Bedeutung und Besonderheiten der Taufe im Mittelalter


Hausarbeit, 2011

12 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bedeutung der Taufe im Mittelalter
2.1 Nottaufe
2.2 Taufritus

3. Besonderheiten der Taufe
3.1 Patenschaft
3.2 Tauffest

4. Fazit

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Zum Thema „Kinder und Kindheit“ im Mittelalter gab es über eine lange Zeit hinweg nur eine begrenzte Anzahl an Arbeiten. Einen wichtigen Beitrag leistete jedoch der französische Historiker Phillipes Ariés. Mit seinem Werk „L’enfant et la vie familiale sous l’ancien régime“ im Jahr 1960 legte er eine erste Untersuchung zum Thema Kindheit im Mittelalter vor.[1] Auch wenn seine Erkenntnisse umstritten sind, waren sie doch ein Anstoß zu weiterer Forschung zu diesem bislang wenig beachteten Thema. Die Kindheit wurde im Mittelalter als der erste Lebensabschnitt im menschlichen Lebenslauf vor der Jugend und dem Erwachsenwerden definiert. Dabei wurde das Lebensjahr der Kinder in drei Stufen unterteilt. Die infantia begann mit der Geburt des Kindes und endete mit dem siebten Lebensjahr.[2] Die zweite Stufe, die pueritia, dauerte bis zum 14. Lebensjahr an. Bei den Mädchen dauerte es jedoch bis zum zwölften Lebensjahr an. Mit dem Beginn des 14. Lebensjahres fing die Jugendzeit, die sogenannte adolescentia, an.[3]

Als eines der wichtigsten Ereignisse innerhalb der Kindheit galt die Taufe.

Sie gehörte zu einem der sieben Sakramente und stand an erster Stelle der Sakramente, da die heilige Taufe als Tor zum geistlichen Leben gesehen wurde. Durch die Taufe wurde man zu Gliedern Christi und dem Leib der Kirche zugehörig.

Sie reinigt einen Menschen von Unreinheiten, wie zum Beispiel der Erbsünde.[4]

In dieser Arbeit wird zunächst die Bedeutung der Taufe im Mittelalter dargestellt. Anschließend wird der Taufritus, welcher ein Teil der Taufe ist, näher erläutert. Ebenso wird die Nottaufe als Sonderbestimmung der Taufe aufgeführt.

Das letzte Kapitel soll die Besonderheiten der Taufe näher erläutern. Dabei wird im letzten Teil auf die Patenschaft und das Tauffest näher eingegangen.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit folgenden Fragen: Welche Bedeutung hatte die Taufe für die Gemeinschaft? Welche Rolle spielten dabei die Taufpaten?

2. Bedeutung der Taufe im Mittelalter

Die Anfänge der Taufe werden auf das zweite und dritte Jahrhundert datiert. Die aus der Alten Kirche übernommene Taufe wurde im Mittelalter fortgeführt.[5] Sie galt als ein Merkmal des Christlichen, welches in der Gemeinde von Anfang an wichtig war. Hauptcharakteristikum der Taufe war, dass man sie nicht wiederholen durfte. Nach der Taufe wurde dem Getauften die Ursünde nicht mehr zugeschrieben und die Versuchung zur Ausführung von weiteren Sünden wurde vermindert.[6] Ebenso gehörte die Bindung zum Wasser dazu. Sie gilt als ein Übergang zu Christus und vom Bereich des Bösen in den Bereich Gottes. „Man kommt nicht als Christ auf die Welt, sondern man wird Christ“.[7] Aufgrund des Wasserbades gehört die Taufe zu den Reinigungsriten. Dabei ist nicht nur die Reinigung wichtig, sondern ebenso die daraus erfolgte Heiligung. Durch die Taufe wird dem Kind der Heilige Geist gegeben und der Täufling wird zum Kind Gottes.[8]

Vor der Taufe fanden eine Menge von Exorzismen statt.[9] Der Exorzismus diente zur Austreibung des Bösen, da man glaubte, dass jedes Neugeborene vor der Sakramentenspende von ihm besessen sei. Die Wirkung der Erbsünde rücke das Neugeborene nah an den Teufel heran. Deshalb sollte der Taufritus das Kind aus dem unreinen und bösen Umfeld befreien.[10] Die Taufe gehört zu einem der sieben Sakramente. Sie steht an erster Stelle der sieben Sakramente, wobei die Taufe, die Firmung, die Weihe und das Sakrament der Ehe nur einmal erhalten werden können.

Durch das negative Bild der Kindheit wurden die Kinder kurz nach der Geburt getauft. Grund dafür war der Glaube, dass das Kind mit den Sünden der Eltern geboren wurde und die Erbsünde von Adam und Eva trug. Diese Sünden sollten durch die Taufe gereinigt werden, welche dem Täufling Gnade und Vergebung gab.[11]

Somit wurde das Kind in die Gemeinde mit Christus aufgenommen.[12]

Ab dem vierten Jahrhundert gab es einen Wandel von der Erwachsenentaufe zur Kindstaufe, da die Bedeutung der Taufe als Vergebung der Erbsünde zunahm.[13]

Die Säuglingstaufe war also vor allem wegen der Erbsünde notwendig. Nachdem der Säugling das Sakrament der Taufe bekommen hatte, wurde ihm die Freiheit verkündet und sein Wille zurückgegeben, etwas Gutes zu tun. Durch die Taufe wurde die Erlösung der Seele von ihren Sünden erreicht.

Trotz der Taufe hatte das Kind jedoch die anderen Sakramente ebenso zu empfangen. Man hatte die Ansicht, dass alle ungetauften Kinder in die Vorhölle und nicht in die Hölle kamen, da sie nur von den Sünden der Eltern befleckt wurden und diese nicht selber begangen hatten.

Über den Zeitpunkt der Taufe gibt es verschiedene Aussagen. Da man das Neugeborene so schnell wie möglich taufen sollte, bevor der Teufel es in die Hölle holen konnte[14], war es üblich, sechs Wochen nach der Entbindung mit dem ersten Kirchgang der Mutter die Taufe durchzuführen.[15]

Dabei war es üblich, den ganzen Körper des Säuglings in Wasser zu tauchen und ihn anschließend zu übergießen. Während der Taufe bestand jedoch ein Risiko für die Gesundheit der neugeborenen Täuflinge, da sie nicht bekleidet waren und in das meist unsaubere Wasser getaucht wurden. Es war den Priestern von der Kirche aus nicht gestattet, für die Taufe Geld von den Taufbewerbern entgegenzunehmen. Doch trotz des Verbotes wurde den Priestern soviel bezahlt, wie sie verlangten.[16]

Die Ansicht, dass getaufte Kinder im Gegensatz zu nicht getauften eine größere Überlebenschance hatten, war weit verbreitet. Grund dafür war die weitläufige Meinung, dass ungetaufte Kinder schneller krank und von Feen beraubt werden.

2.1 Nottaufe

Aufgrund der beachtlichen Säuglingssterblichkeit während oder kurz nach der Geburt war das Risiko groß, dass das Kind bereits vor der Taufe sterben könnte. Wenn die Gefahr bestand, dass ein Neugeborenes sterben könnte, gab es Sonderbestimmungen bezüglich der Taufe. Die sogenannte Nottaufe konnte in so einem Fall von jedem durchgeführt werden. Diejenigen, die sich in der Umgebung des in Lebensgefahr schwebenden Neugeborenen befanden, hatten die Christenpflicht dieses zu taufen.

Wenn das Kind nach der Geburt geringe Überlebenschancen hatte, durfte der Vater oder ein männlicher Verwandter es taufen. Denn getaufte Kinder, die keine Gelegenheit hatten eine Sünde zu begehen, kamen laut dem Glauben der Menschen ohne jegliche Zweifel in den Himmel.[17] Wenn jedoch die Gefahr einer Totgeburt vermutet wurde, hatte die Hebamme das Recht, den Körperteil, der als erstes zu sehen war, zu taufen. Aufgrund der Möglichkeit einer Nottaufe mussten die Hebammen stets sauberes Wasser bereithalten. Dabei wurde der entsprechende Körperteil mit Wasser begossen und der Satz „Geschöpf Gottes, hiermit taufe ich dich auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“[18] ausgesprochen. Wenn das Neugeborene nach der Geburt überlebte, wurde die Taufe später in der Kirche vollständig ausgeführt. Bei dieser vollständigen Ausführung rieb der Priester den Täufling mit geweihtem Öl ein und vertrieb somit den Satan. Die Rettung eines Kindes, welches bei der Geburt in Gefahr schwebte, war genauso wichtig wie das Taufen. „Denn das ist eine Tat der Nächstenliebe.“[19]

[...]


[1] Ariés, Philippe: Geschichte der Kindheit [mit einem Vorwort von Hartmut von Hentig], München [u.a.] 1975; Jussen, Bernhard: Perspektiven der Verwandtschaftsforschung fünfundzwanzig Jahre nach Jack Goodys „ Entwicklung von Ehe und Familie in Europa“, in: Spieß, Karl Heinz (Hg.): Die Familie in der Gesellschaft des Mittelalters, Stuttgart 1983, S. 275-324; Baethgen, Friedrich: Deutschland und Europa im Spätmittelalter, Frankfurt/ Main, Berlin, Wien 1978.

[2] Flitner, Andreas / Hornstein, Walter: Kindheit und Jugendalter in geschichtlicher Betrachtung, in: Zeitschrift für Pädagogik 10 (1964), S. 311ff.; Geering, Agnes: Die Figur des Kindes in der mittelhochdeutschen Dichtung, Zürich 1899; De Mausse, Lloyd: Hört ihr die Kinder weinen. Eine psychogenetische Geschichte der Kindheit, Frankfurt am Main 1977; Arnold, Klaus: Kind und Gesellschaft in Mittelalter und Renaissance. Beiträge und Texte zur Geschichte der Kindheit, Paderborn 1980; Büttner, Christian: Kinderleben in Geschichte und Gegenwart, Weinheim [u.a.] 1984; Arnold, Klaus: Die Einstellung zum Kind im Mittelalter, in: Hermann, Bernd (Hg.): Mensch und Umwelt im Mittelalter, Stuttgart 1986, S. 53-65; Arnold, Klaus: Kindheit im europäischen Mittelalter, in: Nitschke, August / Martin, Jochen (Hg.): Zur Sozialgeschichte der Kindheit, Freiburg [u.a.] 1986, S. 443-467; Borst, Arno: Lebensformen im Mittelalter, Berlin 1979; Nitschke, August: Die Stellung des Kindes in der Familie im Spätmittelalter und in der Renaissance, in: Haverkamp, Alfred (Hg.): Haus und Familie in der spätmittelalterlicher Stadt, Köln/Wien 1984, S.215-243; Hemmerle, Peter: Das Kind im MA, Breslau 1915; Wilkinson, Louise J.: A Cultural History Of Childhood And Family In The Middle Ages, Oxford et al. 2010; Boesch, Hans: Kinderleben in der deutschen Vergangenheit, Düsseldorf/ Köln 1979; Elschenbroih, Donata: Kinder werden nicht geboren. Studien zur Entstehung der Kindheit, Frankfurt am Main 1977; Arnold, Friedrich Carl: Das Kind in der deutschen Literatur des XI.- XV. Jahrhunderts, Greifswald 1905; Dornes, Martin: Die frühe Kindheit. Entwicklungspsychologie der ersten Lebensjahre, Frankfurt am Main 1997; Erikson, Erik Homburger: Kindheit und Gesellschaft, Stuttgart 1999; Frenken, Ralph: Kindheit und Mystik, Frankfurt 2003.

[3] Arnold, Klaus: Mentalität und Erziehung, in: Graus, Frantisek (Hg.): Mentalitäten im Mittelalter. Methodische und inhaltliche Probleme, Sigmaringen 1987, S. 257-288; Winter, Matthias: Kindheit und Jugend im Mittelalter, Freiburg im Breisgau 1984; Schlotheuber, Eva: Kindheit und Erziehung im Spiegel der spätmittelalterlichen biographischen und autobiographischen Literatur, in: Meyer, Andreas / Heiser, Ines (Hg.): Aufblühen und Verwelken. Mediävistische Forschungen zu Kindheit und Alter, Leipzig 2009, S. 27-55; Meier, Andreas / Heiser, Ines: Aufblühen und Verwelken: mediävistische Forschungen zu Kindheit und Alter, Leipzig 2009.

[4] Angenendt, Arnold: Geschichte der Religiosität im Mittelalter, Darmstadt 1997; Angenendt, Arnold: Kaiserherrschaft und Königstaufe, Berlin 1984; Angenendt, Arnold: Taufe im Mittelalter, in: Seyderhelm, Bettina (Hg.): Tausend Jahre Taufen in Mitteldeutschland, Magdeburg 2006, S. 35-42; Beckmann, Jürgen: Art. 'Taufe', in: ²RGG 8 (1962), Sp. 63-65; Langenbahn, S. K.: Art. 'Taufe, Taufritus', in: Lexikon des Mittelalters 8 (1997), Sp. 498-500; Löhmer, Cornelia: Die Welt der Kinder im fünfzehnten Jahrhundert, Weinheim 1989; Poscharsky, Peter: Der Ort der Taufe, in: Seyderhelm, Bettina (Hg.): Tausend Jahre Taufen in Mitteldeutschland, Magdeburg 2006, S. 21-27; Probst, Manfred: Art. 'Taufe, Liturgiegeschichtlich und liturgisch', in: ³LThK 9 (2000), Sp. 1289-1291; Scheffczyk, Leo: Art. ' Taufe, Christliche und heterodoxe Lehre', in: Lexikon des Mittelalters 8 (1997), Sp. 495-498; Wenz, Günter: Einführung in die evangelische Sakramentenlehre, 1988; Klaus, Arnold: Die Einstellung zum Kind im Mittelalter, in: Herrmann, Bernd (Hg.): Mensch und Umwelt im Mittelalter, Stuttgart 1987, S. 60ff.; Shulamith, Shahar: Die Kindheit im Mittelalter, Düsseldorf 1990; Barth, Gerhard: Die Taufe in frühchristlicher Zeit, Neukirchen-Vlyn 2002; Martin, Lothar: Brauchtum bei der Taufe, in: Zender, Matthias (Hg.): Atlas der deutschen Volkskunde, Neue Folge, Marburg 1959, S. 673-752; Jussen, Bernhard: Patenschaft und Adoption im frühen Mittelalter. Künstliche Verwandtschaft als soziale Praxis, Göttingen 1991; Simon, Michael: Taufe, Patenwahl, und Namensgebung, Münster 1989; Angenendt, Arnold: Der Taufritus im Frühen Mittelalter, in: Segni e riti nella Chiesa Altomedievale Occidentale, Spoleto 1987, S.278-321; Gantner, Theo: Geburt-Taufe-Kleinkind, Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Ausstellung, Basel 1969; Rolker, Christof: Patenschaft und Namengebung im späten Mittelalter, Konstanz [u.a] 2011; Jussen, Bernhard: Art. 'Patenschaft', in: Lexikon des Mittelalters 6 (1993), Sp. 1779-1780; Frenken, Ralph: Gefesselte Kinder. Geschichte und Psychologie des Wickelns, Badenweiler 2011; Taufbuch, Agende für die Evangelische Kirche der Union, Bd. 2, Berlin, Bielefeld 2000.

[5] Vgl. Angenendt, Arnold: Taufe im Mittelalter, in: Seyderhelm, Bettina (Hg.): Tausend Jahre Taufen in Mitteldeutschland, Magdeburg 2006, S. 35.

[6] Vgl. Beckmann, Jürgen: Art. 'Taufe', in: ²Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft 8 (1962), Sp. 63-65.

[7] Poscharsky, Peter: Der Ort der Taufe, in: Seyderhelm, Bettina (Hg.): Tausend Jahre Taufen in Mitteldeutschland, S. 21.

[8] Vgl. Angenendt, Arnold: Geschichte der Religiosität im Mittelalter, S. 463.

[9] Vgl. Beckmann: Art. 'Taufe', in: ²RGG 8 (1962), Sp. 59.

[10] Vgl. Frenken, Ralph: Gefesselte Kinder. Geschichte und Psychologie des Wickelns, S. 15.

[11] Vgl. Köpf, Ulrich: Art. 'Sakramente', in: ²Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft 7 (1962), Sp. 753.

[12] Vgl. Poscharsky: Der Ort der Taufe, S. 21.

[13] Vgl. Shulamith, Shahar: Die Kindheit im Mittelalter, S. 58.

[14] Vgl. Yarnold, Edward J.: Art. 'Taufe', in: Theologische Realenzyklopädie 32 (1980), S. 687ff.

[15] Vgl. Boesch, Hans: Kinderleben in der deutschen Vergangenheit, S. 25.

[16] Vgl. Shulamith: Kindheit im MA, S. 59-60.

[17] Vgl. Shulamith: Kindheit im MA, S. 58-60.

[18] Shulamith: Kindheit im MA, S. 59-60.

[19] Ebd. S. 62-63.

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Details

Titel
Bedeutung und Besonderheiten der Taufe im Mittelalter
Autor
Jahr
2011
Seiten
12
Katalognummer
V351776
ISBN (eBook)
9783668407169
ISBN (Buch)
9783668407176
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, besonderheiten, taufe, mittelalter
Arbeit zitieren
Tülin Öneri (Autor:in), 2011, Bedeutung und Besonderheiten der Taufe im Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351776

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