In der landläufigen Meinung gilt Nelson Mandela als Held. Sein ihm zugeschriebener Mut, seine vollbrachten Taten und seine Werte machen ihn zu einer Ikone. In dieser Hausarbeit wird die Fragestellung behandelt, wie ein Heldenmythos um Nelson Mandela entsteht. Verschiedene Aspekte werden hierzu betrachtet: Zunächst soll dabei gezeigt werden, welche Ereignisse in Mandelas Leben zur Rezeption seiner Person als Helden beigetragen haben.
Anschließend wird sein Leben mit einem allgemein Heldenschema verglichen, um zu erschließen, inwieweit er mit anderen „anerkannten“, d. h. klassischen Helden vergleichbar ist. Denn um zu analysieren, wie es zu einem Helden kommen kann, muss auch klar sein, ob es ein Held ist. Danach wird auf seine Schwachstellen eingegangen, die nicht in das Bild eines „perfekten Helden“ passen und untersucht, welche Rolle sie spielen. Abschließend wird erörtert, wem ein solches Heldenbild eigentlich nützt und wer ein Interesse daran hat, es aufrecht zu erhalten. Dieses Thema ist von besonderer Aktualität, da mit dem Tod Nelson Mandelas im Jahr 2013 und den Zeremonien rund um seinen Tod der Hype um seine Person herum neu angefacht wurde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wie aus Mandelas Lebensgeschichte eine Heldengeschichte wurde
3. Passt Mandela in ein Heldenschema?
4. Kritik am Helden Mandela
5. Wem nützt der Held Mandela?
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung des Heldenmythos um Nelson Mandela, analysiert, ob sein Leben dem klassischen Heldenschema entspricht, beleuchtet kritische Aspekte seiner Person und erörtert die gesellschaftlichen sowie politischen Interessen an der Aufrechterhaltung dieses Heldenbildes.
- Analyse der historischen Ereignisse zur Heldenrezeption
- Vergleich von Mandelas Lebensweg mit dem klassischen Heldenschema nach Joseph Campbell
- Kritische Reflexion über menschliche Schwachstellen und politische Kontroversen
- Untersuchung der Instrumentalisierung Mandelas durch die ANC und die Tourismusindustrie
Auszug aus dem Buch
Passt Mandela in ein Heldenschema?
Joseph Campbell veröffentlichte 1949 das Buch „The Hero with a Thousand Faces“, in dem ein Muster beschreibt, das auf fast alle Helden passen würde: „The mythological hero, setting forth from his common day hut or castle, is lured, carried away, or else voluntarily proceeds, to the threshold of adventure. There he encounters a shadow presence that guards the passage. The hero may defeat or conciliate this power and go alive in the kingdom of the dark … or be slain by the opposition and descend in death … Beyond the threshold, then, the hero journeys through a world of unfamiliar and strangely intimate forces, some of which severely threaten him (tests), some of which give magical aid (helpers). When he arrives at the nadir of the mythological round, he undergoes a supreme ordeal and gains his reward … The final work is that of the return … At the return threshold the transcendental powers must remain behind, the hero re-emerges from the kingdom of dread (return, resurrection). The boon that he brings restores the world (elixir).“
Dieses Schema lässt sich auch auf Nelson Mandela beziehen: Er verlässt seine vertraute Heimat (common day hut) (mehr oder weniger freiwillig), um nach Johannesburg zu gehen. Hier beginnt sein Abenteuer: Nach einiger Zeit stürzt er sich ins politische Leben. Dort begegnet er seinem Gegner (shadow presence) in Form des weißen Gerichtes im Rivonia-Prozess. Dieser Feind versperrt ihm den Weg zu seinem Ziel, die Gleichberechtigung aller Südafrikaner und schickt ihn gleichzeitig in die 'andere Welt' (Schwelle (threshold) wird überwunden).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des Heldenmythos um Nelson Mandela ein, benennt die zentrale Fragestellung der Untersuchung und beschreibt die methodische Vorgehensweise.
2. Wie aus Mandelas Lebensgeschichte eine Heldengeschichte wurde: Das Kapitel zeichnet nach, wie Mandelas öffentliches Wirken und verschiedene Publikationen über sein Leben sukzessive zu seiner Stilisierung als Heldenfigur beitrugen.
3. Passt Mandela in ein Heldenschema?: Hier wird Mandelas Lebenslauf mittels des von Joseph Campbell beschriebenen universalen Heldenmusters auf seine mythologische Vergleichbarkeit geprüft.
4. Kritik am Helden Mandela: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit den persönlichen Schwächen und politischen Kontroversen im Leben von Mandela auseinander, die in der Heldenverehrung oft ausgeblendet werden.
5. Wem nützt der Held Mandela?: Die Analyse befasst sich mit den psychologischen, sozialen und insbesondere politischen Interessen, die mit der Aufrechterhaltung des Heldenbildes durch Akteure wie die ANC verbunden sind.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Mandelas Popularität auf einer Kombination aus seinen Charakterstärken, rhetorischem Geschick und den Bedürfnissen eines sich wandelnden politischen Umfelds basiert.
Schlüsselwörter
Nelson Mandela, Heldenmythos, Heldenschema, Joseph Campbell, Apartheid, ANC, Heldenrezeption, Identitätsbildung, Heritage Industry, politische Instrumentalisierung, Charakterstärke, Freiheitskampf, Versöhnung, Madiba, Legendenbildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Hausarbeit?
Die Arbeit analysiert die Entstehung und Konstruktion des Heldenmythos um Nelson Mandela sowie die Faktoren, die zu seiner Wahrnehmung als heroische Ikone beigetragen haben.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die mediale und biographische Heldenschöpfung, den Vergleich mit mythologischen Schemata, die kritische Auseinandersetzung mit realpolitischen Fehlern und die Nutzung des Heldenbildes für politische und wirtschaftliche Zwecke.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu ergründen, wie ein Heldenmythos entsteht, ob Mandelas Leben für ein klassisches Heldenschema taugt und inwieweit sowohl seine persönlichen Taten als auch äußere Faktoren zu diesem Bild beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine analytische Herangehensweise, bei der Mandelas Lebensgeschichte mit dem theoretischen Modell des „Helden mit tausend Gesichtern“ von Joseph Campbell abgeglichen wird, ergänzt durch eine diskursanalytische Betrachtung der Heldenrezeption.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der biographischen Heldenentstehung, den Abgleich mit dem Campbell-Schema, eine kritische Würdigung menschlicher Schwächen und die Erörterung der Interessen hinter der Heldenverehrung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Heldenmythos, ANC, Apartheid, Versöhnung, Identitätsbildung und politische Instrumentalisierung charakterisieren.
Welche Rolle spielt die ANC bei der Heldenbildung Mandelas?
Der Arbeit zufolge nutzt die ANC Mandela gezielt als nationales Identifikationssymbol und „ideologischen Vorfahren“, um ihr eigenes Image als Regierungspartei nach der Apartheid zu legitimieren und zu stärken.
Wie geht die Autorin mit Mandelas Fehlern um?
Die Arbeit thematisiert gezielt Mandelas Schwachstellen, wie etwa sein Privatleben oder politisch umstrittene Entscheidungen, um dem Bild eines „unfehlbaren Heiligen“ entgegenzuwirken und ein realistisches Bild zu zeichnen.
Warum wird im Kontext der Heldenbildung von einer „Heritage Industry“ gesprochen?
Dieser Begriff wird verwendet, um den wirtschaftlichen Aspekt der Heldenverehrung zu beschreiben, bei dem Städte und Regionen durch Statuen und Gedenkstätten versuchen, touristische Einnahmen zu generieren.
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- Silke Bölts (Author), 2015, Heldenmythos Nelson Mandela, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351642