.[25] Probst beschreibt diesen Prozess wie folgt:

„Zeichen werden durch Syntaxregeln zu Daten, welche in einem gewissen Kontext interpretierbar sind und damit für den Empfänger Information darstellen. Die Vernetzung von Information ermöglicht deren Nutzung in einem bestimmten Handlungsfeld, welches als Wissen bezeichnet werden kann.“[26]

In einigen Fällen wird die Einteilung noch um die weiteren Ebenen wie Intelligenz, Weisheit oder Reflexionsfähigkeit erweitert.[27]

Zwischen den Daten, Informationen und Wissen liegt keine strenge Trennung vor. Der Entwicklungsprozess beweist ein Kontinuum von Daten über Informationen zum Wissen.[28] Dies wird in der Darstellung 4 illustriert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 4 : Kontinuum von Daten und Informationen zum Wissen[29]

Wissen und Fähigkeiten können sich nur allmählich entwickeln. Für das Zusammenfügen und Interpretieren von Informationen wird ein längerer Zeitraum benötigt. Dieser Prozess ist durch eine Verdichtung von Daten zu Wissen charakterisiert.[30]

Probst berücksichtigt die genannten Merkmale und zusammenhängenden Aspekte des Wissens bei der seiner Wissensdefinition:

„Wissen bezeichnet die Gesamtheit der Kenntnisse und Fähigkeiten, die Individuen zur Lösung von Problemen einsetzen. Dies umfasst sowohl theoretische Erkenntnisse als auch praktische Alltagsregeln und Handlungsanweisungen. Wissen stützt sich auf Daten und Informationen, ist im Gegensatz zu diesen jedoch immer an Personen gebunden. Es wird von Individuen konstruiert und repräsentiert deren Erwartungen über Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge.“[31]

Zusammenfassend besteht die Wissensbasis aus vier Grundelementen: Zeichen, Daten, Information und Wissen. Diese Grundelemente unterscheiden sich in der Ausprägung ihrer Komplexität. Die Transformation der Zeichen zu Daten und der Informationen zu Wissen wird Anreicherungsprozess genannt. Im diesen Prozess werden hierbei die Zeichen durch Syntaxregeln zu Daten. Nachfolgend werden die Daten in einem Kontext interpretiert, wodurch sie zu Informationen werden. Die Verknüpfung der Informationen miteinander generiert Wissen. Das Wissen ist stets im Zusammenhang mit den menschlichen Fähigkeiten und Handlungen zu verstehen und wird erst im Lauf der Zeit gewonnen.

3.2 Wissensarten

Die Arten von Wissen können nach verschiedenen Kriterien unterschieden werden. Eine Alternative, um Wissensarten zu unterscheiden, ist ihre Differenzierung nach der Art der Wissensform gleichsam zwischen explizitem und implizitem Wissen.[32] Abhängig von der Menge der Interaktion im Wissensakt wird entweder der noetische oder noematische Wissensbegriff definiert. Diese Ausdrücke werden unten näher beleuchtet.

3.2.1 Explizites und implizites Wissen

Die Begriffe „explizites“ und „implizites“ Wissen stammen von dem Naturwissenschaftler und Philosophen Polanyi. Er weist auf die Tatschache hin, dass das in Zahlen und Worte fassbare Wissen nur einen geringen Bestandteil der Gesamtheit bildet. Polanyi konstatiert es mit den Wörtern, „...dass wir mehr wissen, als wir zu sagen wissen“.[33]

Seine ursprüngliche Theorie schafft eine Basis für gegenwärtige Wissenschaftler. Einen wesentlichen Beitrag zur Erweiterung des Themas bringen Nonaka und Takeuchi bezogen auf das Wissensmanagement. Sie beschreiben die Unterschiede zwischen dem expliziten und impliziten Wissen wie folgt:

- Explizites Wissen ist in formaler und systematischer Sprache leicht übertragbar. Es besteht aus Informationen, die sich problemlos von einem Computer bearbeiten lassen und in Datenbanken abspeichern können.[34]
- Implizites Wissen lässt sich schwer mitteilen, weil es persönlich und kontextspezifisch ist. Es bezieht sich auf die subjektiven Einsichten, Ahnungen und Intuition des Einzelnen und reflektiert seine persönlichen Werte, Gefühle und Ideale. Diese Wissenskategorie ist mit der Tätigkeiten und Erfahrungen verbunden.[35]

Implizites Wissen umfasst technische und kognitive Elemente:

- Die technische Dimension beinhaltet handwerkliches Geschick und die schwer beschreibbaren Fertigkeiten.
- Der kognitive Aspekt erstreckt sich auf mentale Modelle wie Vorstellungen, Überzeugungen und Visionen der Menschen.[36]

Zusammenfassend besteht der Unterschied zwischen explizitem und implizitem Wissen im Grad seiner Vermittlung, Bearbeitung oder Übertragung.

Explizites Wissen lässt sich in Zahlen erfassen oder in Worten beschreiben. Aus dem Grund kann das explizite Wissen problemlos an andere Personen weitergegeben werden.

Im Gegenteil dazu steht das implizite Wissen. Es ist kontextbezogen und vereinigt subjektive Werte, Gefühle und Erfahrungen des Individuums. Es betrifft auch das handwerkliche Geschick der Menschen. Das implizite Wissen wird nur schwer dargestellt und weitergegeben.

3.2.2 Noetischer und noematischer Wissensbegriff

Dahlberg geht bei der Festlegung der Wissensarten auf den sprachlichen Sinn des Wortes „Wissen“ ein.

Das deutsche Wort „Wissen“ beinhaltet ein Verbalsubstantiv, welches eine zweifache Bedeutung hat. Einerseits enthält es den Sinn eines Aktes oder einer Tätigkeit. Anderseits bezeichnet es auch etwas, was als eine Menge betrachtet werden kann. Im Grunde genommen können diese beiden Bedeutungen kombiniert werden. In diesen Fall stehen die Tätigkeit und ihr Bezug auf eine bestimmte Menge in Interaktion.[37]

Daher werden nach Dahlberg zwei Arten von Wissen unterschieden: noetischer Wissensbegriff und noematischer Wissensbegriff. Sie können einzeln oder in der Relation zueinander definiert werden:[38]

- Noetischer Wissensbegriff bezieht sich auf den psychologischen Prozess des Bewusstwerdens. Der Wissensakt schließt das Erfassen, Erkennen und Begreifen des Wissens ein.
- Noematischer Wissensbegriff bezeichnet das Gewusste als ein Resultat des Wissensvorganges und umfasst das Ge- und Bewusstgewordene.
- Die Kombination des noetischen und noematischen Wissensbegriffes bedeutet, dass das neue oder vorhandene Wissen stets auf das gespeicherte Gewusste bezogen wird. Diese Wissensart wird häufig als „Entscheidungswissen“ bezeichnet.

Der noetische Wissensbegriff hängt mit dem Wissensvorgang zusammen. Dazu gehört es, das Wissen zu erkennen, zu erfassen und zu verstehen. Der noematische Wissensbegriff konzentriert sich auf das erworbene Wissen als Ergebnis des Wissensprozesses. Wenn somit diese beiden Begriffe kombiniert werden, wird bei der Wissensgewinnung das neue Wissen mit dem bestehenden Gewussten verglichen.

Die Unterscheidung der Wissensarten bildet die Grundlage für die Organisation des Wissens. Der folgende Teil erklärt, welche Wissensarten bei der Gestaltung der Wissensordnung von Bedeutung sind und wie sie geschaffen wird.

3.3 Wissensordnung

Durch den technischen Fortschritt steht die heutige Gesellschaft einer Informationslawine gegenüber. Hierbei spielt die allgemeine Orientierungsmöglichkeit über das vorhandene Wissen eine wesentliche Rolle, die durch eine Wissensordnung geschaffen werden kann.

Dahlberg definiert die Wissensordnung als „eine allgemeine Begriffsordnung, deren Begriffe durch Wissenselemente [...] explizit gemacht werden“.[39]

Ihre funktionsorientierte Definition bestimmt die Wissensordnung als die Gesamtheit von Begriffen, die der Ordnung von unterschiedlichem Wissen dient.[40]

Im Zusammenhang mit den oben beschriebenen Wissensarten kann nur jenes erworbene Wissen (bzw. noematische Wissen) in eine Wissensordnung eingeschlossen werden, welches explizit dargestellt wird.

3.3.1 Wissenselemente

Die Urteile oder Aussagen schaffen eine Basis zur Bildung von Begriffen und werden als Wissenselemente oder Noema bezeichnet.[41]

Laut Dahlberg entstehen die Wissenselemente auf zwei verschiedene Arten. Damit bringt sie zwei Definitionen des Begriffes ‚Wissenselement’ ein:

- „Wissenselemente sind Aussagen / Urteile, die in Begriffen enthalten sein können.“[42]

Oder umgekehrt:

- „Jede wahre Aussage / Urteil über einen Gegenstand statuiert ein Wissenselement.“[43]

Das zweite Schema, welche die Bildung von Wissenselementen beschreibt, wird anhand eines Beispiels erklärt:

Folgende Annahme: „A ist gleich B“ stellt eine Aussage dar. Wenn diese Aussage wahr ist, kann sie als ein Wissenselement bezeichnet werden.[44] Untenstehende Aussagen bilden beispielweise die Wissenselemente:

a) Die Kupplung ist ein Maschinenelement. (Wesen)
b) Diese Kupplung ist eine Ausgleichskupplung. (Funktion)
c) Diese Kupplung beinhaltet elastische Zwischenelemente. (variables Merkmal)

Diese Wissenselemente werden durch eine Stufenordnung bestimmt, wie ist es in der Darstellung 5 dargelegt wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 5 : Stufenordnung der Wissenselemente[45]

Jede von vier Stufen begründet weitere Unterteilungsmöglichkeiten. Die angeführten Wissenselemente a), b) und c) können sowohl miteinander als auch im Zusammenhang mit den anderen Wissenselementen verwendet werden.[46]

Zusammenfassend stellen die Wissenselemente wahre Aussagen über einen Gegenstand dar. Diese Aussagen führen zur Gestaltung von Begriffen. Mit der Hilfe von Begriffen wird ein Begriffssystem erstellt.

3.3.2 Wissensgebiete

Die Wissensgebiete sind eine Darstellung menschlicher Wissensaktivität. Dahlberg erläutert ihre Bedeutung in Bezug auf die Wissenselemente:

Wissensgebiete sind durch den Besitz an spezifischen Begriffen charakterisiert. Die Anzahl dieser Elemente [...] und ihr variierender Beziehungszusammenhang sind Kriterien für die jeweiligen Entwicklungsstufe eines Gebietes.“[47]

In anderen Worten ausgedrückt umfassen die Wissensgebiete eine Menge von Wissenselementen, die in spezifischen Begriffen enthalten werden. Die Entwicklungsstufe eines Wissensgebietes wird nach der Anzahl von Wissenselementen und ihre gegenseitigen Relation beurteilt.

Besonders intensiv entwickelte Wissensgebiete sind Wissenschaften.[48]

3.3.3 Zusammenfassung zur Wissensordnung

Eine Wissensordnung ermöglicht eine Orientierung über vorhandenes Wissen. Die wesentlichen Bestandteile der Wissensordnung sind die Wissenselemente und die Wissensgebiete.

Wissenselemente sind wahre Aussagen über einen Gegenstand. Sie bilden eine Grundlage zur Formulierung von Begriffen. Eine Menge von spezifischen Begriffen, bzw. Wissenselementen, charakterisieren ein Wissensgebiet. Um eine Wissensordnung erstellen zu können, werden Begriffe in einem Klassifikationssystem dargestellt.

3.4 Zusammenfassung

Die Grundelemente der Wissensbasis bestehen aus Zeichen, Daten, Informationen und Wissen. Die Umwandlung von Zeichen zu Daten und von Informationen zu Wissen wird als Anreicherungsprozess zu bezeichnet. Das Wissen kann nur im Zusammenhang mit menschlichen Fähigkeiten und Handlungen im Lauf der Zeit generiert werden.

Das Wissen wird nach verschiedenen Aspekten in Wissensarten unterteilt. Für die vorliegende Arbeit ist das explizite Wissen in Hinsicht auf den noematischen Wissensbegriff relevant. Für die vorliegende Arbeit steht jenes Wissen im Vordergrund welches:

- als Ergebnis des Wissensprozesses anzusehen ist,
- in Zahlen und Worte fassbar ist,
- sich problemlos bearbeiten und abspeichern lässt,
- und welches leicht übertragbar ist.

[...]


[1] Vgl. Detroy u.a. (2007) S. 18.

[2] Vgl. Detroy u.a. (2007) S. 17.

[3] Vgl. Detroy u.a. (2007) S. 19.

[4] Vgl. Pancero (2006) S. 176

[5] Vgl. Anlanger (2012) S. 7f.

[6] Vgl. Ropohl (2009) S. 31.

[7] Beckmann (1777) S. 17.

[8] Ropohl (2009) S. 31.

[9] Specht u.a. (2002) S. 13.

[10] Fusen oder Fusing (engl. to fuse) bezeichnet das Verschmelzen von Glas verschiedener Farben und Formen. Dabei wird das Glas so stark erweicht (nicht geschmolzen), dass sich einzelne Teile dauerhaft verbinden; vgl. Fusing Technik (o.J.) online.

[11] Stummer u.a. (2010) S. 7.

[12] Vgl. Specht u.a. (2012) S. 13.

[13] Ropohl (2009) S. 29.

[14] Vgl. Ropohl (2009) S. 30.

[15] Ropohl (2009) S. 30.

[16] Ropohl (2009) S. 30.

[17] Ropohl (2009) S. 31.

[18] Vgl. Weyer (2008) S. 13.

[19] Weyer (2008) S. 13.

[20] Vgl. Weyer (2008) S. 11f.

[21] Vgl. Weyer (2008) S. 30.

[22] Specht u.a. (2002) S. 13.

[23] Vgl. UDC Consortium (2011) online.

[24] Vgl. Probst u.a. (2010) S. 16.

[25] Vgl. Probst u.a. (2010) S. 16.

[26] Probst u.a. (2010) S. 16.

[27] Vgl. Probst u.a. (2010) S. 16.

[28] Vgl. Probst u.a. (2010) S. 18.

[29] Vgl. Probst u.a. (2010) S. 17.

[30] Vgl. Probst u.a. (2010) S. 18

[31] Probst u.a. (2010) S. 23.

[32] Vgl. Kasper u.a. (2010) S. 349.

[33] Polanyi (1985) S. 14.

[34] Vgl. Nonaka/Takeuchi (2012) S. 76.

[35] Vgl. Nonaka/Takeuchi (2012) S. 23.

[36] Vgl. Nonaka/Takeuchi (2012) S. 77.

[37] Vgl. Dahlberg (1974) S. 10.

[38] Vgl. Dahlberg (1974) S. 10f.

[39] Dahlberg (1974) S. 12.

[40] Vgl. Dahlberg (1974) S. 12.

[41] Vgl. Dahlberg (1974) S. 11.

[42] Dahlberg (1974) S. 12.

[43] Dahlberg (1974) S. 12.

[44] Vgl. Dahlberg (1974) S. 11.

[45] Eigene Darstellung nach Dahlberg (1974) S. 12.

[46] Vgl. Dahlberg (1974) S. 11.

[47] Dahlberg (1974) S. 202f.

[48] Vgl. Dahlberg (1974) S. 13.

Ende der Leseprobe aus 49 Seiten

Details

Titel
Technologiebezogene Aspekte im Vertrieb
Untertitel
Was sind die Besonderheiten in der Kommunikation des Wissens aus der Perspektive der Technik und des Vertriebes?
Hochschule
Fachhochschule des bfi Wien GmbH  (Technisches Vertriebsmanagement)
Veranstaltung
Technik M&A
Note
Ausgezeichnet 1.0
Autor
Jahr
2013
Seiten
49
Katalognummer
V351556
ISBN (eBook)
9783668379138
ISBN (Buch)
9783668379145
Dateigröße
1763 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Technologiebezogene Aspekte, Vertrieb, Technisches Wissen, Technik, Aspekte, Technologie, Wissen, Vertriebsmanagement, Maschinenbau, Anlagebau, Klassifikationssystem, Dewey, Dezimalklassifikation, Library of Congress, Klassifikation, Wissensgebiete, Kommunikation, Produkt, Produkte, Semantik, Pragmatik, Foto, Bild, Zeichnung, Explosionsbild, Skizze, Schema, Schaltplan, Diagramm, Symbol
Arbeit zitieren
Eva Verešová (Autor), 2013, Technologiebezogene Aspekte im Vertrieb, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351556

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