Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die möglichen Schwächen von Rating-Agenturen zu analysieren und sie mit den durchgeführten Regulierungen im europäischen Raum in Verbindung zu setzen, sodass ein kritisches Urteil über die Wirksamkeit dieser Reformen ableitbar ist.
Meine Arbeit ist in drei große Bereiche gegliedert: Der erste Bereich umfasst die Kapitel zwei bis vier und gibt einen kurzen Einblick darüber, welche Ziele ein Rating verfolgt, welche Arbeit die Agenturen leisten und warum sie heute eine so wichtige Rolle auf den Finanzmärkten spielen. Hierbei gehe ich gesondert auf die besondere Marktstruktur der Rating-Agenturen ein, wobei deutlich wird, dass das gesamte Rating-Geschäft weltweit über lediglich drei Agenturen abgewickelt wird.
Der zweite Bereich bildet den Kern dieser Arbeit und umfasst das Kapitel fünf, das die Probleme und das Versagen von Ratings und der dahinter stehenden Agenturen untersucht.
Der dritte Bereich, das sechste Kapitel, nimmt die Regulierungen vor und nach der Finanzkrise in den Blick, wobei nur die europäischen Märkte betrachtet werden. Hier spielt die Ratingverordnung im Jahre 2009 die zentrale Rolle, die nach immer lauterer Kritik an den kaum regulierten Rating-Agenturen schließlich durchgesetzt wurde.
Abschließend ziehe ich im letzten Kapitel ein Fazit, indem ich kritisch untersuche, in welchem Umfang die Reformen der EU das mögliche Versagen der Agenturen eindämmen und ob die Hauptprobleme mit ihnen gelöst wurden.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
2. Definition von Rating
2.1. Analyseziel und Rating- Klassifikation
2.2. Rating-Verfahren
3. Struktur des Ratingmarktes
4. Funktionen und Bedeutung
4.1. Für Emittenten und Investoren
4.2. Regulatorische Funktionen
5. Fehler und Probleme von Rating-Agenturen
5.1. Interessenkonflikte
5.1.1. Issuer-pay-Bezahlmodell
5.1.2. Beratungsfunktion
5.1.3. Rating Shopping
5.2. Fehlprognosen
5.3. Relevanz und Spillover-Effekte
6. Regulierungen im europäischen Raum
6.1. Regulierungen vor der Finanzkrise
6.2. Die Finanzkrise
6.3. Ratingverordnung 2009
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die strukturellen Schwächen sowie das Versagen von Rating-Agenturen, insbesondere im Kontext der Finanzkrise 2007, und bewertet die Wirksamkeit der von der EU eingeführten Regulierungsmaßnahmen.
- Marktstruktur und Dominanz der großen Rating-Agenturen (Triopol).
- Interessenkonflikte durch das "Issuer-pay"-Bezahlmodell und Beratungsfunktionen.
- Die Rolle von Rating-Agenturen als Mitverursacher der Finanzkrise und ihre Fehlprognosen.
- Analyse der europäischen Ratingverordnung von 2009 als Gegensteuerungsmaßnahme.
Auszug aus dem Buch
5.1.1. Issuer-pay-Bezahlmodell
Rating-Agenturen werden häufiger mit dem Begriff des Interessenkonflikts in Verbindung gebracht. Interessenkonflikte gehören grundsätzlich zu den Charakteristiken von Finanzintermediären. Das Issuer-pay-Bezahlmodell, das annähernd von allen großen Agenturen benutzt wird, trägt eine Ambivalenz in sich. Agenturen werden hierbei vom bewerteten Emittenten, Unternehmen, Staaten etc. bezahlt, um ein Bonitätsurteil zu erhalten. Sie sind demnach direkt für den Erfolg der privaten und gewinnorientierten Agenturen verantwortlich.
Die Rating Agentur Moody’s gehört zudem zur börsennotierten Moody’s Corporation und muss durch Gewinnmaximierung ihre Anteilseigner zufrieden stellen. Agenturen sind also wirtschaftlich von ihren Aufträgen abhängig. Somit stehen sie unter dem Reiz, positive Bewertungen zu vergeben, um Folgeaufträge zu erhalten oder einen Mandantenentzug zu verhindern. Hier begrenzt allerdings die Reputation, die auf den Märkten als Eintrittsbarriere fungiert, dieses Problem. Ein Gefälligkeitsrating auf kosten dieser Reputation ist in Verbindung mit der Anzahl der jährlich erstellten Ratings nicht sinnvoll. In der Abbildung 4 sehen wir die genaue Menge an Ratings, die einer der marktführenden Agenturen jährlich erstellt. Demnach haben einzelne Emittenten, einen ziemlich kleinen Einfluss auf den Gesamtumsatz des Unternehmens, sodass die Agenturen, zumindest die drei großen, nicht direkt von einem einzelnen Emittenten abhängig sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Einführung in die Bedeutung von Rating-Agenturen für moderne Finanzmärkte und die daraus resultierende Kritik an deren Prognosefähigkeit.
2. Definition von Rating: Erläuterung der methodischen Grundlagen, Klassifikationsarten und der Verfahrensweisen bei der Bonitätsbeurteilung.
3. Struktur des Ratingmarktes: Analyse der Marktdominanz der großen Agenturen (Triopol) und der damit verbundenen Eintrittsbarrieren.
4. Funktionen und Bedeutung: Darstellung der regulatorischen und informationalen Rolle von Ratings für Emittenten, Investoren und Kreditinstitute.
5. Fehler und Probleme von Rating-Agenturen: Detaillierte Untersuchung von Interessenkonflikten, Beratungsfehlern, dem Rating Shopping und systemischen Fehlprognosen.
6. Regulierungen im europäischen Raum: Aufarbeitung der Entwicklung von der Selbstregulierung hin zur verbindlichen Ratingverordnung 2009 nach der Finanzkrise.
7. Fazit: Kritische Würdigung der Wirksamkeit EU-weiter Reformen bezüglich der Problematik der Marktmacht und Fehlbarkeit der Rating-Agenturen.
Schlüsselwörter
Rating-Agenturen, Finanzkrise, Bonitätsbeurteilung, Interessenkonflikte, Issuer-pay-Modell, Rating Shopping, Finanzmärkte, Regulierung, Ratingverordnung 2009, Investment Grade, Systemrisiko, Transparenz, Basel II, Basel III, Kreditwürdigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle, der Marktmacht und der Fehlbarkeit von Rating-Agenturen sowie deren Verantwortung im Kontext von Finanzkrisen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen gehören die Marktstruktur (Triopol), die Anreizsysteme der Agenturen (Interessenkonflikte) und die staatliche Regulierung innerhalb der EU.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist die Analyse der Schwächen von Rating-Agenturen und die Untersuchung der Frage, inwiefern die europäischen Regulierungen geeignet sind, diese Schwächen effektiv zu beheben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine fundierte Literatur- und Dokumentenanalyse durchgeführt, um theoretische Konzepte mit empirischen Marktdaten und regulatorischen Rahmenbedingungen zu verknüpfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Funktionsweise von Ratings, die Analyse der Interessenkonflikte (insb. Issuer-pay-Modell) und die Entwicklung der EU-Regulierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Rating-Agenturen, Finanzkrise, Interessenkonflikte, Ratingverordnung und Bonitätsbeurteilung.
Was bedeutet das "Issuer-pay-Bezahlmodell" für die Neutralität der Ratings?
Da die Agenturen direkt von den zu bewertenden Emittenten bezahlt werden, entsteht ein struktureller Interessenkonflikt, der den Anreiz für zu optimistische Ratings oder Gefälligkeitsurteile erhöhen kann.
Welche Rolle spielen Rating-Agenturen bei der Eigenkapitalunterlegung nach Basel II/III?
Ratings bestimmen maßgeblich die Risikogewichtung von Krediten, was wiederum entscheidet, wie viel Eigenkapital Kreditinstitute hinterlegen müssen.
Warum wird im Fazit von einem "Spillover-Effekt" gesprochen?
Der Begriff beschreibt das Phänomen, dass eine Herabstufung der Bonität eines Staates durch Rating-Agenturen automatisch negative Auswirkungen auf die Bonitätsbewertungen und Kapitalkosten der Unternehmen in diesem Land hat.
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- Serhat Kutlu (Author), 2015, Bewertung durch Rating-Agenturen. Potentielle Probleme und die Regulierung im europäischen Raum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352013