Der Anti-Bias-Ansatz. Die praktische Umsetzung in dem Berliner Projekt "Kinderwelten"


Hausarbeit, 2012

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Anti-Bias-Arbeit
2.1 Die Ziele der Anti-Bias-Arbeit
2.2 Prinzipien für die praktische Umsetzung des Anti-Bias-Ansatzes

3 Das Projekt KINDERWELTEN

4 Schlusswort

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Bereits in den 1980er Jahren entwarf die Kleinkindpädagogin Louise Derman-Sparks mit ihren Mitarbeitern den amerikanischen Anti-Bias-Ansatz. Da Amerika ein Land „vieler ethnischer und kultureller Gruppen“1 ist, war laut Louise Derman-Sparks die Entwicklung dieses Ansatzes im Bezug auf die amerikanische Einwanderungsgesellschaft notwendig.2 Der Ausgangspunkt des Anti-Bias-Ansatzes ist die bereits ab dem 3. Lebensjahr beginnende Entwicklung von Vorurteilen, da ein Kind sehr früh in der Lage ist, Botschaften aus Umgebung zu verarbeiten und aus ihnen Vorurteile abzuleiten.3

Auch der geschichtliche Kontext Deutschlands ist geprägt von Zuwanderern und Gastarbeitern, die aufgrund von dem Arbeitskräftemangel in den 1950er Jahren angeworben wurden. Laut den jährlich erfassten Migrationsberichten, die von der Bundesregierung beantragt wurden, ist Deutschland auch in der Gegenwart ein Einwanderungsland4. Das Statistische Bundesamt stellte zudem fest, dass der Anteil der Familien mit Migrationshintergrund in Deutschland im Jahr 2010 bei insgesamt 29% lag5. Durch diesen sehr hohen Anteil ist Deutschland, ebenso wie Amerika ein Land, in dem eine Erziehung, die einer Diskriminierung aufgrund von Unterschieden entgegen wirkt, gefördert werden muss.

Bereits viele deutsche PädagogInnen beschäftigten sich mit dem Thema der vorurteilsfreien Erziehung. Es gibt unterschiedliche erzieherische Verfahren, um auch in der Praxis eine vorurteilsfreie Lebensart zu fördern. Die Gründer des Berliner Projektes KINDERWELTEN entschieden sich für den bereits oben genannten amerikanischen Ansatz von Louise Derman-Sparks, da er nicht ausschließlich gegen Diskriminierung und Vorurteile wirkt, sondern zudem die Vielfalt fördert und auf alle in unserer Lebenswelt vorhandenen Formen der Diskriminierung anwendbar ist. In dem folgenden Text wird die Anti-Bias-Arbeit, sowie ihre Prinzipien und die zu verfolgenden Ziele erläutert. Darauffolgend wird das Berliner Projekt KINDERWELTEN vorgestellt und die praktische Umsetzung des Anti-Bias-Ansatzes in dem Projekt skizziert und beleuchtet.

2 Die Anti-Bias-Arbeit

Die wörtliche deutsche Übersetzung des Anti-Bias-Appoach bedeutet „Ansatz gegen Einseitigkeiten“6. Laut der Fachstellenleitung von KINDERWELTEN Petra Wagner ist Vorschlag für eine deutsche zutreffende Übersetzung „ Vorurteilsfreie Erziehung “.7

Doch inwiefern ist eine Erziehung gegen Vorurteile mit pädagogischen Mitteln möglich? - Die Anti-Bias-Arbeit fördert eine systematische vorurteilsbewusste Erziehung und Bildung von Kindern. Diese thematisiert vorsätzlich, welche Vorurteile innerhalb der Gesellschaft vorhanden sind und wie sich diese auf einen selbst und andere Menschen auswirken. Dieser Ansatz kann nur in Zusammenhang mit einer fortwährenden Reflexion der Erzieher und der Kinder praktiziert werden.8

Laut der Mitgründerin des Anti-Bias-Ansatzes Louise Derman-Sparks ist die Anti-Bias- Arbeit „eine lange Reise“9, die für jeden einzelnen eine „sehr persönliche Lerngeschichte ergebe“10. Die PädagogInnen müssen sich von ihren alten Erziehungspraktiken lösen, erkennen und verstehen, dass es kein Allgemeinrezept für eine vorurteilsbewusste Erziehung gibt und jedes Kind einzigartige Bedürfnisse hat, auf die individuell eingegangen werden muss.11

Der Anti-Bias-Ansatz unterscheidet sich von anderen interkulturellen Ansätzen dadurch, dass er breiter angelegt ist und nicht nur den Umgang mit ethnischen und kulturellen Unterschieden, sondern auch andere Merkmale, wie das Geschlecht, den sozialen Status und die sexuelle Orientierung thematisiert. Zudem ist die Anti-Bias-Arbeit tiefer gehend, da sie auf der Theorie der „Institutionellen Diskriminierung“ basiert, nach der keine einzelnen Individuen der Diskriminierung beschuldigt werden, sondern die gesellschaftlichen Strukturen als Grund für Ausgrenzung und Benachteiligung benannt werden. Die Gesellschaft entwickelt eine Vorstellung der Überlegenheit mancher Gruppen oder Lebensweisen gegenüber anderen und es entstehen Ideologien, die diese Ungleichbehandlung zu rechtfertigen versuchen. Der Anti-Bias-Ansatz fördert eine Haltung gegen diese Ideologien und versteht Unterschiede als eine positive Komponente der Gesellschaft, wohingegen Vorurteile vermieden werden sollten.12

Der Anti-Bias-Ansatz thematisiert bewusst die Auswirkungen von Diskriminierungen innerhalb der frühen Kindheit. Seine Basis beruht auf Erkenntnissen über die Haltungen, die Kinder innerhalb der Gesellschaft gegenüber anderen Menschen entwickeln.13

Bereits ab dem 1. Lebensjahr sind Kleinkinder in der Lage, Unterschiede wahrzunehmen und entwickeln ein großes Interesse für diese. Sobald Kinder die Fähigkeit besitzen zu sprechen, drücken sie durch ihre Fragen und Äußerungen die negativen Bilder aus, die sie bereits durch die Gesellschaft erlernt haben. In der Altersspanne von drei bis fünf Jahren versuchen die Kinder, Bezeichnung für Unterschiede zu finden und entwickeln Theorien über ihre Herkunft und ob diese konstant oder veränderbar sind.

[...]


1 Derman-Sparks: Anti-Bias-Arbeit mit kleinen Kindern in den USA, S.4f.

2 Vgl. ebd.

3 Weiss/ Roos: Neue Bildungsansätze für die Einwanderungsgesellschaft, S.46.

4 Vgl. Quelle: Bundesregierung.

5 Vgl. Quelle: Statistisches Bundesamt.

6 Preissing/ Wagner: Kleine Kinder, keine Vorurteile?, S.34.

7 Vgl. ebd.

8 Vgl. ebd., S. 34f.

9 Ebd., S. 35.

10 Ebd., S. 35.

11 Ebd.

12 Vgl. ebd., S.36f.

13 Vgl. ebd., S.39.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Anti-Bias-Ansatz. Die praktische Umsetzung in dem Berliner Projekt "Kinderwelten"
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Erziehungswissenschaften)
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V351663
ISBN (eBook)
9783668382053
ISBN (Buch)
9783668382060
Dateigröße
1058 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
anti-bias-ansatz, umsetzung, berliner, projekt, kinderwelten
Arbeit zitieren
Vanessa Möbes (Autor), 2012, Der Anti-Bias-Ansatz. Die praktische Umsetzung in dem Berliner Projekt "Kinderwelten", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351663

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