I. Einführung
Mary Shelley′s Frankenstein zählt zur Gattung der Schauerromane. Die Autorin selbst berichtet, das Originalkonzept stamme von einer Art Alptraum, den sie hatte, als sie sich zusammen mit Percy Bysshe Shelley, ihrem Mann, während eines regnerischen Sommers im Kreise Lord Byrons aufhielt. Die Haupthandlung der ghost story ist eingebettet in die Geschichte des Polarforschers Robert Walton, der in Form von Briefen an seine Schwester Margaret über seine Erlebnisse bei seiner Expedition erzählt und von seinem Zusammentreffen mit Victor Frankenstein. Dieser vertraut ihm seine Lebensgeschichte an. Mary Shelley läßt den Protagonisten, Victor Frankenstein, die Haupthandlung des Romans selbst erzählen. Diese soll nun in groben Zügen dargestellt werden:
Frankenstein, ein Student der Naturphilosophie an der Universität in Genf, versucht das Geheimnis des Lebens herauszufinden und entdeckt ein Elixier, das Tote reanimieren kann. Es gelingt ihm, ein menschenähnliches Wesen zu schaffen, das er anhand von Knochen aus Gebeinshäusern zusammenstellt und zum Leben erweckt. Doch sein Frevel sollte sich auf schreckliche Art und Weise an ihm und den Menschen rächen. Das Geschöpf, das von seiner Umgebung wegen seiner furchterregenden äußeren Erscheinung nur Abscheu und Ablehnung erfährt, entwickelt sich allmählich zu einem mordenden Monster, weil seine Sehnsucht nach Liebe und Gesellschaft unerfüllt blieb. Aus Mitleid und Angst entscheidet sich Frankenstein, seiner Kreatur ein weibliches Pendant zu schaffen, verwirft seinen Plan allerdings, um eine Vermehrung der Monster zu unterbinden. So macht sich das Monster daran, Frankenstein schrittweise ins Verderben zu stürzen. Es tötet Frankensteins Bruder, seinen besten Freund und seine Frau. Aus blankem Haß verfolgt Frankenstein das Monster durch verschiedene Länder, um es umzubringen. Im späteren Verlauf der Geschichte gelangt Frankenstein in die Arktis an Bord von Waltons Schiff. Es kommt zum Kampf zwischen ihm und dem Monster, den Frankenstein schließlich verliert. Das Monster erklärt Frankenstein zu seinem letzten Opfer und entschwindet um sein eigenes Leben zu beenden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einführung
II. Aufbau
1. Scene - summary - description
2. Plot
III. Zeit
1. Erzählzeit - erzählte Zeit
2. Einfluß der Zeit
IV. Raum
V. Perspektive
VI. Figuren
VII. Schlußgedanke
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit analysiert Mary Shelleys Roman "Frankenstein" unter formalen und inhaltlichen Aspekten, insbesondere im Hinblick auf Aufbau, Zeitstruktur, Raumgestaltung, Erzählperspektive und Charakterentwicklung, um die psychologische Tiefe und den philosophischen Kern des Werkes zu ergründen.
- Strukturelle Analyse der Romanarchitektur und des narrativen Aufbaus.
- Untersuchung des Verhältnisses von Erzählzeit und erzählter Zeit sowie zeitgeschichtlicher Einflüsse.
- Betrachtung der Bedeutung von Raum und Schauplätzen für die Atmosphäre des Schauerromans.
- Erzähltheoretische Einordnung der Ich-Perspektive von Victor Frankenstein.
- Psychologische Charakterisierung der Hauptfiguren und deren Entwicklung.
Auszug aus dem Buch
2. Plot
Am vorliegenden Roman läßt sich deutlich erkennen, daß es sich, vom innerlich formalen gesehen, um einen Plot handelt, genauer gesagt um einen punitive plot. Die einzelnen Elemente, wie Handlung, Figuren und ihre Gedanken, Hintergrund und Beweggründe, verschmelzen zu einem einheitlichen Ganzen. Sie hängen durch Kausalbeziehungen voneinander ab, motivieren somit den Fortgang der Geschichte und bewirken schließlich einen völligen Wandel bei der Hauptfigur, und daß der Leser stark emotional mit in die Geschichte verwickelt wird.
Der Protagonist, Victor Frankenstein, erscheint uns zwar anfangs als relativ sympathische Figur, wenn man von seinen Wertvorstellungen ausgeht, bzw. von seiner Einstellung zu seiner Familie: "Harmony was the soul of our companionship, and the diversity and contrast that subsisted in our characters drew us nearer together" (ebd., S.36)
... while during every hour of my infant life I received a lesson of patience, of charity, and of self-control, I was so guided by a silken cord that all seemed but one train of enjoyment to me." (ebd., S. 33)
Er läßt den Leser allerdings relativ schnell ins Zweifeln geraten, als er, getrieben von seiner Willensstärke, alles um sich herum vergißt und sich nur noch seinen Studien widmet. Daß er sich mit seiner Forschung bis an, für unsereins, moralische Grenzen wagt, als er sich anmaßt, ein Wesen zum Leben zu erwecken, läßt uns noch mehr an ihm zweifeln. Sein Ziel wirkt für den Leser sogar abschreckend. Wir scheinen auf einen “Schurken” getroffen zu sein, der gleichzeitig auch der Held des Romans ist.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einführung: Der Abschnitt führt in die Gattung des Schauerromans ein und skizziert die Entstehungsgeschichte sowie die Rahmenhandlung des Werkes um Robert Walton und Victor Frankenstein.
II. Aufbau: Dieses Kapitel erläutert die narrative Struktur des Romans, unterteilt in die Abfolge von Szenen, Zusammenfassungen und Beschreibungen sowie den kausalen Zusammenhang des "punitive plot".
III. Zeit: Die Analyse konzentriert sich hier auf das Verhältnis von Erzählzeit und erzählter Zeit sowie den Einfluss des historischen Zeitgeistes auf die Intentionen der Autorin.
IV. Raum: Es wird die Bedeutung der Schauplätze im Schauerroman und die Wirkung der "sublime landscape" auf die Stimmung und Glaubwürdigkeit des Romans untersucht.
V. Perspektive: Das Kapitel widmet sich der Erzählsituation, insbesondere der Rolle von Victor Frankenstein als quasi autobiographischem Ich-Erzähler und den theoretischen Einordnungen nach Stanzel und Booth.
VI. Figuren: Hier werden die Haupt- und Nebencharaktere analysiert, wobei besonders die psychologische Verknüpfung zwischen Frankenstein, dem Monster und Robert Walton herausgearbeitet wird.
VII. Schlußgedanke: Die Autorin resümiert die Aktualität des Werkes und zieht Parallelen zwischen Frankensteins ethischem Hochmut und modernen Problemen wie der Gentechnik.
Schlüsselwörter
Mary Shelley, Frankenstein, Schauerroman, Erzähltheorie, Ich-Erzähler, Charakteranalyse, Gothic Novel, punitive plot, Romantik, Gentechnik, Literaturwissenschaft, Victor Frankenstein, narrative Struktur, Zeitgestaltung, Psychologie der Figur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Roman "Frankenstein" von Mary Shelley unter literaturwissenschaftlichen Gesichtspunkten, um die formale Struktur, die Erzähltechnik und die psychologische Tiefe der Hauptcharaktere zu beleuchten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Analyse konzentriert sich auf den Aufbau des Romans, das Zeitverständnis, die Raumgestaltung, die eingesetzte Erzählperspektive sowie eine detaillierte Charakterisierung der agierenden Figuren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Mary Shelley durch die gezielte Konstruktion von Handlungsabläufen, Perspektivwechseln und atmosphärischer Raumgestaltung den Leser emotional involviert und die ethischen Fragestellungen des Romans unterstreicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt erzähltheoretische Ansätze (u.a. von Stanzel, Booth und Genette), um die Funktionen der Ich-Erzählsituation und die Charakterisierung der Figuren wissenschaftlich fundiert einzuordnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der erzählerischen Mittel (Aufbau, Zeit, Raum, Perspektive) und eine tiefgehende psychologische Analyse der Figurenbeziehungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Schauerroman, Ich-Erzähler, punitive plot, erzähltheoretische Perspektive, Charakterentwicklung und der ethische Konflikt des frevelnden Forschers.
Warum wird Frankenstein als "punitive plot" bezeichnet?
Der Begriff beschreibt die kausale Verknüpfung der Handlung, in der die Taten des Protagonisten zwangsläufig zu seinem eigenen Untergang führen, was den moralischen Wandel und das Mitleid des Lesers erzwingt.
Inwiefern ist die Wahl der Ich-Perspektive für den Roman wichtig?
Die Ich-Perspektive erzeugt eine Innenansicht der Ereignisse, die den Leser unmittelbar an Frankensteins Entwicklung, seinem Wagemut und seiner späteren Reue teilhaben lässt, auch wenn die Wissensbeschränkungen des Erzählers beachtet werden müssen.
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- Yvonne Fischer (Author), 1998, Zu: Mary Shelley's Frankenstein, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3519