Rundfunk in der Weimarer Republik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016
19 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entstehung des deutschen Rundfunks

3. Anfänge des Rundfunks in der Weimarer Republik

4. Richtlinien des Rundfunks
4.1 Überwachungsausschuss

5. Politisches Programm

6. Fazit

7. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Gesamtbegriff des Rundfunks beinhaltet, vergleichbar mit der „Zeitung“ und dem „Film“, eine große Auswahl an Einzelerscheinungen. „Sende- und Empfangsanlagen, Rundfunkschaffende und Rundfunkgenießende, Programmgestaltung und Programmerlebnis, akustische und optische Aussageweise.“[1] Dabei bedeutet das Rundfunken die Übertragung von Mitteilungen über Funk, die für die Öffentlichkeit bestimmt sind.

In den letzten Jahrzehnten hat der Rundfunk seinen Durchbruch erlebt. Am Anfang handelt es sich bei dem Rundfunk zunächst nur um einen Versuch, doch später wurde er in der Technik als ein Wunderwerk charakterisiert. Einige Jahre später entfaltete er sich in den modernen Ländern zu einem gewaltigen publizistischen Instrument. Ein wichtiger Bestandteil des Rundfunks ist seine Einsatzmöglichkeit im Sinne der Politik. Denn der Rundfunk repräsentiert neben der Presse eine der wesentlichen Einrichtungen, mit deren Hilfe die Aufklärung, Einflussnahme und Führung der Menschen vorgenommen werden können. Der Rundfunk eröffnet der politischen Publizistik die Möglichkeit, dass erstmals jeder Mensch, und zwar unabhängig davon, an welchem Ort er sich aufhält, zum selben Zeitpunkt das Besprochene und Vorgetragene von zu Hause aus mitverfolgen kann.[2]

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Rundfunk in der Weimarer Republik. Dabei wird zunächst die Entstehung des Rundfunks beschrieben und dann die Fragen beantwortet, wie es zu den ersten Rundfunkansätzen in Deutschland kam und wie die weitere Entwicklung aussah. Anschließend wird auf die Anfänge des Rundfunks in der Weimarer Republik eingegangen, die den Verlauf der Einführung des Rundfunks in der Weimarer Republik erklären sollen. Das nächste Kapitel soll die Richtlinien des Rundfunks detailliert erläutern. Dabei wird in dem Kapitel ein Unterpunkt behandelt: der Überwachungsausschuss, welcher eine wichtige Rolle bei der Umsetzung der Richtlinien gespielt hat. Das letzte Kapitel soll das politische Programmangebot im Rundfunk der Weimarer Republik näher erläutern.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der folgenden zentralen Frage: War der Rundfunk in der Weimarer Republik demokratisch gestaltet?

2. Entstehung des deutschen Rundfunks

Mitte des 19. Jahrhunderts schafften es die Briten, nahezu die verschiedenen Erdteile der ganzen Welt mit sogenannten Unterseekabeln miteinander zu verbinden. Dadurch schafften sie sich einen großen Informationsvorteil im Vergleich zu den mit ihnen konkurrierenden Staaten. Vor allem zur Zeit des Imperialismus, in der sich die europäischen Staaten bemühten, große Kolonialreiche zu errichten, war die Nachrichtenverbindung ein strategisches Problem zwischen den jeweiligen Kolonien und den Staaten. Da aber die Kabel, die erforderlich waren, um das Problem zu lösen, sich im Besitz der Briten befanden, war es von großem Interesse, dieses britische Kabelmonopol zu brechen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war es den Briten schließlich nicht mehr möglich, bedeutsame Erfindungen isoliert und heimlich zu kreieren. Währenddessen wurden in Deutschland Pläne und Entwicklungen initiiert, den Vorsprung der Briten in irgendeiner Art und Weise einzuholen.[3]

Im Blick auf den Ausbau des Rundfunks in der Weimarer Republik spielten der Staat und die Reichspost eine wichtige Rolle.[4] Die Fernmeldehoheit des Reiches wurde im Jahr 1871 durch den Artikel 48, welcher in der Reichsverfassung verankert war, begründet. Diese wurde letztendlich am 6. April 1892 durch das „Gesetz betreffend das Telegraphenwesen des Deutschen Reiches“[5] gefestigt. Der Paragraf 1 dieses Gesetzes besagte, dass das Bauen von Telegraphenanlagen, um Nachrichten zu übertragen, nur durch das Reich erfolgen kann. Zudem wurden 1892 und 1902 durch zwei Bestimmungen die Durchführung des Hoheitsrechts und die Erteilung des Rechts für die Gründung und Einrichtung von Abgabe- und Aufnahmeeinrichtungen dem Reichspostamt durch den Reichskanzler übertragen. Die Führung wurde, wie bei allen anderen Reichsämtern auch, durch den Staatssekretär ausgeübt. Das Hoheitsrecht wurde ebenfalls auf die drahtlose Nachrichtenübermittlung erweitert.

Um den vorhin genannten britischen Vorsprung einzuholen, arbeitete die deutsche Funkindustrie intensiv, indem Adolf Slaby und Georg Graf von Arco für das Telegraphenversuchsamt bauten. Dabei wurden versuche und Entwicklungen bezüglich der Ausstattung der kaiserlichen Marine mit Funkgeräten durchgeführt.

Diese Versuche waren gegen Ende 1901 vollendet.[6] Nach der einstimmigen Ansicht der Beteiligten des Reichspostamts und der Hamburger Oberpostdirektion wurde sich für die Umsetzung dieser Versuche entschieden. Im selben Jahr fusionierte die Telegraphiegesellschaft Brauns mit Siemens zur „Gesellschaft für Telegraphie ohne Draht, System Professor Braun und Siemens & Halske GmbH. Mit Sitz in Berlin.“[7] Somit wandelten in der die Industrie nicht nur die technischen Seite des Funks, sondern auch die wirtschaftliche Seite. Es wurde jedoch schnell klar, dass für die Erweiterung des Funknetzes für die öffentliche Nachrichtenvermittlung die innerdeutschen Chancen gering waren. Deshalb war das Ziel der Industrie die Errichtung einer internationalen Funkverbindung, um die Kabelwege zu vervollständigen und um die fehlenden Verkehrslinien auszufüllen. Damit wollte man einen politisch-wirtschaftlichen Wettbewerb erreichen. Man wollte nämlich mit dem britischen Weltkabelnetz konkurrieren, indem man ein deutsches Weltfunknetz errichtete und dieses dem britischen gegenüberstellte. Jedoch gab es zwei Hindernisse, die beseitigt werden mussten: Zum einen musste das internationale Verkehrsmonopol von Marconi, einem britischen Funksystem, durch internationale Abmachungen gelöst werden. Zum anderen mussten die innerdeutschen Auseinandersetzungen hinsichtlich der unterschiedlichen Funksysteme gelöst werden, was zuerst geschehen musste. Insbesondere die beiden Industriegruppen, die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft AEG mit dem Funksystem Slaby-Arco und Siemens &Halske mit dem Funksystem Braun, führten eine Auseinandersetzung bezüglich der Patente. Aufgrund dieser Situation griff Kaiser Wilhelm II ein, um diese Auseinandersetzung zu beenden. Daraufhin kam es zu einem Zusammentreffen der beiden Parteien, um[8] „die Beilegung der Feindseligkeiten auf dem technischen und dem Patentgebiete [zu erreichen].“[9]

Am 27. Mai 1903 war es dann soweit. An diesem Tag wurde schließlich die gemeinsame Abmachung zwischen AEG und Siemens & Halske vereinbart. Die Kontrahenten einigten sich auf die Verwendung ihrer Patente dahin gehend, dass sie sich zu einem gemeinschaftlichen Tochterunternehmen zusammenschlossen und jeder jeweils 50 Prozent der Geschäftsanteile erhielt. Dieser Zusammenschluss bekam den Namen „Telefunken“, welcher später weltweit bekannt wurde.[10]

Am 16. Juni 1904 wurde die Telegraphenordnung von 1897 novelliert und später aufgrund der ständigen technischen Weiterentwicklung geändert. Dabei wurden vor allem für den Funkverkehrsbetrieb spezielle Regeln verordnet. Im März 1908 wurde in der Novelle zum Telegraphengesetz festgelegt, dass Nachrichten, die von elektrischen Nachrichtenanlagen ohne metallische Leitungen übertragen werden, auch nur mit der Erlaubnis des Deutschen Reiches erfolgen dürfen.[11]

Drei Jahren nach der Gründung von Telefunken kam eine Firma namens C. Lorenz AG mit einer Abteilung für drahtlose Telegrafie dazu. Diese war zugleich für die Fertigung von Funkgeräten zuständig. Der Grund für diese Entwicklung war, dass Telefunken das Funksystem eines dänischen Physikers nicht in Erwägung gezogen hatte. Stattdessen nutzte die Lorenz AG dieses Funksystem, sodass es zu solch einer Entwicklung kam.[12]

Die deutsche Funkindustrie war zunächst vor allem mit Militäraufträgen beschäftigt, indem sie für das Heer und das Militär Geräte produzierte. Kurz danach wurden auch schon interkontinentale Verbindungen und ein Funkverkehr mit den Kolonien für militärische und zivile Verwaltungsdienste errichtet. Es ist unzweifelhaft, dass in den Anfängen des Ersten Weltkriegs im August 1914 die Leistungen in den drei bedeutsamsten Bereichen des Funks, im also im Militärfunkverkehr, Weltfunkverkehr, Schiffsverkehr, und zudem noch im Kolonialverkehr unter der internationalen, vor allem unter der britischen Richtlinienkontrolle standen. Aufgrund des Ersten Weltkriegs wurden alle Funkanlagen für militärische Vorhaben konfisziert. In diesem Zusammenhang übernahm das Kriegsministerium das Recht für die Erteilung der Genehmigung von derlei Anlagen, welches davor vom Reichspostamt ausgeübt wurde. Es war inzwischen ein normaler Zustand, dass die Nutzung der drahtlosen Übermittlung für militärische Vorhaben genutzt wurde. Das Funkwesen wurde somit zu einem diplomatischen und geschickten Kampfmittel. Vor allem durch das Funkwesen wurde zum Beispiel der Luftkrieg erst möglich. Bei der Aufrüstung für den Krieg gab es eine Telegrafengruppe, deren Name 1917 in Nachrichtentruppe umgeändert wurde. Die Funker, die dieser Nachrichtentruppe angehörten, spielen eine wichtige Rolle für die spätere Weiterentwicklung des Funks und für den Beginn des deutschen Rundfunks. Zwischen der Jahrhundertwende und dem Anfang des Ersten Weltkriegs wurde die künftige Entwicklung der Funkpolitik in Deutschland festgelegt.[13]

[...]


[1] Fischer, Dr. E. Kurt: Dokumente zur Geschichte des deutschen Rundfunks und Fernsehens, S. 69.

[2] Vgl. Bausch, Hans: Der Rundfunk im politischen Kräftespiel der Weimarer Republik, S.1-2.

[3] Vgl. Dussel, Konrad: Deutsche Rundfunkgeschichte. Eine Einführung, Konstanz 1999, S. 20f.

[4] Vgl. Breßler, Eva Susanne: Von der Experimentierbühne zum Propagandainstrument. Die Geschichte der Funkausstellung von 1924 bis 1939, Köln / Weimar / Wien 2009, S.33.

[5] Lerg, Winfried: Die Entstehung des deutschen Rundfunks. Herkunft und Entwicklung eines publizistischen Mediums, Frankfurt am Main 1965, S. 24.

[6] Vgl. Lerg, Winfried: Die Entstehung des deutschen Rundfunks, S. 24-29.

[7] Lerg, Winfried: Die Entstehung des deutschen Rundfunks, S. 29.

[8] Vgl. Lerg, Winfried: Die Entstehung des deutschen Rundfunks, S. 28f.

[9] Paul Mamroth: Zum Geleit. In: 25 Jahre Telefunken. Festschrift der Telefunken- Gesellschaft 1903- 1928, Berlin 1928, S. 16.

[10] Vgl. Dussel, Konrad: Deutsche Rundfunkgeschichte, S. 21.

[11] Vgl. Lerg, Winfried: Die Entstehung des deutschen Rundfunks, S. 24f.

[12] Vgl. Hahnemann, Walter Max; Steudel, Hans August: 50 Jahre Lorenz 1880- 1930, Berlin 1930, S. 197ff.

[13] Vgl. Lerg, Winfried: Rundfunkpolitik in der Weimarer Republik, in: Bausch, Hans (Hrsg.): Rundfunk in Deutschland, Band 1, München 1980, S. 34ff.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Rundfunk in der Weimarer Republik
Autor
Jahr
2016
Seiten
19
Katalognummer
V351774
ISBN (eBook)
9783668384200
ISBN (Buch)
9783668384217
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rundfunk, Weimarer Republik, Medien
Arbeit zitieren
Tülin Öneri (Autor), 2016, Rundfunk in der Weimarer Republik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351774

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